Prolog | The Girl He Sent Away - Violetta

Er sitzt vor mir.
Mein Vater.
Ein paar Schritte von meinem Bett entfernt, auf dessen Kante ich sitze.
In seinem dunklen Anzug hat er sich auf einem der dunkelbraunen Stühle niedergelassen.
Sein Blick ist eiskalt auf mich gerichtet.
Ich frage mich, warum er mich ohne ersichtlichen Grund so emotionslos ansieht.
Normalerweise zeigt er mir gegenüber mindestens einen Funken väterlicher Fürsorge.
Doch jetzt ist nichts davon in seinen smaragdgrünen Augen, die meinen gleichen, ersichtlich.
Etwas ist nicht in Ordnung. Das spüre ich sehr deutlich.
In ihm hat sich etwas gedreht. Ein Schalter wurde umgelegt.
Er schließt seine Augen für einen kurzen Moment.
Als er sie wieder öffnet, hat sich das Grün seiner Augen mit einzelnen Brauntönen vermischt. Ein Zeichen, dass er eine Entscheidung getroffen hat, die alles verändern wird.
»Vater?«, durchbreche ich die Stille. »Was ist los? Hast du einen Fehler begangen?«
Eine Antwort darauf bekomme ich nicht.
Stattdessen finden andere Worte den Weg aus seinem Mund.
Und sie treffen mich bis ins Mark.
»Ich schicke dich nach England, Violetta.«
Matteo atmet durch, während ich die Worte verarbeite.
Er will mich abschieben.
Mein Mund öffnet sich. Im ersten Moment verlässt allerdings kein Ton meine Lippen.
Völlig perplex blicke ich ihn an.
»Du … Du hast gesagt, du würdest dafür sorgen, dass ich in Palermo bleiben kann. Jetzt schickst du mich weg? In ein anderes Land? Weit weg von hier?«
Das ist der Moment, in dem mein Vater sich erhebt und einen Schritt näher kommt.
Von oben landet sein Blick auf meinem angehobenen Gesicht.
»Es ist zu deiner eigenen Sicherheit. Das Ravenscroft College ist, mit Ausnahme, die renommierteste Schule, in der ich dich unterbringen kann. Niemand wird dich dort vermuten. Es ist der beste Schutz für dich, Violetta.«
Meine Augenlider flattern. Irgendetwas stimmt hier ganz und gar nicht. Das verdeutlicht sich immer mehr. Mein Vater würde mich nicht ohne Weiteres aus dem Land schicken.
Leise, fast flüsternd, frage ich ihn: »Sicherheit? Seit wann bin ich hier nicht mehr sicher? Vater, was ist passiert? Und was ist mit Livia und Mutter?«
Sollte er mich zu meiner eigenen Sicherheit nach England schicken, müsste doch auch meine ein Jahr jüngere Schwester fortgeschickt werden.
»Livia erwartet ein anderes Schicksal«, gibt er zu verstehen, wobei die Wärme bei der Erwähnung von Livia in seine Stimme zurückkehrt.
»Sie bleibt also hier.«
Meine Hände greifen den Stoff des Rocks über meinen Knien und packen fest zu.
Mein Kopf senkt sich. Dabei kneife ich meine Augen zusammen.
»Ihr wird es gut gehen. Du brauchst dir um deine Schwester keine Sorgen zu machen.«
»Warum kann sie dann nicht mitkommen? Warum schickst du alleine mich fort?«
Ruhig bin ich schon lange nicht mehr. Meine Atmung hat sich schon längst beschleunigt.
»Violetta«, beginnt mein Vater. Sein Ton ist wieder eiskalt, als hätte es den kleinen Moment vor wenigen Sekunden gar nicht gegeben. »Livia ist zu jung für Ravenscroft. Sie nehmen niemanden unter vierzehn Jahren auf.«
Einen weiteren Schritt tritt er auf mich zu.
»Sollte es in einem Jahr noch notwendig sein, wird sie ebenfalls nach England geschickt.«
Ein kaum sichtbares Lächeln versucht sich auf meinem Gesicht zu bilden, wird aber sofort im Keim erstickt.
»Allerdings hoffe ich, dass sich bis dahin alle Fronten geglättet haben und es nicht mehr nötig sein wird.«
Verwirrt ziehen sich meine Augenbrauen zusammen.
»Was hat das zu bedeuten? Bist du in Schwierigkeiten, Vater?«
Sanft packt Matteo eine meiner Schultern.
»Es ist nichts, das sich nicht regeln lässt. Das Wichtigste für mich ist, dass du in Sicherheit bist. Das bist du auf der neuen Schule, vertrau mir.«
Meine Hände lockern sich auf meinem Schoß.
Ich muss meinem Vater vertrauen. Er wird seine Gründe haben. Auch wenn es alles andere als leicht für mich ist.
»Du verlangst von mir, meine Familie zu verlassen. Meine Freunde nicht mehr zu sehen. Mein Leben umzukrempeln.«
»Im Gegenzug bekommst du die beste schulische Ausbildung in ganz Europa. In spätestens fünf Jahren wirst du dankbar dafür sein. Dir werden alle möglichen Türen offen stehen. Und dein zukünftiger Ehemann wird dich mit dem Respekt behandeln, den du verdienst. Glaube mir, eine gestandene Frau, die Wissen besitzt, ist tausendmal attraktiver als jemand, die alles hinnimmt und nichts hinterfragt.«
Ich schüttele verächtlich den Kopf.
»Als wenn das einen Unterschied macht. Ich muss mich dem Mann, den du mir aussuchst, eh unterordnen. Was bringt es mir, da intelligent zu sein?«
Mein Gesicht ist nicht weiter auf das meines Vaters gerichtet, sondern gegen die kahle Wand zu meiner Rechten gerichtet, direkt neben der Zimmertür.
»Sieh mich an, Violetta!«, befiehlt er mir bestimmt.
Schnell wende ich meinen Kopf und richte ihn nach oben, um ihm direkt ins Gesicht zu blicken.
»Du hast Recht. Ich werde dir deinen zukünftigen Ehemann aussuchen. Aber das heißt nicht, dass ich nicht akribisch darauf achten werde, dass er auch zu dir passt.«
»Ach, komm, hör auf! Es geht dabei nicht um meine Gefühle. Das weißt du selbst. Das entscheidest nicht einmal du alleine.«
Mein Blick bleibt weiterhin mit Wut durchzogen.
Allerdings erhebe ich mich von der Bettkante und schreite zu meinem Kleiderschrank. Neben dem Schrank steht bereits ein Koffer bereit, den ich mir greife.
»V.«
Ruckartig wende ich mich meinem Vater wieder zu.
Seine Stimme ist weicher geworden. Er klingt wieder nach dem Mann, dessen Fürsorge ich kenne.
Die Stimme, die mir vertraut ist.
»Das Gespräch sollten wir jetzt nicht führen. Dafür ist es viel zu früh. Es wird erst in einigen Jahren relevant sein. Deine schulische Ausbildung steht an erster Stelle.«
Für eine ganze Weile starrt er mich an, während ich den Koffer öffne und ihn auf das Bett schmeiße.
Als ich mein Gesicht vom Koffer abwende und Matteo zuwende, rührt er sich erst jetzt von der Stelle und geht Richtung Tür.
»In Ravenscroft bist du sicher. Mehr brauche ich nicht zu wissen. Ich könnte es mir nie verzeihen, sollte meiner Prinzessin etwas passieren.«
Dann verschwindet er aus dem Raum und schließt die Tür hinter sich.
Das klang alles andere als zuversichtlich.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass er die ganze Familie in die Scheiße geritten hat und jetzt alles versucht, jeden einzelnen von uns auf seine Weise zu schützen.
Zeit, um das herauszufinden, habe ich allerdings nicht. Nicht in den wenigen Stunden, die mir noch bleiben, bevor ich zum Flughafen gefahren werde.
Hallo, ihr Lieben. ❤️
Was sagt ihr zum "The KING Who SAVED Me" Auftakt?
Lasst es mich gerne in den Kommentaren wissen. Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen.
Über einen Like – ein ❤️ – für die Story und eure Reaktionen (Emojis unter dem Kapitel ⬇️) freue ich mich ebenfalls sehr.
Liebe Grüße
Grazia B. Valenti








![[Moving to Galatea] What We Never Healed](https://cdn-gcs.inkitt.com/vertical_storycovers/ipad_b00b828931c645f2eccdf3396cb15498.jpg)
Ein interessanter Einstieg der Neugierig macht, wie es weiter geht. Warum muss Violetta in Sicherheit gebracht werden? Was ist passiert? Und der Name der Schule klingt nicht so als würde sie dort herzlich empfangen werden.
Macht auf jeden Fall neugierig, bin gespannt wie es weitergeht ✨
Toller Einstieg in die Geschichte! Man erfährt, warum Violetta in England auf eine Schule gehen muss. Auch ihre Verzweiflung spürt man, dass sie machtlos ist und bleiben wird, nicht nur jetzt, sondern auch in der Zukunft.