Kapitel 1
Wie jede Ferien bin Ich bei meiner sehr strengen Tante zu Besuch. Was mich am meisten in ihrem Haus fasziniert, ist ihre große Bibliothek, in der ich Stunden verbringen könnte. Tante Nathalie ist steinreich, ihre größte Leidenschaft sind Bücher. Ich sehe zwar nicht so aus, aber ich liebe Bücher vor allem Fantasy. Als ich klein war, habe ich mir immer vorgestellt in einer Welt voller Magie zu leben. Ach übrigens, ich bin Vaelion, ein mittelgroßer 16- jähriger Junge mit braunen, lockigen Haaren, und braunen Augen. Wie immer sitze ich an meinem Lieblingsplatz (die Fensterbank in der Bibliothek) und bin ganz in ein Buch vertieft, als ich plötzlich ein Leuchten aus einer kleinen Tür in der Wand bemerke. ,,Was kann das nur sein?”, frage ich mich selbst, leise. Bevor ich mir die Tür näher ansehen kann, werde ich plötzlichaus meinen Gedanken gerissen. ,, Vaelion, die Herrin bittet dich zum Tee.” Das ist das Kindermädchen. Tante Nathalie denkt immer noch, dass ich ein Kindermädchen brauche. Wie alt bin ich, fünf? ,,Äh, ja, sag ihr, dass ich gleich komme.”, erwidere ich. Bevor ich zu Tante Nathalie in den Salon gehe, schaue ich nochmal zur kleinen Tür, die allerdings nicht mehr da ist. Ich könnte schwören, dass da vorher noch eine Tür in der Wand war. Als ich in den Salon komme, sehe ich meine Mutter und Nathalie wie sie zusammensitzen und Tee trinken. ,,Ah, da ist ja mein Lieblingsneffe. Wo hast du dich nur die ganze Zeit versteckt?”,fragt mich Tante Nathalie. Schon allein bei ihrem strengen Blick bekomme ich eine Gänsehaut. Ich schaue kurz zu meiner Mutter, Bevor ich antworte:,, Ich... Ähh... War in der Bibliothek.” Zur Demonstration halte ich ein Buch über Märchen hoch. Plötzlich verändert sich Tante Nathalies Gesichtsausdruck. ,,Bist du verrückt!? Das ist eine Originalausgabe. Leg das sofort wieder weg!” Und damit ist sie wieder die strenge Tante, die ihre Bücher mehr liebt als ihre eigene Familie. Erschrocken lege ich das Buch schnell auf eine Kommode. ,,Wow, Nathalie, wenn ich so mit Vaelion rede, funktioniert das nie.”, bewundert meine Mutter sie. Nach dem Tee trinken erziehe ich mich ins Gästezimmer, mein Schlafzimmer bei Tante Nathalie. Ich seufze, als ich auf mein Handy schaue. Keine neue Nachricht von Laura. Seit ich mit ihr Schluss gemacht habe, hat sie sich nicht mehr bei mir gemeldet. Ich rufe meinen besten Freund Jakob an. Seine Eltern sind reich, weshalb er in den Ferien immer wegfliegt. Dieses Jahr ist er in Ägypten.,,Ey, was geht?”, begrüßt mich Jakob. ,,Gut, ich habe nur eben mal wieder Anschiss von meiner Tante bekommen. Wie läuft’s bei dir? Ist’s spaßig in Ägypten?”, frage ich ihn interessiert. ,,Ne, nicht ohne dich. Vermisse dich, Bruder. Aber was soll’s. Nächstes Mal darfst du safe mitkommen. Wie läuft’s mit Laura? Hat sie sich seit letztem Mal gemeldet?” ,,Ich vermisse dich auch. Und nein, keine neue Nachricht von Laura.“ Am anderen Ende der Leitung höre ich Jakob lachen. ,,Vielleicht krabbelt eine der Prinzessinnen aus deinen Märchenbüchern...?” Ich verdrehe genervt die Augen. ,,Haha, sehr witzig. Aber ey, muss dir noch erzählen was heute passiert ist.” Nach dem ich Jakob das mit der kleinen Tür in der Wand der Bibliothek erzählt habe, bleibt es für ein paar Momente still. ,,Und... Und du bist sicher, dass du dir die Tür nicht eingebildet hast? Ich meine, eine Tür kann nicht einfach so auftauchen und dann plötzlich verschwinden...”,, Jakob, ich schwöre, die Tür war da. Hätte mich das Kindermädchen nicht unterbrochen dann-” ,,Warte, warte, du hast noch ein Kindermädchen? Bist du nicht ein bisschen zu alt dafür?”, unterbricht mich Jakob. ,,Ja, klar bin ich zu alt, ich bin 16. Aber für meine Tante bin ich immer noch 5. Naja, egal. Was ich eigentlich sagen wollte: Hätte mich das Kindermädchen nicht unterbrochen, hätte ich versucht durch die Tür zu kommen. An der Tür gibt es keinen Griff, nur ein Schlüsselloch. Ich muss unbedingt den Schlüssel zu dieserTür finden...”, denke ich nach. Für mich hat diese Tür etwas anziehendes und erschreckendes zugleich. Die Stunden vergehen und ich merke nicht wie es langsam dunkel wird. Als ich zu Ende mit Jakob telefoniert habe, schaue ich seufzend auf meinen Bildschirm. Der Hintergrund ist ein Bild von Laura.
Am nächsten Tag gehe ich erneut in dieBibliothek zum lesen. Die Sonne strahlt heiß durch die Fenster, da hilft auch kein geöffnetes Fenster. Ich greife mir ein Buch aus einem der Regale und lasse mich mit einem Eis auf die Fensterbank nieder. Während ich vertieft das Buch lese, merke ich nicht wie das Eis schmilzt und ein Tropfen auf die Buchseite tropft. Genervt wische ich den Tropfen weg, was es nur schlimmer macht. So schnell kann einem die Lust am lesen vergehen. Als ich das Buch weglege, schaue ich mich in der Bibliothek um. Und da ist sie wieder, die kleine Tür, die mich an Coraline erinnert. Bevor ich aufstehe, schaue ich zur Zimmertür. Diesmal darf mich keiner stören. Ich stehe auf und gehe langsam auf die kleine Tür zu. Mit einer Haarnadel, die ich aufeinem kleinen Tisch gefunden habe, schaffe ich es die Tür zu öffnen. “Was zum Teufel...?”








