Düstere Vergangenheit
Die Sonne schien heute besonders hell. Ich schaute aus dem Fenster. Es war schon Morgen, und ich hörte in der Küche, wie der Ofen angeheizt wurde.
Ich rannte in die Küche. Dort sah ich meine Mutter.„Guten Morgen, meine kleine Blume“, begrüßte sie mich.
Ich schaute auf den Herd. Sie machte meine Lieblingspfannkuchen. „Für das Geburtstagskind die besten Pfannkuchen“, grinste meine Mutter.
Ich freute mich sehr und setzte mich an den Tisch. Der herrliche Geruch von Zimt und Honig lag in der Luft. Ungeduldig wartete ich und schaute auf meinen leeren Teller.
Plötzlich tätschelte mir jemand den Kopf.„Ungeduldig wie immer!“, lachte eine mir nur allzu bekannte Stimme.
Ich drehte mich um und erblickte meinen Bruder Ares.
Ich grinste ihn frech an.„ Diesmal klaust du mir meine Pfannkuchen nicht!“Daraufhin musste er lachen.
„Niemals. Sonst kaust du mir noch meine Finger ab.“Ich liebte meinen Bruder sehr. Auch wenn er mich oft ärgerte, beschützte er mich jederzeit.
Als mich damals die Kinder aus der Nachbarschaft geärgert hatten, hatte mein Bruder ihnen ordentlich den Marsch geblasen. Seitdem hatten sie sich nie wieder getraut, auch nur Anstalten zu machen, mich zu ärgern, geschweige denn mir einen falschen Blick zuzuwerfen.
Meine Mutter servierte mir meine Pfannkuchen. Ich verschlang jeden einzelnen mit großem Genuss.„Ich liebe deine Pfannkuchen. Sie sind die besten! Ich könnte sie jeden Tag essen!“, sagte ich.Meine Mutter war so lieb. Jeden Tag gab sie sich so viel Mühe. Ich sollte ihr auch einmal etwas Gutes tun. Hinter dem Dorf lag eine große Wiese mit wunderschönen Blumen. Ich sollte hingehen und ihr ein paar pflücken.Ich lief in mein Zimmer und zog mich um. Als ich gerade aus der Tür stürmen wollte, hielt mich meine Mutter auf.„Halt, warte, du kleiner Wirbelsturm. Komm bitte spätestens um drei Uhr wieder. Wir haben eine kleine Überraschung für dich.“Ich nickte.„Versprochen!“Ich lief aus dem Haus und bis ans Ende der Stadt. Dort traf ich einen alten Mann, der seine Zeitungen verkaufte.„Guten Morgen, Pandora. Ist heute nicht dein Geburtstag?“, fragte der alte Mann.
Ich nickte.Der Mann holte etwas aus seiner Tasche. Es war ein Schokoriegel.„Hier, für dich. Alles Gute, kleine Pandora. Du wirst jedes Mal größer, wenn ich dich sehe!“Ich lachte und bedankte mich bei ihm.
Ich wusste, dass ich die Stadt nicht verlassen sollte. Mutter hatte es mir immer verboten, weil es außerhalb der Stadt viele wilde Tiere gab. Aber es war für einen guten Zweck.
Ich verließ die Stadt und fand die wunderschöne Wiese.So viele Blumen … ich bestaunte sie. Rosen, Tulpen, Narzissen und noch viele mehr. Sie dufteten wunderschön.Am besten pflückte ich von jeder Sorte eine.
Zwei Stunden vergingen. Das sollte reichen! Ich sollte schnell zurückkehren, sonst machte sich Mutter Sorgen.Ich kehrte um. Doch bevor ich auch nur die Stadt erreichen konnte, bemerkte ich, wie plötzlich etwas vom Himmel fiel.
Ist das Schnee?Ich schaute genauer.
Nein … das war kein Schnee.
Er war pechschwarz.
Asche fiel vom Himmel.
Plötzlich hörte ich einen lauten Knall.Vor Schreck ließ ich die Blumen fallen.
Ich lief Richtung Stadt.
Als ich ankam, sah ich, dass alles in Flammen stand.Was ist passiert?
Plötzlich griff mich etwas am Fußgelenk. Erschrocken schaute ich hin.
Es war der alte Mann.„Lauf! Hier ist es nicht sicher!“Er war über und über mit Blut bedeckt.Mir liefen die Tränen über das Gesicht.„Alter Mann, lassen Sie mich Ihnen helfen. Stehen Sie bitte auf!“Ich versuchte, ihm aufzuhelfen, doch er schüttelte den Kopf.„Für mich ist es zu spät. Aber du kannst es noch schaffen!“Ich schüttelte den Kopf.
Ich konnte den alten Mann doch nicht einfach allein lassen.Gerade als ich ihn packen wollte, fielen plötzlich ein Haufen Trümmer zwischen uns.
Ich konnte den alten Mann nicht mehr sehen.„Hey! Sind Sie noch da?“, rief ich verzweifelt.Ich erhielt keine Antwort.Ich versuchte, die Trümmer Stück für Stück wegzuräumen, aber keine Chance.
Verzweiflung stieg in mir auf.
Ich rief um Hilfe, doch niemand kam.
Ich musste loslaufen und Hilfe suchen.Ich rannte los, doch was ich sah, war erschreckend …Überall lagen tote Menschen. Die Leute, die mich einst liebevoll begrüßt hatten, lagen nun leblos vor meinen Füßen. Ich hielt den Atem an.
Ich schaute mich um und sah in der Ferne schwarz gekleidete, maskierte Personen.Sind sie daran schuld? Haben sie das getan?Meine Beine fühlten sich schwer an. Ich war wie gelähmt.Ich schüttelte den Kopf.Ich muss schnell zu Mutter und meinem Bruder! Bitte, lasst ihnen nichts passiert sein.
Ich lief los, so schnell ich nur konnte. Tränen liefen mir über das Gesicht, während ich versuchte, unbemerkt zu unserem Elternhaus zu gelangen.Schließlich kam ich an.Ich sah meine Mutter, wie sie auf dem Boden kniete und weinte.
Ich wollte gerade nach ihr rufen, als ich plötzlich einen Mann hinter ihr bemerkte. Er war wie die anderen schwarz gekleidet.Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken.Plötzlich zog der Mann ein Schwert.
Ich versuchte, nach meiner Mutter zu rufen, doch nichts …Ich brachte keinen einzigen Ton heraus.Vor meinen Augen wurde meine Mutter geköpft.Ich fiel auf die Knie und schrie so laut ich konnte.
Der Mann wurde auf mich aufmerksam und ging mit dem blutüberströmten Schwert auf mich zu.Es ist vorbei …Ich hatte meinem Tod bereits ins Auge geblickt.Ich schloss die Augen.Doch plötzlich spürte ich warme Tropfen auf meiner Stirn.Ich öffnete langsam die Augen.Vor mir stand mein Bruder.
Er hatte sich schützend vor mich gestellt.Ich musste weinen, als ich sah, wie das Schwert seinen Körper durchbohrte.„Ares …“, wimmerte ich.
Er lächelte mich an.„Mach dir keine Sorgen. Ich werde dich beschützen.“Er stieß den Mann von sich weg und zog das Schwert langsam aus seinem Körper.Dann packte er mich und nahm mich in seine Arme.
Er rannte los.
Etwas außerhalb der Stadt befand sich eine kleine Höhle.
Dort setzte er mich vorsichtig ab.„Hab keine Angst. Die Höhle ist mit Magie geschützt. Niemand wird dich hier sehen oder auch nur hineingelangen können“, sagte er.Ich schaute auf seine Verletzung.
Er blutete noch immer.„Bruder … was ist mit dir?“, schluchzte ich.„Hier ist nur Platz für eine Person. Außerdem muss ich den anderen Überlebenden helfen“, sagte er.
Ich weinte und flehte ihn an, mich nicht zu verlassen.„Pandora, versprich mir, bis morgen nicht aus der Höhle zu gehen. Egal, was du hörst oder siehst“, bat er mich.Ich schüttelte den Kopf.
Er sah mich streng an, und seine Stimme wurde tiefer.„Versprich es mir! Lebe!“Ich schluckte schwer und nickte.Ich sah zu, wie mein Bruder zurück in die Stadt lief.
Ich wartete auf seine Rückkehr.
Doch er kam nicht zurück.
Stunden vergingen.Nichts.
Es war längst dunkel geworden, doch von ihm war keine Spur zu sehen.
Ich überlegte, ob ich die Höhle verlassen und nach ihm suchen sollte.
Dann hielt ich inne und schüttelte den Kopf.
Nein …Ich hatte es ihm versprochen.Ich wartete weiter, bis ich schließlich erschöpft einschlief.
Als ich wieder aufwachte, war es bereits hell.Es war Morgen.Ich verließ vorsichtig die Höhle und schaute mich um.Doch niemand war da.
Langsam machte ich mich auf den Weg zurück zur Stadt.Alles war zerstört.
Überall lagen Trümmer und Blut.Ich bekam eine Gänsehaut.Keine Menschenseele war mehr zu sehen.
Nur die Leichen …Mir fiel das Atmen schwer.
Ich durchsuchte die ganze Stadt.Keine Spur der fremden Männer.Aber auch keine Spur meines Bruders.
Anscheinend hatten die Fremden die Stadt bereits verlassen.Als ich weiter durch die Straßen ging, fand ich schließlich meinen Bruder …Doch er war nicht mehr am Leben.
Vor Schock versagten mir die Beine, und ich sank zu Boden.„ARES!“, schrie ich unter Tränen.
Wie konntest du mich nur allein lassen?Ich weinte bitterlich.
Alle sind tot.Alle, die ich kannte und geliebt habe.Der alte Mann …Die Dorfbewohner …Mutter …Bruder …Warum lebe ich noch?
Ich hätte mit euch sterben sollen.
Ich saß eine Stunde lang regungslos auf dem Boden, bis keine Tränen mehr übrig waren.Neben mir lag ein Glassplitter.
Mit leerem Blick starrte ich ihn an.Sollte ich meiner Mutter und meinem Bruder folgen?Ich wusste, dass ich meinem Bruder versprochen hatte zu leben.
Aber was war das für ein Leben, wenn ich niemanden mehr hatte?Ich hob den Glassplitter auf.
Ich überlegte, mir das Leben zu nehmen.Ich hatte keine Angst mehr vor dem Tod.Ich fühlte nichts außer einem tiefen Schmerz in meiner Brust, verursacht durch den Verlust all der Menschen, die ich liebte.
Plötzlich hörte ich hinter mir eine Stimme.„Du sollst leben!“









