Prolog
Es ging leichter als erwartet. Er hätte mit deutlich mehr Widerstand gerechnet.
Beeindruckt davon, wie mühelos es funktionierte, stieß Carter McAllister das Messer in die Brust seines Opfers. Es durchtrennte die Haut sauber und drang in das Fleisch des Mannes ein, der ihn mit vor Schreck geweiteten Augen ansah.
In ihnen spiegelte sich eine Vielzahl an Emotionen. Schmerz, Schock, Erkenntnis.
Mit Genugtuung stellte Carter fest, dass der Mann ihn erkannte. Gleichzeitig verwunderte es ihn, denn sie hatten sich bisher nur ein einziges Mal gesehen. Aber dieses Treffen war der Grund dafür, dass er das Messer mit einem schmatzenden Geräusch herauszog. Nur, um eine Sekunde später noch einmal zuzustechen.
Diesmal entfuhr dem Mann ein Wimmern. Sein Körper zuckte zusammen, er sackte tiefer in den Stuhl, auf dem er saß zurück. Dabei riss er seinen linken Arm hoch und warf dabei sein gefülltes Wasserglas zu Boden, welches auf einem kleinen Tisch neben ihm stand. Es zersprang in tausend Scherben.
Carter grunzte unzufrieden. Er wollte so wenig Spuren wie möglich hinterlassen. Aber dieser Idiot hier zerstörte alles.
»Wieso?«
Flüsternd kam dieses eine Wort über die Lippen seines Opfers. Blut sammelte sich in seinem Mund. Er musste die Lunge erwischt haben.
»Das weißt du genau.«
Carter gab dem Messer einen erneuten Ruck. Die Atmung seines Opfers fing an zu brodeln. Flehend sah er ihm in die Augen und krallte sich mit den Fingern in Carters Arm.
Verdammt.
Schnell zog Carter seinen Arm weg. Auf seine DNA unter den Fingernägeln des Mannes konnte er verzichten. Dann könnte er nämlich direkt mit einem Schild um den Hals zum Präsidium gehen, auf dem steht, dass er ein Mörder war.
»Du... du machst einen Fehler...«
Röchelnd spuckte der Mann Blut. Carter wich aus, die Tropfen verfehlten ihn nur knapp.
Er schnaubte verächtlich und trat von dem Mann zurück. Das Messer noch in der Hand, sah er dabei zu, wie sein Opfer panisch nach Luft rang. Es dauerte nur einige Sekunden, dann sackte der Körper leblos zusammen.
Carter verschwendete keine Zeit damit, erleichtert aufzuatmen.
Er zog ein mit Desinfektionsmittel getränktes Tuch heraus und bearbeitete die Fingernägel des Mannes, damit keine Fasern seines Hemdes identifiziert werden konnten.
Sein Blick fiel auf das zerbrochene Glas auf dem Boden.
Kurz überlegte er, ob er die Scherben beseitigen sollte. Dann entschied er sich dagegen. Es konnte ruhig nach einem kleinen Kampf aussehen. Oder was auch immer die Polizei später in diesen Mord hineininterpretieren wird.
Sanftes Sonnenlicht drang durch die großen Fenster und brach sich in den einzelnen Scherben. Es würde fast schon idyllisch aussehen, wenn da nicht das Blut wäre, das auf den Boden tropfte.
Carter hörte ein Auto vor dem Haus vorbeifahren.
Er musste hier weg. Er durfte nicht gesehen werden.
Geschickt wischte er das Messer ab, steckte es ein und zog dafür etwas anderes aus seiner Tasche.
Die weiße Lilienblüte lag zart und unschuldig in seiner Hand.
Carter legte sie mitten zwischen die mit Blut beschmierten Scherben.
Weiß auf Rot.
Inzwischen wusste jeder, was sie bedeutet.
Ab morgen wird die Polizei erneut nach dem Lilienmörder suchen.
Carter lächelte.
Aber sie werden ihn nicht finden.








