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EINE VON DREIEN

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Summary

Zwei 16-jährige Mädchen und ein Transjunge aus verschiedenen Ländern, die wie durch ein unsichtbares Band über das Internet verbunden sind, behaupten sich in ihrem Alltag gegen Fremdenfeindlichkeit, konservative Lebensführung und männliche Gewalt. Joey in Kalifornien will eigentlich nur Baseball spielen, wird aber durch ihre Freunde ständig in nervenaufreibende Abenteuer gezogen. Aicha in Südfrankreich kämpft gegen die patriarchalische Einstellung ihres muslimischen Vaters und muss nebenbei noch die Probleme ihrer Freundinnen lösen und Saira läuft in Südindien ihren Träumen von der großen weiten Welt hinterher. Alles kommt immer anders als erwartet, auch bei der ersten großen Liebe. Warum kann das Leben nicht einfacher sein und welches dunkle Geheimnis verbindet die drei?

Status
Complete
Chapters
59
Rating
n/a
Age Rating
18+

1 - Die Selbsthilfegruppe

Eine junge Mutter schiebt neben einer viel befahrenen Straße ihr Kleinkind in einem Buggy über den Bürgersteig. Der Junge quengelt, die Mutter wirkt genervt und gibt ihm einen Ball zum Spielen. Als ein Mann den beiden entgegenkommt, ist sie freudig überrascht, lässt den Buggy stehen, läuft auf ihn zu und umarmt ihn. Währenddessen fällt dem Jungen der Ball aus der Hand und rollt auf die Straße. Er klettert aus dem Buggy und läuft hinterher. Als die Mutter das sieht, dreht sie sich um und schreit, dass er stehen bleiben soll - aber zu spät. Er läuft zwischen zwei parkenden Autos auf die Straße und wird überfahren.

Ein dunkles Schlafzimmer. Die Frau, jetzt deutlich älter, faltig und mit weißem Haar, liegt allein in ihrem Bett und wälzt sich unruhig hin und her. Sie wird wach, schreit laut auf und ruft den Namen eines Jungen. Schweißgebadet sitzt sie in ihrem Bett. Tränen laufen ihr über die Wangen. Auf dem Nachttisch stehen neben einem Bilderrahmen mit einem Foto des Jungen, ein Wasserglas und mehrere aufgerissene Tablettenschachteln. Sie geht schwankend zur Balkontür und öffnet diese. Draußen ist es dunkel. Sie ruft schreiend und verzweifelt den Namen des Jungen, beugt sich über das Balkongeländer und fällt in die Tiefe.’ - Filmende

Auf der Leinwand erscheint wieder der Titel der Präsentation. Danielle geht zurück an das Rednerpult und schaut in ihr Publikum.

„Wie man an diesem tragischen Beispiel sehen kann, können nicht austherapierte Traumata über weite Zeiträume eine enorme Belastung der Betroffenen darstellen, auch wenn diese meinen, dass sie mit dem auslösenden Geschehnis abgeschlossen haben. Ich plädiere in meiner Arbeit daher für eine langfristige Betreuung traumatisierter Personen, auch wenn sie aufgrund von Verdrängungsmechanismen in ihrer aktuellen Lebenssituation keine akute Belastung mehr wahrnehmen.”

Sie lässt ihren Blick über das Auditorium schweifen. „Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit. Sollten Sie noch Fragen, Anregungen, oder Kommentare zu diesem Thema haben, können Sie mich gerne ansprechen oder mich über meine sozialen Medienkanäle kontaktieren.”

Das Auditorium applaudiert höflich, während Danielle das Podium verlässt.

In der Cafeteria des modernen Kongressgebäudes wird sie von einer Frau auf Englisch angesprochen, als sie in der Schlange vor der Kaffeemaschine steht. „Hi, mein Name ist Eleanor. Ich habe gerade mit großem Interesse deinen Vortrag verfolgt. Hättest du etwas Zeit, dass wir uns über das Thema unterhalten?”

„Ja, gerne, ich will mir nur gerade einen Kaffee holen.”

„Großartig, ich warte dort drüben an dem Stehtisch auf dich.”

Danielle balanciert mit dem Kaffee in der Hand durch die Menschenmenge und stellt ihn erleichtert neben den von Eleanor. „Geschafft! Schön zu hören, dass dich mein Vortrag angesprochen hat. Deiner Aussprache nach kommst du nicht aus Frankreich, sondern aus den USA, hab ich recht?”

„Das ist vollkommen richtig. Ich komme aus Kalifornien und arbeite auch nicht an einer Universität, wie die meisten hier auf diesem Kongress. Ich war sowieso gerade in Europa und dachte mir, dass ich dann auch noch diesen Kongress mitnehme, hatte aber nicht erwartet auf ein Thema wie deines zu stoßen. Ich arbeite in einer psychologischen Praxis und betreue Mädchen, die Gewalterlebnisse erlitten haben. Und genau das, was du beschrieben hast, sehe ich immer wieder. Wir therapieren die Mädchen, so dass sie sich wieder in ihr normales Alltagsleben einfinden können und dann sehen wir sie meist nie wieder. Manchmal kommen sie aber nach Jahren zurück, weil sie es doch nicht vollständig verarbeitet haben und es immer wieder aus ihnen herausbricht. Ich habe gerade wieder so einen Fall, bei dem ich mir sicher bin, dass die Patientin irgendwann erneut Probleme bekommen wird, obwohl sie sich inzwischen wieder völlig normal ihrem Alltagsleben widmet.”

„Das ist ja interessant. Ich arbeite speziell mit sozial benachteiligten Frauen, die sich normalerweise eine solche Therapie nicht leisten können. Auch ich habe eine Patientin, die mir Sorgen bereitet, weil sie sich zu schnell aus der Therapie entfernt hat, mit der Begründung, alles sei wieder in Ordnung. Sie ist erst 16 Jahre alt und ich habe den Verdacht, dass ihre Eltern sie dazu gedrängt haben. Außer mir hat sie auch niemanden mit dem sie offen darüber sprechen kann. Leider gibt es bei uns für solche Fälle auch keine Selbsthilfegruppen, in denen sich die Betroffenen gegenseitig unterstützen können.”

„Selbsthilfegruppe ist eine gute Idee. Vielleicht können wir doch zumindest unsere zwei Fälle zusammenbringen, zumal sie auch noch gleichaltrig sind.”

Danielle lacht. „Nette Idee, aber leider ist Kalifornien ziemlich weit weg von Frankreich.”

„Die Welt ist doch zusammengerückt. Über Chats kann man sich doch genauso unterhalten, als wenn man sich gegenübersitzt. Lass es uns doch einfach mal probieren.”

Lyon, Frankreich:

Ein paar Tage später chatten die beiden zusammen. Danielle sitzt in ihrem Büro vor dem Laptop. „Hi Eleanor, ich hoffe du hattest eine gute Rückreise. Nachdem mein Vortrag in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurde, habe ich eine Rückmeldung von einer Psychologin aus Indien bekommen. Ich habe länger mit ihr gesprochen. Sie ist sehr interessiert an unsere Idee der Selbsthilfegruppe und hätte auch jemanden, den sie mit einbringen möchte. Ebenfalls ein Mädchen von 16 Jahren. Was hältst du davon?”

„Ja, warum nicht? Drei Leute hört sich mehr nach Gruppe an als zwei. Ich habe mit unserem Computerexperten über das Thema gesprochen und er hat mir einen Vorschlag gemacht, wie wir die drei unauffällig zusammenbringen können.”

„Da bin ich gespannt, erzähl.”

„Daddle schreibt zurzeit weltweit einen Wettbewerb aus, der sich speziell an Jugendliche richtet. Daddle möchte wissen, welche Vorstellungen und Erwartungen Jugendliche von ihrer Zukunft haben. Natürlich mit dem Hintergrund herauszufinden in welchen Bereichen sie Entwicklungen forcieren sollen, um auch in Zukunft Nutzer an sich zu binden. Dafür spendiert der Konzern den Siegern eine Menge Geld in Form von Beihilfen zur Ausbildung.”

„Und was soll das mit unserer Selbsthilfegruppe zu tun haben?”

„Wir sollten ihnen klar machen, dass es besonders für sie mit ihrer Vorgeschichte wichtig ist, sich Gedanken über ihr zukünftiges Leben zu machen, um einen klaren Weg vor Augen zu haben und sich nicht in dem gefühlsmäßigen Wirrwarr zu verlieren, dem man in dieser Lebensphase oftmals unterliegt. Wir hätten da einen Chatkanal ausfindig gemacht, in dem sie sich in einer kleinen Gruppe zu dem Thema austauschen und gegenseitig unterstützen können. Außerdem besteht die Chance Geld für eine spätere Ausbildung zu gewinnen.”

„Das heißt, sie werden erst einmal gar nicht wissen, dass die anderen ein ähnlich traumatisches Erlebnis gehabt haben, wie sie selbst.”

„Genau, das sollten wir zunächst besser nicht thematisieren. Ich befürchte, dass wir dadurch Ablehnung und Blockaden auslösen. Die Mädchen sollen von allein zueinander finden.”

„Hm, das wird bei meiner Patientin etwas Überzeugungsarbeit erfordern, aber versuchen können wir es. Und was ist mit dem Chatkanal?”

„Den wird unser Computerexperte so einrichten, dass nur die drei daran teilnehmen können. Sie brauchen sich nur anzumelden.”

„Okay, versuchen können wir es ja mal. Ich werde unsere indische Kollegin fragen, ob sie auch mitmachen will.”

„Fantastisch! ich bin schon sehr gespannt. Bis demnächst.”

San José, Kalifornien:

Eleanor holt einen Softdrink aus dem kleinen Kühlschrank, füllt zwei Gläser und stellt diese auf einen Couchtisch. Ihre Praxis ähnelt mehr einem Wohnzimmer als einem Behandlungsraum. Nur die psychologischen Fachzeitschriften im Regal weisen darauf hin, dass man sich hier bei einer Therapeutin befindet. Sie schaut das Mädchen, das ihr gegenübersitzt, freundlich an. Mit ihren kurzen Haaren und ihrer zerschlissenen Kleidung sieht sie mehr aus wie ein Junge. „Joey, ab jetzt brauchst du nicht mehr zu kommen. Gemäß den offiziellen Befunden sind wir fertig.”

„Okay.” Etwas überrascht und ratlos greift Joey zu einem Glas.

„Aber ich würde mich sehr freuen, wenn du mir ab und zu berichten würdest, wie es dir geht. Du kannst jederzeit zu mir kommen, aber E-Mails oder Chats sind auch in Ordnung. Auch wenn wir jetzt denken, dass du dein Leben wieder im Griff hast, kann es immer wieder Situationen geben, in denen du nicht weiter weißt und jemanden zum Reden brauchst. Dann melde dich einfach.”

Joey nippt an ihrem Glas. „Ja, mal sehn, danke.”

Auch Elenora trinkt einen Schluck. „Ich möchte dir noch etwas mitgeben. Wir haben viel über die Vergangenheit gesprochen, aber fast noch wichtiger ist es, dass du dir über deine Zukunft Gedanken machst. Wenn du weißt, was du willst, und einen Weg verfolgen kannst, fällst du auch nicht so schnell in ein Loch der Grübelei. Daddle hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem Jugendliche ihre Ideen beschreiben sollen, wie sie in Zukunft leben möchten. Wenn du daran teilnimmst, wird es dich motivieren dir Gedanken über deine eigene Zukunft zu machen und du kannst sogar noch finanzielle Unterstützung für deine spätere Ausbildung gewinnen.”

„Hm.” Joeys Gesicht zeigt keine spontane Begeisterung.

„Ich weiß, das klingt fast schon wie nach Schule, Referate schreiben und Abgabefristen. Damit es mehr wie eine Unterhaltung ist, habe ich über eine Kollegin ein weiteres Mädchen in deinem Alter ausfindig gemacht, das auch daran teilnehmen möchte. Sie wohnt zwar in Frankreich, aber das sollte heutzutage kein Problem sein, da sie Englisch spricht und per Chat erreichbar ist. Ich schicke dir die entsprechenden Links, für die Anmeldung zum Wettbewerb und zu dem Chatkanal. Versuchs doch einfach mal.”

Lyon, Frankreich:

Danielle lehnt sich zurück, nippt an ihrer Kaffeetasse und überprüft noch einmal kritisch die Eingaben in dem Formular, das sie gerade ausgefüllt hat. Eine Chatanfrage poppt auf. Sie aktiviert ihre Kamera und ihr Mikrofon. „Hi Darshanna, schön dich wiederzusehen.”

„Hi Danielle, ich hab leider nicht viel Zeit, meine Patientin kommt gleich. Hast du mit deiner amerikanischen Kollegin über unser Vorhaben gesprochen?”

„Ja, Eleanore ist einverstanden, dass ihr mitmacht. Die Links zu dem Wettbewerb und dem Chatkanal habe ich dir ja bereits geschickt. Ich selber habe noch Probleme meine Patientin von unserem Vorhaben zu überzeugen, aber ich werde weiter dranbleiben.”

„Okay, ich bin gespannt, wie meine Patientin darauf reagiert. Es klopft gerade. Ich halt dich auf dem Laufenden, bye.”

Bangalore, Indien:

Hektisch versucht Darshanna ein wenig Ordnung auf ihrem Schreibtisch herzustellen. Dann eilt sie zur Tür. Ein Mädchen, 16 Jahre alt, in einem gelb leuchtenden Sari gekleidet, blickt sie schüchtern lächelnd an. „Hallo Saira, komm rein und setz dich.”

Das Mädchen schaut sie fragend an. „Warum sollte ich nochmals kommen? Ich dachte wir sind fertig. Ich möchte eigentlich nicht weiter darüber reden, ich will nur vergessen.”

Darshannas Praxisraum strahlt eine entspannende Atmosphäre aus. Neben der obligaten Psychiater Couch gibt es eine kleine Sitzecke und an den Wänden hängen Bilder bekannter indischer Bands und Schauspieler. Nach einer halben Stunde Smalltalk und ein paar Tassen Tee ist Saira so weit aufgetaut, dass sie zu Darshanna wie zu einer Freundin spricht.

„Ich hab dir wirklich alles erzählt, und ich weiß nicht, warum ich das Ganze auch noch aufschreiben soll.”

„Mach es einfach nur für dich, damit du später nicht selber an deinen Erinnerungen zweifelst, oder dir von anderen Zweifel einreden lässt. Schreib auch Ereignisse auf, die dir unwichtig erscheinen.”

Saira überlegt einen Augenblick. „Einen Vorfall hab ich dir noch nicht erzählt, aber der ist wirklich unwichtig. Es war ganz am Anfang, kurz nachdem ich in Delhi angekommen war. Meine Tante hatte mir erlaubt für ein paar Stunden in der Stadt spazieren zu gehen, aber nur in dem modernen Teil. Ich war beeindruckt von dem schicken Lifestyle, der mir aus den Schaufenstern und Restaurants entgegenstrahlte. Das gab es in unserer kleinen Stadt nicht und sah aus wie in den Fernsehfilmen. So will ich auch leben, dachte ich mir und betrat ein schickes Hotel. Lächelnd und zielstrebig ging ich an der Rezeption vorbei und schaute mich im Foyer um. Überall standen und saßen elegant gekleidete Leute am Handy, vor ihren Laptops, oder im Gespräch. Als mich ein Kellner kritisch beäugte, stieg ich schnell in einen Fahrstuhl. Die Frau, die mit mir nach oben fuhr, fragte mich, ob ich etwas mit dem Zimmerservice zu tun hätte, sie hätte da ein Problem. Ich sagte, ich würde hier ebenfalls wohnen und stieg schnell in der nächsten Etage aus. Vom Fahrstuhl aus erstreckten sich nach rechts und links Flure mit den einzelnen Zimmertüren. Am Ende eines Ganges hörte ich das leise Weinen eines Kindes. Ich ging darauf zu und fand einen Jungen in eine Ecke gekauert, der sich verlaufen hatte. Er kam aus England und war im Spielbereich abgegeben worden, dort aber ausgebüchst, um seine Eltern zu suchen. Ich brachte ihn zurück und wurde von der Erzieherin gebeten ihn zu seinen Eltern zu begleiten, da er schon mehrfach versucht hatte diese eigenständig zu finden, sie aber keine Zeit dafür hätte ihn zu begleiten. Sie seien auf einer Veranstaltung im Rooftop Restaurant. Ich war begeistert auf so einfache Weise in diese noble Welt einzutauchen und nahm die Aufgabe freudig an. Der Junge, Henry, fand Zutrauen zu mir und zeigte mir stolz alles, wo er bereits gewesen war.

„Und hinter dieser Tür wohnen wir. Von meinem Zimmer aus kann ich über die ganze Stadt schauen. Aber das geht auch von da drüben.” Er zerrte mich zum Fenster am Ende des Flures.

„Bei uns in London gibt es viel mehr Hochhäuser als hier. Es ist auch nicht so heiß und das Essen schmeckt besser. Wenn du mich mal besuchen kommst, zeige ich dir alles.”

Im Aufzug klagte er mir dann sein Leid: „Es ist hier voll langweilig. Ich hab keine Freunde zum Spielen und hocke die meiste Zeit in meinem Zimmer. Meine Eltern haben mir einen neue Spielekonsole gekauft, aber ich will auch mal rausgehen. Mit den Kindern im Spielbereich kann ich nichts anfangen, weil ich die meisten nicht verstehe. Deswegen bin ich schon ein paarmal abgehauen. Kannst du nicht öfter kommen, damit wir zusammen spielen können?”

Ich sah mich schon als Nanny in einem luxuriösen Haus in London wohnen. „Ja, wenn deine Eltern das erlauben, warum nicht?” London, der Sprung in die große weite Welt!

Dann drückte er auf die Taste für die nächste Etage. Die Tür ging auf, aber es stieg keiner ein. Kurz bevor die Tür sich wieder schloss, sprang er aus der Kabine und rief: „Lass uns verstecken spielen.” Ich wollte die Tür wieder öffnen, aber es war schon zu spät.

In der nächsten Etage stieg ich aus und lief durch das Treppenhaus wieder hinunter, aber als ich am Fahrstuhl ankam, war Henry nicht mehr zu sehen. Eine Frau, die in der Nähe gerade ein Zimmer reinigte, sagte mir, ein Junge sei kurz vor mir in dem anderen Lift gestiegen. Auf der Anzeige sah ich, dass der Aufzug in das Untergeschoss gefahren war. Das sah ihm ähnlich. Aber warum hätte ich ihn überhaupt suchen sollen? Ich hätte das Hotel einfach verlassen können, niemand kannte mich dort. Eine Mischung aus Herausforderung und Spaß an der Sache ließ mich in den Aufzug steigen und ebenfalls nach unten fahren. Wer weiß wofür es gut sein könnte, dachte ich mir.

Im Untergeschoss waren Versorgungsräume, Lager und die Küche. Es wimmelte von geschäftig herumlaufenden Menschen. Keiner von denen, die ich fragte, hatte einen kleinen westlich gekleideten Jungen gesehen. Ich wollte schon aufgeben und wieder nach oben fahren, als ich Klirren und Geschrei hörte. Ich öffnete eine Tür und sah gerade noch, wie Henry aus einer anderen verschwand. In dem Raum waren viele Vitrinen mit Geschirr und Gläsern und mittendrin erhob sich ein Mann vom Boden aus einem Meer von Glasscherben. Seine Hände bluteten.

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