1 • Das Semester beginnt ~ Theodor
Die Wohnungstür fällt ins Schloss und schluckt den Lärm der Straße auf einen Schlag. Im schummrigen Flur, nur erhellt von den Lichtern vor dem Fenster, bleibe ich stehen. Mein Atem geht noch etwas zu schnell vom Treppensteigen, vielleicht aber auch von der Art, wie sie mich ansieht. Halb neugierig, halb herausfordernd.
Sie lehnt sich mit dem Rücken gegen die Wand, streift die nassen Schuhe ab und sieht sich mit einem knappen Lächeln in unserem studentischen Chaos um: Bücherstapel auf dem Couchtisch, die alte Stehlampe, die durchgesessenen Sofas, der Plattenspieler auf dem Sideboard. Auf der Erstsemesterparty vor zwei Stunden wirkte sie noch ein wenig verloren im Gedränge, jetzt nicht mehr.
Ich trete einen Schritt näher und schließe den Abstand zwischen uns, bis ich den Duft von süßlichem Bier und Vanille wahrnehme.
Langsam hebe ich die Hand. Meine Fingerspitzen streifen ihren Arm, fahren über den rauen Stoff ihrer Jacke nach oben, bis ich den Kragen fasse und ihr helfe, sie abzustreifen. Sie lässt es geschehen und atmet leise ein, als meine Finger ganz beiläufig ihren Hals berühren, legt ihre Hände an meine Hüfte und zieht mich an sich heran.
Meine Finger finden den Weg an ihre Wange, mein Daumen zeichnet die Kontur ihres Kinns nach. Für einen Moment verharren wir so. Augenkontakt im Halbdunkel, die Stille zwischen uns. Dann greife ich nach ihrem Handgelenk und ziehe sie hinter mir her in mein Zimmer.
Der Schlüssel klackt. Die Welt draußen ist ausgesperrt.
Mit einem Finger schiebe ich den Stoff ihres Oberteils nach oben. Die kühle Luft trifft auf ihre bloße Haut. Sie schaudert, hebt aber dennoch die Arme. Der Pullover fällt achtlos zu Boden. Darunter trägt sie nur einen BH.
Ich trete noch ein Stück näher, bis mein Körper ihren fast berührt. Meine Hände legen sich um ihre Taille, drücken in das weiche Fleisch. Ihr Herz schlägt spürbar und schnell gegen meine Brust.
Ich neige den Kopf zur Seite, vergrabe mein Gesicht in ihrer Halsbeuge, beiße sanft in ihre Haut und puste darüber. Ein Zittern geht durch ihren gesamten Körper.
Ohne ein Wort drücke ich sie rückwärts.
Als ihre Kniekehlen den Rand der Matratze berühren, lässt sie sich nach hinten fallen. Der Stoff der Decke raschelt leise, als sie einsinkt. Ihr Haar breitet sich auf dem Kissen aus. Sie liegt da, die Arme leicht angewinkelt über dem Kopf, und sieht zu mir auf.
Ich kniee mich über sie, setze die Hände links und rechts von ihren Schultern auf die Matratze. Die Federn geben minimal nach.
Ihre Hände lösen sich vom Kissen, gleiten langsam über meine Unterarme nach oben und bleiben auf meinen Schultern liegen. Sie hebt leicht das Becken, sucht den Kontakt, während ihr Brustkorb sich im schnellen Rhythmus ihres Atems hebt und senkt. Meine rechte Hand verlässt die Matratze, wandert langsam an ihrer Flanke hinab, über die Rundung ihrer Hüfte bis zu ihren Oberschenkeln. Sie atmet scharf durch die Nase ein, schließt die Augen, spannt sich kurz an, nur um im nächsten Moment zu lächeln.
Ich ziehe mein Shirt mit einer einzigen Bewegung über den Kopf und werfe es in die Dunkelheit des Zimmers. Im selben Moment greifen ihre Hände nach meinem Nacken, ihre Finger krallen sich in mein Haar und ziehen mich mit überraschender Kraft nach unten, bis meine nackte Brust auf ihren Körper trifft.
Keine Zeit mehr für sanfte Streifzüge.
Ich packe ihre Hüfte, hebe sie ein Stück an und presse sie gegen mich. Sie seufzt auf, ein rauer Laut direkt an meinem Ohr, während sie ihre Beine um meine Taille schlingt. Die Reibung des Jeansstoffs, die Enge, alles geschieht im Bruchteil von Sekunden.
Ihre Fingernägel graben sich in meinen Rücken, zeichnen brennende Linien über meine Schulterblätter, während ich mit einer Hand nach dem Verschluss ihrer Hose greife. Der Knopf springt auf, der Reißverschluss surrt durch die Stille des Raums. Sie lockert die Beine und hilft mir dabei, den störenden Stoff abzustreifen. Ihre Jeans rutscht über die Kante des Bettes. Meine ebenfalls.
Ihr Atem geht stoßweise, brennt heiß an meiner Wange, während sich unsere Körper aneinanderdrängen. Das rhythmische Quietschen des Holzrahmens, das Rascheln der Laken unter unseren Bewegungen, alles verschwimmt zu einem Rauschen. Ich vergrabe meine Hand in ihrem Haar und halte ihren Kopf fest, während die Bewegung zwischen uns ein unaufhaltsames, blindes Tempo aufnimmt.
Als ich die Augen aufschlage, sticht mir blasses Morgenlicht durch die Schlitze der Jalousie direkt ins Gesicht. Mein Arm streckt sich zur Seite und trifft auf Leere.
Ein Schmunzeln huscht über mein Gesicht. Normalerweise ist das der Moment, in dem ich trotz vorheriger Absprache darum bitten muss, dass mein Mitbringsel die Biege macht. Dass sie sich an meine Ansage gehalten hat, ist erfrischend unkompliziert. Wie die ganze Nacht mit ihr.
Ich greife nach einer Jogginghose vom Boden, ziehe sie an und schlurfe barfuß aus meinem Zimmer.
Der Flur liegt dank der Jalousien im Halbdunkel. In der Küche herrscht dafür die sonnengeflutete, typische Stille vor dem Sturm: schmutziges Geschirr in der Spüle, der vertraute Geruch nach abgestandenem Kaffee und der Müll, der langsam überquillt. Ich drücke die Kaffeemaschine an, lehne mich mit verschränkten Armen gegen die Küchenzeile und warte auf das erste Röcheln des Filters.
Schwere Schritte schlurfen über das Parkett, gefolgt vom Quietschen der Badezimmertür. Einen Augenblick später taucht Juan im Türrahmen auf, die Haare in alle Himmelsrichtungen zerzaust und die Augen kaum geöffnet.
»Morgen«, gebe ich von mir.
Juan bleibt stehen, funkelt mich mit zusammengekniffenen Augen an und stützt sich mit einer Hand am Türrahmen ab. »Sag mal, Alter … hast du deine Matratze eigentlich auf einem Presslufthammer montiert? Manche Leute hier versuchen morgens um halb vier zu schlafen.«
Hinter ihm schiebt sich Leo mit einem breiten Grinsen in die Küche, schnappt sich eine Tasse aus dem Schrank und klopft Juan auf die Schulter. »Lass ihn doch. Wenigstens einer von uns, der sein Semester produktiv beginnt. Außerdem hättest du dir einfach Ohrstöpsel reinmachen können, Oma.«
»Ich bin keine Oma, ich brauche meinen Schönheitsschlaf!«, protestiert Juan und lässt sich stöhnend auf einen der klapprigen Holzstühle fallen. »Und dein Bett quietscht wie eine rostige Schaukel, Theo. Ölen. Dringend.«
Bevor ich etwas erwidern kann, ertönt das scharfe Klicken eines Schlüssels im Wohnungsschloss.
Die schwere Eingangstür wird aufgedrückt, gefolgt von einem dumpfen Poltern und dem unverkennbaren Rollen eines Koffers über Parkett.
»Na endlich, ihr Penner! Lebt hier überhaupt noch wer?«, hallt Simons Stimme durch die Wohnung.
Leo dreht sich sofort zur Küchentür um. »Schau an, der feine Herr beehrt uns auch mal.«
Simon biegt um die Ecke, lässt seinen Reisekoffer mitten im Flur stehen und reibt sich mit einem schiefen Grinsen über den Nacken. »Mein Zug hatte Verspätung, der Vorlesungsplan ist eine Katastrophe und ich brauche Koffein, bevor ich irgendjemanden umbringe.« Sein Blick wandert über uns drei. »Wo ist Chris?«
»Wo wohl?«, winkt Juan ab und schließt die Augen. »Hängt seit drei Tagen bei Mona rum. Den sehen wir frühestens wieder, wenn ihm die frischen Boxershorts ausgehen.«
Simon lacht leise auf, tritt an die Küchenzeile und mustert mich flüchtig, während er sich am Kühlschrank bedient. »Na, Theo? Harte Nacht gehabt?«
Ich grinse, hebe die Kaffeekanne an und schenke die erste Tasse ein. »Anstrengend? Nö. Eher befriedigend.«
Simon und Leo lachen, Juan schnaubt nur.
Das Semester kann beginnen.








