Kapitel I
Wie jeden Montag saß ich, wie auch sonst in meiner langweiligen Arbeit als Bürokaufmann. Fast jeder Tag an diesem Ort fühlte sich gleich an, unverändert und einfach nur langweilig. Ihr müsst verstehen, der ganze Tagesaufbau, war jeden Tag der gleiche und das Schlimme daran war, dass dieser so simpel und einfach verlief, als könne man diese Arbeit auch ein Kleinkind geben. Das Einzige, was es mir ein wenig Erleichterte hier weiterzumachen, war mein Freund Tom.
„Na Andi, du siehst heute wieder so erfreut wie immer aus.“ Begrüßte mich Tom mit einem freudigen Lächeln. „Du kennst mich wohl zu gut Herr Thalis.“ antwortete ich ihm mit meinem ersten Lächeln des Tages.
Danach sagte ich noch zu ihm: „Bald haben wir es geschafft Tomi, dann können wir den ersten Wochentag in der Hölle wieder einmal abschließen. Möchtest du danach noch was trinken gehen?“
„Heute muss ich leider ablehnen, der Betriebsleiter Pieterle möchte, dass ich heute noch länger bleibe und ich möchte nicht, dass ich mir das entgehen lasse. Du weißt doch, ich warte schon ewig auf meine Beförderung und heute habe ich ein sehr gutes Gefühl dabei.“
Dazu muss ich sagen, dass Tom sehr leicht zu manipulieren ist, kaum befiehlt man ihm etwas, schon tut er es auch. Für mich ist das allerdings nicht von Nutzen, ich möchte ja sicherlich nicht meinen besten Freund dazu hernehmen, um seine Schwäche auszunutzen. Ehrlich gesagt tut er mir eher ein wenig leid.
„Na gut Tomi, ich glaub ich mach heute schon mal ein wenig früher Schluss, ich drück dir aber die Daumen, dass das heute was wird.“ sagte ich mit einer, für mich innerlich halb ironisch klingenden Stimme.
„Danke dir und komm gut heim.“
Als ich dann mit meinen bereits verschwitzen Händen, den Computer herunterfuhr, merkte ich innerlich ein Gefühl von Freiheit, welches sich dann noch stärkte, als mein ganzer Tisch aufgeräumt war und ich wusste, dass heute keine Arbeit mehr auf mich zukommen würde.
Ich stempelte mich aus und ging den langen Weg in Richtung der Türe und merkte schon wie mein Körper sich vor Freude langsam aufheizte und vor allem merkte ich dies, als ich direkt vor der Tür des Betriebs stand.
Normalerweise benutzte ich, zur Heimreise die U-Bahn, jedoch sagte mir mein Bauchgefühl genau an diesem Tag, ich solle zu Fuß heimgehen und noch einen Zwischenstecher bei meinen Eltern machen.
Lange hatte ich diese nun auch schon nicht mehr besucht und mein inneres Schuldgefühl sagte mir, dass ich heute nach so einer langen Zeit mal wieder vorbeischauen sollte.
Als ich dort ankam und vor der Tür stand, so zögerte ich zuerst noch an der dieser zu Klopfen.
Dies lag an der Beziehung zu meinen Eltern, welche ich eher als mittelmäßig bezeichnen würde. Natürlich waren sie immer für mich da und haben mich auch gut erzogen, jedoch fand ich schon schnell heraus, dass sie mich nie so wirklich verstanden.
Sie haben mir immer das Gefühl gegeben, als wäre ich nicht ganz auf ihrer Wellenlänge und als wäre ich auch nicht das schlauste Kind. Jedoch begriff ich dann für mich selbst, als ich endlich auszog, dass ich dies rückwirkend auch über sie sagen könnte.
Nach dem kurzen Zwischendenken entschloss ich mich dann allerdings dazu, an der Tür zu klopfen und meine Gefühle für einen Moment schweigen zu lassen.
„Da ist ja unser kleiner Sohn, komm rein mein Schatz!“ sagte mir meine Mutter mit einer fast schon verniedlichenden Stimme.
Als ich dann in der Wohnung saß und mit meiner Mutter zusammen einen Kaffee trank, so fühlte ich mich innerlich wie gewogen, aber gleichzeitig vernahm ich auch ein Gefühl von Peinlichkeit.
Es fühlte sich einfach merkwürdig an, allein wie meine Mutter mit mir sprach, als wäre ich ein kleines Kind und würde noch in die Schule gehen.
Die einzigen Themen, über die ich mit ihr verständlich sprechen konnte, waren typische Arbeitsthemen: „Wie läuft die Arbeit? Wie geht es Tom? Hast du immer noch den idiotischen Chef?“ usw.
Ernsthafte Fragen wie z.B. wie es mir geht und ob ich mich endlich aus dieser Hölle von Arbeit rausholen möchte, kamen nicht und wenn ich auch nur einmal ich selbst seien wollte, so wurde dies (wahrscheinlich unbewusst) mit einem Gesprächswechsel abgewehrt.
Irgendwann war mir dies dann auch wieder zu viel und als schließlich auch das Gefühl von Peinlichkeit überhandnahm und ich dann auch merkte, wie schnell mein Herz jetzt auch schon pochte, so entschloss ich mich langsam dazu, meinen Heimweg anzutreten.
Nach der typischen Verabschiedung „Mach es gut mein kleiner Hase und komm gut heim und sag mir, wenn du zuhause bist, und, und, und.“ ging ich endlich los.
Als ich mich auf meinen Weg begab, so fiel mir gleich auf, dass ich diesen schon länger nicht mehr gegangen war. Gleich fielen mir schon die neuen Bänke auf und mein inneres Ich wollte sich noch kurz auf diese setzte aber dann fiel mir auch schon wieder ein, was ich zuhause noch alles erledigen müsse. Meine Wäsche musste getrocknet werden, staubsaugen musste ich auch mal wieder und dann noch diese ganzen Kleinigkeiten, welche ich immer vor mich hinschob. „Oh Mann.“ Dachte ich einfach.
Als ich jedoch auf ungefähr halber Strecke in Richtung Wohnung war, kam mir mein bereits schneller Herzschlag erstaunlich pochend vor und ich entschloss mich dazu kurz stehen zu bleiben. Der Schweiß an meinen Händen vermehrte sich mehr und das Klopfen wurde nicht weniger. Gleichzeitig merkte ich wie meine Hände anfingen zu zittern und ich bekam wie ein monotones Pieps-Geräusch aus meinen Ohren zu hören. Es klang, wie ein Zug, der mich drauf aufmerksam machen wollte, dass er gleich losfährt, doch das Geräusch machte kein auf und ab, es wurde nicht lauter und nicht leiser, es blieb einfach gleich.
Im nächsten Moment spürte ich ein plötzliches Stechen in der Brust und mein Schwindel ließ mich daraufhin noch langsam meine Sicht verlieren. „Was ist auf einmal los mit mir, bitte Körper, bitte lass dieses Gefühl von mir gehen.“ Direkt im nächsten Moment wurde mir schwarz vor Augen und ich merkte nur noch, wie mein Körper alle Kraft verlor.








