Der einsame weiße Wolf

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Zusammenfassung

Mila Dawson und ihre Wölfin Sapphire sind die Schöpfung der Mondgöttin persönlich – ein weißer Wolf. Doch Mila ist das einzige Exemplar ihrer Art in einer Kleinstadt voller übernatürlicher Wesen und hat keinerlei Erinnerung daran, wie sie dorthin gelangt ist. Als ein neues Wolfsrudel in das nahegelegene Territorium zieht, ist Mila schockiert festzustellen, dass Nathaniel, der Sohn des Alphas, ihr Mate ist. An ihrem 18. Geburtstag kehren ihre Erinnerungen flutartig zurück und sie wird mit düsteren Geheimnissen, einem verloren geglaubten Familienmitglied, einem geheimnisvollen Beschützer und einem drohenden Krieg konfrontiert.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
66
Rating
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Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

UNKNOWN

Vor achtzehn Jahren

Alles, was man riechen kann, ist Blut und die Leichen. Der üble Gestank hängt in der Luft und ist einfach erdrückend. Ich muss in meinem Baum versteckt bleiben. Von hier oben habe ich einen Blick auf das entsetzliche Szenario, das sich vor mir abspielt. Man hört, wie die Rogues das Fleisch der jungen Frauen und Männer zerreißen, nur um zu beweisen, dass sie tot sind. Das ist alles, was er will: Jeder einzelne Mann, Älteste, jede Frau und jedes Kind soll getötet und gefoltert werden. Man hört die Schreie, man hört, wie Leichen zerfleischt werden. Er will, dass unser Rudel leidet. Er glaubt, dass sie all das verdienen, was ihnen widerfährt.

Überall sind Rogues. Er läuft mit einem unheimlichen Lächeln mitten durch das Chaos auf den Alpha zu. Zwei Rogues halten ihn fest. Der Alpha wurde mit einem Silbermesser in den Bauch gestochen. Man sieht, wie er versucht, sich aufrecht zu halten, aber er ist viel zu schwach. Der Mann grinst, als er beim Alpha ankommt, hockt sich nieder, zieht einen Finger durch die Blutlache auf dem Boden und leckt sie ab. Dann steht er auf und sieht den Alpha an. Er ist amüsiert darüber, wie schnell sein Rudel zerfallen ist, denn er hatte jeden einzelnen Angriff, den er gegen sie geführt hat, genauestens geplant. Er hat jedes Mitglied getötet, das dem Alpha und IHR etwas bedeutet hat.

„Das passiert, wenn du mir nicht gibst, was ich will“, sagt er. „Wo ist sie? Sie gehört mir“, sagt er, während er das Gesicht des Alpha anhebt, damit er ihm direkt in die Augen sieht. Der Alpha hat keine Energie mehr für diesen Scheiß, aber er spuckt ihm ins Gesicht. „Sie ist längst fort und weit weg von dir. Du wirst sie nicht finden. Ich habe dafür gesorgt“, sagt er mit einem Grinsen, in der Hoffnung, dass seine Worte wahr sind.

Der Mann wischt sich die Spucke vom Gesicht und starrt ihn mit einem Grinsen an, das so kalt wie Eis sein könnte. „Du scheinst dir da sehr sicher zu sein. Ich werde sie finden, sie zu meiner machen, und du wirst nichts dagegen tun können. Ich habe überall Freunde, und sie werden sie aufspüren. Sie ist die Letzte ihrer Art. Ich will ihre Macht und ich werde weitere Erben zeugen. Ich werde den Thron jedes Rudels besteigen und als Werwolfkönig herrschen. Ich werde jedes einzelne übernatürliche Wesen töten, um zu bekommen, was ich will.“

„Warum alle übernatürlichen Wesen töten? Was haben sie dir getan?“, schreit der Alpha, der anscheinend weiß, wovon er redet.

Da ist wieder dieses Lächeln, dieses unheimliche. „Alle übernatürlichen Wesen und sogar die Menschen brauchen einen König. Wenn sie mich nicht als ihren König akzeptieren, dann werden sie sterben. Mit ihr an meiner Seite kann ich über jeden Einzelnen von ihnen herrschen. Sie wissen alle, dass ihre Kraft größer und gewaltiger ist als die einer Hexe oder einer Fae zusammen. Ich werde sie als meine Königin haben“, sagt er.

„Sie gehört nicht dir, sie ist nicht deine Gefährtin. Sie wird niemals wirklich dir gehören“, sagt der Alpha, während er Blut hustet.

Der Mann sieht ihn an, stürzt sich auf ihn, zieht das Messer aus seinem Bauch und rammt es ihm direkt ins Schulterblatt. Der Alpha brüllt vor Schmerz. Das Brüllen war so laut, dass der Baum, in dem ich saß, schwankte. Ich krallte mich an den Ast und hielt mich fest, als ginge es um mein Leben.

Der Alpha starrte den Mann wütend an.

„Ich habe dafür gesorgt, dass ich jeden töte, den sie liebt, ihn eingeschlossen. Jetzt werde ich dich töten, ihren Vater. Sie wird niemanden mehr haben. Mate-Bindungen interessieren mich einen Dreck, ich habe meine eigene getötet, um sie zu bekommen“, sagt er, während er das Messer wieder herauszieht. „Warum ihre Familie töten? Warum jeden töten, den sie liebt?“, fragt der Alpha mit müder, schmerzverzerrter Stimme.

Der Mann sieht ihn an und sagt: „Wenn sie niemanden mehr hat, dann wird sie mir gehören. Gibt es sonst noch etwas, das du mir sagen willst, bevor ich dich umbringe?“

Der Alpha blickt in die Bäume. Es fühlt sich an, als würde er mir direkt in die Augen sehen, voller Trauer. „Verrotte in der Hölle, Devon. Du tötest Menschen zum Spaß, ohne irgendeinen Nutzen. Du hast den Großteil des Rudels getötet, das du so sehr wolltest, und die meisten von ihnen sind jetzt Rogues. Du hast am Ende nichts“, schreit er.

Der Mann, den ich jetzt als Devon kenne, starrt ihn an. „Ich habe ein Rudel, und zwar ein größeres, als du dir je vorstellen kannst. Dieses Rudel hier war nur ein Mittel zum Zweck.“

Ohne weitere Worte rammt Devon das Messer mitten in das Herz unseres Alphas. Ich kann spüren, wie er uns durch das Rudelband verlässt, und Tränen laufen mir über das Gesicht, während ich die Augen schließe.

Devon geht weg, während die Rogues den Körper des Alphas ohne Zögern fallen lassen. Devon blickt sich in dem Gemetzel um, auf all das vergossene Blut und die Leichen. „Wir haben das Yellow Stone Pack ausgelöscht. Wenn noch irgendwer von ihnen am Leben ist, tötet ihn. Findet Freya Stone. ICH WILL SIE JETZT“, brüllt er die Rogues an. Ich zucke zusammen, als ich den Namen höre.

Devon bahnt sich seinen Weg durch all die zerfetzten und getöteten Leichen. Er sieht sich nicht noch einmal um, während er das Territorium verlässt.

Alle Rogues ziehen ab, einige schlachten immer noch Rudelmitglieder ab. Der Gestank von Blut und Leichen macht mich krank. Meine ganze Familie und alle meine Freunde sind tot.

Ich öffne die Augen und sehe nach unten. Ich sehe eine Bewegung unter dem Baum. Ich weiß, dass ich mucksmäuschenstill sein muss. Rogues sind zwar dumm, aber sie zögern nicht, dich zu töten, wenn sie dich riechen können. Ich warte eine Weile, bis ich unter mir nichts mehr höre.

Ich klettere den Baum herunter, springe vom letzten Ast und lande direkt auf meinen Füßen. Ich sehe mich um und gehe hinüber zu der Verwüstung und dem Untergang meines Rudels. Ich bin jetzt ein Rogue.

Ich betrachte all die Leichen. Ich spüre, wie mir die Tränen über die Wangen laufen. Ich weiß, dass sie alle fort sind, und niemand von ihnen hat das verdient.

Mein Blick fällt auf den schlaffen Körper des Alphas. Ich gehe hin, kniee mich nieder und senke mein Haupt. Er war ein wahrer Alpha bis in den Tod. Ich habe ihn nicht nur als meinen Alpha respektiert, sondern auch als meinen Großvater.

Während ich mich verneige, schließe ich die Augen, um zur Mondgöttin zu beten. „Warum, Mondgöttin, warum musste das passieren? Ich brauche deine Führung. Ich brauche deine Hilfe. Was soll ich jetzt tun? Gib mir ein Zeichen.“

Ich muss herausfinden, was ich tun soll. Als ich die Augen öffne, geht ein Licht von dem Anhänger aus, den mein Großvater jeden Tag getragen hat, seit ich denken kann. Er leuchtet hell. Ich greife danach und ziehe die Kette in meine Hand. Ich betrachte den Anhänger; er hat die Form eines Vollmonds mit einem Kristall in der Mitte. Der Kristall leuchtet.

„Du musst ihn in Sicherheit bringen“, sagt eine Frauenstimme. Ich drehe mich ruckartig um und sehe die atemberaubendste Frau, die ich jemals in meinem Leben getroffen habe. „Wer bist du?“, frage ich. Meine Stimme klingt vor Überraschung ganz piepsig.

Die Frau lächelt mich an. „Ich bin hier, mein Kind, und ich habe dein Gebet gehört. Ich konnte all den Schmerz und das Leid all meiner Kinder spüren, die er getötet hat“, sagt sie traurig. Ich sehe sie an und erkenne, wer sie ist. „Mondgöttin“, ist alles, was ich herausbringe.

Sie nickt mir zu. Doch plötzlich wird sie hellwach und sagt: „Du musst gehen, pack ein paar Sachen ein und nimm den Anhänger mit. Es wäre gut, wenn du zum Shadow Pack reist. Sie werden wissen, wer du bist, wenn sie den Anhänger sehen. Erzähl ihnen, was hier passiert ist. Sie werden dich aufnehmen, mein Kind.“

Ich starre sie schockiert und leicht verwirrt an.

„Warum muss ich nach Norden zum Shadow Pack? Warum sollten die mich aufnehmen?“, frage ich verzweifelt.

„Du stellst zu viele Fragen. Sie wissen von dir, Miles. Dein Großvater hat ständig von dir gesprochen. Er war ein angesehener Alpha und hatte viele Freunde und Verbündete“, sagt sie und dreht sich weg.

„Was ist mit meiner Mutter, Freya?“, frage ich. Plötzlich werde ich traurig, als ich an sie denke.

Die Mondgöttin hält inne und sieht mich ein letztes Mal mit einem kleinen Lächeln und etwas Hoffnung an, bevor sie sagt: „Sie ist in Sicherheit, Miles. Er wird sie nicht finden.“ Und einfach so verschwindet sie vor meinen Augen.

Ich bin wieder auf mich allein gestellt. Ich sehe mir den Anhänger an und bemerke, dass der Kristall aufgehört hat zu leuchten. Ich lächle, ein kleiner Funken Hoffnung keimt in mir auf. Ich hoffe, meine Mutter ist in Sicherheit.

Ich sehe mich auf dem Feld um, bevor ich mich auf den Weg zum Rudelhaus mache. Ich stelle sicher, dass keine Rogues in der Nähe sind. Alles, was ich sehe, sind menschliche Leichen und Wolfskörper, die auf meinem Weg liegen.

Ich gehe zum Rudelhaus und trete ein. Hier drinnen ist verdammt viel Blut. Im Flur sehe ich noch mehr Leichen.

Ich gehe zu meinem Zimmer im Erdgeschoss, da unser Rudelhaus klein war. Wir waren ein kleines Rudel. Ich öffne meine Tür, greife mir eine Tasche, die ich nach der Schule stehen gelassen hatte, und leere sie aus. Ich packe ein paar Sachen ein und sehe mich um, wohlwissend, dass ich nie wieder hierher zurückkehren werde. Mein Zuhause ist weg, genauso wie meine ganze Familie und meine Freunde.

Ich sitze auf dem Bett und halte den Anhänger in der Hand. Ich weine noch einmal um alle. Ich bete, dass meine Mutter in Sicherheit ist. Ich denke darüber nach, was dieses Monster zu meinem Großvater gesagt hat, und weiß jetzt genau, warum er es auf meine Mutter abgesehen hat.

Devon wollte meine Mutter, weil sie seit Generationen die einzige weibliche Wölfin in unserer Familie war. Ihr Wolf ist weiß, reinweiß. Wir sind Nachfahren der Mondgöttin höchstpersönlich. Wir sind gesegnet, wenn wir ein Mädchen in der Familie haben. Man sagt, sie seien die Verkörperung der Mondgöttin – ein reinweißer Wolf mit besonderen Kräften –, aber meine Mutter ist die einzige Frau in unserer Familie.

Meine Großmutter konnte keine Kinder bekommen. Sie hat jahrelang für ein Kind gebetet, bis sie erfuhr, dass sie mit meiner Mutter schwanger war. Es heißt, die Mondgöttin sei ihr in einer Vision erschienen und habe sie gesegnet. Ich kenne nicht die ganze Geschichte meiner Großmutter, da sie starb, bevor ich geboren wurde. Mein Großvater hat alles in seiner Macht Stehende getan, um meine Mutter vor Leuten wie Devon zu schützen.

Devon hat meinen Vater bei einem Angriff vor fünf Wochen getötet. Mein Vater hat mich beschützt und dafür gesorgt, dass ich weglaufe. Ich bin auf einen Baum geklettert und habe mich dort tagelang versteckt, bis mein Großvater mich gefunden hat.

Ich liebe es, auf Bäume zu klettern.

Mein Großvater hat meine Mutter vor ein paar Tagen mit seinem Gamma, Richard, weggeschickt. Er hatte vor, mich nach dem Krieg mitzunehmen, in der Annahme, er würde gewinnen. Er hatte meiner Mutter versprochen, mich zu beschützen. Jeder andere hat entweder versucht zu fliehen oder in der letzten Schlacht zu kämpfen.

Als der üble Geruch der Rogues herüberzog und ein Mindlink eines Kriegers uns mitteilte, dass der Krieg begonnen hatte, sagte mein Großvater mir, ich solle auf den höchsten Baum klettern. Er drückte mir einen Trank in die Hand, der meinen Geruch überdeckte. Ich habe getan, was er sagte. Ich glaube, er wusste, dass er das Rudel nicht lebend verlassen würde.

Ich höre einen lauten Knall aus dem Flur, als wäre etwas Großes umgefallen. Ich wische mir die Tränen weg und lege mir den Anhänger um den Hals, damit er sicher ist. Ich nehme mein ganzes gespartes Geld und stecke es in meine Tasche. Es war nicht viel, da ich nur Gelegenheitsjobs im Büro meines Großvaters gemacht habe.

Ich nehme meinen Rucksack auf den Rücken und öffne mein Schlafzimmerfenster, da der Norden in dieser Richtung liegt. Außerdem weiß man nie, ob Rogues zurückkommen, um diesen Ort zu plündern, also ist das Fenster die sicherste Option.

Als ich das Fenster öffne, wird der Geruch inmitten der Leichen noch schlimmer. Ich klettere hinaus und mache mich durch den Wald auf den Weg nach Norden, dort, wo das Territorium des Shadow Packs liegen müsste.

Ich werde fünf Tage zu Fuß brauchen, um dorthin zu gelangen. Ich habe mich noch nicht verwandelt. Wir verwandeln uns mit dreizehn in unsere Wölfe, und ich bin erst zwölf. In sechs Monaten werde ich dreizehn.

Ich muss hier weg, bevor mich jemand findet.

Während ich durch den Wald streife, vergeht eine Stunde, und plötzlich sehe ich eine riesige Rauchwolke, die vom Rudelhaus aufsteigt. Irgendwelche Rogues müssen das gewesen sein. Ich sollte besser verschwinden, bevor sie merken, dass ich noch lebe.

Ich weiß, Devon glaubt, er hätte mich getötet, weil er alle zwölfjährigen Jungen zusammengetrieben und gefragt hatte, welcher von ihnen ich sei. Mein bester Freund Jack hatte die Hand gehoben und gesagt: „Ich bin Miles.“ Devon hat nicht gezögert und ihn sofort getötet.

Mein Großvater muss ihn dazu gezwungen haben, denn er hatte sich mit ihm unterhalten, bevor das alles losging. Ich wusste, dass mein Großvater einen Plan hatte, aber ich kannte nur einen Bruchteil davon.

Mir war schlecht und mein Herz war gebrochen, aber ich wusste, dass ich rennen und schnell hier weg musste. Ich muss so schnell wie möglich zum Shadow Pack.


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