Prolog.

Mai 1983.
Südkalifornien.
Die schwach beleuchteten und sich sanft schlängelnden Straßen der gehobenen Vororte machten es überraschend schwierig, die Hausparty zu finden. Ein Anwohner, der mit seinem Hund Gassi ging, beäugte meinen 1972er Buick Riviera im Scheinwerferlicht misstrauisch. Also tat ich ihm den Gefallen und ließ den knurrenden V8-Motor ordentlich aufheulen. Mein stellvertretender Manager-Kollege Miguel watschelte einen Häuserblock weit auf mich zu. „Joyo! Ray, ich habe ein Auto über die Musik gehört und wusste sofort, dass du das bist!“
Nachlässig, grob, vulgär und nicht besonders hell – Miguel hob Widerwärtigkeit auf ein ganz neues Level. Unsere einzige wirkliche Gemeinsamkeit war, dass wir mit den Frauen schliefen, die wir in unserem Restaurant beaufsichtigten. Dennoch fand ich den pummeligen Salvadorianer zum Schreien komisch und hing verdammt gerne mit ihm ab.
Nach meinem katastrophalen Date früher am Abend war ich bereit, mich gepflegt wegzuschießen. Kim hatte vielversprechend gewirkt, auch wenn sie etwas bieder war – besonders mit ihren vorstehenden Zähnen. Ich war sogar ein perfekter Gentleman gewesen. Doch was bekam ich für meine Mühe, als ich nach dem Essen einen mutigen Schritt wagte?
„Ray, es tut mir leid, aber... können wir einfach nur Freunde sein?“
Seit meinem Abschlussjahr 1980 an der High School hatte ich es mir zur Gewohnheit gemacht, auf die *Friendzone* auf die einzig angemessene Weise zu reagieren.
„Fick dich, du Schlampe!“
Die Fahrt von der Bar zu ihrer Wohnung war... angespannt gewesen. Kim war praktisch aus meinem Auto gesprungen und hatte die Tür offen gelassen, als ich zwei Blocks vor ihrem Zuhause an einer roten Ampel hielt.
*Ihr Verlust. Ich brauche keine empfindliche kleine Schnee-Fick-Flocke. Vielleicht mache ich mich an ihre hässliche Schwester ran, nur aus Spaß...*
Meine schicke Date-Kleidung stach in der legeren Menge der jungen Partygäste heraus, aber nach drei Bier war mir das egal.
Viele der Gäste arbeiteten für meine Restaurantkette, und ich freute mich, Helena zu sehen, eine stellvertretende Managerin aus einem anderen Laden. Sie flirtete immer mit mir, wenn ich mir Vorräte von ihr auslieh, und ich mochte unser anzügliches Geplänkel. Ich nahm es nicht ernst. Denn obwohl Helena eine freundliche und hinreißende Mexikanerin Mitte zwanzig war, stand ihre überschüssige Speckschicht meiner Anziehungskraft im Weg.
Alkohol wurde jedoch erfunden, um die Helenas dieser Welt schmackhaft zu machen. Es gab scheinbar einen unendlichen Vorrat von beidem, und ich nahm mir einen Moment Zeit, um die Symmetrie der Schöpfung zu bewundern.
Ich plauderte und flirtete ein paar Minuten mit Helena, bevor sie ging, und dann schrieb sie ihre Telefonnummer auf eine Serviette. „Ray, ruf mich an, wenn du dich treffen willst.“
Helenas sexy dunkle Augen machten mich hart, als sie mir den Zettel in die Hemdtasche steckte. Impulsiv zog ich sie zu mir heran. „Das werde ich, ganz bestimmt!“
Dann überraschte ich uns beide, indem ich sie zum Abschied leidenschaftlich küsste. Helenas enthusiastische Reaktion hob meine Stimmung und gab mir ein Gefühl des Sieges, besonders nach der Abfuhr von vorhin. Trotzdem spürte ich einen leichten Stich im Gewissen, weil ich sie so hinters Licht führte.
Ich würde Helena wahrscheinlich nicht anrufen. Mit einundzwanzig wohnte ich noch bei meinen Eltern und fühlte mich nicht wohl dabei, Frauen mit nach Hause zu nehmen – erst recht nicht für Sex. Sich so sehr zu betrinken, dass Helena begehrenswert wurde, machte die Fahrt zu ihrer Wohnung zu einer schlechten Idee. Um mein Erwachsenenleben voranzubringen, plante ich bald auszuziehen und nahm mir vor, das nächsten Monat in Angriff zu nehmen. Oder wann auch immer. Das Zukunfts-Ich würde sich schon darum kümmern. Das Gegenwarts-Ich musste einfach nur feiern und flachgelegt werden.
Während meine fleischlichen Gedanken an Helena schnell aus meinem Bewusstsein verschwanden, versorgte mich Miguel mit einem weiteren Bier. „Hey, Batman, warum hast du Catwoman nicht mitgebracht?“
Er nannte mich oft Batman, weil mein Riviera wie ein Batmobil aussah. Deshalb war Karen, unsere zierliche und *sehr* jung aussehende Angestellte, zur Catwoman getauft worden. Wir beide genossen die Spitznamen, auch wenn wir nur zweimal ausgegangen waren und nicht *wirklich* ein Paar waren.
Ich runzelte die Stirn. „Sie hat Abschlussprüfungen und ich glaube nicht, dass ich Karen noch einmal mitnehme, bevor ihr Freund aus dem College zurückkommt.“
Meine Schultern ließen vor Bedauern nach. „Ich habe wohl meine Chance bei Karen verpasst.“
Miguel fragte: „Ray, willst du, dass ich sie feuere?“
Er meinte es ernst. In Miguels speckigen Händen wurde Unprofessionalität zur Kunstform.
Ich lachte: „Nein! Karen ist eine meiner besten Arbeitskräfte, lass sie in Ruhe.“
Miguel nickte. „Okay, Joyo. Aber sag Bescheid, wenn du Interesse an irgendwelchen putas hier hast, dann stelle ich dich vor.“
Ich war dankbar, aber durchaus in der Lage, Frauen ohne ihn kennenzulernen – vor allem nach den vier Bier, die ich intus hatte.
*Eine normale Freundin. Ist das zu viel verlangt?*
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