Kapitel Eins
Willkommen, ihr Engel!
Ein paar Dinge vorab:
♡ Das hier ist eine Slow-Burn-Romanze. Wir lassen uns also Zeit, bis es zur Sache geht, anstatt wie sonst direkt mitten hineinzuspringen.
♡ Ich schreibe in britischem Englisch. Bitte korrigiert NICHT meine Rechtschreibung mit amerikanischem Englisch. (Es ist echt nervig, tut mir leid , nicht jeder schreibt Wörter mit einem „z“ oder nur einem „s“.)
♡ Falls euch jedoch Grammatikfehler auffallen, wäre es toll, wenn ihr mich darauf hinweist.
♡ Auch wenn es ein Slow Burn ist, schreibe ich Mature Romance. Begriffe wie „Clit“ und „Cock“ werden vorkommen. Wenn das nichts für euch ist, geht bitte einfach, ohne euch zu beschweren.
♡ Ihr könnt mir auf Instagram folgen: naughtyxchristian.
Vielen Dank und viel Spaß! L x
Asas Sicht. (Ace-ah)
Dringend: Hauslehrer für 17-jährigen Schüler gesucht. Unterkunft wird gestellt.
Anforderungen: A-Level-Qualifikationen in Biologie, Chemie und Physik.
Wünschenswert: A-Level in Wirtschaftswissenschaften.
Beschäftigungsdauer: Bis September.
Beginn: Ab sofort.
„Im Ernst, Ace, das ist perfekt. Du hast alle vier A-Levels.“
Bridget, meine beste Freundin, drängte mich dazu, mich auf die Stelle zu bewerben. Das Gehalt ist wahnsinnig gut. Um ehrlich zu sein, ist das auch das Einzige, was mich an dem Job reizt. Ich habe nicht unbedingt Lust, den ganzen Sommer mitten in der Pampa zu verbringen. Aber bei freier Kost und Logis plus Gehalt kann ich eigentlich nicht Nein sagen.
Im Moment bin ich gerade fertig mit der Uni und wohne wieder bei meinen Eltern, bis ich weiß, was ich mit meinem Leben anfangen will. Dieser Job ist die perfekte Chance, um Geld für eine eigene Wohnung zu verdienen. Außerdem verschafft er mir ein paar Monate Bedenkzeit.
Ich schickte eine E-Mail ab, bekundete mein Interesse und hängte ein Anschreiben, Referenzen und meinen Lebenslauf an. Nur zwei Stunden später erhielt ich eine Antwort von Gideon Donovan. Er lud mich für den nächsten Tag zu einem Vorstellungsgespräch ein.
So kam es, dass ich jetzt hier bin und vor den prachtvollen Toren einer extrem langen Auffahrt halte. Ich nenne meinen Namen über die Gegensprechanlage, und die Tore summen auf. Ich habe fast zwei Stunden gebraucht, um von meinen Eltern hierher zu fahren. Und wie es aussieht, werde ich noch mal zehn Minuten brauchen, um diese verdammt lange Einfahrt hochzufahren. Diese Familie muss stinkreich sein, hier gibt es riesige Ländereien.
Schließlich macht die Auffahrt eine Kurve und führt direkt vor ein Herrenhaus. Es ist drei Stockwerke hoch und mit Wasserspeiern und Urnen verziert. Es sieht aus wie ein Denkmal.
Ich parke davor und nehme nervös meine Handtasche und meinen Blazer aus dem Auto. Ich mache mich kurz zurecht und stelle sicher, dass ich für mein Gespräch ordentlich aussehe. Ich bin fünfzehn Minuten zu früh. Ich steige die vier Stufen zur doppelflügeligen Eingangstür hinauf und läute. Kurz darauf öffnet sich eine der Türen. Ein Mann, der Ende zwanzig oder Anfang dreißig sein dürfte, steht im Rahmen.
Für einen Moment bin ich von seinem Aussehen völlig geplättet. Er hat dunkelbraunes Haar, prüfende graue Augen und ein Gesicht, das so schön ist, dass er problemlos als Model arbeiten könnte.
An seiner steifen Haltung merkt man jedoch, dass er kein gutes Model abgeben würde. Er wirkt viel zu angespannt.
„Hallo, ich bin Asa Marquez. Ich habe um zehn Uhr einen Termin für ein Vorstellungsgespräch“, stelle ich mich nervös vor.
Der Mann mustert mich mit strengem Blick von oben bis unten. „Es freut mich, Sie kennenzulernen, Miss Marquez. Ich bin Gideon Donovan, wir hatten per E-Mail Kontakt“, antwortet er mit einer geschmeidigen, tiefen Stimme.
Er reicht mir die Hand. Ich schüttle sie und genieße das Gefühl seiner warmen Haut auf meiner.
„Bitte, kommen Sie doch rein.“
Er tritt beiseite, um mich hereinzulassen. Ich gehe an ihm vorbei und nehme einen Hauch seines unwiderstehlichen Aftershaves wahr.
Verdammt.
Das Foyer ist riesig. Meine Schuhe klacken auf dem schwarz-weiß gefliesten Boden. Das Geräusch hallt in dem riesigen Raum wider und lässt mich meine eigenen Schritte sehr deutlich spüren.
Mr. Donovan führt mich einen Korridor entlang in einen Raum, von dem ich annehme, dass es sein Büro ist. Er geht hinter den Schreibtisch und bittet mich mit einer Geste, Platz zu nehmen. Ich stelle meine Handtasche ab und setze mich in einen der weichen Sessel vor dem Schreibtisch.
Mr. Donovan lehnt sich vor und stützt die Ellbogen auf die glänzende Oberfläche. „Also, Asa, was hat Sie dazu bewogen, sich auf diese Stelle zu bewerben?“, fragt er beiläufig.
Seine Stimme mag locker klingen, aber ich sehe die Intensität in seinen Augen. Ich fühle mich gleichzeitig atemlos und nervös. Ich greife in meine Tasche und hole eine gefaltete Kopie meines Lebenslaufs heraus. Ich lege ihn auf den Tisch und Mr. Donovan nimmt ihn entgegen.
„Nun, wie Sie sehen können, erfülle ich alle geforderten Qualifikationen für den Posten. Ich habe meine A-Levels vor drei Jahren gemacht und der Stoff ist mir noch sehr präsent. Ich habe während der Schulzeit schon Freunde unterrichtet und es hat mir Spaß gemacht. Ich denke, dass ich für diesen Job sehr fähig und gut geeignet bin.“
Mr. Donovan überfliegt das Papier und sieht dann wieder zu mir auf. Er nickt und ein leichtes Lächeln erscheint auf seinen Lippen.
„Gut.“ Er lehnt sich in seinem Stuhl zurück. „Und Sie sind bereit, Vollzeit im Herrenhaus zu wohnen? An den Wochenenden können Sie natürlich nach Hause fahren.“
Ich nicke schnell. „Ja, das ist für mich in Ordnung.“
„Perfekt. Lassen Sie mich Ihnen noch ein paar weitere Informationen zur Stelle geben.“ Sein Gesicht wird ernst. Er wendet den Blick von mir ab und starrt stattdessen aus dem Fenster.
„Mein jüngerer Bruder Wesley ist der Schüler, den Sie unterrichten würden. Als er sechzehn war, wurde bei ihm ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert. Er schaffte es noch, seine GCSEs abzuschließen und mit den A-Levels zu beginnen, aber dann musste er für die Behandlung die Schule abbrechen.“
Ich versuche, mir den Schock nicht anmerken zu lassen, aber meine Augen weiten sich. „Gott, das tut mir so leid.“
Mr. Donovan nickt steif und sieht mich wieder an. „Im September kehrt er für sein zweites Jahr an der Sixth Form in die Schule zurück. Ich möchte, dass Sie ihn in den nächsten drei Monaten unterrichten und ihn auf den aktuellen Stand bringen, bevor die Schule wieder losgeht.“
Ich lecke mir über die trockenen Lippen und lächle. „Das kriege ich hin.“
Er stellt mir noch ein paar Fragen, um meine Eignung zu prüfen. Ich kann schwer einschätzen, wie es läuft, weil er so rätselhaft wirkt. Aber es muss wohl okay sein, denn er beendet die Befragung mit einem „Perfekt“.
„Ich führe Sie nach oben, damit Sie sich die Unterkunft ansehen und Wesley kennenlernen können. Wenn alles gut geht, können wir den Vertrag besprechen, wenn wir wieder unten sind.“
Mr. Donovan steht auf und führt mich aus dem Zimmer. Ich folge ihm schweigend die Treppe hinauf. Ich kann nur staunen. Dieses Haus ist einfach unglaublich.
Er zeigt mir eine Einliegerwohnung, die in das Haus integriert ist. Es gibt sogar ein Schloss an der „Eingangstür“. Die Wohnung besteht aus einem Schlafzimmer, Bad en suite, Wohnzimmer und Küche. Sie ist klein und gemütlich, aber viel mehr, als ich erwartet hätte.
Ich mache Mr. Donovan ein Kompliment zu seinem wunderschönen Zuhause. Er führt mich den Flur entlang und bleibt vor einer Holztür stehen, an der ein „KEEP OUT“-Schild klebt.
Ich dachte immer, es sei nur ein Filmklischee, dass Teenager solche Schilder an ihre Zimmertüren hängen, aber anscheinend nicht. Mr. Donovan klopft an und öffnet die Tür. Ich folge ihm vorsichtig hinein.
Das Zimmer ist in Dunkelblau gehalten, was ihm eine düstere Atmosphäre verleiht. Die Vorhänge sind zugezogen, nur die Nachttischlampe brennt. Ein Junge im Teenageralter liegt auf seinem ungemachten Bett. Er trägt Basketball-Shorts, ein übergroßes T-Shirt mit der Aufschrift „ACDC“ und eine Beanie, die so tief sitzt, dass sie seine Augenbrauen verdeckt.
Er ist völlig in sein Videospiel vertieft. Seine Augen kleben am Fernseher und seine Finger bewegen sich hektisch auf dem Controller.
„Wesley, ich habe eine Kandidatin für die Tutorenstelle dabei. Könntest du das bitte kurz pausieren und dich vorstellen?“, bittet Mr. Donovan in barschem Ton.
Wesley wendet den Blick gerade so lange vom Bildschirm ab, um mich von oben bis unten zu mustern. Er nickt zur Begrüßung und widmet sich wieder seinem Spiel. „Hi, ich bin Wes“, sagt er desinteressiert.
Mr. Donovan seufzt schwer. „Mach das Ding aus. Jetzt.“
Wes rollt mit den Augen, drückt aber auf Pause.
„Stell dich ordentlich vor“, befiehlt er seinem Bruder.
Wes sieht mich mit gelangweiltem Blick an. „Ich bin Wes. Freut mich. Wie heißt du?“ Sein Tonfall ist roboterhaft und unhöflich.
„Ich bin Asa. Schön, dich kennenzulernen, Wes“, antworte ich.
Er mustert mich erneut und starrt dann wieder zum Fernseher.
„Gibt es irgendetwas, das du fragen möchtest?“, fragt Mr. Donovan mit deutlichem Unterton von Verärgerung.
„Nö“, antwortet er kurz angebunden.
Das Telefon in Mr. Donovans Tasche beginnt zu vibrieren. Er flucht leise und holt es heraus. „Es tut mir sehr leid, ich muss da rangehen. Entschuldigen Sie mich bitte“, sagt er schnell. „Wes, unterhalte dich mit Asa.“
Er verlässt eilig den Raum und schließt die Tür. Plötzlich fühle ich mich sehr unwohl. Ich sehe mich verlegen um und betrachte die Bandposter und den Kleinkram in den Regalen, wie etwa einen Zauberwürfel. Wes drückt die Play-Taste und spielt weiter. Ich gehe zu seinem Bett und schaue ihm zu. Sieht eigentlich ganz einfach aus.
„Darf ich auch mal?“, frage ich ihn.
Er pausiert das Spiel und sieht mich überrascht an. Er lässt den Blick über meinen Körper wandern und grinst frech. „Ich glaube nicht, dass du das checkst“, bemerkt er.
Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Na gut. Lass mich spielen. Wenn ich dich schlage, musst du mir eine Chance geben. Ich merke nämlich, dass du mich schon abgeschrieben hast“, schlage ich vor.
Wes grinst. „Wenn ich gewinne, musst du wieder abhauen.“
Ich zucke mit den Schultern. „Abgemacht.“
„Alles klar. Aber du wirst mich nicht schlagen.“
Wes holt den zweiten Controller und reicht ihn mir. Ich kniee mich auf den Teppich neben seinem Bett und lockere meine Schultern.
Dann mal los.
Ich drücke die nötigen Tasten. Meine Augen flitzen auf dem Fernseher hin und her, während ich den Bewegungen meines Charakters folge. In drei Minuten habe ich Wes’ Charakter besiegt.
Kinderspiel.
„Was? Wie? Hast du das Spiel zu Hause oder was?“, will er wissen.
Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. „Meine beste Freundin hat drei Brüder. Ich war früher oft bei ihr, die haben mir so einiges beigebracht. Wenn du Glück hast, zeige ich dir vielleicht, wie man gewinnt“, sage ich selbstbewusst und zwinkere ihm zu.
Wes starrt mich nur an. „Okay, ich gebe zu, ich bin ein bisschen beeindruckt.“
Ich grinse über sein Geständnis. „Gut. Und jetzt sag mir, warum du mir keine Chance geben wolltest.“
Wes verzieht das Gesicht und wirft seinen Controller auf die Bettdecke. Er rutscht ein Stück höher und lehnt sich gegen das Kopfteil. Mir wird klar, dass seine Beanie nicht einfach nur über seinen Augenbrauen sitzt – er hat gar keine Augenbrauen mehr. Das muss die Chemo gewesen sein.
„Der erste Typ, den mein Bruder interviewt hat, war ein stinklangweiliger, alter Knacker. Der hätte ein Schuldirektor oder so ein Mist sein können“, erklärt Wes. „Und alle Frauen, die er bisher interviewt hat, wollten nichts anderes, als bei meinem Bruder zu landen. Sie haben so getan, als würden sie sich für mich und den Unterricht interessieren, aber in Wirklichkeit haben sie die ganze Zeit nur mit meinem Bruder geflirtet. Da wird mir echt schlecht.“
Ein schlechtes Gewissen überkommt mich. Da sitze ich nun und geile mich an seinem Bruder auf, genau wie jede Kandidatin vor mir. „Das ist ja ätzend.“
„Ja, voll. Vor allem, als ein paar von denen Probetage gemacht haben. Ich dachte echt, die wollen mir helfen, aber ich war denen völlig scheißegal.“
Ich höre den Schmerz in seiner Stimme. Er mag ein siebzehnjähriger Junge sein, aber das heißt nicht, dass es ihn nicht verletzt, wenn er nur benutzt wird.
„Also, ich verspreche dir, ich werde nicht so sein wie die. Ich bin nur wegen dir hier“, sage ich ihm. „Außerdem wette ich, dass keine der anderen Kandidatinnen dir so den Arsch versohlt hat wie ich gerade.“
Wes schnaubt und schüttelt den Kopf. „Nein, das konnten sie nicht.“
„Eben. Ich verspreche, dich zu unterrichten – sowohl in deinen Schulfächern als auch an der Xbox –, solange du versprichst, mir eine Chance zu geben.“
Er lächelt und nickt. „Abgemacht.“
Ich grinse ihn an. „Gut. Wir kriegen das hin, Wes.“
Sein Bruder kommt zurück ins Zimmer und sieht zwischen uns hin und her. Er ist offensichtlich überrascht, dass wir beide lächeln.
„Ich mag sie“, sagt Wesley zu seinem Bruder.
Mr. Donovan kann die Überraschung und Freude in seinem Gesicht nicht verbergen.
„Perfekt. Asa, Sie haben den Job.“