Verführung im schottischen Hochland

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Zusammenfassung

Blair Stewart, Tochter des Immobilienmoguls Robert Stewart, ist im kalifornischen Napa aufgewachsen. Auch wenn sie durch das Vermögen ihrer Eltern bekannt ist, entspricht dieses Leben so gar nicht Blair. Sie hat noch ein Jahr vor sich an der Stanford University, wo sie Geschichte im Hauptfach und Pädagogik im Nebenfach studiert – alles gegen den Willen ihrer Eltern. Die wünschen sich, dass sie einen reichen Mann findet, heiratet und in das Familienunternehmen einsteigt. Rory MacDonald, der älteste Sohn von Duncan MacDonald und Erbe der Dorn MacDonald Distilling Co., einer der renommiertesten Whisky-Brennereien in Schottland, bereitet sich darauf vor, die Position als CEO zu übernehmen. Das einzige Problem: Seine Eltern wollen, dass er eine standesgemäße Braut findet, doch keine der Frauen rund um Tain weckt sein Interesse. Ist es reiner Zufall, dass sich Blairs und des rauen Highlanders Wege kreuzen, oder ist es Schicksal?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
40
Rating
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Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Blair

Es ist drei Uhr morgens. Ich sehe zu meiner besten Freundin rüber, die ebenfalls Geschichte studiert. Sie schläft noch tief und fest. Ich frage mich, wie sie in so einem Moment schlafen kann. Immerhin fliegen wir in ein paar Stunden nach Schottland. Wie aufregend ist das bitte? Ich bin vor einer Weile über Study Abroad auf diese Chance gestoßen. Mit viel Überredungskunst und finanzieller Hilfe von meinem Vater hat sie zugestimmt, sich auch anzumelden. So musste ich nicht alleine reisen.

Meine Eltern sind mit keiner meiner Entscheidungen für die Zukunft zufrieden. Sie wollten nicht, dass ich Geschichte im Hauptfach studiere. Dass ich Pädagogik im Nebenfach gewählt habe, machte alles nur noch schlimmer. In ihren Augen ist meine Berufswahl unter ihrem Niveau. Mein Vater ist nämlich ein sehr bekannter Immobilienmogul in Napa, Kalifornien. Er und meine Mutter leben im puren Luxus. Mein Bruder Zac und ich sind in diesem Leben aufgewachsen. Zac scheint jedoch eher nach meinen Eltern zu kommen, während ich der Außenseiter bin. Mir bedeuten Geld oder Ruhm nicht viel. Ich möchte etwas tun, das das Leben anderer bereichert, und einfach mit dem zufrieden sein, was ich habe. Meine Eltern finden diese Einstellung abscheulich. Mein Vater erwartet von Zac und mir, dass wir in seine Fußstapfen treten und im Familienunternehmen arbeiten. Es ist ihm egal, ob wir das wirklich wollen. Zac hat genau das getan. Er will nichts mehr, als es unseren Eltern recht zu machen. Er ist ihr Goldjunge. Mein ganzes Leben lang musste ich mir anhören: „Blair, was ist nur los mit dir? Warum kannst du nicht mehr wie dein Bruder sein?“ Zum Glück hat meine Großmutter, die für mich eher wie eine Mutter ist, meinem Vater mit seinem Erbe gedroht. Sonst hätte er mein Studium nicht bezahlt. Sie war es auch, die ihn dazu gebracht hat, mein Abenteuer in Schottland zu finanzieren. Sie hat ihn sogar gezwungen, auch für Sofie zu bezahlen.

Ach ja, Schottland. Ich kann das nächste Jahr kaum erwarten. Das ist die Erfahrung meines Lebens, und ich werde dort keine einzige Minute verschwenden. Ja, meine Eltern waren auch von dieser Idee nicht begeistert. Aber mit meinen Großeltern im Rücken konnte ich nicht verlieren. Ich liebe Geschichte, und Schottland ist ein Teil meiner eigenen Geschichte. Welchen besseren Ort gäbe es also? Die Familie meines Vaters hat schottische Wurzeln, und darüber würde ich gerne mehr erfahren. Mein Großvater hat mir viele Geschichten über seine schottische Verwandtschaft erzählt, und das hat mich schon immer fasziniert. Mein Großvater liebt Geschichte nämlich genauso sehr wie ich. Er und meine Großmutter waren überglücklich, als ich ihnen erzählte, dass ich zum Studieren nach Schottland gehen kann. Sie haben mich ermutigt, mich zu bewerben.

„Sofie, es ist Zeit zum Aufstehen. Komm schon, wir müssen zum Flughafen.“

Sie schreckte aus ihrem Bett hoch. „Oh mein Gott, Blair, wir fliegen nach Schottland!“ Wir hielten uns an den Händen und tanzten vor lauter Aufregung ein bisschen herum. Wir mögen zwar Anfang zwanzig sein, aber manchmal benehmen wir uns noch wie kleine Kinder.

Unser Flug hat einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Dublin, und von dort fliegen wir nach Glasgow. Am Flughafen treffen wir uns mit drei anderen Studenten, die ebenfalls über Study Abroad nach Schottland gehen. Sofie und ich sind die einzigen beiden Geschichtsstudenten.

Der Flug war lang, aber ich war zu aufgeregt, um zu schlafen. Ich habe mich mit einem der anderen Studenten unterhalten, Eric. Er studiert an der Columbia University in New York. Er war nett und sehr gutaussehend. Er schien an mir interessiert zu sein, und wir haben Nummern ausgetauscht. Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir gut zusammenpassen würden.

Als wir in unseren Zimmern in Dublin ankamen, spürte ich langsam die Müdigkeit. Ich hatte seit zwei Nächten nicht geschlafen, und mein Körper war bereit fürs Bett.

Kaum hatten wir unser Zimmer betreten, fing Sofie an: „Na, du und Eric, ihr schient euch ja prächtig zu verstehen.“

„So ist das nicht, Sofie. Er war einfach nur jemand, mit dem ich im Flugzeug reden konnte, da du ja fast die ganze Zeit geschlafen hast.“

„Ich weiß ja nicht. Er schien ziemlich interessiert an dir zu sein.“

„Ja, vielleicht. Aber er ist nicht mein Typ.“

„Woher willst du das wissen? Du weißt wahrscheinlich nicht mal, was dein Typ ist. Du gibst ja nie jemandem eine Chance.“

„Fang nicht damit an, Sofie. Ich bin müde und will ins Bett.“

„Ich sag’s ja nur. Er scheint dich wirklich zu mögen und er ist heiß. Vielleicht solltest du ihm eine Chance geben.“

„Sofie, er lebt in New York, ich lebe in Kalifornien. Wie soll das überhaupt funktionieren?“

„Na ja, du hast ein ganzes Jahr in Schottland vor dir. In einem Jahr kann sich viel ändern.“

„Ich bezweifle, dass sich daran etwas ändert. Ich meine, ja, ich will weg aus Napa, aber New York ist nicht der Ort, an den ich ziehen will. Und er sagt, er hat nicht vor, New York zu verlassen. Also hat sich die Sache erledigt.“

„Wie gesagt, in einem Jahr kann viel passieren. Außerdem möchte ich, dass du dich neuen Möglichkeiten öffnest. Ich liebe dich über alles, aber seien wir ehrlich: In Sachen Beziehungen bist du eine Niete.“

„Bin ich gar nicht. Ich habe nur noch niemanden gefunden, der zu mir passt.“

„Wie willst du jemanden finden, der zu dir passt, wenn du niemandem eine Chance gibst?“

„Das Gespräch ist für mich beendet. Ich gehe schlafen.“

„Ja, weil du weißt, dass ich recht habe. Vor jedem Jungen, der es ernst mit dir meint, rennst du weg. Schau dir James an.“

„Was auch immer, Sofie. James war ein egoistischer Mistkerl, und das weißt du.“

„Okay, du hast recht, schlechtes Beispiel. Was ist mit Matthew?“

„Na gut, Matthew war zu nett. Er klebte mir rund um die Uhr am Arsch. Ich fühlte mich total eingeengt.“

„Ja, er war ein bisschen ein Muttersöhnchen, aber er war nicht so übel. Und was ist mit Eli?“

„Eli war toll, und ja, mit ihm hätte ich mir eine Zukunft vorstellen können. Aber er hat mit mir Schluss gemacht, weißt du noch? Dafür konnte ich nichts.“

„Stimmt. Warum hat er eigentlich Schluss gemacht? Ihr zwei wart echt süß zusammen.“

„Ich wünschte, ich wüsste es. Er hat den Kontakt komplett abgebrochen, mich in allen sozialen Medien blockiert und alles.“

„Wow, das ist seltsam.“

„Ja, völlig ohne Erklärung. Ich habe versucht, in der Uni mit ihm zu reden, weil er mich überall blockiert hatte, aber er hat mich keines Blickes gewürdigt.“

„Was zum Teufel?“

„Ja. Also, gute Nacht, Sofie.“

„Gute Nacht.“

Ich war so froh, als wir in Glasgow landeten. Eric war kurz davor, mich in den Wahnsinn zu treiben. Sofie hatte recht, er mag mich definitiv, aber ich empfinde nicht dasselbe für ihn. Ich habe ihm gesagt, dass wir Freunde sein können, aber mehr nicht. Ich bereue es schon, ihm meine Nummer gegeben zu haben. Er wurde heute immer aufdringlicher, und das ging mir auf die Nerven. Warum machen Männer das? Sie fallen mit der Tür ins Haus, und bei mir ist das ein totaler Abturner.

Wir nahmen ein Taxi zu unserem Hotel. Dafür, dass es hier Juni ist, war das Wetter schön, ganz anders als in Kalifornien. Morgen reisen Sofie und ich nach Inverness, wo wir das nächste Jahr leben werden. Wir haben ein paar Tage Zeit, um uns einzugewöhnen und die Stadt kennenzulernen. Nächste Woche beginnt dann das Studium. Wir hatten die Wahl, im Juni oder im August zu kommen. Wir haben uns für den Sommer entschieden, weil Kurse angeboten wurden, die wir sonst nicht hätten belegen können. Außerdem haben wir so Zeit, die Gegend zu erkunden, bevor der ganze Stress losgeht.

Wir verbrachten den ganzen Tag damit, durch die Stadt zu laufen und uns die kleinen Läden anzusehen. Wir hatten ein fantastisches Mittagessen in einem süßen kleinen Restaurant namens Fig and Thistle. Der ganze Ort war wunderbar und schön. Die Leute waren alle sehr freundlich, wenn auch manchmal schwer zu verstehen.

Später am Abend machten wir uns auf, das lokale Nachtleben zu erkunden. Wir landeten in einem vollgestopften Pub namens The Malt. Die Leute tranken, tanzten und ließen es krachen. Ich war noch nie der große Party-Typ, aber Sofie dafür umso mehr.

Wir bahnten uns einen Weg durch die Menschenmassen zur Bar. Hinter der Theke stand ein bulliger Typ und unterhielt sich mit dem Barkeeper. Es dauerte ein paar Minuten, bis wir seine Aufmerksamkeit bekamen. Doch als Sofie lautstark einen Drink forderte, sahen uns beide Männer an. Der große Mann flüsterte dem Barkeeper etwas zu und kam zu uns herüber. „Was darf’s sein, mein schönes Mädel?“

„Ein großer Schluck von dir.“

„Oh mein Gott, Sofie, echt jetzt! Entschuldigen Sie meine Freundin. Sie hat den Verstand verloren.“

Er lachte glucksend. „Wo kommt ihr her?“

„Kalifornien.“

„Ein weiter Weg von zu Hause.“

„Ja.“ Während er redete, ließ er mich die ganze Zeit nicht aus den Augen. Es war, als wäre ich die einzige Person im Raum.

„Also, was wollt ihr trinken?“

„Was immer Sie empfehlen.“

Er grinste, als hätte er gerade einen Preis gewonnen. „Dann nehmen wir Whiskey.“ Er schnappte sich eine große dunkle Flasche aus dem Regal. „Das hier ist der beste Whiskey, den man für Geld kaufen kann. Probier mal einen Schluck davon.“

Ich kippte mein Glas nach hinten und ließ die braune Flüssigkeit meine Kehle hinunterlaufen. Er war gar nicht schlecht. Ich kann verstehen, warum die Leute ihn so mögen.

Ich sah wieder zu dem Mann, der mich neugierig musterte. „Und, was meinst du?“

„Nicht schlecht.“

„Nicht schlecht? Das ist alles?“

„Was soll ich denn sagen?“

„Ich weiß nicht. Etwas mehr als nur ‚nicht schlecht‘.“

Ich wusste nicht, was der Mann von mir wollte. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich bin keine Expertin für Whiskey.“

„Hier, nimm noch einen Schluck. Diesmal konzentrier dich auf das Aroma. Sag mir, was du schmeckst.“

„Warum ist das wichtig?“

„Ach, mach schon. Es wird dich nicht umbringen, Prinzesschen.“

Ich verdrehte die Augen, kippte das zweite Glas und trank die braune Flüssigkeit erneut. Ich gab mir größte Mühe, die Aromen herauszuschmecken. Mir fiel auf, dass er weich und rauchig war, mit einer leichten Fruchtnote im Abgang.

„Und?“

„Er ist rauchig und fruchtig, sehr weich.“

Er grinste. „Sag ich doch, der beste Whiskey weit und breit. Hier, trink noch einen.“

„Ich glaube, Sie wollen mich betrunken machen.“

Er stieß ein tiefes, kehliges Lachen aus. „Aber sicher.“

Ich lachte über seine Art und exte das Glas.

„Wie heißt du, Mädel?“

„Blair.“ Ich zeigte auf Sofie, die grinsend in meine Richtung sah. „Und das ist Sofie. Wir sind gerade erst hierhergezogen.“ Warum ich ihm das erzählte, wusste ich selbst nicht. Das musste der Alkohol sein.

„Ihr seid hierhergezogen? Wirklich?“

„Ja. Wir verbringen das nächste Jahr hier für ein Auslandsstudium.“

„Oh, ihr seid also Studentinnen.“

„Wir sind in unserem letzten College-Jahr.“

„Verstehe. Nun, es war schön, euch Damen kennenzulernen.“

„Warten Sie, ich habe Ihren Namen gar nicht mitbekommen.“

„Rory, Rory MacDonald.“ Er verbeugte sich, als wären wir von königlichem Geblüt.

„Wohnen Sie hier in der Nähe? Werden wir uns wiedersehen?“

„Ja. Ich wohne nicht weit weg. Wenn es das Schicksal will, werden sich unsere Wege kreuzen. Und nun wünsche ich euch einen schönen Tag.“

Damit ging er weg. „Mädchen, was war das denn?“

„Was war was?“

„Bitte, stell dich nicht dumm. Du standst auf ihn, und er stand definitiv auf dich. Verdammt, es war, als wärst du die Einzige im Raum.“

„Nein. Das bildest du dir nur ein.“

„Was auch immer. Ich weiß, was ich gerade gesehen habe.“

Ich muss zugeben, der Mann hat mich neugierig gemacht. Es war, als gäbe es eine Verbindung zwischen uns. Er war wirklich wunderschön, ganz anders als alle, die ich bisher getroffen hatte. Er war markant und rau, und Gott, wie sehr ich hoffte, ihn wiederzusehen.