My Guardian

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Zusammenfassung

Direkt nachdem Juniper vom Tod ihres Vaters erfährt, trifft sie einen Mann, wie sie noch nie zuvor jemandem begegnet ist. Warnung: Diese Geschichte ist eine verbotene Age Gap Romance. Alle sexuellen Handlungen sind einvernehmlich, könnten jedoch für manche Leser unangenehm sein.

Genre:
Romance
Autor:
LisssaSeven
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
47
Rating
4.8 23 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

The Stranger


Juniper

Mein Vater ist heute gestorben.

Er war nicht der beste Vater, aber er war immerhin mein Vater. Ich wusste, dass dieser Tag kommen würde, aber ich hatte gehofft, dass er bis zu meinem siebzehnten Geburtstag durchhält. Nicht, dass ihm das viel bedeutet hätte.

Ich hatte keine Ahnung, was ich jetzt tun sollte, wo er weg war. Ich war noch viel zu jung und er war meine einzige Familie.

Der Arzt überbrachte mir die Nachricht, während ich auf dem kalten Flur des Krankenhauses stand. „Wir haben alles versucht, was wir konnten“, sagte er, als ob mir das irgendeinen Trost spenden würde.

„Gibt es jemanden, den wir für Sie anrufen können, Miss Callahan?“

Meine Augen waren voller Tränen und ich konnte überhaupt nicht klar denken. Mein Vater war tot und ich war ganz allein. Ich spürte, wie meine Knie nachgaben. Ich war kurz davor, einfach in mich zusammenzusacken, als ich hinter mir eine tiefe Stimme hörte.

„Schon gut, Doktor. Ich werde mich um alles kümmern.“

Der Arzt presste die Lippen zusammen und nickte mir kurz zu, bevor er ging. Ich wischte mir mit den Ärmeln meines Hoodies die Tränen aus dem Gesicht, die unaufhörlich flossen, und drehte mich dann langsam um. Ich wollte sehen, wem die Stimme gehörte, die versprochen hatte, sich „um alles zu kümmern“.

Zu meiner Überraschung blickte ich in kalte, graue Augen, in denen absolut keine Regung lag. Der Mann, dem sie gehörten, stand jetzt vor mir. Er trug einen schwarzen Anzug. Ich fragte mich, wer er wohl sein mochte, während mein Blick an seinem gesamten Körper hängen blieb: seinem perfekt geformten Gesicht und dem kurzen, dunklen Haar, das tadellos auf seinem Kopf saß.

Ich beobachtete vorsichtig, wie er ein paar Schritte auf mich zuging und direkt vor mir stehen blieb. Er überragte mich und gab mir das Gefühl, ganz klein zu sein. Ich war ehrfürchtig und konnte nur in seine grauen Augen starren, während mir die Worte im Hals stecken blieben.

„Juniper?“

Da war diese Stimme wieder, aber diesmal nannte er meinen Namen. Ich hob nur fragend die Augenbrauen und wartete darauf, dass er mehr sagte.

„Du siehst ihr verdammt ähnlich“, stellte er fest.

Ich wusste genau, wen er meinte – natürlich meine Mutter. Sie war bei meiner Geburt gestorben, und mein Vater hatte mich fast mein ganzes Leben dafür bestraft, dass ich ihr Gesicht geerbt hatte.

Der Mann wirkte einschüchternd, daher zitterte meine Stimme ein wenig, als ich fragte: „Wer sind Sie?“

„Mein Name ist Cade. Dein Vater war mein Adoptivbruder. Er hat mich vor etwa einer Woche angerufen, mich über seine Krankheit informiert und mir mitgeteilt, dass er mich zu deinem gesetzlichen Vormund gemacht hat.“

Er machte eine kurze Pause, betrachtete kurz mein Gesicht und fuhr dann fort: „Das war die einzige Zeit, zu der ich kommen konnte, aber ich schätze, ich bin ein wenig zu spät dran.“

Jedes Wort, das über seine Lippen kam, ließ meine Welt in Scherben fallen. Mein Vater hatte mir immer erzählt, dass alle in seiner Familie tot seien. Er legte großen Wert darauf, mich immer wieder daran zu erinnern, dass meine Mutter alles war, was er hatte, bevor ich ihr das Leben nahm.

Er hatte mich mein ganzes Leben lang belogen. Ich fand nicht nur heraus, dass mein Vater einen Bruder hatte, sondern auch, dass er mich in dessen Obhut gegeben hatte. Ich konnte nur daran denken, dass dieser Mann für mich nichts weiter als ein Fremder war.

Ich blickte noch einmal in seine kalten, grauen Augen, doch nun hatte ich keine Angst mehr vor ihrer Gefühllosigkeit. „Mein Vater hat mir nie von Ihnen oder irgendeiner anderen Familie erzählt. Ich brauche Sie nicht. Ich komme alleine zurecht.“

Er seufzte und antwortete ganz ruhig: „Ich will auch nicht dein Möchtegern-Vater sein. Ich habe viel zu viele Verpflichtungen. Ich hätte dem Ganzen nicht zugestimmt, wenn es nicht wegen deiner Mutter gewesen wäre. Sie ist der einzige Grund, warum ich hier bin.“

Er nahm einen ernsten Ausdruck an und fragte: „Hast du dich verabschiedet?“

Sein Ton war flach und gleichgültig. Ich merkte, dass ich gerade von einem herzlosen Mann zum nächsten geraten war. Der einzige Unterschied war, dass mein Vater zumindest fähig war, irgendeine Art von Emotion zu zeigen, auch wenn es Wut oder Ekel war. Zumindest war es ein Beweis dafür, dass er überhaupt etwas fühlen konnte.

Ich hatte darüber nachgedacht, in der Sekunde, als der Arzt mir vom Tod meines Vaters berichtete. Ich wusste, dass ich seinen leblosen Körper nicht sehen wollte. Ich entschied mich in diesem Moment dazu, dass meine letzte Erinnerung an ihn der Besuch am Vortag nach der Schule sein sollte, als ich ihm ‚Der Fremde‘ von Albert Camus vorgelesen hatte.

Er hatte behauptet, es sei das Lieblingsbuch meiner Mutter gewesen, und wir beide hielten es genau deshalb in Ehren.

Ich beschloss, den Fremden vor mir anzulügen, und sagte ihm, dass ich mich bereits von meinem Vater verabschiedet hätte. Es war offensichtlich gelogen, aber seine Gleichgültigkeit sorgte dafür, dass er nicht einmal nachfragte.

Er machte eine Handbewegung zur Seite, und ein weiterer Mann in einem Anzug tauchte am Ende des Flurs auf und kam auf uns zu.

„Bring sie zum Wagen, während ich mich darum kümmere“, befahl mein neuer Vormund.

Mein Herz begann zu rasen. Alles passierte so schnell. Ich war nicht an Veränderungen gewöhnt und ich glaube auch nicht, dass ich sie jemals mochte.

Ich sah den Mann, der nun für mich sorgen sollte, mit tränenden Augen an, aber das schien ihn überhaupt nicht zu interessieren. Er ging an mir vorbei und überließ es seinem Begleiter, mich gewaltsam zu seinem Auto zu bringen. Ich wollte es ihm nicht schwer machen. Ich brauchte einfach nur noch ein kleines bisschen Beständigkeit in meinem Leben.




Ich saß gefühlt stundenlang ganz allein auf dem Rücksitz des Wagens. Eine Trennwand versperrte mir die Sicht auf den Mann vorne.

Ich weinte und dachte an meinen Vater. Ich liebte ihn und glaubte, dass er mich tief in seinem Inneren auch liebte. Ich hatte ihm die Liebe seines Lebens genommen, also konnte ich es ihm nicht verübeln, dass er so grausam zu mir war.

Ich hatte gehofft, dass er mir eines Tages verzeihen und mich genauso lieben würde wie meine Mutter. Aber jetzt, wo er tot war, wusste ich, dass dieser Tag niemals kommen würde.

Die Autotür öffnete sich. Das Geräusch und der plötzliche Hauch kalter Luft, der durch meine Kleidung drang, ließen mich zusammenzucken. Ich wurde abrupt aus meinen tiefen Gedanken gerissen.

Mein neuer Vormund stieg ein und sein Geruch erfüllte innerhalb von Sekunden das ganze Auto. Er presste die Kiefer zusammen und starrte stur nach vorne. Das Auto setzte sich in Bewegung.

Ich sah ihn mit Angst an und fragte mich, wie das nächste Jahr meines Lebens unter seiner Obhut wohl aussehen würde.

Er war distanziert und bot mir keinerlei Trost für den Verlust meines Vaters. Er behauptete, sein Bruder zu sein, doch es schien ihn kein bisschen zu berühren, dass er tot war. Ich begann mich zu fragen, ob er überhaupt fähig war, irgendetwas zu fühlen.

Ohne mich auch nur anzusehen, sagte er: „Du wirst bei mir bleiben, bis du achtzehn bist. Danach erwarte ich, dass du gehst. Um Geld musst du dir keine Sorgen machen, ich werde dir alles geben, was du brauchst, um auf eigenen Beinen zu stehen.“

Es ist schon komisch: Als er das sagte, musste ich nur daran denken, dass ich immer wieder das Gefühl bekam, nicht geliebt zu werden. Dieser Mann brauchte nur wenige Minuten, um zu wissen, dass er nichts mit mir zu tun haben wollte. Das reichte ihm schon, um nicht einmal versuchen zu müssen, nett zu mir zu sein.

Aber das war mir egal. Ich wollte sowieso allein sein.

Wir fuhren zu einem Hotel außerhalb meiner kleinen Stadt. Ich drehte mich zu ihm um, als ich bemerkte, dass wir Ernestine Valley verließen. „Ich dachte, wir fahren zurück zu meinem Haus“, sagte ich.

Er würdigte mich kaum eines Blickes mit seinen kalten, grauen Augen. „Wir werden dort nicht bleiben. Wir bleiben im Hotel, bis die Beerdigung vorbei ist, und dann fliegen wir zu mir nach Hause.“

Warum? fragte ich mich. Das war mein Zuhause, und es war vollkommen in Ordnung. Es gab nichts Falsches an dem Haus, in dem mich mein Vater großgezogen hatte. Es war nicht schick oder so, aber es war alles, was ich kannte. Sein Ton ließ es so klingen, als wäre es nicht gut genug für ihn.

Ich fing an, mich auf den Tag zu freuen, an dem ich achtzehn werden würde, damit ich endlich frei von ihm wäre.