Kapitel 1
Ich betrat das Café und wurde sofort vom süßen Geruch nach Donuts und Kaffee eingehüllt. Ich brauchte dringend Koffein. Nur so konnte ich mich mental auf das vorbereiten, was ich heute Abend vorhatte.
Vor ein paar Monaten hatte ich meinen Job verloren. Mein Chef hatte mich gefeuert. Genauer gesagt war es die Mutter meines Ex-Freundes Nick. Sie hatte unsere Trennung nicht gut verkraftet und wollte mich loswerden. Jetzt hielt ich mich mit einem beschissenen Job über Wasser.
Ein langer Tag lag vor mir. Ich arbeitete als Kellnerin in einer Kneipe, bis ich etwas Besseres fand. Ich brauchte das Geld wirklich dringend. Ich saß tief in der Kreide, musste Miete und alle möglichen Rechnungen bezahlen, und niemand half mir.
Früher hatte ich bei Nick gewohnt. Nach der Trennung musste ich natürlich ausziehen. Ich hatte hier weder Familie noch Freunde.
Ich war völlig auf mich allein gestellt. Der Stress fraß mich auf, und ich hatte das Gefühl, langsam verrückt zu werden. Hinter mir schrien Kinder, und ich spürte, wie Kopfschmerzen aufstiegen. Mit schmerzendem Kopf trat ich an die Kasse. Ich bestellte einen großen schwarzen Kaffee und einen Tee-Keks. Gerade als ich bezahlen wollte, schob sich ein Arm an mir vorbei und reichte dem Kassierer Geld.
Überrascht blickte ich auf. Ein Mann überragte mich förmlich. Er sah mich nicht an, selbst als ich ein leises „Danke“ hervorbrachte. Er ging einfach weg und ließ mich völlig perplex zurück. Er kam mir bekannt vor, aber ich kam einfach nicht drauf, woher ich ihn kannte.
Es war mir eigentlich egal, aber ich hätte gerne mehr mit ihm geredet. Er sah verdammt gut aus. Es passierte selten, dass ein so attraktiver Typ mich überhaupt bemerkte, geschweige denn meinen Kaffee bezahlte. Aber es war wohl nur eine nette Geste. Er hatte mir ja nicht einmal einen Blick gegönnt. Etwas enttäuscht setzte ich mich an einen Tisch.
Mit Männern war ich sowieso eine Niete, ich hätte ihn also kaum beeindruckt. Bei Fremden war ich immer etwas langweilig und schüchtern. Nick hatte mir ständig gesagt, dass ich ihm zu öde sei. Keine Ahnung, warum er es so lange mit mir ausgehalten hat, wenn er meine Art so hasste. Ich wusste auch nicht, warum ich mir seinen Scheiß gefallen ließ. Vielleicht, weil ich sonst niemanden hatte und auf die Wohnung und den Job angewiesen war.
Vielleicht dachte ich auch, dass ich wegen meiner mangelnden sozialen Kompetenz nie wieder jemanden finden würde. Wir hatten nichts gemeinsam. Ich kannte ihn noch aus der Highschool, und er hatte mich irgendwann mal nach einem Date gefragt. Das Treffen war für mich schrecklich, aber ich blieb trotzdem bei ihm. Er war mir eben vertraut.
Schon beim ersten Date wollte er Sex. Ich war nicht bereit dazu. Er war zwar genervt, akzeptierte es aber schließlich. Wir waren ein Jahr zusammen, bevor es richtig schwierig wurde. Ich versuchte, die Beziehung zu retten, aber er machte Schluss. Er behauptete, ich sei die schlechteste Freundin gewesen, die er je hatte.
Wochenlang war ich danach am Boden zerstört. Nicht wegen ihm, sondern wegen mir selbst. Ich war so dumm gewesen, so lange bei ihm zu bleiben. Ich war für ihn in eine ganz andere Stadt gezogen und hatte meinen alten Job aufgegeben, um für seine Mutter zu arbeiten.
Ich weiß, das war keine Glanzleistung von mir. Ich dachte, ich sei verliebt, obwohl ich es gar nicht war. Ich wollte es einfach nur glauben.
Ich trank schnell meinen Kaffee aus. Vor meiner Schicht musste ich noch Lebensmittel einkaufen. Ich musste genau rechnen, wie viel ich ausgeben durfte. Es war Monatsende, und die Miete stand an. Ich seufzte, als mir klar wurde, dass ich nur noch 20 Dollar übrig hatte. Mein Kühlschrank war leer, und ich brauchte dringend etwas Vernünftiges zu essen. Ich hatte eine Zeit lang nur von billigem Fast Food gelebt und fing an, ungewollt zuzunehmen.
Heute Abend sollte sich jedoch alles ändern. Meine Kollegin Sally hatte mir von einem privaten Underground-Prostitutionsring erzählt, bei dem man viel Geld verdienen konnte. Sie suchten ihre Frauen sehr streng aus, und es war schwer, dort reinzukommen. Als sie es mir zum ersten Mal vorschlug, war ich angewidert. Ich konnte nicht fassen, dass sie mir riet, mich zu prostituieren.
Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas jemals in Erwägung ziehen würde. Außerdem wusste ich kaum etwas über Sex. Ich hatte es nur ein einziges Mal mit Nick getan, als er mich entjungfert hatte. Es war eine furchtbare Erfahrung gewesen. Ich hasste jede Sekunde davon, obwohl das Ganze nur ein paar Minuten dauerte. Es waren die schlimmsten fünf Minuten meines Lebens. Danach hatte ich überhaupt keine Lust mehr auf Sex, was auch ein Grund für unsere Beziehungsprobleme war.
Ich konnte mir nicht vorstellen, für Geld mit Fremden zu schlafen, aber ich brauchte die Kohle dringend. Ich war mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt Lust darauf hatte. Das lag wohl hauptsächlich an meinem schrecklichen ersten Mal.
In der Highschool war ich heimlich gespannt auf Sex gewesen. Damals wusste ich es nicht besser und hatte so viele Filme gesehen, in denen Sex romantisch und lebensverändernd dargestellt wurde. Für mich war er nichts von beidem.
Ich wusste nicht, wie ich als Prostituierte arbeiten sollte. Ich war extrem schüchtern und tat mich schwer mit Fremden. Meine Unsicherheit und die mangelnde Erfahrung beim Sex würden mir auch nicht gerade helfen. Sally drängte mich jedoch dazu. Sie meinte, ich würde erst Selbstvertrauen finden, wenn ich es einfach wagte. Und es sollte ja nur für kurze Zeit sein, bis ich einen besseren Job fand.
Ich war bereits beim Arzt gewesen und hatte mir die Pille besorgt. Dafür musste ich einen Teil meines Geldes für Lebensmittel opfern. Das durfte nicht umsonst gewesen sein, also redete ich mir ein, dass ich jetzt keinen Rückzieher machen durfte. Heute Abend war das Vorstellungsgespräch, und ich hatte keine Ahnung, was mich erwartete. Ich hoffte, dass ich nichts vorführen musste, denn ich hatte absolut keine Talente in diesem Bereich.
*****
Kurz darauf kam ich bei der Arbeit an. Mir graute es vor den langen Stunden, die vor mir lagen. Eigentlich hatte ich eine 4-Stunden-Schicht, aber ich hatte weitere 4 Stunden übernommen, um mehr zu verdienen. Niemand stellte Vollzeitkräfte ein, also musste ich mit diesen kurzen Teilzeit-Schichten klarkommen.
Ich ging zum Tresen und ignorierte die schmierigen, besoffenen Blicke der Männer mittleren Alters. Alle Frauen hier wurden so angestarrt. Es war ekelhaft und unangenehm. Hatten diese Männer nichts Besseres mit ihrem Leben anzufangen?
Ich hatte keine Ahnung, wie ich jemals mit solchen Typen Sex haben sollte. Bei dem Gedanken schauderte es mich, aber ich wusste, dass ich jetzt nicht kneifen konnte. Ich erinnerte mich selbst daran, dass es nur für kurze Zeit war.
Ich erledigte meine übliche Arbeit. Als ich einem Tisch im hinteren Bereich zugewiesen wurde, um Bestellungen aufzunehmen, warf ich einen kurzen Blick auf den Gast. Meine Augen weiteten sich und mein Herz raste. Es war derselbe Mann aus dem Café. Derjenige, der mir den Kaffee und den Keks spendiert hatte.
Er saß allein da und brütete vor sich hin. Vor ihm standen fünf Shotgläser, vier davon waren bereits leer. Er sah auf, und ich bemerkte, wie in seinen silbernen Augen ein kurzes Erkennen aufblitzte.
Ich erstarrte und vergaß völlig, was ich hier eigentlich wollte. Er beobachtete mich mit einer hochgezogenen Augenbraue und wartete darauf, dass ich etwas sagte. Ich spürte, wie meine Wangen heiß wurden. Mühsam leierte ich meine auswendig gelernte Begrüßung herunter, bevor ich nach seiner Bestellung fragte.
Sein kühler Blick glitt an mir herunter. Ich wurde nervös und hoffte, er würde mir einfach seine Bestellung sagen, damit ich meine Hände beschäftigen konnte. Dann sah er auf die Karte. Ein paar dunkle Haarsträhnen fielen ihm in die Augen, und ich konnte nicht anders, als ihn anzustarren. Er sah einfach viel zu gut aus.
Ich wusste, dass ich wegschauen sollte, bevor er es bemerkte. „Ich nehme das Tagesgericht“, sagte er plötzlich mit tiefer Stimme und riss mich aus meinen Gedanken. Ich zuckte fast zusammen, und ich sah ein amüsiertes Blitzen in seinen Augen. Seine Stimme löste eine Gänsehaut bei mir aus. Sie war sanft und tief, und ich spürte eine angenehme Wärme in mir aufsteigen.
„D-das Tagesgericht? Klar! Darf es dazu etwas zu trinken sein?“, stammelte ich. Innerlich verfluchte ich mich dafür, dass ich vor Fremden so ein Wrack war. Besonders vor so attraktiven Fremden wie ihm.
Er warf mir einen dunklen, undurchschaubaren Blick zu, bevor er auf seine Wodka-Shots deutete. „Vielleicht noch mehr davon“, sagte er, während sein Blick an mir vorbei zum Barkeeper glitt.
Ich nickte und eilte mit der Bestellung in die Küche. Ich gab sie dem Koch weiter und seufzte. Wie sollte ich heute Abend das Vorstellungsgespräch überstehen, wenn ich nicht mal Bestellungen aufnehmen konnte, ohne zu stottern?
Es war sicher die Nervosität. Ich hatte Angst vor dem, was heute Abend kommen würde, und die Gegenwart attraktiver Männer machte es nicht gerade leichter.
Als das Essen fertig war, brachte ich es ihm an den Tisch. Er saß immer noch allein da. Ich fragte mich, ob er auf jemanden wartete. Hatte ihn vielleicht jemand versetzt? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine Frau die Chance verstreichen ließ, ihn zu treffen. Wenn ich an ihrer Stelle wäre, würde ich mir das nicht entgehen lassen.
Ich fragte mich, wie er wohl hieß. Bestimmt war sein Name genauso sexy wie er selbst.
Ich stellte ihm das Tablett hin. Er sah mich mit seinem vom Wodka getrübten Blick an. Er fixierte mich, und ich starrte zurück. Er hatte etwas so Anziehendes, dass ich den Blick nicht abwenden konnte.
Plötzlich kippte er einen weiteren Shot, nahm ein anderes Glas und bot es mir mit einer lässigen Bewegung an.
„Danke, aber ich trinke nicht“, lehnte ich höflich ab. Während der Arbeit durfte ich sowieso nichts trinken, und auch sonst tat ich es kaum. Das war ein weiterer Unterschied zwischen Nick und mir. Nick war ständig saufen und hielt mich für langweilig, weil ich nie mitzog.
Er beobachtete mich eine Weile schweigend, bevor er den Shot selbst trank. Ich sah keine Verurteilung in seinem Blick, weil ich abgelehnt hatte. Er war betrunken und konnte wahrscheinlich nicht mehr ganz klar denken.
Aber Nick gab mir selbst im Vollsuff das Gefühl, dumm zu sein, wenn ich nichts trank. Bei diesem Mann schämte ich mich überhaupt nicht für meine Entscheidung. Das machte ihn mir sofort sympathisch.
Ich ging wieder an die Arbeit. Später traf ich Sally im hinteren Bereich. „Isla!“, rief sie. „Hast du den heißen Typen da hinten gesehen?“
„Ja!“, antwortete ich lächelnd. „Ich habe seine Bestellung aufgenommen.“
„Du Glückspilz!“, rief Sally, während wir beide kurz nach draußen lugten. „Schau dir mal diese Arme an und seine Hände... Gott, von dem würde ich mich gerne mal anfassen lassen.“ Sie seufzte, und ich musste kichern.
„Hast du nicht einen Freund?“, fragte ich amüsiert, worauf sie nur schnaubte.
„Ich weiß nicht, was das zwischen uns ist. Wir hatten ein paar Dates und haben ein paar Mal gefickt, aber dann ignoriert er mich wieder tagelang. Und wenn ihm danach ist, meint er, er kann sich einfach wieder melden“, beschwerte sich Sally und rollte mit den Augen.
„Das ist ja furchtbar. Du hast jemanden verdient, der deine Zeit nicht so verschwendet“, sagte ich und fing an, das schmutzige Geschirr abzuräumen.
„Wem sagst du das“, erwiderte Sally und half mir. Wir arbeiteten Hand in Hand, während meine Nervosität immer weiter stieg.
Meine Schicht war bald zu Ende, und ich musste mich für das Vorstellungsgespräch fertig machen. „Bist du nervös?“, fragte Sally, und ich nickte heftig.
„Ich bin wahnsinnig nervös, Sally! Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Ich habe keine Ahnung, wie man verführerisch ist. Ich hatte erst einmal Sex, und das war schrecklich. Ich habe es gehasst.“
„Das liegt daran, dass du noch keinen guten Sex hattest. Glaub mir, es wird dir gefallen. Und was heute Abend angeht: Das wird schon. Ich bezweifle, dass du heute schon irgendwas machen musst“, beruhigte mich Sally.
„Aber wenn ich dann wirklich mal einen Kunden befriedigen muss, weiß ich doch gar nicht, wie das geht“, sagte ich voller Unruhe.
„Männer sind simpel. Du musst dir bei denen keine große Mühe geben. Die wollen nur ein paar Minuten ficken, und dann sind sie fertig mit dir“, meinte Sally abfällig, und ich wusste, dass sie recht hatte.
Genau so war es bei Nick auch gewesen. Er hat mich gefickt, und das war's. Wahrscheinlich war es wirklich nicht so kompliziert.
Nach Feierabend nahm Sally mich mit zu sich nach Hause, um mir beim Umziehen für das Gespräch zu helfen. Mittlerweile war ich so nervös, dass ich am liebsten alles abgeblasen hätte.
Aber Sally versicherte mir immer wieder, dass ich das hinkriegen würde und dass es auch nicht schlimm wäre, wenn sie mich nicht nehmen würden.
Ich trug einen schwarzen Spitzen-BH und einen schwarzen G-String. Darüber zog ich ein Top und einen kurzen Rock an, der kaum meinen Arsch bedeckte.
„Ich fühle mich so... nackt“, murmelte ich und versuchte, den Rock nach unten zu ziehen.
„Gewöhn dich dran, Mädel. Du wirst dich bald vor Haufenweise Männern ausziehen“, sagte sie, und ich starrte sie mit großen Augen an. „Guck mich nicht so an, du weißt, dass es stimmt.“
„Ich will das eigentlich gar nicht“, murmelte ich und betrachtete mich im Spiegel. Die Klamotten waren mir völlig fremd.
„Das ist der beste Laden, den du finden kannst, Isla. Es ist alles sehr diskret, mit viel Sicherheit und festen Regeln. Ich habe von Prostituierten gehört, die in dreckigen Löchern ohne jeglichen Schutz arbeiten müssen. Der hier ist gut. Der Besitzer sorgt anscheinend dafür, dass sich alle wohlfühlen“, erklärte Sally, während sie meine Haare glättete und zu einem hohen Pferdeschwanz zusammenband.
„Okay, wenn du das sagst“, atmete ich aus und hoffte, dass meine Nervosität nachließ. Ich wusste ja: Wenn ich es wirklich hassen würde, müsste ich einfach nie wieder hingehen. Dieser Gedanke beruhigte mich ein wenig.