Das Monterosa Anwesen

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Zusammenfassung

Leroy McLane, ein junger Waise, wird mit achtzehn Jahren als Blutbank an einer der mächtigsten und gefürchtetsten Vampirfamilien verkauft. Valerio Monterosa, der jüngste Sohn der Familie Monterosa. Rebellisch, immer bereit anderen die Stirn zu bieten. Zwei verlorene Seelen finden auf höchst ungünstige Weise zueinander. Vampir und Blutbank. Werden sie gegen die Regeln ankämpfen können, die ihnen durch ihr Status und ihre Herkunft aufgezwungen werden, oder werden ihre Seelen noch vernarbter, als sie es ohnehin schon sind? ~~~~ Nun als Kindle und Taschenbuch auf Amazon verfügbar, überarbeitet und mit extra Kapitel! https://amzn.eu/d/3OodZAV

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
44
Rating
4.9 10 Bewertungen
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1

«Verkauft für dreitausend an die Monterosa Familie!»

Dieser Satz, dieser laute Satz, der erfreutes Klatschen verursachte, entfachte in mir pure Panik, denn ich wusste genau, was mich künftig erwarten würde. Mein Leben war am Ende. Es gab kein Zurück. Es machte mir Angst, nach vorn zu schauen. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich mein Leben so weggeworfen hatte, aber es war nie meine Wahl gewesen.

Ich wurde mit vier Jahren in ein Waisenhaus gesteckt, in dem es hieß, “wenn du bist achtzehn nicht adoptiert wirst, musst du uns das Geld zurückzahlen, das wir für dich ausgegeben haben”. Deshalb war ich hier. Ich hatte mein Leben nicht weggeworfen, ich gab nur das zurück, was man mir gegeben hatte.

Ich wurde weggezerrt, in ein abgelegenes Zimmer gebracht und vorbereitet. Gebadet, gebürstet und neue Kleidung gegeben. Ich durfte kein Wort sagen, ich konnte nur wie eine leblose Puppe mich von ihnen herausputzen lassen.

Diese Auktion wurde vom Waisenhaus Inhaber organisiert, weil viele der Kinder das angemessene Alter erreicht hatten. Es war schrecklich daran zu denken, dass die Menschen, die für meine Sicherheit zuständig waren, so etwas taten.

Als sie fertig waren, wurden mir die Hände zusammengekettet, sie mussten keine Angst haben, denn ich hatte keine Kraft wegzulaufen. Ich wurde hinausgebracht, wo mich die strahlende Sonne und die glücklich zwitschernden Vögel verspotteten.

Nein, ich durfte nicht so denken. Sie waren nicht an meinem Leid schuld. Sie hatten das Glück, das mir nicht gewährt war, das war alles. Ich konnte sie deshalb nicht hassen, erst recht nicht, wenn sie so schön singen konnten. Ein unerwartetes Lächeln huschte über meine Lippen.

Ein langes Auto parkte vor der Hintertür, aus der ich gebracht wurde. Die Fenster waren so dunkel, dass ich niemanden darin erkennen konnte. Die Beifahrertür ging auf und eine Dame kam auf mich zu. Sie hatte lange, schwarze Haare, die sie in einen engen Pferdeschwanz gebunden hatte. Sie trug einen Anzug und weiße Handschuhe. Ihre goldenen Augen betrachteten mich von Kopf bis Fuß, als müsste sie sicherstellen, dass die Ware nicht beschädigt wurde. Zufrieden mit dem, was sie sah, nickte sie den Angestellten, die mich herausgebracht hatten, zu.

Dann holte sie aus ihrer Tasche eine Halskette, die so schwarz wie die Nacht war, aber man sah kleine Rosen darauf und einen silbernen Ring, der daran baumelte. Sie band sie mir um den Hals. Ich hustete leicht, denn es war leicht eng, aber das war noch nicht alles.

Sie befestigte dann am baumelnden Ring eine Kette, mit der sie mich unsanft zum Auto zerrte. Ohne ein Wort zu sagen, stieg ich ein. Ich durfte mich nicht wehren, weil ich die Ausmaße nicht kannte. Ich wusste noch nicht, was ich durfte und was nicht, daher tat ich nichts.

Das Innere des Autos war dunkel, so dunkel, dass ich kurz dachte, dass es Nacht geworden war. Mein Sitz wurde durch eine kleine Wand mit dunklem Glas vom Fahrer getrennt. Es war unmöglich, aus den Fenstern an meiner Seite etwas von der Außenwelt zu erkennen. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als stillzusitzen.

Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als der Wagen anhielt. Meine Tür ging auf und bevor ich selbst aussteigen konnte, wurde ich von der Dame an der Kette rausgezerrt. Ich fiel hin, aber kein Gejammer kam aus meinem Mund, auch weil sie mich abrupt auf die Beine zog. Ihr Gesicht zeigte Irritation. Ich senkte meine Augen.

“Lege dich nie mit einem Vampir an”, das war eine der ersten Regeln, die mir beigebracht wurden, und ich plante für lange Zeit sie nicht zu brechen. Ein Seufzer ertönte und sie zog wieder an der Kette.

Ich sah hoch.

Meine Augen glaubten kaum, was vor mir lag. Es war ein Palast. So sahen also die Häuser vermögender Leute aus? Es hatte wahrscheinlich drei Stockwerke, mit großen Fenstern, durch die man die armen Menschen besser betrachten konnte. Die Außenwände waren schwarz bemalt, auch das Dach war schwarz. Nur die Tür war blutrot.

Ich wurde dahin gezerrt, wo die Dame ohne zu klopfen eintrat, mit mir an der Leine. Das Innere war so atemberaubend, wie beklemmend. Ich hatte Angst, mich in diesen Räumen zu bewegen. Sobald man die Tür öffnete, gelangte man in einen dunklen und langen Flur. An den Wänden hingen Lampen, aber das Licht, das sie ausstrahlten, war trübe. Es hatte viele Gemälde an den Wänden, wahrscheinlich von den Familienmitgliedern, aber auf keines davon konnte man ein Lächeln sehen.

Ich wurde weiter gezerrt und in ein Zimmer gebracht, das wie ein Wartezimmer aussah, in dem mehr Vampire warteten. Angst überkam mich, als ich sie sah “Ist es schon so weit? Werden sie mich aussagen? Mich töten?” Das waren meine Gedanken, als die Damen auf mich zukamen, aber nichts dergleichen geschah.

Stattdessen zwangen sie mich, mein Hemd auszuziehen. Meine mit Sommersprossen übergossene Haut wurde unter die Lupe genommen. Manchmal sagten sie etwas, aber ich verstand ihre Sprache nicht.

Ich durfte mir das Hemd wieder anziehen, was wegen der Kette mühsam war. Wir alle hörten die Tür aufgehen und, als sie sahen, wer eintrat, verbeugten sich alle.

Es war eine Frau. Sie sprudelte vor Eleganz, aber leider auch Arroganz. Sie hatte glatte, dunkle Haare, die kurz geschnitten waren und ihr beim Gehen leicht das Kinn streichelten. Die Farbe ihrer Augen war weiß. Sie trug ein enges, schwarzes Kleid, das sie größer aussehen ließ.

Sie hielt vor mir an.

Sie packte mich am Kinn, ich konnte ihre langen Nägel auf meiner Haut spüren. Sie drehte meinen Kopf zuerst nach links, nickte, dann nach rechts und nickte wieder. «Carino,» sagte sie.

Ich wusste nicht, was das Wort bedeutete, aber ich hoffte, dass es etwas Gutes sein würde. Dann presste sie den Nagel ihres Daumens auf meine Lippe, die daraufhin anfing zu bluten. Sie leckte den Tropfen von ihrem Nagel ab. Ihre Augen weiteten sich leicht, als sie anfing zu nicken.

«Buono,» sagte sie noch.

Meine Lippe prickelte, aber ich bewegte mich nicht von der Stelle. Sie nahm dann die Kette zwischen ihre Finger, sah mir in die Augen und lächelte. Mein ganzer Körper schauderte, mein Atem blieb fast stehen. Ich hatte noch nie so viel Angst gespürt, als wenn ich ihre Fangzähne gesehen hatte.

Ich wurde von ihr weggebracht. Leise gingen wir einige Treppen hinab, die uns zu einer eisernen Tür brachten. Sie öffnete sie und wir traten in einen riesigen Keller ein.

In diesem Keller gab es viele Betten, einige davon waren Etagenbetten. Das war alles, was in diesem Keller zu finden war, außer die dutzend Menschen, die abrupt aufgestanden waren, als sie uns kommen sahen. Die Frau löste die Kette von mir und schob mich hinein.

Die Tür schloss sich hinter mir und alle atmeten aus. Alle trugen dieselbe Halskette mit Rosen wie ich, wahrscheinlich das Markenzeichen dieser Familie. Alle schienen in meinem Alter zu sein, oder nur wenig darüber. Ich sah sowohl Frauen als auch Männer.

Ich blieb da stehen, unwissend, was ich tun oder ob ich etwas sagen sollte. Alle sahen gedrückt aus, manche sogar leblos. Die Frauen trugen Ärmellose weiße Kleider, während die Männer Ärmellose weiße Hemden mit dunklen Hosen trugen.

Einer von ihnen kam mit ernstem Blick auf mich zu. Er war größer als ich, hatte dunkle kurze Haare und einen Dreitagebart. Seine Augen waren genauso dunkel, aber irgendwie lieb, daher entspannte ich mich.

Er legte mir eine Hand auf die Schulter und fragte: «Wie geht es dir?» Die Frage verwunderte mich, deshalb sah ich ihn wortlos an. «Du wurdest gerade verkauft, oder?» fragte er weiter. Ich nickte leicht.

«Geht es dir gut? Es muss schrecklich gewesen sein, ich weiß, wie sich sowas anfühlt.» versuchte er mich zu trösten.

«Ist schon gut, ich wusste, dass es passieren würde,» sagte ich zu ihm. Er sah mich entsetzt an, als hätten meine Worte ihn wie ein Blitz getroffen. «Du…» fing er an, aber er konnte irgendwie den Satz nicht beenden.

Ich beschloss, es ihm zu erklären: «Ich wuchs in einem Waisenhaus auf. Sobald man da achtzehn wird und nicht adoptiert, wird man verkauft.»

Er war fassungslos. Plötzlich nahm er mich fest in den Arm, während er mir durch meine roten Haare strich. «Du armes Ding…,» flüsterte er. Dann löste er seine Umarmung und legte beide Hände auf meine Wangen: «Du hast sicher viel durchgemacht, aber du musst dir keine Sorgen mehr machen, ich werde von nun an auf dich aufpassen.» Ich sah ihn erstaunt an.

Eine weibliche Stimme ertönte auf einmal: «Hör auf den Neuling zu verhätscheln, du solltest lieber auf dich selbst aufpassen, wie alle hier drin.» Der Mann vor mir ging ein wenig zur Seite, um sich umzudrehen, so konnte ich die Dame sehen.

Ihre blonden Haare waren Schulterlang. Sie saß auf einer der Betten und sah mich mit vorwurfsvollen blauen Augen an. «Lily, zeig doch ein wenig Verständnis. Der arme Junge wurde gerade verkauft, du weißt doch noch, wie du dich damals gefühlt hast.» sagte der Mann, der mein Gesicht immer noch in seinen Händen hielt.

Lily schnaubte und verdrehte ihre Augen. «Ich bin darüber hinweg, das sollte er auch schnell,» sagte sie noch. «Lily,» rief er sie streng: «Wo ist dein Mitgefühl?» sagte er und drehte sich wieder zu mir.

«Ich werde dir nun einige Sachen erklären, die du wissen musst, um hier zu überleben.» Ich wusste gar nicht, dass so etwas nötig war, daher ließ ich mich vom netten Mann führen. Er ließ mich neben sich auf ein Bett setzen. Irgendwie spürte ich viele Blicke auf mich, aber das kam wohl von der Tatsache, dass ich neu war.

«Ich hab mich ja gar nicht vorgestellt. Ich bin Robert, ich bin der älteste und der, der schon am längsten hier ist. Wenn du also irgendwelche Probleme hast, komm ruhig zu mir,» sagte er zu mir und lächelte lieblich.

«Ich bin Leroy. Freut mich, dich kennenzulernen, Robert.» antwortete ich ihm. Ein kaltes Lachen ertönte. Wir sahen zu, wie Lily langsam auf uns zukam, mit finsterem Blick. Alle anderen schienen ihr aus dem Weg zu gehen.

«Soll ich euch etwas Tee bringen? Vielleicht ein paar Kekse?» sagte sie mit spitzem Ton. Ich verstand ihre Wut nicht. Robert versuchte nur nett zu sein, wieso störte es sie?

«Lily, das ist wirklich nicht nötig,» sagte er zu ihr, aber Lily ließ nicht locker. «Wenn ihr schon dabei seid, wieso tauscht ihr nicht kleine Geheimnisse aus, erzählt euch eurer Lieblingsfarbe oder flechtet eure Haare.»

Robert stand auf und versuchte, sie in ihre Schranken zu weisen, indem er so nahe stand, dass sie hochschauen musste, was sie auch tat, aber eingeschüchtert war sie nicht: «Was? Habe ich Unrecht? Du solltest ihm erklären, wo er gelandet ist, in was für eine Hölle er steckt.» Abrupt drehte sie sich zu mir.

«Du bist hier nicht mehr wert als ein Stück Dreck. Dieser Haushalt ist gefüllt mit Vampiren, die nach Belieben hier herunterkommen, um sich einen Snack zu gönnen oder ihren Frust abzulassen.»

Sie packte Roberts Hemd und zog es hoch. Mein Herz blieb fast stehen, als ich all die blauen Flecken und Narben auf seinem Oberkörper sah. Robert zog ihr die Hand wieder weg, aber sie gab nicht nach.

«Das passiert hier. Das ist nun dein Zuhause bis zu deinem Tod. Hier werden keine Freundschaften geschlossen, hier wird gebetet, dass die Teufel da oben in fröhlicher Stimmung sind.»

Ich sah, wie langsam Tränen sich in ihren Augen formten, als sie immer weiter sprach: «Vielleicht hast du aber Glück und wirst von einer dieser Damen als Schoßhündchen ausgewählt. Dann wirst du nur von einem Monster, jeden Tag ausgesaugt.»

Sie strich sich mit ihrer Handfläche über die Augen, während Robert sie fürsorglich in den Arm nahm.

Ich saß komplett atemlos auf dem Bett.

Während Lilys Tränen flossen, überkam mich eine Erkenntnis, die ich bis jetzt in der dunkelsten Ecke meines Verstandes hielt: Das wird von nun an mein Leben sein.