Mein Herz gehört dem Bergmann

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Zusammenfassung

Als die kleine Isla Mae vom College nach Hause zurückkehrt, glaubt ihr niemand, wie sehr sie sich verändert hat – nicht einmal der beste Freund ihres Bruders.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
53
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Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

ISLA MAE

Vor 6 Jahren

„Können wir uns bitte nach unten schleichen?“

Ich schlang die Arme fest um meinen Bauch und biss mir auf die Innenseite der Wange. Bei jedem Bassschlag von unten wurde mein Widerstand schwächer.

„Ich weiß nicht so recht“, überlegte ich hin und her. Unten schrie gerade jemand etwas darüber, Kurze zu trinken.

Meine Eltern waren verreist. Sie besuchten einen Fachkongress in Kalifornien und hatten mich in der Obhut meines ältesten Bruders gelassen. Wir waren ein paar hundert Kilometer entfernt in Laurel Peak, Colorado.

Mit fünfzehn brauchte ich eigentlich keinen Babysitter mehr. Meine Eltern wussten das zwar, wollten mich aber nicht allein lassen. Also baten sie Garrett, für die Weihnachtsferien früher von der Uni nach Hause zu kommen.

Bevor meine Eltern losfuhren, gab meine Mutter mir einen Kuss auf die Stirn. Sie ermahnte mich, brav zu sein, und wir mussten beide laut lachen.

Er war zwar sechs Jahre älter als ich, aber eigentlich musste eher ich auf ihn aufpassen. Er studierte sieben Stunden entfernt in Fort Collins. Ich wusste genau, dass er es kaum erwarten konnte, seine Freunde aus Laurel Peak wiederzusehen.

Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass er direkt am ersten Abend eine wilde Hausparty schmeißen würde.

Sobald der Ford meines Vaters hinter der Kurve der Bergstraße verschwunden war, legte Garrett los. Er wollte heute Abend ein paar Freunde einladen. Er sagte, ich dürfe Skylar und Eliana auch dazuholen, solange wir in meinem Zimmer blieben.

Also schrieb ich meinen besten Freundinnen eine Nachricht.

Wir holten uns Essen vom Grill, eine Liebeskomödie und Gesichtsmasken aus der Drogerie. Wir steckten gerade mitten im Film und unter den Gurkenmasken, als die Musik losging.

In der nächsten Stunde klingelte es ständig an der Tür. Die Musik wurde immer lauter. Man hörte Gelächter, Geschrei und hämmernde Bässe. Wieder die Klingel, dann ein neues Lied.

Es dauerte nicht lange, bis Skylar und Eliana keine Lust mehr auf den Film hatten. Sie machten die Zimmertür einen Spalt weit auf.

„Oh Gott, ich liebe dieses Lied“, stöhnte Eliana und warf den Kopf in den Nacken. „Bi-itte, Isla! Wolltest du nicht schon immer mal mit den Freunden deines Bruders feiern?“

Ich schnaubte. „Nein. Und Garrett hat klipp und klar gesagt, dass er uns heute Abend nicht dabei haben will.“

Eliana schmollte, aber Skylar trug sich seelenruhig vor dem Spiegel klebrigen Lipgloss auf.

„Tja, das hätte er sich früher überlegen sollen“, sagte Sky gedehnt und rückte ihre schwarzen Locken zurecht. „Dachte er wirklich, wir könnten bei dem Lärm schlafen?“

Ich blickte in den Flur. Bunte Lichter flackerten von unten herauf und warfen Schatten an die Wände. „Er meinte, es kommen nur ein paar Leute.“

„Ich beschwere mich ja gar nicht.“ Sky grinste und drehte sich zu uns um. Sie sah umwerfend aus. Ihre Haut strahlte und sie hatte ihre Schlafanzughose gegen eine enge schwarze Jeans getauscht.

Skylar strotzte nur so vor Selbstbewusstsein. Das war schon immer so. Unsere Mütter waren beste Freundinnen und wir spielten schon zusammen, seit wir denken konnten. Manchmal fragte ich mich, ob wir ohne unsere Mütter überhaupt befreundet wären.

„Seid ihr Mädels bereit für unsere erste echte Party?“, forderte sie uns heraus. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals.

„Warte mal kurz!“, kicherte Eliana. Sie huschte ins Bad, um sich auch den Lipgloss aufzulegen. Dann bürstete sie ihre roten Wellen glatt.

Ich stöhnte und rieb mir die Stirn. „Wenn Garrett uns erwischt, ist er stinksauer.“

„Er wird uns nicht erwischen“, blieb Sky hartnäckig. „Da unten sind wahnsinnig viele Leute.“

„Ugh“, stöhnte ich erneut. Ich atmete einmal tief durch, um mein flaues Gefühl im Magen zu beruhigen.

Ich war fast mein ganzes Leben lang brav gewesen. Ich hatte nur gute Noten und half im Tierheim aus. Ich hatte es verdient, mal auf eine Party zu gehen.

Auch wenn es eine Party mit einundzwanzigjährigen Studenten war. Und mit viel Alkohol.

Das sind die Freunde meines Bruders, redete ich mir ein. Es wird schon nichts passieren. Und wenn doch, sperre ich mich einfach wieder mit den Mädels im Zimmer ein.

Damit unterdrückte ich meine Nervosität.

„Na gut. Aber ich leih mir auch was von dem Lipgloss.“


Eine halbe Stunde später standen wir oben an der Treppe und blickten in das Chaos hinunter.

„Das ist so cool“, flüsterte Eliana mit großen Augen.

Im Flur unten hatte jemand einen Beer-Pong-Tisch aufgestellt. Ein Haufen junger Leute stand drumherum. Manche spielten, andere schauten zu. Jeder hatte einen Becher in der Hand.

„Das ist so gegen alle Regeln meiner Eltern“, brummte ich. Ich biss mir schon wieder auf die Wange.

Sky stupste mich grinsend an. „Nicht unsere Party, nicht unser Problem. Komm schon!“

Sie ging voran, Eliana folgte ihr und ich bildete das Schlusslicht.

Ich zupfte an dem Minikleid herum, das Sky für mich ausgesucht hatte. Obwohl ich eine dicke Strumpfhose darunter trug, kam es mir plötzlich viel zu kurz vor. Aber als wir unten ankamen, merkte ich, dass ich fast schon bieder angezogen war. Mit meinem Pferdeschwanz sah ich eher nach Bibliotheksbesuch als nach Party aus.

Ich unterdrückte den Drang, wieder nach oben zu rennen. Überall waren fremde Leute. Ich erkannte niemanden, was ich erst mal als gutes Zeichen wertete.

„Vergesst nicht –“, fing ich an, aber Eliana unterbrach mich.

„Halte dich von Garrett fern“, sagte sie mit einem breiten Grinsen. „Wissen wir.“

„Komm schon, Isla.“ Sky hakte sich bei mir ein und zog mich in die Küche. „Du brauchst einen Drink.“

Ein Drink. Also Alkohol.

Wieder wurde mir mulmig im Magen, aber ich versuchte zu lächeln. „Okay...“

Wir kannten das Haus in- und auswendig, aber so voll hatte ich es noch nie gesehen. Überall wurde getrunken, getanzt und gelacht. Und geknutscht.

Ich kam mir total fehl am Platz vor, aber niemand beachtete uns. Wir drängelten uns durch die Menge bis in die Küche, um uns den ersten Schluck Alkohol zu besorgen.

Wodka“, hauchte Skylar und drehte eine Flasche „Absolut“ auf.

Während um uns herum die Post abging, beobachteten wir fasziniert, wie Sky die klare Flüssigkeit in drei rote Plastikbecher goss. Ich hielt meinen Becher an die Nase.

„Pfui Teufel!“, würgte ich beinahe. „Das riecht ja wie Desinfektionsmittel!“

Eliana schnupperte ebenfalls und verzog das Gesicht. Nur Sky schien der Geruch nichts auszumachen.

„Ich glaube nicht, dass das schmecken soll“, stellte sie fest. „Man muss es wohl einfach auf Ex trinken.“

Ich rümpfte die Nase. Wer wollte diese Tortur auch unnötig in die Länge ziehen? Wenn es sein musste, würde ich es wohl runterwürgen.

Außerdem hatte Sky die Becher nur halbvoll gemacht.

„Einfach so schnell wie möglich runter damit?“, fragte Eliana unsicher.

Sky nickte, auch wenn ich nicht sicher war, ob sie wirklich wusste, was sie tat. „Vielleicht hilft es, die Nase zuzuhalten?“

Ich bezweifelte das, aber ich war zu nervös, um zu widersprechen. Ich atmete tief durch, wir sahen uns kurz an und setzten gleichzeitig an.

Heilige Scheiße! Nach zwei Schlucken spuckte ich den Rest über die Theke. Mein Hals brannte und der ekelhafte Geschmack war kaum auszuhalten.

Eliana und Skylar ging es nicht besser. Sie würgten und husteten. Zum ersten Mal an diesem Abend starrten uns die Leute an.

Zwei Mädchen in schicken Outfits beobachteten uns amüsiert. Sie lachten leise über Elianas angewidertes Gesicht.

Mir war das Ganze furchtbar peinlich, also schob ich meine Freundinnen aus der Küche. Plötzlich wurde mir ganz warm. War das die Scham oder schon der Alkohol?

Als wir wieder im Flur beim Beer-Pong ankamen, mussten wir plötzlich kichern.

„Oh mein Gott“, lachte Skylar. „Das war ja furchtbar. Wer trinkt sowas freiwillig?“

„Vielleicht hätten wir es mischen müssen?“, überlegte Eliana mit knallroten Wangen.

Skylar schüttelte den Kopf. „Ach was. Bei Vampire Diaries trinken die das auch pur aus der Flasche.“

Ich hörte ihnen gar nicht mehr zu. Mein Blick blieb an einer vertrauten Gestalt hängen. Ich erkannte ihn sofort, auch von hinten.

Ich würde ihn überall erkennen.

Er war kräftiger geworden. Größer und muskulöser. Seine Schultern spannten in dem dünnen Pullover. Er trug seine dunklen Haare jetzt ganz kurz und ich sah einen Bartschatten an seinem Kiefer.

Älter. Anders. Und doch derselbe.

Heath McCord.

Der beste Freund meines Bruders. Er kannte mich schon, seit ich in Windeln herumlief. Ich hatte ihn früher oft aus meinem Baumhaus beobachtet. Er war wie ein großer Bruder, der mich mal ärgerte, mich aber auch vor Rowdys beschützte.

Seit die Jungs an der Uni waren, sah ich ihn nur noch selten. Mal in den Ferien, aber meistens nur im Vorbeigehen.

Ich wusste nicht genau, wann sich meine Gefühle geändert hatten. Vielleicht lag es an der Pubertät, die bei mir erst spät eingesetzt hatte.

Aber Gott... Mir wurde ganz anders, als ich ihn da so stehen sah.

„Ist das Heath McCord?“, fragte Sky viel zu laut. „Verdammt. Der war ja schon immer süß, aber jetzt ist er richtig heiß.“

„Meinst du?“, fragte ich beiläufig, merkte aber, wie ich rot wurde.

„Hast du Tomaten auf den Augen?“, lachte sie. Sie sah aus wie eine Hyäne, die Beute gewittert hatte. „Der Typ ist eine glatte Zehn.“

Ich zuckte die Achseln. „Ich weiß nicht... Ich kenne ihn einfach schon zu lange. Er ist wie ein Bruder.“

Das war gelogen.

Heath leerte gerade sein Bier. Ich starrte auf seinen Hals und seine Lippen. Plötzlich spürte ich eine Hitze zwischen meinen Beinen, die ich mir nicht erklären konnte.

Dann lachte die Frau neben ihm. Sie lehnte sich eng an ihn. Wie selbstverständlich legte Heath seinen Arm um sie und seine Hand landete auf ihrem Hintern. Er packte fest zu und schob ihren Rock ein Stück hoch. Es sah so aus, als trüge sie keine Unterwäsche.

Was zum Teufel?

Ich wurde noch roter und drehte mich sofort weg. „Ich brauche noch was zu trinken. Ich spüre noch gar nichts.“

Elianas Augen wurden groß. „Echt nicht?!“

„Ich brauche wohl mehr“, log ich. Ich wollte einfach nur weg von dort. „Wir sollten Heath meiden. Er wirft uns genauso sicher raus wie Garrett.“

Sky seufzte theatralisch. „Hast ja recht. Gut, wir reden nicht mit deinem Bruder oder seinen Freunden. Aber ich will unbedingt tanzen. Ein Drink noch, dann ab auf die Tanzfläche, Isles.“

„Du meinst mein Wohnzimmer?“, scherzte ich und führte sie zurück zum Wodka. Ich hoffte, der Alkohol würde die seltsamen Gedanken an Heath einfach auslöschen.