Prolog - Ankunft
Erleichtert atmete Lucas die frische, kalte Winterluft der Berge in seine Lungen.
Die Zugfahrt in einem überfüllten, überhitzten ICE war wirklich nicht gerade entspannt gewesen. Doch da der Urlaub in einem edlen Sternehotel in den Schweizer Bergen, sein normales Urlaubsbudget schon ordentlich überstrapaziert hatte, musste die Bahn als Reisemittel reichen.
Doch schon jetzt war es jede Strapaze wert gewesen. Um ihn herum erhoben sich majestätisch die Schweizer Alpen, eine perfekte Schneedecke ließ alles wie mit dichtem Puderzucker bestreut aussehen. Alles glänzte und glitzerte in der Sonne. Dazu kam dann das tolle Hotel.
Nahezu ein kleines Schloss in den Bergen, versteckt vor den Massen der feierwütigen, üblichen Après-Ski Touristen. Er wartete nicht auf einen der Pagen, sondern zog seinen Trolley kurzerhand selbst durch das gläserne Eingangstor.
Staunend durchschritt er die große Eingangshalle, welche mit edlem Marmor ausgelegt war und durch natürlichen Lichteinfall in einem fast goldenen Glanz erstrahlte.
Gerade noch hörte er die Erklärung die der Concierge einem anderen groß gewachsenem Mann an der Rezeption gab.
,,Unser Page Michael begleitet Sie gleich zu ihrer Suite Herr Rose. Vorab nur noch die Erklärung unserer Armbänder!" Der Concierge zeigte auf eine Tafel neben der Rezeption. ,,Gäste mit roten Bändern sind in einer festen Beziehung. Paare die hier gemeinsam ihren Urlaub verbringen. Blaue Armbänder tragen die Gäste, die gerne Bekanntschaften machen und dabei auch keinem romantischen Abenteuer abgeneigt sind."
Das Zwinkern des Concierge ließ Lucas und ebenso den anderen Mann, nur die Augen verdrehen. ,,Weiße Bänder tragen Singles, die offen für freundschaftliche Bekannschaften sind und schwarz..nun die trägt eh niemand..."
,,Ich nehme schwarz!" Unterbrach der andere Mann mit einer tiefen, samtigen, ruhigen Stimme, die trotzdem Autorität besaß. Lucas beäugte den Mann neugierig, konnte aber nur ein symmetrisches Profil erahnen. ,,Doch schwarz bedeutet das sogar unser Personal keinen Small Talk mit ihnen führen darf. Schwarz bedeutet Allein sein!" ,,Eben. Genau deswegen bin ich hier!"
Nun konnte Lucas einen Blick auf das Gesicht, welches zu dem sportlichen Körper gehörte, erhaschen. Kurz schoss ihm durch den Kopf welch Verschwendung dieses Gesicht an ein schwarzes Band wäre. Doch dann schallt er sich selbst, denn er wollte doch ebenso seine absolute Ruhe!
Der Fremde nahm zufrieden sein schwarzes Band, lehnte die Begleitung eines Pagen ab und wollte nur die Richtung wissen. Ihre Augen trafen sich kurz, als der Mann sich auf den Weg machte.
Silberne Augen sahen ihn an. Nicht durch ihn hindurch, wie er es erwartet hatte. Nein es war als würden diese Augen mit dem kurzen Blick möglichst viel aufnehmen.
Fasziniert sah er dem Mann nach. ,,Ja es sind immer die schönen Menschen, die seltsam sind!" , nuschelte der Concierge, erstarrte dann nachdem Lucas nun vortrat.
,,Lucas Steinberg. Guten Tag. Ich habe zugehört. Ich nehme auch schwarz! Und ich brauche auch nur die Richtung und meine Schlüsselkarte!"
Der Concierge betrachtete den Mann nur still, erledigte den Check in und ließ ihn ziehen. Nachdenklich sah er auf die ausgefüllten Gastformulare. Zwei junge, gutaussehende Singles mit Null Interesse an Kontakten.
Merkwürdig!
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Bastian Rose betrat, nachdem er seine Suite gefunden hatte, neugierig den kleinen Balkon. Der Ausblick war herrlich. Normalerweise bevorzugte er Strand, Meer, Hitze. Doch nach einem weiteren Weihnachtsfest im Kreise der Familie und Freunden, alle wie immer besorgt, um sein nicht existentes Liebesleben, hatte er alle Pläne über den Haufen geworfen.
Kurzfristig buchte er sich diesen Luxusurlaub, in einem abgeschieden gelegenen Sternehotel in den schneebedeckten Schweizer Alpen.
Das Hotel versprach zudem mit Spa und Wellnessbereich viel Entspannung. Die Küche hatte einen guten Ruf, es gab keine Clubs und somit auch keine nervigen Touris, die sich nur besaufen wollten. Zudem hatte ihm das System der farbigen Bänder gleich zugesagt, als die Dame im Reisebüro davon erzählte. Zugegeben es war ein Konzept von dem er bisher nie gehört hatte. Doch Bastian war bereit zu extremen Maßnahmen, um endlich seine Ruhe zu haben.
Tief holte er Luft, genoss den Duft von Tannen und anderen Pflanzen der winterlichen Landschaft um sich herum.
,,Man wie geil!" Das Flüstern unter ihm, ließ ihn neugierig über das Balkongeländer spinsen. Dort war der junge Mann, der nach ihm zur Rezeption gegangen war. Mit den außergewöhnlichen grünen Augen, die so geleuchtet haben.
Kopfschüttelnd riss sich Bastian von diesen absurden Gedankengängen los und trat zurück in seine Suite. Umso schneller er ausgepackte, desto eher war er im Schnee und konnte den zauberhaften Winterwunderwald entdecken.