Prolog
Prolog
Mit lüsternem Blick betrachtete er die vier Männer, die sich dicht um ihn gedrängt hatten.
Es war so einfach für ihn, sie zu bezirzen, etwa so, als würde er sie mit Feenstaub berieseln.
Allerdings war Feenstaub zu teuer, um ihn so zu verschwenden.
Stattdessen nutzte er die Gedankenbeeinflussung. Setzte allen vieren in den Kopf, dass sie ihn wollten. Und es funktionierte jedesmal.
Der eine Mann trat näher an ihn und begann damit, ihn am Hals zu liebkosen, während der zweite Mann auf die Knie fiel und sich an seinem Hosenbund zu schaffen machte.
Der Dritte widmete sich der anderen Halsseite des Hexers, während der Vierte ihn von hinten umfasste und dem zweiten Mann half, die Hose des Hexers zu öffnen und nach unten zu schieben.
Er belog sich hiermit selbst, das wusste der junge Mann, denn seine vier ‚Verehrer‘ handelten nicht mehr wirklich aus freien Stücken und würden ihn wohl niemals von sich aus so sehr begehren.
Und trotzdem flüchtete er sich inzwischen regelmässig in die Illusion, die ihm diese kleinen Abenteuer vermittelten.
Der Mann hinter ihm rollte sich ein Kondom über und schmierte es mit Gleitgel ein, während der Mann vor ihm seine Erektion in den Mund nahm.
Des Hexers Kopf kippte in den Nacken und er schloss genussvoll die Augen, stöhnte auf, als der Mann hinter ihm langsam in ihn eindrang.
Der Hexer griff den beiden anderen Männern in den Schritt und rieb hart darüber, bis diese ihre Schwänze auspackten und sich von ihm per Hand befriedigen liessen.
Er spürte die Hände auf seinem Körper, ein Gefühl, von dem er nie genug kriegen konnte und unterdrückte ein weiteres Stöhnen.
Zwar hatte er sie alle mit einem Deckungszauber belegt, aber trotzdem befanden sie sich immer noch in einer Seitengasse, wo man sie hören konnte.
Ein anderer Hexer würde den Zauber zweifelsohne erkennen, ebenso Vampire. Die meisten hatten allerdings den Anstand, solche Zauber nicht aufzuheben, insbesondere nicht, wenn ab und an gewisse Geräusche zu vernehmen waren.
„Na, lässt du es dir mal wieder besorgen, Tangyr, du kleine Schlampe?“
Der junge Hexer riss die Augen auf und sein Kopf wirbelte in die Richtung, aus der die Stimme kam.
Die vier Männer kippten einer nach dem anderen wie bewusstlos weg und schlugen unsanft auf dem Boden auf.
„Satyr“, murmelte Tangyr verärgert und blickte den Vampir an, „verdammt, das ist jetzt schon das dritte Mal diese Woche, dass du mir meinen Abend ruinierst! Was soll das?“
Der Vampir grinste ihn böse an.
„Dann geh doch und beschwer dich bei Daddy. Ach, ich vergass! Daddy mag seine kleine Schwuchtel von Sohn ja gar nicht!“
Er gackerte laut auf, was seine spitzen Eckzähne enthüllte, die in der Dunkelheit leicht schimmerten.
Tangyr fluchte leise und zog sich seine Boxerbriefs und die Hose hoch, die in seinen Kniekehlen hingen und schloss den Gürtel.
Dieser verdammte Vampir!
Der junge Hexer schritt auf den Vampir zu, der ihn um einen Kopf überragte und piekste ihm in die Brust.
„Du störst mich noch einmal und ich schwöre dir, dann jag ich dir einen Fluch auf den Hals, Abkommen hin oder her!“, spuckte er, dann drängte er sich an Satyr vorbei und verliess frustriert die Gasse.
Innert Sekunden hatte Satyr den Hexer eingeholt und grinste hämisch.
„Oh, das wirst du nicht, kleine Schwuchtel. Wie sähe es denn aus, wenn ausgerechnet der eigene Sohn Daddys Bemühungen und das daraus entstandene Abkommen zunichte macht, nur weil das kleine Bübchen sich nicht in den Arsch ficken lassen konnte?“
Satyr verschwand in einer Rauchwolke, zurück blieb nur sein Kichern, das Tangyr den ganzen Weg bis nach Hause im Ohr nachklang.
Wütend und frustriert liess der Hexer die Haustür hinter sich zufallen.
Satyr hatte recht, er würde dem Vampir keinen Zauber auf den Hals jagen. Der ausgehandelte Frieden zwischen Vampieren und der Hexengemeinschaft war wackelig und die Vampire gerissen genug, um dafür zu sorgen, dass eine Hexe oder ein Hexer das Abkommen zuerst brechen würde.
„Hat mein verehrter Herr Sohn also auch nach Hause gefunden?“, holte ihn die kalte Stimme seines Vaters zurück in die Realität.
Na toll, das hatte ihm gerade noch gefehlt!
Tangyr schwieg und blickte seinen Vater ruhig an.
Er war einer der mächtigsten Hexer des Planeten, das war allein aus seiner Aura bereits herauszulesen.
„Hast du dich wieder mit Männern herumgetrieben?“, spuckte sein Vater zornig, doch Tangyr zuckte nur mit den Schultern.
Er war es langsam leid, zu hören, welche Enttäuschung er war.
Sein Vater war Oberster seines Ordens, seine Mutter die höchste Richterin des Strafgerichts und seine fünf Schwestern waren alle ebenfalls sehr erfolgreich.
Nur er, jüngster Spross der Familie, war seinem Vater ein Dorn im Auge.
Tangyrs Fähigkeiten hatten sich schon früh im Umgang mit grüner Magie gezeigt, Magie, die mit der Natur, ihren Elementen, Flora und Fauna arbeitete. Tangyr verabscheute die Schattenmagie, mit der der Rest seiner Familie arbeitete.
Zudem war Tangyr den Menschen nicht abgeneigt. Oft trieb er sich in ihrer Gesellschaft herum, besuchte oft ihre Clubs und ihr Nachtleben.
Das alles war seinem Vater ein Dorn im Auge, aber richtig schlimm war es geworden, als Tangyr Achtzehn geworden war.
Er war in einem Nachtclub gewesen, sturzbetrunken und da war so ein richtig heisser Typ gewesen, der ihn in eines der Hinterzimmer mitgenommen hatten.
Mit einem Mal war dann sein Vater in der Tür gestanden, während Tangyr vornüber über dem Sofa gekniet hatte, der Typ seinen Schwanz tief in Tangyrs Arsch vergraben und dieser wiederum wichsend und laut stöhnend seinen Höhepunkt erreicht hatte. Die Strafe dafür war ein Monat Keller gewesen.
Seither war ihr Verhältnis stets bergab gegangen und hatte seinen Tiefpunkt zwei Jahre später erreicht, als er Tangyr und seine damalige – ebenfalls männliche - Flamme knutschend vor einer Bar gesehen hatte.
Diesmal hatte sein Vater ihn für drei Monate in den Keller gesperrt und als er wieder rauskam, wollte der Typ nichts mehr mit Tangyr zu tun haben.
„Du musst dir keine Gedanken mehr machen, Vater“, antwortete Tangyr schliesslich, „ich bin nur hier, um noch schnell ein paar Sachen zu holen. Ich habe eine passende Bleibe für mich gefunden.“
Tangyr öffnete die Tür zu seinem Zimmer und konzentrierte sich kurz, während seine Fingerspitzen grün aufleuchteten.
Seine komplette Einrichtung und seine Sachen schrumpften zusammen und packten sich selbst in seine Sporttasche, die er sich locker über die Schulter schwang.
„Tschüss“, meinte er nur und verliess sein Elternhaus ein letztes Mal, ohne Plan, wohin er gehen und was er tun sollte.








