Prolog
Die Nacht war schwarz wie Ebenholz, durchbrochen nur von den glitzernden Sternen, die über dem unruhigen Meer funkelten. Die Wellen warfen sich gegen den Pier der kleinen Insel, auf der die mächtige Reederei stand – ein Monument des Erbes, das Adrian Winter von seinem Vater erhalten hatte. Die Mauern der Villa, die majestätisch auf einem Hügel über dem Hafen thronte, wirkten ebenso unerschütterlich wie die Entschlossenheit, die er in den letzten Wochen aufgebaut hatte.
Adrian stand am Fenster seines Arbeitszimmers und blickte gedankenverloren auf das weite Meer hinaus. Seine Hände umklammerten ein Glas Whiskey, doch sein Geist war bei den geheimnisvollen Andeutungen, die er kürzlich über das wahre Geschäft seines Vaters erfahren hatte. Hinter der glänzenden Fassade der Reederei verbargen sich anscheinend dunkle Geheimnisse. Die Bedrohungen, die sich über ihm zusammenbrauten, schienen so unermesslich wie die Tiefen des Ozeans. Sein Verstand riet ihm, aufzugeben und das Erbe sich selbst zu überlassen. Doch sein Herz ... Wie konnte er die letzte Erinnerung an seinen Vater dem Ruin preisgeben?
Weit oben, jenseits der Wolken, spürte sie den Ruf. Aurelia war ein Engel des Lichts, deren Seele durch Jahrhunderte hindurch in der Reinheit des Himmels gebadet hatte. Doch heute Nacht war ihre Aufgabe klar – sie musste auf die Erde hinabsteigen, um das Herz eines Mannes zu schützen, dessen Leben am Abgrund stand. Seine Feinde waren nicht nur menschlich, sondern von Schatten durchdrungen, die über Generationen genährt worden waren.
Mit einem sanften Atemzug ließ Aurelia ihre Flügel schimmernd aufleuchten, bevor sie hinabstieg. Die kühle Nachtluft umarmte sie, während sie sich ihrem Ziel näherte. Es war ungewohnt, aus der Wärme, lichtgefluteten Reinheit des Himmels hinabzusteigen auf die kalte, machthungrige Erde. Und dennoch wusste sie, dass sie keine Wahl hatte.
Unten, in der Villa, spürte Adrian plötzlich einen Hauch von Wärme, als hätte sich die Atmosphäre um ihn verändert. Eine unbekannte Präsenz war mit ihm im Raum, und obwohl er sie nicht sehen konnte, fühlte er sie tief in seinem Inneren. Dann, wie eine flüchtige Erinnerung an einen längst verlorenen Traum, erschien sie vor ihm.
Aurelia, mit ihren rückenlangen goldblonden Haaren, die im Schein des Mondes schimmerten, stand plötzlich vor ihm. Ihre Augen, tief wie die unergründlichen Sterne, ruhten auf ihm.
„Wer bist du?“ Seine Stimme war rau, und doch konnte er den Blick nicht von ihr lösen.
„Ich bin hier, um dich zu schützen, Adrian“, antwortete sie sanft, und ihre Worte waren wie ein Versprechen, das über die Zeit hinausging. „Die Schatten deiner Vergangenheit sind auf dem Weg zu dir, und ich werde alles tun, um sicherzustellen, dass du nicht fällst.“
Adrian wusste, dass sich sein Leben in diesem Augenblick für immer verändert hatte. Doch was er nicht ahnte, war, dass diese wunderschöne, geheimnisvolle Frau mehr war als nur seine Beschützerin. Sie war ein Wesen aus einer anderen Welt, gesandt, um ihn vor den dunklen Mächten zu bewahren – und vielleicht, nur vielleicht, auch um sein Herz zu erobern.