Eden - Folge dem System
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Eden - Folge dem System

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Zusammenfassung

Unfruchtbarkeit. Zum Aussterben verurteilt. Das Schicksal der Menschheit. Das Leben in den Ruinen einer zerfallenden Zivilisation ist hart und einsam, doch für nichts in der Welt würde Kismet ihre Freiheit aufgeben. Als ihre Schwester Nikita spurlos verschwindet, macht sie sich auf die Suche nach ihr und fällt den Menschen in die Hände, vor denen sie sich am meisten fürchtet: Den Jägern von Eden. Sie versucht ihnen zu entkommen, bevor sie ihren Zielort erreichen, denn der Weg nach Eden ist ein Weg ohne Wiederkehr.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
62
Rating
5.0 (3 Bewertungen)
Altersfreigabe
18+

Prolog

Träge schwebten die Staubkörner durch die stickige Luft und gesellten sich zu ihren Brüdern und Schwestern auf die staubige Schrankwand. Zwischen dem Ramsch, auf den überquellenden Regalbrettern, war eine Brutstädte an Schmutz und Staub. Hier hatte schon lange niemand mehr einen Lappen zur Hand genommen.

Das unstete Flimmern des Fernsehers war die einzige Lichtquelle in dem abgedunkelten Raum. Sein flackernder Schein, erhellte nur schemenhaft, das gefurchte Gesicht des alten Mannes, in dem durchhängenden Sessel. Müde durch Alter und Sorgen, vielleicht sogar wegen seiner Gewissensbisse, war sein einziger Trost, das Cognacglas in seiner Hand. Eine kleine Bewegung reichte aus, um die Pfütze an dunkler Flüssigkeit darin in Bewegung zu versetzen und die Spiegelung seines starren Blickes verschwimmen zu lassen.

„… hat sich das Phänomen der weiter rasant sinkenden Geburtenraten von Europa über weite Teile von Asien ausgebreitet. Mittlerweile melden auch Gebiete von Afrika, sowie Süd- und Nordamerika von dieser Anomalie und es bleib zu befürchten, dass es sich hier erst um den Anfang einer bisher nicht näher zu definierenden Pandemie handelt. Um einen genaueren Einblick in die Vorkommnisse zu erhalten, haben wir uns mit dem Spezialisten Dr. Thomas E. Cabell unterhalten. Wir schalten nun live zu ihm in die Praxis.“

Fast hätte der alte Mann aufgelacht.

Spezialist.

Wie anmaßend von diesen Wichtigtuern sich einzubilden, dass sie auch nur den Hauch einer Ahnung hatten, worum es hier wirklich ging. Keiner von ihnen wusste um die Ursache dieser Abnormität. Und das war der nächste Hohn. Phänomen. Von wegen. Das alles war nichts weiter als eine Katastrophe. Eine riesige Katastrophe von bisher ungeahntem Ausmaß – und niemand würde es aufhalten können.

Er wusste es nur zu gut, denn er gehörte zu den Leuten, die es versucht hatten. „Und wir haben versagt.“ Die genuschelten, alkoholgeschwängerten Worte wurden von den dunklen Vorhängen und den tiefen Schatten des verwahrlosten Zimmers einfach verschluckt.

Unkoordiniert griff der alte Mann nach rechts zum Tisch, um die fast leere Cognacflasche am Hals zu fassen. Dabei stieß er einen zerfledderten Stapel alter Zeitungen zu Boden, der so schief stand, dass die kleinste Erschütterung, ihn schon lange hätte fallen lassen müssen. Selbst der dumpfe Aufschlag der Papiere. schien von dem kleinen Raum einfach geschluckt zu werden. Als würde die Welt das Vergessen an diesen Ort bringen wollen.

Seufzend ließ der alte Mann die müden Augen über das Chaos gleiten. Forschungslabor in Flammen, prangte auf der obersten Titelseite. Darunter war ein gekörntes Schwarzweißfoto eines brennenden Gebäudes abgebildet. Die Flammen darauf schienen den Himmel berühren zu wollen, um die Welt in eine Hölle zu verwandeln. Es war die Ausgabe vom 17. Mai 2037. Ein ganz normaler Dienstag, der das Gesicht der ganzen Welt mit einem Schlag unwiderruflich verändert hatte.

Auf der Zeitung daneben war ein kleiner Artikel mit dem Diagramm einer Statistik, das bildlich verdeutlichte wie rapide die Geburtenraten in den letzten dreißig Jahren gesunken waren.

Mutation beim Menschen, lautete die Schlagzeile auf einem anderen Titelbild. Aber dort ging es nicht darum, dass den Menschen plötzlich ein drittes Auge wuchs, oder sie übersinnliche Fähigkeiten entwickelten. Nein, es ging schlicht und ergreifen um das Verkümmern der inneren Fortpflanzungsorgane. Wachsende Unfruchtbarkeit bei Männern und Frauen. Je jünger die Generation, desto schlimmer wurde es.

Aber die schlimmsten Schlagzeilen kamen erst mit den späteren Daten der Zeitungen. Wirtschaftsumbruch, Ausfall von Fleischkonzernen, Massensterben bei der Viehzucht, Nahrungsmittelknappheit.

Die Menschen waren nicht die einzige betroffene Spezies, nein, alle Säugetiere waren von dieser Pandemie betroffen. Schweine und Rinder, Bären und Hirsche. Sogar die Wassersäugetiere. Die Unfruchtbarkeit griff um sich und niemand konnte etwas dagegen unternehmen. Auch nicht diese sogenannten Spezialisten.

Und der Verlauf dieser Katastrophe wirkte sich nicht nur auf die Menschen und Tiere aus, nein, mittlerweile war auch ein Großteil der Wirtschaft davon berührt worden. Börsencrashs, rote Zahlen, wohin das Auge reichte. Leid, Trauer. Straßenkämpfe, Kriege um Ressourcen, Sturz der Regierung. Der Beginn des Untergangs. Sie befanden sich am Anfang einer Apokalypse und der Mensch hatte sie selber herbeigeführt.

Die interessanteste Schlagzeile jedoch kam von einem sehr unbekannten Schmierblatt, dass im allgemein nur über den Yeti und Außerirdische in Roswell berichtete. Säugetiere von Kampfvirus befallen. Keiner von diesen gehirnamputierten Fanatikern wusste, wie nahe sie damit der Wahrheit kamen. Keiner von ihnen wusste, dass der Brand in dem Forschungslabor, vor mehr als einem viertel Jahrhundert, für all das verantwortlich war. Und keiner wusste, dass dieser Brand aus purer Berechnung von einem gefeuerten Doktoranden gelegt wurde, um sich an der Firma zu rächen.

Niemand wusste es, außer ihm – denn er war der Letzte.

Der alte Mann starrte auf das gesammelte Werk seiner Vergangenheit und wurde von einer tiefen Hoffnungslosigkeit befallen. „Wir waren Narren“, flüsterte er und schüttete den Rest seines Cognacs direkt aus der Flasche in sich hinein. Das brennen im Hals erinnerte ihn daran, dass er noch lebte. Aber sein Leben war nichts mehr wert, nicht nachdem was er getan hatte, denn er hatte zu den Leuten gehört, die das Virus entwickelt hatten. Es war nie dazu gedacht gewesen, es auch einzusetzen, aber diese Tatsache beutete nichts. „Wir waren solche Narren“, wiederholte er leise nuschelnd. „Und nun sind wir alle dem Untergang geweiht.“




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Amy
Amy

klingt sehr spannend, das Intro 👍 wirklich gelungen. Man will direkt weiter lesen....

2 Jahre

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