Schneesturm im Echogebirge

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Zusammenfassung

Ein romantisches Wochenende in den Echo Bergen, weit weg vom Stress der Space Force Akademie. Doch das Wetter gefährdet Nates Plan, Adelie das Weihnachtsfest zu erklären, denn ein massiver Schneesturm steht an. Und dann ertönen auch noch merkwürdige Geräusche aus dem Stall. Wird es den beiden gelingen, zusammen Weihnachten zu feiern, oder versinkt ihre romantische Auszeit im Schnee?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
4
Rating
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Altersfreigabe
16+

Ein kalter Wintermorgen

Die schneebedeckten Berggipfel des Echogebirges sahen in den ersten Strahlen des Morgenlichts aus als würden sie in Flammen stehen. Vor ihnen wachten die noch schwarzen Formen der mächtigen Tannen über das kleine Häuschen, das verteckt am Ende des Tals lag. Adelie lehnte verschlafen an der Küchenspüle, rieb ihren Fuß an ihrem Bein und wartete darauf, dass das Teewasser kochte. Ein paar Eisblumen hatten sich über Nacht am Küchenfenster geformt. Draußen bedeckte dicker Schnee alles, und sie konnte die Spuren sehen, die die Tiere in der Nacht rund um den Futtertrog im Garten hinterlassen hatten. Sie konnte es kaum erwarten, nach draußen zu gehen und ihre Lungen mit der kalten, frischen Luft zu füllen. Endlich pfiff der Teekessel und sie goss das brodelnde Wasser in die Teekanne. Sie nahm eine Tasse aus der wild zusammengewürfelten Sammlung im Regal und stellte die Eieruhr auf 3 Minuten. Dann setzte sie sich auf die Ofenbank, während sie ihren Blick durch den kleinen Raum schweifen ließ. Er war das genaue Gegenteil der glatten und makellosen Umgebung ihrer eigenen Wohnung im Star City Complex. Statt einer antihaftbeschichteten, kratzfesten, glänzenden Oberfläche war die Arbeitsfläche aus Eichenholz, dem man sein Alter mit Dellen und Spuren ansah. Es hatte diesen besonderen weichen Griff, den Dinge nur durch jahrzehntelangen Gebrauch bekommen. Auf dem Dielenboden lag ein bunter, aus Stoffresten gewebter Teppich, der kalten Füßen Schutz bot. Neben der schwarzen Eisentür des Ofens stand ein Weidenkorb für das Brennholz. Jedes Mal, wenn sie vorbeikam, konnte sie den aromatischen Duft von Tannenharz riechen. Die flaschengrünen glasierten Kacheln des Ofens sorgten für eine ganz andere Wärme, als sie jedes Hightech-Umgebungssystem je erzeugen könnte. Holz zu verbrennen, um sich warm zu fühlen, kam ihr so archaisch vor, und doch liebte sie das Feuer, das Knistern und die kleinen Explosionen des Harzes, die Tatsache, dass einer von ihnen das Feuer schüren musste, um es am Morgen wieder in Gang zu bringen, das Auf und Ab der Wärme in den Räumen.

Im ehemaligen Kuhstall neben der Kücke hörte sie das Tor knarren und Nate, wie er sich den Schnee von seinen Stiefeln stampfte. Er machte prustende Geräusche wie ein gestrandetes Walross, während er sich aus seinen Klamotten schälte und vor sich hinmurmelnd mit einem klemmenden Reißverschluss kämpfte. Grinsend stand sie auf und holte eine weitere Tasse aus dem Regal. Zusammen mit einer Menge kalter Luft betrat er schließlich die Küche, nur mit langer Thermounterwäsche und den dicken Wollsocken bekleidet, die seine Mutter liebevoll gestrickt hatte. Die praktische Kleidung konnte die Attraktivität seines Körpers nicht schmälern, denn sie saß wie angegossen, und stellte seinen durchtrainierten Körper bestens zur Schau. Seine Wangen und seine Nase waren rot von der Kälte, sein schwarzes Haar stand in alle Richtungen ab und seine blauen Augen funkelten vor Schalk.

„Guten Morgen! Wo hast du so früh am Tag gesteckt?“, begrüßte sie ihn.

„Guten Morgen, mein Schatz.“ Er packte sie um die Taille, zog sie an sich und vergrub sein eiskaltes Gesicht in ihrer Halsbeuge. Sie quiekte und versuchte vergeblich, ihn wegzuschieben. Grinsend küsste er sie voll auf die Lippen. „Mmmmh, warme Frau.“

„Uuuuh, ein Schneemann in winterlich-sexy Reizwäsche.“

Ihre Bemerkung veranlasste ihn zu einem prustenden Lachen. „Du bist der einzige Mensch, den ich kenne, der lange Unterhosen sexy findet.“

„Oh, nein, nein, nein. Moment. Sie sind nur an jemandem sexy, der so umwerfend gut aussieht wie du.“ Er roch nach frischer Luft und Schnee und sie packte ihn an seinem Hemd, bevor er wieder abhauen konnte. Allein aufzuwachen war nur akzeptabel, wenn sie später einen richtigen Guten-Morgen-Kuss bekam. Er hatte nichts dagegen, stattdessen hielt er sie fest und seine Finger vergruben sich in ihrem dicken Zopfpulli.

„Ich gebe zu, es war ein schrecklicher Fehler, dich im alleine zu lassen. Ich bin um halb Sechs aufgewacht und konnte nicht wieder einschlafen. Ich sah das Licht vom Storerhof durch die Bäume flackern, als ich ins Bad ging und habe beschlossen, uns frische Milch und Eier zu besorgen. Ich habe auch das Feuer geschürt, bevor ich gegangen bin, damit dir nicht kalt ist, wenn du aufstehst.“

„Ich habe es gemerkt. Es war sehr schön, in eine warme Küche zu kommen. Das war ein kleiner Trost, nachdem ich dich nach dem Aufwachen nicht neben mir fand. Willst du Tee?“ Sie reichte ihm die Tasse und setzte sich an den alten Tisch, dessen Holzplatte von der Benutzung über Generationen hinweg geprägt war. Sie zog die Knie an und umschloss ihre Tasse mit beiden Händen. Sie sah ihm zu, wie er seine Beute verstaute, und sich dann auf die Ofenbank setzte, um sich genauso wie sie vorher an den warmen Kacheln aufzuwärmen.

„Mann, es ist eiskalt draußen. Heinrich sagt, dass ein heftiger Schneesturm ansteht. Er soll gegen Mittag aufziehen.“ Nate lehnte sich mit einem behaglichen Gesichtsausdruck an den Ofen.

„Ich weiß, die Wettertafel zeigt alle zehn Minuten ein neues Warnzeichen an und das Barometer fällt alarmierend schnell.“ Sie zeigte auf eine digitale Anzeige, die unauffällig in die hölzernen Wandpaneele eingebaut war. „Brauchen wir noch etwas aus dem Dorf?“

Nate zuckte mit den Schultern und nippte an seinem Tee. „Ich denke, wir sind gut versorgt.“ Er stand auf und überprüfte die Vorratskammer. „Ja, wir können eine Woche ohne Strom überleben, wenn es sein muss.“

„Gut. Zum Glück haben wir den Baum gestern gekauft.“

„Ja, es wäre schrecklich, wenn unsere dumme kleine Idee von einem ungeplanten Schneesturm vereitelt würde.“ Er lachte und fuhr sich durch die dadurch nur noch wilder abstehenden Haare.

Adelie machte das Frühstück, während sie seinem Gesang unter der Dusche zuhörte. Seine tiefe Stimme drang gut durch die dünnen Wände der alten Hütte, und er war ein guter Sänger. Manchmal traf er jedoch den falschen Ton und sie zuckte unwillkürlich zusammen. Immer noch singend kam er zurück in die Küche, jetzt etwas angemessener, aber nicht weniger ansprechend gekleidet in einer Jogginghose und einem langärmeligen Henley-Shirt. Sie legte die Spiegeleier und den Speck auf ihre Teller und er schnitt dicke Scheiben vom frischen Brot ab, das er von seinem Ausflug zum Bauernhof von Heinrich und Lisa, ihren einzigen Nachbarn und Besitzern des kleinen Häuschens, mitgebracht hatte. Die Kruste knackte vielversprechend und der Duft von frischem Brot erfüllte die Küche.

„Hast du gut geschlafen?“ fragte er, als sie sich zum Essen setzten, und drückte ihr einen Kuss auf den Nacken.

„Ja. Ich schlafe immer wie ein Stein, wenn wir hier sind. Das muss an der Bergluft und der Ruhe liegen. Ich habe nicht einmal gehört, dass du gegangen bist. Warum bist du aufgewacht?“ Sie beugte sich vor und küsste ihn auf die Wange und er streichelte ihren Rücken.

„Ich weiß es nicht. Zu viel von deinem leckeren Punsch gestern? Ich musste nur auf die Toilette gehen und war danach hellwach.“

Sie gluckste. „Nun, wenn du so viel davon hattest, war es gut, dass ich keinen Wein

hineingetan habe.“

„Vielleicht war das der Fehler. Wenn ich verkatert gewesen wäre, hätte ich sicher nicht daran gedacht zwei Kilometer durch den tiefen Schnee zu wandern, nur um Eier und Milch zu holen.“

Adelie lachte und schob eine dunkelbraune Locke hinter ihr Ohr. „Das muss ich mir merken.“ Dann fügte sie hinzu: „Wir sollten wahrscheinlich alle Schotten dicht machen, bevor dieser Wahnsinns-Sturm hier eintrifft.“

Er kratzte sich am Kopf. „Was schlägst du vor?“

„Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Wir sollten in der Scheune nachschauen, was wir an nützlichen Utensilien in den Stall bringen sollten. Wenn es so viel schneit, wie sie sagen, werden wir morgen bis zum Bauch im weißen Zeug stehen, und wenn wir dann etwas brauchen, haben wir ein Problem. Wir sollten überprüfen, ob wir genug Feuerholz haben. Alle Batterien aufladen. Apropos Batterien - ich denke, der ACE sollte in die Scheune ziehen und seine Batterie ins Haus. Ich habe einige Missionsberichte gelesen, die darauf hinweisen, dass sie extreme Kälteumschwünge nicht mögen.“

„Der Name ‚All-Conditions Explorer‘ ist also eindeutig ein Marketing-Trick. Ich stimme zu, wir sollten die Batterie ins Haus bringen, ich will hier nicht länger als geplant festsitzen.“

Als sie bekleidet mit einen dicken Parka und einer pelzbesetzten Kapuze im Hof stand und Nate dabei beobachtete, wie er den Schnee vom ACE fegte, brach die Sonne über den Bergkamm und überflutete das kleine Tal mit hellem Licht, das Eiskristalle auf den Feldern glitzern ließ. Der Himmel war blau, und keine Wolke war zu sehen. Die Ruhe vor dem Sturm, überlegte sie und beobachtete, wie ihr Atem in der klirrenden Kälte weiße Wolken bildete. Zu ihrer Erleichterung sprang der Motor des ACE sofort schnurrend an, als sie den Anlasser drückte. Sie umrundete den Hof der Hütte und fuhr dann an dem kleinen roten Haus mit den weißen Fensterzierleisten und dem tief gezogenen Walmdach vorbei. Das Häuschen war winzig, nur zwei Zimmer, aber das war genug für zwei Personen. Es war schnell zu ihrem Zufluchtsort an Wochenenden und in den Semesterferien geworden, ein Ort, an dem sie sich von der Hektik und dem Stress an der Westerhaven Space Force Academy erholen konnten, und Heinrich und Lisa waren immer gerne bereit, sie aufzunehmen.

Die große alte Scheune stand auf einem Feld in der Nähe der Hütte. Nate hatte die Tore aufgestoßen, und nun gähnten sie ein klaffendes schwarzes Loch in die rote Fassade. Der Schnee knirschte unter den Reifen des ACE, als Adelie langsam über den unebenen Boden fuhr. Sobald Adelie einen Platz gefunden hatte, um den Geländewagen drinnen zu parken, öffnete Nate die Motorhaube, um an die kälteempfindliche Batterie zu gelangen. Er löste eine Reihe von Kabeln und zog dann einen blau leuchtenden Würfel heraus. „Wow, ist das Ding schwer.“

„Schweres Auto, schwere Batterie.“ Adelie zuckte mit den Schultern und stöberte in der Scheune herum, um zu sehen, was sie noch Nützliches finden konnte, während er mit der Batterie beschäftigt war. Nachdem sie alles, was lose war, reingeräumt oder festgezurrt hatten und alles, was im Notfall nützlich sein könnte, aus der alten roten Scheune in den kleinen, an das Häuschen angebauten Stall getragen hatten, setzten sie sich auf eine klapprige Bank neben der Eingangstür, um die Sonne zu genießen.

„So ein trügerisches Wetter. Sonnig, und der Schnee sieht so schön aus gegen den blauen Himmel. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich vorschlagen, dass wir einen Spaziergang machen,“ sagte sie. Sie lehnte sich an das warme Holz der Wand hinter ihr und betrachtete die tief verschneite Landschaft.

„Da wäre ich dabei, aber sieh mal, du kannst schon sehen, wie schnell der Sturm auf uns zukommt. Es ist wie eine graue Wand, die auf uns zurast.“ Nate stupste sie mit dem Ellbogen an, und als sie seinem Arm folgte, sah sie es auch: Eine bedrohliche, sich schnell bewegende Wolke, die einen Gipfel nach dem anderen verschluckte. Mit Bedauern standen sie auf und gingen zurück in den Stall. Nate betrachtete ihre Holzvorräte mit einem besorgten Blick. „Meinst du, das reicht?“

Adelie rieb sich die Nase. „Ich glaube schon, ja. Aber wenn du dich dann besser fühlst, kann ich dir helfen, mehr große Stücke aus der Scheune zu tragen. Du kannst es hier spalten, wenn wir es brauchen. Aber wir sollten uns beeilen, der Wind frischt schon auf.“ Sie klemmte ein kleines Stück Holz unter die Stalltür, damit sie nicht zufiel, und folgte ihm zur Scheune. Der Wind rauschte durch die Baumkronen und ließ sie vor dem immer dunkler werdenden Himmel dramatisch schwanken. Die ersten Schneeflocken fielen. Es war zwar erst Mittag, aber es fühlte sich an, als würde die Sonne bald untergehen. Gemeinsam trugen sie vier große Holstücke in den Stall und lehnten sie an das bereits gespaltene und ordentlich aufgeschichtete Brennholz. Schon fiel der Schnee so dicht, dass sie kaum noch etwas sehen konnten. Der Wind erfasste die Tür, als Adelie sie hinter ihnen schließen wollte, und schlug sie gewaltsam zu. Sie schob den Riegel vor und sagte: „Ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin, dass wir drinnen sind und nicht mehr raus müssen. Das wird sehr ungemütlich.“