Winterfreuden
Diese Geschichte kann für sich alleine stehend gelesen werden, doch in einigen Passagen wird auf frühere Ereignisse Bezug genommen.
Wer erfahren möchte was Jule, Sebastian, Sophia und Lisa bisher erlebt haben, erfährt es in den “Und es war Sommer”-Geschichten Teil 1, 2 und 3.

Über dem Apartmenthaus brach bereits die Dämmerung herein, als eine Katze mit einem geschmeidigen Satz von der Fensterbank des Küchenfensters in den unberührten Pulverschnee sprang. Wahrscheinlich stammte sie vom Bauernhof, der direkt neben der Ferienwohnung lag, in der Jule, Sebastian, Sophia und Lisa ihren Winterurlaub verbrachten. Vielleicht war es die Neugier, die sie zum hell erleuchteten Küchenfenster des Ferienappartements geführt hatte – der Drang, zu erfahren, was in der Küche vor sich ging. Oder wurde sie von dem verlockenden Duft angelockt, den die Dunstabzugshaube aus der Küche in die kalte Winterluft blies und großzügig in der Umgebung der Ferienwohnung verteilte?
Das neue Jahr war angebrochen und der Kalender zeigte bereits den dritten Januar. Weihnachten hatten Jule und Sebastian noch zu Hause gefeiert – ganz traditionell. Den Heiligen Abend feierte jeder bei seinen Eltern, und am ersten Weihnachtsfeiertag kam Sebastian zu Jule, um mit ihr und ihrer Mutter zusammen zu feiern. Das war für Jule das größte Geschenk! Wie viel Anstrengung hatte sie doch aufbringen müssen, bis ihre strenge Mutter ihren Freund akzeptierte!
Anfangs war es schwierig gewesen. Jule war sechzehn, als sie ihre Mutter vor vollendete Tatsachen stellte und ihr verkündete, dass Sebastian ihr fester Freund war – und dass sie bereits mit ihm geschlafen hatte! Ihre Mutter mutierte daraufhin zur Furie. Sie hielt nichts von Männern und schon gar nichts von solchen, die sich an ihre Tochter heranmachen. Auch Sebastian war äußerst mulmig zumute, als er bei seinem Antrittsbesuch von dieser Ein-Personen-Jury in Augenschein genommen wurde. Das erste Urteil war vernichtend. Doch als er Jules Mutter immer öfter bei Problemen mit ihrem Laptop, den sie beruflich benötigte, mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte, wichen die anfänglichen Berührungsängste. Vielleicht wollte dieser Junge mehr als nur ein schnelles Vergnügen mit ihrer Tochter.
Sebastians Besuche bei Jule sind mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden, und auch Jule hat längst einen festen Platz in Sebastians Familie gefunden. Dort verbrachten sie den zweiten Weihnachtsfeiertag im festlich geschmückten Wohnzimmer bei Gänsebraten mit Rotkohl und Kartoffelknödeln und selbstgebackenen Plätzchen. Sebastians Mutter war so froh, dass ihr Sohn eine so nette und zudem noch äußerst hübsche Freundin gefunden hatte. Sie hatte ihr zu Weihnachten ein paar dicke, warme Wollsocken in Jules Lieblingsfarbe gestrickt – rot.
Die Wollsocken packte Jule gleich neben die Skiunterwäsche in ihren bis zum Bersten gefüllten Koffer. Nach Weihnachten ging es dann los: Jule und Sebastian fuhren zusammen mit Jules Schulfreundin Sophia und Lisa in Sebastians altem Golf in den Winterurlaub. Zum 18. Geburtstag hatte Sebastian von seinen Eltern ein Auto geschenkt bekommen, mit dem er nun regelmäßig zur Schule fuhr – oder zu Jule. Genau wie Jule an Sebastian einen Narren gefressen hatte war Sophia immer noch mit ihrer Freundin Lisa liiert. Den Entschluss für einen gemeinsamen Skiurlaub hatten die vier schon vor langer Zeit gefällt. Eine Ferienwohnung, zwei Pärchen, vier Paar Skier – so war es geplant. - Und romantisch sollte es werden! Gab es etwas schöneres als Urlaub in einer malerischen Landschaft zu machen, die aussah, als hätte man sie mit weißem Zuckerguss verziert?
Die ersten Sterne begannen am Himmel zu funkeln, denn es wurde früh dunkel in dem idyllischen Bergdorf in den bayerischen Alpen. Die Kirchturmglocke des kleinen Bergkirchleins schallte aus der Ferne durch das langgestreckte Tal, das nun tief verschneit in winterlicher Stille ruhte und von schneebedeckten Gipfeln umgeben war. Je dunkler es wurde, desto verträumter wirkten die Häuser, die noch immer im festlichen Lichterglanz erstrahlten. Das geschäftige Treiben der Ladenbesitzer ließ nach und allmählich kehrte Ruhe und Frieden ein. Schemenhaft war im Hintergrund noch das imposante Bergmassiv des Wilden Kaisers zu erkennen, das majestätisch in den Himmel ragte. Die dunklen Wälder, denen der Schnee ein festliches Kleid angelegt hatte, wirkten geheimnisvoll und still. Die Bäume ächzten schwer unter der Last der weißen Flocken und der kalte Wind rauschte leise durch ihre Zweige. Vereinzelt fielen winzige Schneeflocken vom Himmel herab.
Sophia reckte ihre Nasenspitze in die Höhe und versuchte, mit dem Mund eine Schneeflocke zu fangen. Obwohl sie den ganzen Tag auf ihrem Snowboard die Hänge hinuntergerauscht war, hatte sie noch genug Energie, um diesem Spiel mit kindlicher Freude nachzugehen.
„Hast du gesehen? Da vorne ist gerade eine Katze vom Fensterbrett unseres Küchenfensters in den Schnee gesprungen!“, rief Lisa und zeigte aufgeregt in Richtung ihres Ferienappartements.
„Wo?“ Sophia wollte es genauer wissen.
„Da vorne ist sie! Schau nur, sie hat weiße Stiefel an. Ich glaube, sie gehört zu dem Bauernhof da drüben.“
„Kommt die Katze nicht öfter zu uns und schaut durch das Küchenfenster?“, fragte Sophia und ließ eine weitere Schneeflocke auf ihrer Zunge zergehen.
„Glaubst du? Was gibt es denn in unserer Küche schon zu entdecken?“
„Ich glaube dieser kleine Schlingel trieb sich auch gestern vor dem Fenster herum, als ich gerade mein Müsli machen wollte...“
„Wenn sie uns öfter besucht, dann sollten wir ihr einen Namen geben!“ Lisa begann zu grübeln. „Was hältst du von… Hmmm… Von…?“
„Kitty?“
„Du meinst wie ‚Hello Kitty‘?“
„Hello Kitty!“, riefen Sophia und Lisa in Richtung des Bauernhofes, in dem die Katze verschwunden war, und winkten dabei vor Freude mit hoch erhobenen Armen wie zwei kleine Kinder, die einen neugewonnenen Freund verabschiedeten.
„Es ist herrlich hier!“, entfuhr es Lisa vor Begeisterung, während sie sich zu Sophia drehte, sie umarmte und fest zu sich heranzog.
„Küss mich!“
Sophia riss erstaunt die Augen auf. Sie stand mit Lisa auf dem großen, hell erleuchteten Parkplatz direkt vor dem Gästehaus und kam sich vor, wie ein Vanillekipferl auf einem Präsentierteller.
„Hier? Auf dem Parkplatz? Vor unserem Appartement?“
„Ja. Jetzt. Hier, sofort.“
Sophia begann ungläubig zu grinsen.
„Du bist verrückt!“, antwortete sie und schloss die Augen.
Schneeflocken tanzten leise um das in vollkommener Harmonie verbundene Paar, das mit jeder Umkreisung ihrer Zungen die Welt um sich herum ein Stück mehr vergaß, während die Nacht langsam eine Decke aus dunklem Samt über der verschneiten Winterlandschaft ausbreitete.
„Wenn wir nicht langsam das Auto ausräumen und die Einkäufe ins Appartement bringen, dann…“
„Was dann?“
„Dann werden die beiden da drinnen wohl noch die Bergrettung alarmieren und uns suchen lassen.“
Zärtlich strich Sophia eine Locke aus Lisas Gesicht.
„Na dann komm! Die Pflicht ruft!“
Noch immer standen Sophia und Lisa auf dem Parkplatz. Ihre Snowboards hatten sie bereits im Skikeller verstaut, bevor sie zu ihrer Einkaufstour aufgebrochen waren. Eine Ferienwohnung, zwei Pärchen, nur zwei Paar Skier - und zwei Snowboards! – Von Zeit zu Zeit muss man seine Pläne der Realität anpassen.
Die Idee mit dem gemeinsamen Urlaub in der Ferienwohnung hatte natürlich auch ganz praktische Gründe. „Wenn wir uns die Kosten für die Unterkunft teilen, dann wird es finanzierbar!“ Mit dieser Aussage hatte Sophia, das Mathe-Ass und Finanzgenie, den anderen den Winterurlaub schmackhaft gemacht. „Außerdem können wir uns in einer Ferienwohnung selbst versorgen, dann sparen wir auch noch an den Kosten für die Verpflegung.“ Das klang logisch. Allerdings musste dann auch jemand kochen, und heute fiel das Los auf Jule, die spontan ihren Freund Sebastian als Küchenjungen engagiert hatte. Sophia und Lisa übernahmen dafür das Einkaufen. Somit durften sie jetzt die schwere Einkaufskiste ins Appartement schleppen, während Jule nichts weiter zu tun brauchte, als der blubbernden Bolognesesoße beim Kochen zuzusehen. Zwei wichtige Ingredienzien fehlten allerdings noch, um das Abendessen zu vollenden: Eine Packung Spaghetti und ein paar Flaschen Rotwein!
Sophia bekam langsam Hunger. Lisa nahm die Einkaufstasche und ging vorweg. So konnte sie Sophia, die mit der Einkaufskiste hinter ihr hertrottete, die Tür öffnen. Als sie am Küchenfenster vorbeikamen, wurde Lisa neugierig. Was könnte Kittys Neugierde wohl geweckt haben? Als Lisa einen vorsichtigen Blick durch das Küchenfenster warf, blieb sie wie angewurzelt stehen.
„Warum bleibst du denn plötzlich stehen?“, wollte Sophia verärgert wissen. „Fast wäre ich in dich hineingerannt und hätte die Kiste fallen…“
„Pssscht!“, zischte Lisa und fuchtelte dabei wild mit den Händen. Ihr Blick war noch immer auf das Küchenfenster gerichtet.
Sophia stellte die Einkaufskiste auf einer kleine Holzbank neben dem Küchenfenster ab und pirschte sich langsam an Lisa heran, um nicht entdeckt zu werden.
„Was gibt es denn da so Interessantes zu sehen, dass du…?“
„Nimm den Kopf zur Seite, dass Sebastian uns nicht entdeckt!“, fauchte Lisa.
Sophia rang zuerst nach Luft und dann nach Worten als sie durch das Küchenfenster blickte.
„Die… die beiden… die beiden treiben es in der Küche?“
„Neben unserer Bolognesesoße, mein Herzchen. Deine Schulfreundin sitzt splitterfasernackt auf der Arbeitsplatte und lässt es sich von ihrem Freund besorgen...“
„Was ist eigentlich das da neben dem Toaster?“
„Das ist ihr rechter Fuß! Und jetzt nimm gefälligst den Kopf zur Seite!!!“
„Ich glaube, Sebastian ist viel zu beschäftigt, als dass er aus dem Fenster schaut…“
„Sein Blick ist nach unten gerichtet. Sie sehen beide zu, wie sein…“
„Schwanz?“
„in ihre…“
„Muschi?“
„…rein und raus flutscht!“
„Küchendienst habe ich mir irgendwie anders vorgestellt…“, merkte Sophia mit einem verlegenen Schmunzeln an, denn sie gönnte den beiden ihren Spaß.
„Sie ist ziemlich hübsch, deine Freundin Jule...“
„Moment mal! Eben auf dem Parkplatz war ich noch deine Nummer eins und kaum siehst du eine andere nackte Frau, da…“
„So habe ich das überhaupt nicht gemeint! - Sebastian hat eben Geschmack! Der bumst sie übrigens gerade ziemlich heftig durch. Ich glaube, gleich schiebt er sie durch das Küchenfenster...“
„Möchtest du mir damit sagen, dass ich dich beim nächsten Mal mit dem Strap-On auch etwas härter…?“
Ein dumpfes Geräusch drang nach draußen. Lisa zuckte zusammen und trat einen Schritt zurück, als Jules Oberkörper plötzlich nach hinten rutschte und ihr Kopf dabei gegen das Küchenfenster prallte.
„Ich habe dir doch gesagt, dass er sie gleich durch das Küchenfenster schiebt!“
„Hoffentlich brennt die Soße nicht an. Vielleicht sollte der Küchenjunge mal rumrühren?“
„Das Einzige, in dem Sebastian gerade herumrührt, ist…“
Schon wieder vernahm man das dumpfe Geräusch, als Jules Hinterkopf erneut mit dem Küchenfenster Bekanntschaft machte.
„Ich glaube, er ist jetzt fertig. Er zieht ihn raus und Jule rappelt sich langsam wieder auf… – Nein! Warte mal! Er dreht sich zur Seite…“
„Jetzt kann ich es auch erkennen. Er massiert seinen Schwanz…“
„Und Jule steigt von der Arbeitsplatte. Sein Schwanz ist immer noch hart.“
„Sie geht vor ihm auf die Knie…“
„Er stellt sich vor sie. - Sie schließt die Augen. – Und sie reißt den Mund weit auf!!!“
„Das glaube ich jetzt nicht!“
„Doch! - Er tut es!!!“
„Ist er schon so weit?“
„Seinen Gesichtszügen nach zu urteilen, kommt er jeden Moment…“
„Dann sind die zwei Packungen Ananassaft für ihn, die wir heute gekauft haben?“
„Ich kann gar nicht hinsehen!“
„Wenn du nicht hinsehen kannst, dann geh‘ gefälligst auf die Seite und versperr mir nicht die Sicht!“
„Boahh! Das war die volle Ladung!!!“
„Da ging wohl auch etwas in die Haare. Knapp am Auge vorbei…“
„Es kommt noch mehr… Noch viel mehr!“
„Ist ihr Mund voll?“
„Eben war er es noch aber jetzt…“, wie zur Salzsäule erstarrt stand Lisa vor dem Küchenfenster, als sie die Situation beobachtete „ ...jetzt ist er wieder leer!“
„Sie hat es getan? Sie hat seine ganze Ladung…?“
„Ja, das hat sie. Das muss Liebe sein! – Und jetzt leckt sie seinen Schwanz sauber.“
„Macht dich das jetzt geil, wenn du da zusiehst?“, wollte Sophia wissen.
„Dich etwa nicht?“, fragte Lisa erstaunt zurück.
„Du meinst, ob es mich geil macht, wenn ich zusehe wie Sebastian Jule mit Sperma vollspritzt?“
„Nein. Ich meine, ob es dich geil macht, Jule nackt zu sehen. Sie ist wirklich hübsch… Und sie hat so ein süßes Dreieck von Schamhaar!", rief Lisa entzückt. „Wolltest du nie mal etwas von ihr…?“
„Ich? Von meiner besten Schulfreundin? Sag mal spinnst du?“
„Na ja... Hätte ja sein können.“
„Jule ist total hetero. Die interessiert sich überhaupt nicht für Frauen. Oder glaubst du ernsthaft, dass Jule schon mal etwas…? Mit einer Frau? - Niemals! Das hätte sie mir erzählt...“
„Was nicht ist, kann ja noch kommen. Die beiden werden ja wohl gleich im Bad verschwinden, so wie er sie zugerichtet hat. Dann bringen wir die Einkäufe rein und ich koche uns erst einmal Spaghetti, sonst bekommen wir heute überhaupt nichts mehr zu essen!“
„Warte mal kurz… Es sieht so aus, als wenn Sebastian sich da gerade mächtig über irgendetwas aufregt.“
„Über etwas aufregt? Ist die Bolognese angebrannt?“
„Er deutet auf Jules Handy, das da auf dem Tresen liegt, und ist ziemlich aufgebracht.“
„Vielleicht ein Anruf zur falschen Zeit?“
„Er geht. Ich glaube, er ist ziemlich sauer auf Jule.“
„Komm, Herzchen. Wir gehen mal rein und kümmern uns um deine Freundin.“
„Sie ist aber immer noch nackt…“, maßregelte Sophia ihre Freundin.
„Deshalb möchte ich mich ja um sie kümmern…“, antwortete Lisa mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.