Des Mafiosos Nachtwache (MxM)

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Ich holte tief Luft und während ich darauf wartete, dass meine Tür aus den Angeln brach, kniff ich die Augen zu und dachte daran, wie alles begann – als ich den italienischen Teufel vor drei Jahren an einem verschneiten Wintermorgen im Südosten Londons das Leben rettete.

Genre:
Romance/Lgbtq
Autor:
Teago
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
48
Rating
4.7 20 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Prolog

Gegenwart –

Sammys Sicht

In einer lockeren, grauen Schlafanzughose ließ ich mich aufs Sofa sinken. Ich passte höllisch auf, nichts von der heißen Schokolade zu verschütten, deren Becher ich fest umklammert hielt. Die Nachtschicht im Krankenhaus war lang gewesen. Endlich war ich wieder zu Hause, raus aus der Uniform und eingekuschelt unter meiner weichen, blau karierten Decke.

Die Sonne blinzelte bereits durch die Jalousien und die Welt erwachte langsam. Währenddessen gähnte ich und kam vor dem Schlafengehen zur Ruhe. Ich scrollte durch Netflix, um etwas Kurzes und Lustiges zum Anschauen zu finden. Plötzlich hörte ich draußen vor meiner Haustür Lärm.

Verwirrt zog ich die Stirn kraus, denn für den Schichtwechsel der Wachen war es noch zu früh. War er das etwa? Hatte er sein Wort gebrochen und war gekommen, um mich zu holen? In meinem Magen bildete sich ein dicker Kloß. Meine Handflächen wurden feucht, als ich widerwillig die Decke wegwarf. Ich schlüpfte in meine Hausschuhe und zog meinen Bademantel enger um mich.

Mehrere laute Knalle ließen mich wie angewurzelt stehen bleiben. Ich stand starr da und lauschte. Ich hoffte inständig, dass es nur eine Fehlzündung von einem Auto in der Nähe war. Doch kurz darauf gab es einen lauten Schlag gegen meine Tür. Dann folgten weitere Schläge, die immer schneller und lauter wurden.

In diesem Moment bewegte ich mich. Ich rannte los, um das Wegwerfhandy und das Jagdmesser zu holen. Beides versteckte ich in einer alten Spielekonsole, die als Tarnung auf meinem Fernsehtisch stand. Ich stellte mich direkt neben die bebende Haustür. Dann schluckte ich meinen Stolz hinunter und wählte mit zitternden Fingern seine Nummer. Es war die Nummer, die ich eigentlich nie wieder anrufen wollte, egal wie sehr sich mein Körper im letzten Jahr nach ihm verzehrt hatte.

Er ging sofort ran. Eine triumphierende Stimme in meinem Hinterkopf schrie, dass er mich auch vermisst hatte. Er hatte nur auf meinen Anruf gewartet.

„Sammy?“, antwortete seine tiefe Stimme mit dem Akzent. Obwohl die Gefahr nur einen Meter von mir entfernt war, spürte ich eine Welle der Wärme. Sie entzündete jede einzelne meiner tauben Nervenzellen. Vor meinen Augen tanzten Farben und mein fast totes Herz fing wieder an zu schlagen. Mein Verstand wehrte sich gegen diesen Verrat meines Körpers.

„Ich habe Schüsse gehört und jetzt versucht jemand, die Tür einzuschlagen. Ich weiß nicht, wie viele es sind“, flüsterte ich leise und ruhig. Die Eindringlinge sollten nicht merken, dass ich direkt hinter der Tür auf sie wartete.

„Vaffanculo!“, schrie er am anderen Ende der Leitung. Dann ratterte er Anweisungen an jeden herunter, der gerade bei ihm war. Mein Italienisch war immer noch nicht das Beste, aber ich verstand viele Schimpfwörter. Ich hörte meinen Namen, meine Adresse und oft das Wort für Töten. Mit diesem speziellen italienischen Wort kannte ich mich inzwischen gut aus.

„Hast du dich versteckt, Sammy? Hast du das Messer bei dir?“

„Einen Scheiß werde ich tun. Ich verstecke mich doch nicht wie eine kleine, verängstigte Maus in meinem eigenen verdammten Haus. Ich habe das Messer und ich freue mich schon darauf, es ihnen zu zeigen“, flüsterte ich. Im Kopf plante ich schon, wohin ich zuerst zustechen würde. Eins stand fest: Ich würde dafür sorgen, dass sie es bereuen, mein Haus betreten zu haben.

„Hör mir zu, Piccolo. Ich bin in zwanzig Minuten bei dir. Kannst du dich nicht einfach verstecken, bis ich da bin? Mir zuliebe?“, bettelte er. Ein Teil von mir wollte ihm jeden Wunsch erfüllen, aber nein. Er war zweifellos der Grund, warum ich überhaupt in dieser Klemme steckte. Also würde ich die Sache so regeln, wie ich es für richtig hielt.

„Wenn du ein schüchternes Mauerblümchen gewollt hättest, hättest du dir eine andere Krankenschwester suchen müssen“, gab ich zurück. Am anderen Ende der Leitung war noch mehr Fluchen zu hören.

„Immer noch so verdammt dickköpfig. Ich schwöre beim Teufel persönlich: Wenn sie dir auch nur ein Haar krümmen, fessele ich dich an mein Bett. Ich werde dich nie wieder aus den Augen lassen“, drohte er. Sein Knurren verursachte mir eine Gänsehaut auf der Haut.

„Fick dich doch“, zischte ich und legte einfach auf. Trotzdem konnte ich die Aufregung in mir nicht unterdrücken. Der Gedanke, ihn nach all den Monaten wiederzusehen, ließ mein Herz schneller schlagen. Es tat gut, nach all der Zeit wieder etwas zu fühlen. Selbst wenn es Angst war, die ich verzweifelt unterdrückte. Gott weiß, ich hatte schon Schlimmeres gesehen als das, was mich auf der anderen Seite der Tür erwartete.

Ich atmete tief durch. Während ich darauf wartete, dass meine Tür nachgab, schloss ich die Augen. Ich erinnerte mich daran, wie alles angefangen hatte. Damals, als ich an einem verschneiten Wintermorgen im Südosten Londons dem italienischen Teufel das Leben rettete. Das war vor drei Jahren.