Kapitel 1
Willow
349 kcal
264 kcal
190 kcal
Diese Zahlen schwirrten vor meinen Augen hin und her als ich den Kühlschrank durchwühlte. Die Stimme die mir sagt das ich das nicht essen darf. Am besten garnicht zu essen. Ich überlegte was ich heute schon zu mir genommen habe. Einen
Apfel, ein Knäckebrot. 63 kcal und 35. Ich griff nach einen kleinen Natur Joghurt. 53 Kalorien. Ich nahm in aus dem Kühlschrank und begann langsam zu essen. Mit jedem Löffel wuchs das schlechte Gewissen und die Schuld. Sie frass sich in meinem Magen und mir wurde übel. Nach der Hälfte schmiss ich den Becher weg und ging in mein Zimmer. Ich stellte meinen Rucksack in eine Ecke und legte mich in mein Bett. Ich nahm mein Handy und checkte meine Nachrichten. Dabei ließ ich einen Chat absichtlich ungeöffnet. Mittlerweile waren es 93 ungelesen Nachrichten. Und ohne sie gelesen zu haben, wusste ich welche herabwürdigenden Worte dort auf mich warteten. Diese Art von Benachrichtigungen schrieb Melissa mir seit 1 Jahr. 1 ganzes Jahr voller Verachtung und Hass. Den Grund dafür konnte sich mir noch nicht erschließen. Ich starrte auf ihren Namen und das Verlangen all das zu lesen wuchs, gleichzeitig schnürte mir die Angst den Atem ab. Doch die Neugier siegte. Wie fast jedesmal. Die Worte fett, hässlich, abnehmen, umbringen brannten sich in meine Netzhaut und tief in meine Seele. Jeder Bissen dem ich heute zu mir genommen habe, lagen auf dem einmal schwer in meinem Magen und verdrängten den leisen Hunger in mir. Jede einzelne Nachricht hinterließ einen tiefen Schnitt und zerbrachen mein ohnehin schon geschundenes Herz.
Ich wusste nicht wie lange ich so gedankenverloren gegen die Decke starrte aber irgendwann klopfte es an meine Tür. „Herein" rief ich und richtete mich auf. Meine Mum kam ins Zimmer.„Abend essen ist fertig" sagte sie lächelnd. Eigentlich ein ganz normaler Satz, doch in mir löste er Panik aus. „Ich hab Kopfschmerzen, Mum. Ich würde mich gerne hinlegen" sagte ich schnell. „Alles gut. Ich bringe dir gleich eine Tablette hoch" sagte sie und strich mir übers Haar. Ich lächelte sie noch einmal an, bevor sie das Zimmer verließ. Schnell zog ich mir einen Schlafanzug an und putze mir die Zähne. Als ich wieder in mein Zimmer ging, fand ich ein Glas und eine Tablette auf meinem Nachtisch auf. Ich musste lächeln.
essen ist fertig" sagte sie lächelnd. Eigentlich ein ganz normaler Satz, doch in mir löste er Panik aus. „Ich hab Kopfschmerzen, Mum. Ich würde mich gerne hinlegen" sagte ich schnell. „Alles gut. Ich bringe dir gleich eine Tablette hoch" sagte sie und strich mir übers Haar. Ich lächelte sie noch einmal an, bevor sie das Zimmer verließ. Schnell zog ich mir einen Schlafanzug an und putze mir die Zähne. Als ich wieder in mein Zimmer ging, fand ich ein Glas und eine Tablette auf meinem Nachtisch auf. Ich musste lächeln. Die Beziehung zu meiner Mum war nicht immer leicht. Sie war viel arbeiten und eigentlich garnicht wirklich da. Sie kam mir beinahe vor wie eine fremde. Manchmal fühlte ich mich wie ein Eindringling, in diesem leeren Haus, als würde ich nicht hier hin gehören. Mein Schutzmechanismus hat in den unzähligen Stunden in denen ich alleine war, gelernt alleine klarzukommen. Ganz alleine. Nur alleine komme ich klar. Ich war die größte Bezugsperson in meinem Leben, was daran liegt das ich die einzige bin. Ich habe früh gelernt eigenständig zu sein, und mich zu versorgen. Und mit der Zeit vermisste ich meine Mum immer weniger, als hätte ich sie vergessen. Heute hat sie nach Jahren für uns Essen gemacht, als hätte sie sich plötzlich daran erinnert das sie nicht alleine in diesem großen Haus wohnt. Es war vielleicht egoistisch von mir sie jetzt alleine dort sitzen zu lassen, aber die schwere Schuld in meinem Magen verblasste neben dem unbändigen Verlangen kein einzigen Bissen mehr zu mir zu nehmen.








