Wenn das Licht ausgeht

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Zusammenfassung

Stürme kommen dann, wenn man am wenigsten mit ihnen rechnet, und diesen hier habe ich nicht kommen sehen. Nicht in Gestalt von Trent, in einer Nacht, in der ein gewaltiger Sturm über unsere Stadt hinwegfegt und wir gemeinsam in unserer Wohnung festsitzen. Wir spielen „Wahrheit oder Pflicht“, um uns von dem abzulenken, was draußen vor sich geht, bis eine Pflichtaufgabe in etwas umschlägt, das wir uns beide bisher verwehrt haben. Kann eine einzige Nacht unsere Gefühle füreinander verändern, sodass wir mehr als nur Mitbewohner sind? Oder wird alles in einem Sturm enden, der ganz anders ist als der draußen? Alles, was ich tun kann, ist mich festzuhalten und zu sehen, wohin uns das führt. ***NICHT LEKTORIERT, ERSTER ENTWURF*** ***MATURE CONTENT***

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
52
Rating
5.0 11 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

JESSE

Meine Augen wanderten zum Fenster, genau in dem Moment, als der Regen gegen die Scheibe peitschte.

Dieser Sturm war vorhergesagt worden. Es sieht so aus, als würde er genau jetzt losgehen. Ich habe eine Art Hassliebe zu Unwettern. Aber heute Abend fand ich es toll, weil ich sowieso nicht vorhatte, die Wohnung zu verlassen, bis es vorbei ist.

Mit einem Seufzer senkte ich meinen Blick wieder auf das Buch, das ich gerade las, und machte weiter.

Ich bin zwar erst zweiundzwanzig, aber das war für mich ein gelungener Abend. Normalerweise würde ich bis neun Uhr abends im Café arbeiten. Da es kaum Busse gibt, müsste ich danach zu Fuß nach Hause laufen. Aber weil eine Sturmwarnung herausgegeben wurde, beschloss mein Chef Donald, das Café für heute dichtzumachen. Ich war total happy darüber. Ich hasse es nämlich, im Regen zu laufen, was auch einer der Gründe für meine Abneigung gegen Stürme ist. Allein der Gedanke an nasse Kleidung, die am Körper klebt, lässt mich frieren.

Ich blätterte um und wollte gerade weiterlesen, als es im Zimmer plötzlich dunkel wurde. Ich schaute wieder zum Fenster und sah, dass die Wolken immer finsterer wurden.

Fuck. Das wird einer von der ganz üblen Sorte.

Ich legte mein zerfleddertes Lesezeichen ins Buch und legte es beiseite. Dann stand ich vom Bett auf und ging zum Fenster.

Ein Schauer lief mir über den Rücken, sodass ich meine Arme fest um den Bauch schlang. Ich musste an etwas Warmes denken. Ein Strandurlaub wäre jetzt genau das Richtige, wenn ich das Geld dafür hätte. So aber muss ich mich mit einer Tasse Tee zufriedengeben.

Ich ging vom Fenster weg, aus dem Zimmer und direkt in den Flur. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal in einer WG landen würde, aber hier bin ich nun.

Ich hatte mich auf eine Anzeige für das Zimmer beworben, nachdem ich zu Hause rausgeflogen war. Meine Stiefmutter war felsenfest entschlossen, dass mein Vater mich mit achtzehn vor die Tür setzt, was er dann auch tat. Ich glaube, mein Vater hat seit der Hochzeit nie wieder Nein zu ihr gesagt. Wie ein Schoßhündchen erklärte er mir, dass ich einen Monat Zeit hätte, um auszuziehen. Sie brauchten mein Zimmer angeblich für etwas anderes. Erst später erfuhr ich, was es werden sollte: ein Hobbyraum für meinen Stiefbruder Colton.

Ich konnte nur mit den Augen rollen und ihn stehen lassen. Er hat seinen Stiefsohn dem eigenen Fleisch und Blut vorgezogen. Danach beschloss ich, den Kontakt abzubrechen. Seit einem Jahr habe ich kein Wort mehr mit ihnen gewechselt, und es war herrlich friedlich.

Es wurmt mich zwar, dass mein Vater eine Frau vorzieht, die er erst seit einem Jahr kennt, aber ich wusste, dass ich gegen sie nicht ankomme. Meine Mutter starb vier Jahre zuvor und ließ uns beide allein zurück. Papa dachte wohl, ich bräuchte eine neue Mutter, aber das wollte ich nicht – erst recht nicht mit vierzehn. Ich wollte nur meinen Vater haben und um meine Mama trauern.

Ich verscheuchte die Gedanken und ging in die Küche. Dort schnappte ich mir meine Lieblingstasse aus dem Schrank und schaltete den Wasserkocher ein. Während ich darauf wartete, dass das Wasser kochte, warf ich einen Blick auf den Kalender an der Wand.

Ich überflog die Termine der nächsten Tage, bis mir etwas auffiel. Ich trat näher heran und sah, dass mein Mitbewohner Trent etwas notiert hatte.

„Fahre nach Hause.“

Mir rutschte bei diesen Worten das Herz in die Hose. Trent fährt weg? Und für wie lange?

Trent war schon ein paar Mal bei seiner Familie. Jedes Mal musste ich mich dann irgendwie ablenken, weil ich es hasse, allein zu sein. Ich mag das Gefühl, dass jemand da ist. Falls etwas passiert, weiß ich, dass er mir helfen würde.

Trent und ich wohnen seit zwei Jahren zusammen. Als ich mich wegen des Zimmers meldete, suchte er dringend jemanden. Er nahm mich auf, weil ich seine Anforderungen erfüllte – wobei ich bis heute nicht weiß, welche das eigentlich waren.

Ich schüttelte den Kopf, doch eine Erinnerung an unser erstes Treffen kam hoch. Trent wollte eigentlich einen männlichen Mitbewohner, aber er hatte nicht damit gerechnet, dass Jesse ein Mädchen sein könnte. Zuerst zögerte er. Doch nachdem wir während Corona zusammen eingesperrt waren, haben wir uns super zusammengerauft.

Wer hätte gedacht, dass drei Wochen Isolation in einer Wohnung mit einem verdammt heißen Typen uns so zusammenschweißen würden? Meistens jedenfalls als gute Freunde.

Oh, und habe ich schon erwähnt, wie scharf Trent ist?

Fuck. Das ist er wirklich.

Der Kerl sieht aus wie ein griechischer Gott aus einem Fantasy-Roman. Er hat pechschwarzes Haar und die stechendsten blauen Augen, die ich je gesehen habe. Von seinem Körper fange ich gar nicht erst an. Er hat ein stahlhartes Sixpack und muskulöse Oberschenkel, bei deren Anblick mir ganz heiß wird.

Trent ist jemand, von dem ich träume, aber bei dem ich niemals eine Chance hätte. Nicht bei einem Mann wie ihm. Ich bin eher der Typ „graue Maus“. Meine Haare sind zwar lila, aber ich liebe meine Schlabberklamotten – Jogginghosen und Oversize-T-Shirts. Ich bin einfach niemandes Typ.

Meine letzte Beziehung hatte ich mit achtzehn. Bevor ich zu Hause rausflog, endete diese Sache ziemlich übel. Mein Ex konnte seinen Schwanz nicht bei sich behalten. Er ist bei jeder Plastiktussi gelandet, die nicht bei drei auf den Bäumen war. Er hat mich betrogen und mir dann per Gaslighting eingeredet, es sei meine Schuld gewesen. Das Beste an der Sache war der Schlag, den ich ihm nach seinen Ausreden verpasst habe. Er hatte danach eine gebrochene Nase und zwei blaue Augen – das beste Abschiedsgeschenk, das eine Frau einem Mann machen kann, wenn er sie wie Scheiße behandelt. Oder vielleicht war es auch der Kniecheck in die Eier kurz davor. Eigentlich bin ich nicht der Typ für Schlägereien, aber der Mistkerl hatte es verdient.

In der Küche wurde es dunkler. Ich schreckte aus meinen Gedanken auf und sah aus dem Fenster. Der Himmel war in den letzten Sekunden pechschwarz geworden und der Regen wurde immer heftiger.

Ein Geräusch an der Tür ließ mich zur Uhr blicken: sieben Uhr abends. Es klang, als wären die Nachbarn gerade nach Hause gekommen.

Trent hätte schon vor einer Stunde vom Training zurück sein sollen. Wo zum Teufel steckte er? Ich klang schon wie eine besorgte Freundin, aber das war ich nicht. Ich wäre wohl die dümmste Frau der Welt, wenn ich glauben würde, dass Trent Clark auf jemanden wie mich steht.

Dann klackte das Schloss und die Tür ging auf. Trent stand völlig durchnässt in seinen Sportklamotten im Rahmen. Ich konnte nicht anders, als ihn von oben bis unten zu mustern. Seine Kleidung klebte wie eine zweite Haut an ihm und betonte jeden einzelnen Muskel.

Ach, fuck mein Leben.

„Jess, meine Augen sind hier oben!“, knurrte er, was mich augenblicklich knallrot werden ließ. Ich sah schnell weg und starrte aus dem Fenster.

Oh Gott, er hat mich schon wieder beim Starren erwischt. Das scheint in letzter Zeit ständig zu passieren.