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Chronicles of the Shadow World - Bound by Twilight

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Zusammenfassung

Tessas Welt verläuft in geordneten Bahnen - sie studiert und macht Musik mit ihrer Band. Doch eines Nachts stolpert sie durch eine Tür und findet sich plötzlich in einer ganz anderen Welt wieder. In dieser Welt ist sie eine adelige junge Frau, die dringend einen Mann von sich überzeugen muss, um ihre Familie vor dem anbahnenden Ruin zu retten. In dieser Welt sind die Regeln vollkommen andere und Tessa findet sich zwischen Geheimnissen und alter Magie wieder. Magisch, prickelnd & romantisch

Status:
In Arbeit
Kapitel:
5
Rating
n/a
Altersfreigabe
16+

Kapitel 1

Lachend gehe ich die endlosen verwinkelten Gässchen entlang und schwärme mit Caleb über unseren Auftritt. Hinter den kleinen Häusern mit weißem Gartenzaun geht die Sonne bereits wieder auf und taucht uns in ihr goldenes mystisches Licht.

Ich fühle mich, als würde ich fliegen. Mein Kopf ist ganz leicht und ein Lächeln liegt auf meinen Lippen.

Obwohl es Sonntag ist und die Studentenkneipe nicht allzu gut besucht war, war unser Gig erfolgreich. Die wenigen Leute haben gute Laune verbreitet und die meisten Songs mitgesungen.

Ich fühle mich jung und frei als ich mich bei Caleb unterhake und ihn in die nächste Gasse ziehe. Nach jedem Gig im Shacks gehen wir einen anderen Weg nachhause und suchen nach den spießigsten Häusern. Caleb zeigt mir eine Villa mit Carport, die aussieht als hätte der Architekt „großes Haus“ bei Google gesucht und ich lache.

Während wir weitergehen erreichen wir den Fluss, an dem wir entlang bis zur Uni gehen können. Ich schalte meine Gedanken aus und genieße die Ruhe, die so früh am Morgen noch über der Stadt liegt. Fast scheint es mir als hätten alle noch vergessen, dass sie in einer geschäftigen Metropole leben.

Gerade will ich Caleb auf ein hässliches Haus mit Gartenzwergen und Plastik-Flamingos im Vorgarten hinweisen, als ich etwas im Augenwinkel sehe.

Überrascht wende ich mich dem seltsamen Flimmern zu, das fast so wirkt als würde die Sonne etwas reflektieren. Unwillkürlich trete ich näher und folge der verwinkelten Gasse. Caleb sagt etwas, doch ich nehme ihn kaum wahr.

Als ich mich nähere schwindet das Leuchten etwas bis ich plötzlich eine alte Tür erkenne. Sie scheint im Nichts zu schweben und ist weder mit einer Mauer noch mit einer Hauswand verbunden

Seltsam.

Die Tür besteht aus altem Holz, das stellenweise bereits abgesplittert ist. Messingverzierungen rahmen die Tür ein und lassen sie hochwertiger wirken als sie ist. Wie als würde ich einen Film sehen, beobachte ich wie sich meine Hand dem Türgriff nähert.

Träume ich vielleicht?

Ich höre Caleb hinter mir etwas sagen, doch es ist bereits zu spät. Meine Hand umschließt den kühlen Griff und plötzlich spüre ich einen Sog an mir. Es fühlt sich an als würde jede Zelle meines Körpers von einem Hochleistungsstaubsauger erfasst.

Ich sehe mich zu Caleb um, doch anstatt die Gässchen und kleinen spießigen Häuser zu sehen, stehe ich in einem durch und durch schwarzen Ödland. Unter meinen Füßen knirscht schwarzer Sand und über mir erstreckt sich ein endlos schwarzer Himmel.

Weg ist das sanfte Sonnenlicht, das mich gerade noch gewärmt hat.

Mein Blick schweift weiter durch die Einöde, die nur von schwarzen Felsen unterbrochen wird, auf denen dunkles Gestrüpp wächst. Der einzige farbige Fleck ist Caleb, der mich müde betrachtet.

Ich schlucke.

Das kann nicht wahr sein.

Ich muss träumen. Alles andere ist physikalisch nicht möglich.

Mein Herz beginnt zu rasen und schnell versuche ich mit den schwitzigen Händen etwas von dem Sand aufzuheben. Er pappt an meinen nassen Händen, doch er ist echt. Alles hieran ist echt.

Ich beginne zu lachen und schüttle den Kopf. Wo ist nur diese verdammte Tür hin?

Plötzlich steht Caleb vor mir. Ich hatte nicht einmal bemerkt, dass er sich bewegt hatte, doch nun steht er vor mir und umfasst fest meine Oberarme.

„Beruhige dich“, sagt er leise. Seine ruhige Stimme verglichen mit meiner inneren Panik lässt mich innehalten. Ich schlucke.

„Atme mit mir“, fährt er ruhig fort. „Ein und aus.“

Irritiert befolge ich seine Anweisungen. Ich atme mit ihm und spüre, wie ich mich wieder etwas besser fühle. In meinem Kopf dreht sich zwar nach wie vor alles, aber es fühlt sich irgendwie besser an.

Ich sehe Caleb an und versuche mich auf seine vertrauten Züge zu konzentrieren. Die schlichten braunen Haare, die er gerne kurz trägt, das kantige und attraktive Gesicht mit den grün-braunen Augen.

Ich lächle ihn an. Ich kenne ihn schon mein gesamtes Leben lang und weiß gar nicht, wie oft ich ihn schon angesehen habe. Es beruhigt mich.

Als ich jedoch blinzle scheint es fast als würden silberne Funken um Caleb sprühen. Ich blinzle nochmal um sie zu vertreiben und sehe etwas genauer zu Caleb.

Nur dass es nicht Caleb ist. Zumindest nicht ganz.

Er sieht noch immer aus wie zuvor, doch seine schönen Augen strahlen plötzlich irritierend grün und als ich einen Schritt zurücktrete sehe ich, dass auch seine Haare anders sind. Den Rotstich darin habe ich noch nie bemerkt.

„Ca-Caleb?“, frage ich und will noch einen Schritt zurücktreten, doch er umfasst wieder meine Oberarme um mich auf der Stelle zu halten. Ein kalter Wind schickt eine Gänsehaut über meinen Rücken als ich zurück in seine seltsamen Augen blicke.

„Es ist alles gut“, sagt er ruhig.

Wieder kann ich silberne Funken in meinen Augenwinkeln sehen. Gerne würde ich den Kopf drehen und sie genauer betrachten, doch sein Blick hält mich gefangen.

„Sei ganz ruhig.“

Seine Worte nehmen mich ein und umhüllen meinen Verstand. Es kommt mir seltsam vor, dass Caleb sowas zu mir sagt, doch sobald ich den Gedanken zu Ende gedacht habe, scheint er mir nicht mehr greifbar.

Ich weiß, dass ich mich noch vor ein paar Minuten ganz anders gefühlt habe, aber ich spüre nichts mehr davon. Vielmehr komme ich mir so vor, als wäre ich kurz vor dem Einschlafen.

„Was“, setze ich an, doch der Gedanke entgleitet mir. Mein Gehirn ist ein einziger Knoten.

„Was tun wir jetzt?“, bringe ich heraus. Die Worte und meine Stimme kommen mir fremd vor. Irgendwo tief in mir drin spüre ich einen Tumult, doch ich verstehe es nicht.

„Ich bringe dich nachhause“, erwidert Caleb und lässt meine Arme los. Ich blinzle als ich plötzlich wieder das Gewicht meiner Arme und Hände spüre.

Waren die schon immer so schwer?

Caleb nimmt meine Hand und zieht sanft daran, sodass ich nach vorne stolpere. Schritt für Schritt folge ich ihm durch das schwarze Ödland.

Mein Verstand sagt mir, dass ich müde sein muss, denn das Denken fällt mir schwer und auch mein Körper rebelliert gegen jede Bewegung. Es fühlt sich seltsam an, Caleb durch diese merkwürdige Landschaft zu folgen, aber ich kann einfach nicht sagen, wieso.

Unsere Wanderung muss Stunden gedauert haben, obwohl ich es nicht so genau sagen kann. Unter meinen Füßen befindet sich noch immer derselbe schwarze Sand und noch immer kann ich in der Ferne einen großen Stein mit einer seltsamen verkrüppelten Pflanze sehen. Auch die Nacht ist nicht weiter vorangeschritten. Das einzige, das sich geändert hat, ist die dunkle Staubschicht, die sich auf Calebs und meine Kleidung gelegt hat.

Mein Gehirn muss mir Streiche spielen. Es kann nicht sein, dass wir uns noch nicht von der Stelle bewegt haben und es kann genauso wenig sein, dass die Sonne noch nicht aufgegangen ist. Verwirrt blinzle ich in den Himmel, doch nach wie vor sehe ich dort nur ein Meer aus Dunkelheit. Nicht eine Wolke verdeckt die Schwärze der Nacht.

„Caleb“, sage ich, „wieso-“

Plötzlich ändert sich die Szene vor mir. Meine Füße landen auf einem festen Stein.

Beinahe wäre ich umgeknickt.

Statt der endlosen Einöde steht vor uns nun eine Mauer. So riesig und massiv und so unmittelbar vor mir, dass ich es mir nicht erklären kann.

Meine Gedanken versuchen irgendetwas zu verstehen, doch es gibt nichts. Ich weiß, dass es unmöglich ist, dass wir stundenlang auf einem Fleck umher gewandert sind. Es ist auch unmöglich, dass die Sonne nie dieses Ödland berührt. Und auch ist es nicht möglich, dass gigantische Mauern einfach so vom Himmel fallen.

Mein Blick folgt dem schwarzen glänzenden Stein. Das Bauwerk scheint endlos in die schwarze Landschaft hineinzureichen.

Beeindruckend.

„Wir sind bald da“, sagt Caleb und ich nicke. Für eine Sekunde wundere ich mich, weshalb er das wissen will, doch schon ist der Gedanke wieder fort.

In der Wüstenluft liegt ein Hauch von feuchter Erde, doch die Luft in meinen Lungen ist trocken.

Mein müder Blick liegt auf meinem ältesten Freund. Er wirkt nachdenklich und angespannt. Seine kantigen Züge sind verkniffen und seine Stirn ist gefurcht.

Ich will nicht darüber nachdenken, was das zu bedeuten hat. Ich bin müde.

Mein Blick fällt auf den schwarzen Sand, der an mir klebt wie eine zweite Haut und ich seufze. Gerne würde ich mich hinsetzen, wenn auch nur für eine Sekunde. Ein weiterer Blick zu Caleb zeigt mir, dass er wohl nicht lange verschnaufen will. Wieder schweift mein Blick zum dunklen Sand, dann entscheide ich mich dagegen und lehne mich gegen die kühler wirkende Mauer.

Ich will gerade meine Augen schließen, als Caleb plötzlich meinen Arm packt. Irritiert sehe ich hoch, doch dort ist Caleb nicht mehr. Vor mir erstreckt sich nur noch endlose wirbelnde Schwärze. Ich will schreien, doch jedes Geräusch bleibt mir in der Kehle stecken. Ein Schauer überläuft mich, so kalt als würde ich Eis berühren.

Mein Hintern kracht hart auf den Boden und endlich löst sich der Schrei aus mir. Er brennt in meiner Kehle und ich huste. Die Tränen schießen mir in die Augen als die trockene Luft durch meinen Hals kratzt.

Schnell blinzle ich die Tränen weg und lasse mir von Caleb aufhelfen, nur um zu erstarren.

Vor uns steht eine massive Burg. Sie sieht aus wie im Märchen: Große verwunschene Türme, kupferne Ziegeln und eine weiß-beige Mauerwand. Zwischen uns und dem Bauwerk befindet sich eine riesige Kluft, die nur mithilfe einer im Wind schaukelnden Hängebrücke überwunden werden kann. Leichter Nebel steigt aus der Schlucht auf und lässt es so wirken, als würde das Schloss schweben. Etwas so Schönes habe ich noch nie gesehen.

Bevor ich es mir überhaupt bewusst machen kann, hat Caleb mich bereits über die Hängebrücke geführt. Blinzelnd sehe ich zurück und kann gerade noch die schwarze Mauer in weiter Ferne erkennen.

„Wo sind wir?“, will ich wissen als wir auf den Haupteingang der Burg zusteuern. Nirgends sind andere Menschen zu sehen und außer dem pfeifenden Wind ist nichts zu hören.

Caleb ignoriert mich und schiebt stattdessen die schweren Türen auf, die knarzend protestieren. Sie scheinen mir erzählen zu wollen, dass sie lange nicht benutzt worden sind.

Zögerlich folge ich Caleb in die Eingangshalle, die zwar prunkvoll, aber doch veraltet ist. Das abgeplatzte Gold an den Möbeln und die verzogenen Holztüren sind ein starkes Indiz. Es riecht nach Staub, auch wenn ich keinen einzigen Fussel sehen kann.

„Willkommen in der Mittelwelt“, sagt Caleb und wendet sich zu mir um. Langsam legt sich ein Lächeln auf sein Gesicht, doch es erreicht seine Augen nicht. Stattdessen wirkt es wie eine Grimasse.

Langsam blinzle ich ihn an.

Und dann überschwemmt es mich.

Caleb wusste von Anfang an, wo wir hier gelandet sind. Er war nicht überrascht als wir uns in der schwarzen Einöde wiederfanden. Und er kannte sich hier aus. Er wusste zu jeder Zeit, wohin wir unterwegs waren.

Fassungslos sehe ich meinen ältesten Freund an. Ich weiß nicht, was er mit mir getan hat, aber ich spüre die Wut in mir hochkochen, die langsam den Nebel um meine Gedanken zerstreut.

„Wie kannst du-“, hebe ich an, doch werde von einer jungen Frau unterbrochen, die durch eine Seitentür in die Eingangshalle stolpert.

Ich halte inne und sehe sie einen Moment an. Sie wirkt nicht bedrohlich mit dem geflochtenen braunen Haar und den großen Rehaugen. Sie erinnert mich an eine Puppe und als sie beginnt zu lächeln, werde ich noch mehr daran erinnert.

„Da sind Sie ja endlich“, sagt sie strahlend und stolpert auf uns zu. „Wir haben schon so lange auf Sie gewartet.“

Mein Blick springt von ihr zu Caleb und wieder zurück. Ich weiß nicht, was das hier ist oder was ich glauben soll. In Calebs Blick sehe ich Resignation und Müdigkeit. Er sieht aus, als wäre es ihm schon zu anstrengend, den Blick zu heben.

„Kommen Sie, ich bringe Ihnen gleich etwas zu essen“, beteuert die junge Frau und nimmt sanft meinen Arm. Auf der anderen Seite hakt sie sich bei Caleb unter. Es sieht bizarr aus wie der saubere Stoff ihres Kleides gegen unsere schwarz-staubige Haut leuchtet.

Es ist mir ganz recht, dass sie nun die Führung übernimmt. Die Frau plappert ununterbrochen und begrüßt uns in der Mittelwelt, wie Caleb es zuvor getan hat. Sie stellt sich selbst als May vor, das einzige Dienstmädchen des Reiches. Währenddessen führt sie uns in einen ausladenden Speisesaal. Das Tischtuch ist nicht mehr ganz weiß und zeigt das ein oder andere Loch. Wachs türmt sich unter den Kerzen, die in der Mitte der breiten Tafel stehen. Irgendwie erinnert mich das Schloss an einen schlechten Vampirfilm.

Beinahe kann ich das verhängnisvolle "Dam, Dam, Dam" hören.

May führt uns an unsere Plätze und als ich mich setze und dabei eine Staubwolke aufwirble, werde ich langsam nervös. Meine Hände zucken und ich spüre ein seltsames Prickeln im Nacken als würde mich jemand beobachten.

Gerne hätte ich Caleb gefragt, was uns nun erwartet, doch May hat ihn mir gegenüber platziert, sodass uns der gesamte ausladende Tisch trennt. Um mit ihm zu reden müsste ich schon fast schreien.

Ein Knarzen lässt mich herumfahren. Langsam öffnen sich die hohen Flügeltüren des Saals und eine schöne Frau betritt ihn. Sie ist so schlank, dass sie aussieht als könnte sie jeden Moment zerbrechen, doch die Stärke in ihren goldenen Augen sagt das Gegenteil. Ihr Gesicht ist scharf geschnitten, doch langsam schleichen sich Falten darauf ein. Umrahmt werden ihre porzellanfarbenen Wangen von Strähnen blonden Haars. Doch diese unwirkliche Schönheit wird fast vollständig von ihrem furchtbaren Federkleid zunichte gemacht, in dem sie aussieht wie Bibo, der große gelbe Vogel aus der Sesamstraße.

Mein Kopf erfreut sich sofort an der Titelmelodie und ich muss ein Lachen unterdrücken.

„Willkommen, willkommen“, verkündet sie und zeigt ihre strahlenden weißen Zähne während sie mit großem Getue auf den Platz am Tischende zusteuert. „Es ist so schön euch wiederzusehen.“

Verwirrt blinzle ich die Frau an, doch mein Blick kehrt immer wieder zurück zu den langen gelben Federn ihres Kleides. Ich bin mir sicher, ich wüsste es, wenn ich dieser Frau in meinem Leben schon einmal begegnet wäre.

Die Frau lächelt breit zwischen mir und Caleb hin und her, doch ein kurzer Blick zu Caleb zeigt mir, dass auch er nicht gerade eingenommen ist von der Frau vor uns.

„Euer Timing ist übrigens perfekt“, erklärt sie während May das Essen serviert. Sofort stürze ich mich darauf, sodass ich die Frau nicht mehr anstarren muss. „Ich hatte schon Angst ihr würdet zu spät kommen.“

Ich nicke nur als Antwort, doch ich verstehe sie nicht. Wozu hätte ich denn zu spät kommen können? Es war schließlich alles andere als geplant, dass ich durch eine mystische Tür stolpere und in diesem seltsamen Reich lande. Oder, was wahrscheinlicher ist, dass ich auf dem Nachhauseweg gestürzt und mir den Kopf gestoßen habe und nun in meiner Ohnmacht fantasiere.

Der Rest des einfachen, aber köstlichen Essens verläuft schweigend, doch ich werde das Gefühl nicht los, dass unsere Gastgeberin mich anstarrt und das nicht nur wegen des dunklen Staubs, der überall an mir klebt. Wann immer ich den Kopf hebe, ruht ihr Blick bereits auf mir. Manchmal scheinen mich ihre goldenen Augen zu durchbohren und manchmal lächelt sie wie eine Katze. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf die Abreise.

Sie ist mir unheimlich.

Und obwohl sie aussieht wie Bibo, muss ich wieder an den Vampirfilm denken.

Als May unsere Teller abgeräumt hat, steht die Frau auf und bedeutet mir mit einer schnellen Geste ihrer Hand, ebenfalls aufzustehen.

„Es freut mich wirklich außerordentlich, dass ihr hier seid“, sagt sie nun. Die Frau liebt es wirklich mit ihren Händen zu sprechen. Es erinnert mich an einen Kolibri, da sie nie stillzuhalten scheint, wenn sie spricht. „Und noch dazu vor dem ersten Ball. Ich hatte schon die Befürchtung, ich müsste dich vollkommen unvorbereitet in die Höhle der Löwen schicken, aber so ist es noch besser. Ich bereite alles vor. Morgen beginnt dein Unterricht.“

Unterricht? Ball? Ich verstehe gar nichts mehr. Ich will schon erklären, dass ich nicht vorhabe, länger hier zu bleiben als unbedingt nötig, als ich Caleb aus den Augenwinkel den Kopf schütteln sehe. Als ich mich ihm zuwende, legt er langsam den Zeigefinger an seine Lippen.

Ich schlucke. Es fühlt sich an als länge ein Ziegelstein in meiner Kehle quer. Ich zwinge mich zu einem Lächeln und einem Nicken, doch mein Blick liegt auf Caleb.

Er schuldet mir Antworten.

Und nicht gerade wenige.

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