Zwei Alphas für Ayla

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Zusammenfassung

Ein Verräter, ein Alpha, ein Anführer und eine Schicksalsbindung … Ayla wird gezwungen, das Black Pack auszuspionieren, um ihre Familie zu retten, und muss dafür Folter und unmöglich scheinende Entscheidungen ertragen. Als sie ihre Gefährten findet – Damon, den standhaften Alpha, und Kieran, den kompromisslosen Chief of Guard – gerät ihre Welt völlig aus den Fugen. Obwohl ihr Geheimnis droht, sie alle zu entzweien, gewinnen ihr Mut und ihr unbeugsamer Geist deren Vergebung und Liebe. Gemeinsam stellen sie sich einer Bindung, die durch Schmerz, Vertrauen und eine unzerbrechliche Verbindung geschmiedet wurde, die ihre Zukunft für immer verändert.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
35
Rating
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Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

POV: Ayla

Die Landschaft veränderte sich, als der Konvoi die Grenzen des Black Pack erreichte. Ich klammerte mich an meinem Sitz fest und versuchte, meinen Magen zu beruhigen. Jede Meile schien meine Nerven noch enger zu spannen. Das Gewicht meiner Zusage erstickte mich förmlich. Es war die richtige Entscheidung gewesen, das Frühstück ausfallen zu lassen – ich hätte es längst ausgekotzt.

Das war nicht nur die übliche Nervosität, weil ich unbekanntes Terrain betrat. Es war das Wissen um das, was ich hier tun sollte.

Ich war eine Soldatin des SilverMoon Pack. Mein Alpha hatte mich ausgewählt – nein, gezwungen –, an einem „Austauschprogramm“ mit dem Black Pack teilzunehmen. Offiziell war ich hier, um ihre fortgeschrittenen Verteidigungstechniken zu lernen. Es sollte ein Friedensangebot sein, um die Bande zwischen unseren Rudeln zu stärken.

Inoffiziell war ich eine Spionin.

Das Black Pack war in unserer Region eine Legende. Es war das größte, reichste und mächtigste Rudel von allen. Ihre Krieger waren unübertroffen. Rudel aus nah und fern studierten und beneideten ihre Strategien. Alpha Ryan, mein Alpha, wollte dieses Wissen haben. Und er wollte, dass ich es ihm beschaffe.

Denn ich war die Beste. Die Schnellste. Die Gnadenloseste. Zumindest hatten meine Ausbilder mir das so lange eingeprügelt, bis ich kaum noch atmen konnte. Ich war genau das, was sie für diese Mission brauchten. Aber das machte es kein Stück leichter.

Besonders nicht mit dem schwachen Husten meines Großvaters im Hinterkopf. Und erst recht nicht mit dem Bild meiner kleinen Schwester vor Augen. Ihre großen, tränenreichen Augen hatten mich angefleht, zu ihr zurückzukommen.

Ich verdrängte die Erinnerungen und begrub sie tief in mir. Diese Mission war der einzige Weg, um die beiden zu schützen.

Als die gewaltigen Eisentore des Black Pack in Sicht kamen, schnürte sich mir die Brust zu. Sie ragten vor uns auf, der geschwärzte Stahl glänzte im Sonnenlicht. Sie wirkten genauso einschüchternd wie die Wölfe, die dahinter lebten. Wir fuhren hindurch, und vor mir tat sich eine Welt auf, von der ich bisher nur in Geschichten gehört hatte.

Das Territorium des Black Pack war eine Metropole. Sie war größer als alles, was ich je gesehen hatte. Das Rudelhaus – eine weitläufige Steinfestung – thronte im Zentrum und beherrschte die Skyline. Drumherum herrschte auf den sauber gepflasterten Straßen reges Treiben. Die Wölfe bewegten sich in perfektem Einklang. Das Hauptquartier meines eigenen Rudels war ein Witz dagegen.

Als wir uns dem Hauptquartier der Wache näherten, wich mein Staunen einem unguten Gefühl. Das Gebäude war massiv und ragte hoch über uns auf. Ich spürte die Blicke auf mir, noch bevor ich aus dem Wagen stieg.

In dem Moment, als ich ausstieg, kam ein junger Mann auf mich zu. Seine roten Haare stachen von der polierten Uniform ab. Seine scharfen blauen Augen huschten über das Klemmbrett in seinen Händen.

„Soldatin Ayla Stark?“

„Das bin ich“, sagte ich. Ich zwang mir ein Lächeln ab, das sich eher wie eine Grimasse anfühlte. Meine Muskeln schmerzten von der Anstrengung, die Schultern gerade und meine Bewegungen ruhig zu halten.

„Willkommen“, sagte er mit einem knappen Nicken. „Ich bin Corporal Levi. Ich zeige Ihnen alles, bevor die Zeremonie beginnt.“

„Zeremonie?“, wiederholte ich. Die Worte blieben mir fast im Hals stecken.

Levi blickte kaum auf, als er sich umdrehte und mir bedeutete, ihm zu folgen. „Heute ist der Abschluss der ersten Wachklasse. Ab morgen beginnen die Absolventen mit der Spezialausbildung in verschiedenen Bereichen. Sie werden sich ihnen anschließen.“

Ich schluckte schwer und versuchte zu verarbeiten, was er gerade gesagt hatte. Abschlussfeiern waren in meinem Rudel formelle, überfüllte Ereignisse. Ich mied sie, wann immer es ging. Der Gedanke, hier im feindlichen Territorium vor einer Menge zu stehen, drehte mir wieder den Magen um.

Levi redete weiter, während wir durch die makellosen Flure gingen. Seine Worte wurden für mich zu Hintergrundrauschen. Ich konzentrierte mich auf meine Umgebung: die prachtvolle Architektur, die polierten Steinböden, die Reihen von Wachen, die mit militärischer Präzision marschierten. Alles an diesem Ort schrie nach Effizienz, Macht und Kontrolle.

Schließlich deutete Levi auf einen Raum mit weichen Sofas. Auf einem Tisch standen Kaffee und Snacks bereit. „Warten Sie hier, bis ich Sie zur Zeremonie abhole.“

Sobald er verschwunden war, atmete ich scharf aus. Ich dachte gar nicht daran, hier herumzusitzen und Däumchen zu drehen. Jeder Instinkt in mir schrie danach, mich zu bewegen, etwas zu tun und zu lernen.

Ich schlenderte den Korridor entlang und entdeckte eine große Holztür, die einen Spalt offen stand. Meine Neugier war stärker als ich, und ich schlüpfte hinein.

Die Luft war schwer vom Geruch nach poliertem Holz und altem Metall. Es war ein Trophäenzimmer voller Regale mit Auszeichnungen, Plaketten und Medaillen. An den Wänden hingen Waffen, die im sanften Licht glänzten. Äxte, Speere, Schwerter – sie stammten aus verschiedenen Epochen. Jedes Stück erzählte eine Geschichte von Sieg und Dominanz.

Es war wunderschön. Es war gefährlich.

Und es war genau der Ort, an dem ich nicht sein sollte.

Die Schatzkammer war ganz anders, als ich erwartet hatte.

Es roch dezent nach Bohnerwachs und altem Stahl, eine Mischung aus Ehrfurcht und Geschichte. Waffen säumten die Wände und hingen an Displays, die das Licht dramatisch einfingen. Dazwischen hingen Schilde und Banner. Einige Stücke waren uralt, verbeult und voller Narben. Andere glänzten, als hätten sie noch nie eine Schlacht gesehen.

Ich fuhr mit den Fingern an der Schneide einer Hellebarde entlang. Die Klinge war scharf, aber unpraktisch. Die Balance stimmte nicht, und der Griff war viel zu lang für den Nahkampf. Ich konnte mir nicht vorstellen, warum jemand so etwas wählen würde.

Als Nächstes trat ich zu einem ausgestellten Langschwert. Es war prachtvoll. Das Heft war mit kunstvollen Schnitzereien von heulenden Wölfen verziert. Doch als ich das Gewicht auf der Plakette darunter las, runzelte ich die Stirn. Es war viel zu schwer, um es schnell zu schwingen.

„Sieht immerhin gut aus“, murmelte ich vor mich hin. Meine Stimme hallte leise von den hohen Decken wider.

„So kann man es auch ausdrücken“, sagte eine Stimme hinter mir.

Die Stimme war tief und dunkel, wie ein Knurren, das in Samt gehüllt war. Sie rührte etwas Ursprüngliches in mir an. Ich redete mir ein, dass es Angst war. Es musste einfach Angst sein.

Ich schreckte auf und wirbelte herum. Ein gut aussehender Mann stand im Türrahmen. Er lehnte lässig an der Zarge und hatte die Arme vor der breiten Brust verschränkt.

Seine Präsenz füllte den ganzen Raum aus. Ich verstand nicht, warum sich meine Brust so eng anfühlte. Meine Instinkte schrien mich an, näher heranzutreten, während mein Verstand mir befahl, weiten Abstand zu halten.

Seine grünen Augen leuchteten fast unheimlich hell. Sie passten zu den scharfen Linien seines Gesichts, das von langem, zerzaustem blondem Haar umrahmt wurde. Er war wirklich attraktiv, aber es schien ihm völlig egal zu sein. Er wirkte entspannt. Doch seine Haltung und sein Blick hatten etwas an sich, das mich sofort in Alarmbereitschaft versetzte.

„Ich habe Sie nicht reinkommen hören“, sagte ich schnell und straffte mich.

„Ich wollte Sie nicht erschrecken“, erwiderte er in leichtem Tonfall. „Sie waren ziemlich vertieft in Ihre Kritik.“

Ich kniff die Augen zusammen. „Sie haben gelauscht?“

Seine Lippen zuckten. „Sie waren nicht gerade leise.“

„Wollen Sie sich nicht erklären?“, fragte er und zog eine Braue hoch. Ich räusperte mich und zwang meinen Körper zur Ruhe.

„Ich wusste nicht... ich meine, mir war nicht klar, dass dieser Raum tabu ist.“ Er rührte sich nicht, aber allein durch seine Präsenz fühlte sich die Luft schwerer an.

„Und doch sind Sie hier.“ Die Hitze stieg mir den Nacken hoch.

„Ich habe mich nur umgesehen“, sagte ich defensiv. Mein Blick huschte zurück zu den Waffen, als könnten sie mir einen Ausweg bieten. „Niemand hat mir gesagt, wo ich nicht hin darf.“ Sein Mundwinkel zuckte. Es war kein richtiges Lächeln, aber auch kein Stirnrunzeln. Mein Magen machte trotzdem einen Satz.

„Und diese Waffen haben Ihre Aufmerksamkeit erregt?“ Seine Stimme war ruhig, aber sie hatte eine gewisse Schärfe, wie eine Klinge unter Samt.

„Sie sind... beeindruckend“, gab ich zu und blickte auf den Speer, den ich gerade noch untersucht hatte. „Besser als alles, was wir in meinem Rudel hatten.“

„Aber?“, hakte er nach und verengte die Augen. Ich zögerte. Sag es nicht, warnte mich mein Gehirn, aber mein Mund war schneller.

„Aber sie sind unpraktisch. Zumindest viele davon. Manche dieser Waffen sind eher zur Zierde da als für den Kampf. Und die Strategie dieses Rudels...“ Ich brach ab und biss mir auf die Lippe.

Sein Schweigen setzte mich unter Druck. Ich konnte nicht anders, als den Gedanken zu Ende zu führen.

„Sie könnte eine Überarbeitung vertragen. Eine ziemlich gründliche sogar.“ Die Stimmung zwischen uns schlug um. Er verschränkte die Arme und trommelte einmal mit den Fingern gegen seinen Oberschenkel. Sein Gesicht blieb unlesbar, aber in seinem Blick flackerte etwas auf – Interesse? Verärgerung? Beides?

„Sie sagen also, dass die Strategie dieser Wache schwach ist.“ Das Gewicht seiner Worte traf mich wie ein Schlag. Endlich dämmerte mir, mit wem ich es hier zu tun hatte. Das war nicht nur irgendein gut aussehender Fremder mit einer herrischen Art. Er war jemand Wichtiges.

„So habe ich das nicht gemeint“, sagte ich hastig, während Panik in mir aufstieg. „Ich meine, ihr habt offensichtlich die Kraft, und die Waffen sind unglaublich. Aber Kraft ohne Strategie bringt einen nur bedingt weiter. Mein Rudel hat auf Anpassungsfähigkeit gesetzt. Wir wurden darauf trainiert, mit allem zu kämpfen, was wir finden konnten – Krallen, Zähne, sogar Steine. Hier...“ Ich deutete in den Raum. „Hier wirkt es so, als würdet ihr euch zu sehr auf Werkzeuge verlassen und zu wenig auf euren Instinkt.“ Die Stille dehnte sich quälend lange aus. Mein Puls hämmerte in den Ohren. Ich musste mich zwingen, unter seinem Blick nicht herumzuzappeln. Was zum Teufel hatte ich da gerade getan?

„Sie haben sich darüber offensichtlich viele Gedanken gemacht“, sagte er schließlich mit ruhiger Stimme. Ich stieß den Atem aus, von dem ich gar nicht gemerkt hatte, dass ich ihn angehalten hatte.

„Ich... ich beobachte einfach gerne. Das ist alles.“ Einen Moment lang sah er mich nur an, ohne zu blinzeln. Etwas an ihm sorgte dafür, dass mein Körper verrückt spielte – eine Hitze sammelte sich tief in meinem Bauch. Ich nahm ihn mit jeder Faser wahr. Ich hasste es. Ich hasste ihn.

Die Röte stieg mir ins Gesicht. „Ich wollte keine Kritik üben, nur... Beobachtungen anstellen. Manche dieser Waffen sind für den modernen Kampf nicht gerade tauglich.“

Er zog eine Braue hoch und trat einen Schritt näher. „Ach ja?“

Ich nickte und verschränkte die Arme, um sicher aufzutreten. „Nehmen Sie zum Beispiel diesen Speer.“ Ich deutete auf eines der Exponate. „Der Schaft ist verstärkt, aber die Balance stimmt hinten und vorne nicht. Wenn ich ihn benutzen müsste, würde ich ihn kürzen und vielleicht das Gegengewicht anpassen.“

„Und das da?“, fragte er und zeigte auf einen Morgenstern, der in der Nähe hing.

„Zu langsam“, antwortete ich wie aus der Pistole geschossen. „Gut für rohe Gewalt, aber nutzlos gegen jemanden, der schneller ist. Ich würde die Stacheln durch ein leichteres Design ersetzen oder das Ding ganz weglassen.“

Er legte den Kopf schief, als würde er über meine Worte nachdenken. „Sie haben das Ganze gut durchdacht.“

„Ich gehöre zur Wache“, erwiderte ich und hob das Kinn. „Waffen zu analysieren liegt mir im Blut.“

„Interessant.“ Sein Blick ruhte auf mir, und ich spürte seine Neugier fast körperlich.

Ich wandte mich einem großen Schild in der Mitte des Raumes zu, dessen Ränder mit Gold verziert waren. „Und das hier –“ Ich klopfte sanft auf die Oberfläche, um die Stabilität zu prüfen, „– das würde keinem modernen Pfeil standhalten. Es ist zu alt. Schön anzusehen, aber nicht bereit für eine Schlacht. Ich würde die Ränder verstärken und vielleicht die Flechtung flexibler gestalten.“

Der Mann antwortete nicht. Als ich zu ihm sah, beobachtete er mich mit einem unergründlichen Gesichtsausdruck.

„Was?“, fragte ich herausfordernd.

„Nichts“, sagte er, während ein Lächeln seine Lippen umspielte. „Ich frage mich nur gerade, was Sie am Rest der Sammlung noch alles ändern würden.“

Bevor ich antworten konnte, rief eine Stimme vom Flur herrein: „Chief Kieran!“

Mir rutschte das Herz in die Hose.

Jeder Muskel in meinem Körper verkrampfte sich.

Chief.

Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Er war nicht bloß irgendeine Wache. Er war der Chef der Wache. Der Mann, den ich gerade beleidigt hatte, befehligte genau die Krieger, die ich kritisiert hatte. Ich wollte auf der Stelle sterben. Einfach im Erdboden versinken und verschwinden.

„Chief Kieran“, wiederholte ich langsam, während der Name in mein Bewusstsein sickert. „Etwa... Chief Kieran Reddick?“

Der Mann – Kieran – grinste breit. Er genoss mein Entsetzen sichtlich. „Der bin ich.“

Die Scham traf mich mit voller Wucht. Ich hatte gerade zehn Minuten damit verbracht, die Waffen des Kommandanten der Wache niederzumachen.