Einzig seinen Weg finden zu leben

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Zusammenfassung

Marc Wagner wünscht sich ein friedliches Leben mit seinem Freund Oliver, doch sein Vater hasst Schwule und geht aggressiv gegen sie vor. Sie verstecken ihre Liebe, doch als Oliver ihn zu einem gemeinsamen Wochenende überredet, fliegt ihre Beziehung auf. Marcs Vater verlangt von ihm, eine Freundin mit nach Hause zu bringen, doch Marc ist nicht in der Lage dies zu erfüllen. So prallt der Hass seines Vaters auf ihn nieder und zertrümmert alles, was ihm in den Weg kommt: Marcs Liebe, sein Selbstbewusstsein und seine Freiheit. Es beginnt eine Flucht, bei der er nirgends sicher ist. Eine Flucht, die alles verschlingt: auch die Liebe seines Lebens ...

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
60
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+
Das ist ein Beispiel

Kapitel 1 – Verbotene Nähe

„Komm schon, Marc, lass uns zu dir oder zu mir gehen.“ Die Stimme war heiser und wurde immer wieder durch einen Kuss unterbrochen. Der Schatten der Gasse legte sich über sie und ließ sie in ihm verschwinden. Niemand musste sie sehen, wenn er nicht wollte.

Seine Hand fuhr fahrig über den Kieferknochen des anderen, während er immer wieder an den weichen Lippen nippte. „Du weißt doch. Es geht nicht. Hier ist es doch auch gut.“

Seine Finger fuhren fahrig über den Stoff des Shirts seines Gegenübers. Ein kurzes Lachen erklang und plötzlich griff man nach den schlanken Fingern, die sich gerade unter den Stoff stehlen wollten. „Nein, ist es nicht. Es ist ungemütlich und jeder könnte uns sehen. Ich will dich spüren, Marc. Nicht nur knutschen und streicheln. Aber das geht hier definitiv nicht.“

„Wir können wenn dann nur zu dir gehen, Oli. Du weißt ja. Mein Alter.“ Marc schwieg und legte seine Stirn gegen die von seinem Partner. Schon fast verzweifelt begannen seine Finger mit dem sanften, braunen Haar zu spielen. Es war leicht dunkler als sein eigenes, doch er selbst hatte noch rote Strähnen drinnen.

„Ja, ich weiß. Das ist kein Problem. Komm, lass uns hier abhauen, bevor uns doch noch eine Ratte beißt.“ Oliver lachte auf und dort war wieder das sanfte Leuchten in seinen blauen Augen, das Marc immer wieder gefangen nahm. Er würde niemals vergessen, wie er ihn getroffen hatte. Ein Geschenk für das er jeden Tag dankbar war.

Ihre Hände verhakten sich für einen kurzen Moment ineinander. Nur solange sie im Schatten der Gasse wanderten. Kaum traten sie hinaus ins Licht trennten sich ihre Finger voneinander und sie schritten mit einem Lächeln auf den Lippen nebeneinander her. Die Schultasche auf der Schulter und mit Liebe im Herzen.

Marc konnte seinen Blick von diesen sanften, aber doch definierten Zügen nicht nehmen. Die kleinen Grübchen, die sich immer bei seinem Lächeln in den Mundwinkel bildeten, wollte er am Liebsten jedes Mal küssen, wenn sie auftauchten.

Das kurze Haar, das sich nur knapp über die Ohren legte und somit diese wunderschönen Gesichtszüge betonte, wollte Marc den ganzen Tag berühren. Er spürte, wie jede Faser in seinem Körper nach der Nähe dieses Menschen schrie.

Nur kurz strich er mit seinem Handrücken über den Zeigefinger von Oliver. Eine Berührung, die auf die Außenwelt zufällig wirkte, doch sie war es nicht. Es war ihr geheimes Liebesgeständnis und so kam die Berührung prompt zurück. Ihre Blicke trafen sich und erneut spürte Marc das sanfte Ziehen in seinem Bauch. Er könnte vor Glück platzen.

„Ich würde echt gerne deine Eltern mal kennen lernen. Sie können niemals so schlimm sein, wie du es mir immer einreden willst, Marc. Außerdem kann ich doch bestimmt einfach mal als ein Klassenkamerad oder Freund vorbeikommen. Sie müssen es ja nicht erfahren. Also das mit uns.“ Oliver sah schüchtern zu Marc, der spürte, wie sich seine Kehle zuschnürte. Er wollte nicht, dass sie sich begegneten. Niemals.

„Du... du verstehst das nicht, Oli. Mein Vater. Er würde es bestimmt merken. Das darf nicht geschehen. Niemals. Okay?“ Sein Herz zog sich bei jedem Schlag schmerzhaft zusammen. Er konnte diese Panik kaum noch zügeln, die jeden Schritt unendlich schwer machte. Oliver musste es verstehen. Er durfte niemals seine Eltern kennen lernen. Nicht heute. Nicht morgen. Nie.

„Ach, komm. Dein Alter kann gar nicht so schlimm sein, wie du ihn darstellst. Aber gut. Ich bin schon still. Lass uns zu mir gehen. Da sind wir ungestört.“ Oliver lachte auf und beschleunigte seine Schritte. Marc wollte ihm nach, doch seine Bewegungen fielen ihm unglaublich schwer.

Immer wieder erschien sein Vater vor seinem geistigen Auge, als er auf ein schwules Päärchen losging. Sie hatten nur Händchen gehalten, als sie durch die Straße liefen. Es war ihm egal gewesen, wer sich gegen ihn gestellt hatte. Er hatte jeden geschlagen. Alle niedergerungen und nicht von diesen zwei Jungs gelassen. Erst die Polizei konnte ihn mit einem Elektroschocker außer Gefecht setzen. Bewährung und Geldstrafe. Mehr gab es nicht, aber genug, um Marc zu zeigen, dass es sein Vater niemals erfahren durfte. Niemals.

Mit jeder Sekunde wurde die Erinnerung realer und aus den unbekannten Jungen wurde Oliver. Sein schönes Gesicht verschwand hinter einer Wand aus Blut. Mit jedem Schlag schwand die Gegenwehr mehr und Marc spürte, wie sich ein gewaltiger Kloß in seinem Hals bildete, als jegliche Bewegung erstarb. Wie damals.

„Marc? Kommst du? Wir sind gleich da.“ Die sanfte Berührung an seiner Hand riss ihn aus den Erinnerungen und er sah überrascht zu Oliver, der ihn besorgt musterte. „Alles okay bei dir? Du bist plötzlich ganz blass.“

„Ja, alles okay. Ich habe mich nur an etwas erinnert.“ Sofort löste er die Verbindung ihrer Hände und schüttelte den Schreck von seinen Schultern ab. Ja, sie waren hier. Oliver ging es gut und er würde ihn so gut es möglich war vor seinem Vater verstecken. Immer und immer wieder. Er würde ihn niemals bekommen. Nicht solange er es verhindern konnte. Irgendwann würde er ausziehen können. Bis dahin musste er diese Liebe verstecken. Dann würde es egal sein.

Er trat hinter Oliver in das kleine Apartment. „Ich bin da und hab Marc dabei.“ Man hörte das Leben in der Küche und im Wohnzimmer. Sofort wurden sie aus dem Inneren der Wohnung begrüßt und Marc spürte, wie der kalte Mantel des Grauens von seinen Schultern fiel, kaum dass er über die Schwelle trat. Hier fühlte er sich wohl.

„Das ist schön. Möchtest du mitessen, Marc? Es gibt Rouladen. Die magst du doch, oder?“ Die Frau sah Oliver so unglaublich ähnlich. Nur, dass ihr Lächeln leichte Faltern zu Tage förderte, die sie aber nur umso sympathischer machten. Dort war die sanfte Berührung an seiner Hand und er umschloss die Finger fast sofort. Hier waren sie sicher. Hier wurden sie geliebt. Es war alles okay. Alles war gut. Niemand würde ihnen hier Leid zufügen.

„Ja, Rouladen klingen gut, Frau Reichert.“ Er strich Oliver kurz sanft über den Rücken, als dieser schon vorausging und seine Schultasche in seinem Zimmer abstellte. Marc tat es ihm sofort gleich. Am Liebsten wäre er hier eingezogen, doch er konnte seine Eltern schlecht verlassen. Vor allem für sie völlig grundlos. Noch nicht. Nur noch ein paar Jahre. Ein paar Jahre.

Ruhig folgte er Oliver ins Wohnzimmer, wo dessen Vater auf der Couch saß und auf sein Handy starrte. Marc ließ sich neben ihn nieder und Oliver nahm auf der Armlehne Platz, wodurch der ältere Mann sie schließlich wahrnahm und das Telefon zur Seite legte.

„Hallo, Marc. Alles klar bei dir?“ Olivers Vater lächelte ihn an. Er wirkte fast fehl am Platz. Nur an den Gesichtszügen erkannte man, dass er eindeutig der Vater seines Geliebten war. Ansonsten war dort keine Ähnlichkeit. Das schwarze Haar war kurz gehalten und man konnte nur erahnen, ob es wirklich glatt war und auch die dunklen Augen waren nicht so einladen, wie die der anderen Familienmitglieder. Auch wenn das Lächeln offen und herzlich war.

„Ja, es läuft. Danke, dass ihr mich hier duldet.“ Das tat er immer. Er wusste nicht einmal wieso. Vielleicht weil er wusste, dass diese Offenheit nicht selbstverständlich war. „Du bist ein guter Mensch, Marc. Warum sollten wir dich also verjagen?“

„Stimmt, nicht jeder würde sein Popcorn mit einem Wildfremden teilen.“ Oh ja, ihr erstes Treffen. Ein einfacher Kinobesuch, der zu Schicksal werden sollte. Marc wollte eigentlich nur ein wenig den Kopf frei bekommen und ging in einen Film ohne zu wissen, was es überhaupt für ein Streifen war. Oliver setzte sich neben ihn und schon bei der Werbung hatte er all sein Popcorn über den Boden verteilt. Er wusste nicht, warum er es getan hatte, doch dadurch kamen sie ins Gespräch. Marc teilte sein Popcorn mit Oliver. Sie unterhielten sich über den Film. Über ihr Leben. Selbst noch lange nachdem die Vorführung schon vorbei war und tauschten schließlich Nummern aus, um sich mal wiederzusehen.

„Ich... ich weiß auch nicht. Irgendwie musste ich es einfach tun.“ Er zuckte mit den Schultern und konnte nur lachen. Immer wieder kamen sie auf diese Geschichte zu sprechen. Langsam wurde es Marc schon peinlich. So ungewöhnlich war es doch auch nicht, oder doch?

„Ich liebe dich.“ So selten hörte er diese Worte und jedes Mal schlug sein Herz schneller, doch bevor er es erwidern konnte, versiegelte Oliver schon seine Lippen mit den eigenen. Der Kuss war sanft und doch alles einnehmend. Marc vergaß die Welt um sich herum. Für ihn existierten nur diese weiche Lippen und die neckische Zunge, die seine aufforderte böse Dinge zu tun.

Seine Finger gingen wie von selbst auf Wanderschaft. Fanden den Saum des Shirts und stahlen sich darunter. Diese weiche, warme Haut machte ihn trunken. Er wollte so vieles von ihr spüren und noch viel mehr, wodurch er ihn näher zu sich zog und den Kuss vertiefte. Seine Hände wanderten zu den Schulterblättern hoch und er presste sich gegen den Körper des anderen. Er wollte alles von ihn spüren und schmecken. Jeden Zentimeter erkunden und diese kleinen Laute der Lust hören. Wie das unterdrückte Stöhnen, dass sich in seine Kehle stahl.

Plötzlich wurde die Stimmung von einem Räuspern durchbrochen und irritiert trennte er sich von seinem Geliebten. Er sah in die peinlich berührten Gesichter der beiden Erwachsenen, doch sie wirkten nicht verärgert, sondern nur glücklich. „Das Essen wäre fertig.“

Sofort glitt Oliver verlegen von seinem Schoß und nickte dann. Richtete sein Shirt und folgte seinen Eltern in die Küche, wo auch ein Esstisch stand. Marc selbst brauchte noch ein paar Sekunden, um zurück in die Wirklichkeit zu kommen. Er schmeckte immer noch den sanften Kuss und fuhr sich sehnsüchtig über seine Lippen, die leicht kribbelten. Die Wärme an seinen Fingerspitzen begann sich zu verflüchtigen und das machte ihn traurig.

„Kommst du auch, Marc? Sonst wird das Essen kalt.“ Oliver rief nach ihm und ihre Blicke trafen sich. Ein Lächeln lag auf den Lippen des Jungen und Marc konnte es nur erwidern, bevor er dann sicher nickte und aufstand. Ja, er war hier. Er würde nicht verschwinden und auch wenn die Wärme Stück für Stück verschwand. Marc könnte sie sich immer wieder holen. Denn Oliver war hier. Hier an seiner Seite und sie liebten sich. Niemand konnte sie trennen. Niemand. Niemals.

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