Echoes of Blood

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Zusammenfassung

Ashton Darknight wurde sein ganzes Leben darauf vorbereitet, eines Tages das Dark Forest Rudel zu führen. Disziplin, Stärke, Loyalität – Werte, die sein Vater Everton ihm eingetrichtert hat. Sein Halbbruder Silas Knight hingegen folgt seinem eigenen Weg. Er ist unberechenbar, impulsiv und zerrissen zwischen zwei Welten, ohne zu wissen, wo er hingehört. Und doch – so unterschiedlich sie auch sind – gibt es eines, das sie immer verbunden hat: Sie sind Brüder. Doch plötzlich beginnt die Welt, die sie kannten, zu zerbrechen. Die Vampire hielten sich lange aus den Angelegenheiten der Werwölfe heraus. Doch mit der Vereinigung der Rudel wächst ihre Angst. Ein Werwolfbiss kann einen Vampir töten – und die Vampire glauben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis aus dem Frieden eine Bedrohung wird. Also schlagen sie zuerst zu. Ein Krieg entbrennt. Ein Krieg, den Ashton nicht wollte. Doch als Sohn eines Alpha hat er keine Wahl. Er muss kämpfen. Er muss sein Rudel beschützen. Er muss Rache nehmen. Doch dann begegnet er ihr. Eine Begegnung, die alles in Frage stellt. Wie kann er einen Krieg führen, wenn sein Herz für eine der Feindinnen schlägt? Wie kann er vergeben, wenn sie zu denen gehört, die ihm das Wichtigste genommen haben? Und was bleibt von ihm übrig, wenn er sich zwischen Rache und Liebe entscheiden muss?

Genre:
Fantasy
Autor:
Lola
Status:
In Arbeit
Kapitel:
19
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Zwischen zwei Welten

ASHTON

Der Wind trug den vertrauten Duft von feuchter Erde und Kiefernnadeln mit sich, während ich über die Anhöhe blickte. Das dunkle Blätterdach des Waldes erstreckte sich bis zum Horizont, wo sich die ersten Strahlen der Morgensonne ihren Weg durch den Nebel bahnten.

„Hast du überhaupt geschlafen?“

Die Stimme meines Halbbruders zog mich aus meinen Gedanken. Ich hatte ihn nicht kommen hören – was bedeutete, dass ich zu tief in meiner eigenen Welt gewesen war.

Ein Fehler.

Silas stand neben mir, die Arme locker vor der Brust verschränkt. Sein dunkles Haar fiel ihm in die smaragdgrünen Augen, die er ohne Zweifel von seinem Vater geerbt hatte.

Silas hatte sich in den letzten Jahren verändert. Früher war er immer hier gewesen, an meiner Seite, im Dark Forest Rudel. Doch seit er sechzehn geworden war, verbrachte er immer mehr Zeit bei Liam im Silver Moon Rudel.

„Genug“, antwortete ich und richtete meinen Blick wieder auf das Tal. Silas schnaubte. „Komm schon, Ash. Du schläfst nie genug. Und trotzdem wirkst du, als hättest du die ganze Welt auf deinen Schultern.“ „Vielleicht, weil ich die ganze Welt auf meinen Schultern tragen muss.“ Er verdrehte die Augen. „Da spricht der zukünftige Alpha, wie eh und je. Lass mich raten – Everton hat dir wieder eine Lektion in Disziplin erteilt?“

Ich zuckte nur leicht mit den Schultern.

Mein Vater erwartete viel von mir, genau wie Liam viel von Silas erwartete. Doch während ich in den vergangenen Jahren immer tiefer in Everton’s Lehrstunden über Strategie und Rudelverantwortung eingetaucht war, hatte Silas im Beisein von Liam eine eher andere Richtung eingeschlagen.

„Wir stehen kurz davor, offiziell in die Rudelversammlungen eingeführt zu werden“, erinnerte ich ihn ruhig. „Vater und Liam erwarten von uns, dass wir Verantwortung übernehmen. Vielleicht solltest du das auch mal in Betracht ziehen.“ Ein schmales Lächeln zuckte über Silas’ Lippen. „Ach komm, Ashton. Als ob sie uns die Rudel bald übergeben. Everton und Liam hängen zu sehr an ihrer Macht, um sie abzugeben.“

Ich wusste, dass er nicht ganz Unrecht hatte. Unsere Väter waren starke Alphas, und weder Everton noch Liam waren bereit, ihre Verantwortung aus den Händen zu geben.

Noch nicht.

„Es geht nicht darum, wann wir Alpha werden. Es geht darum, bereit zu sein, wenn es so weit ist“, sagte ich ruhig. Silas lachte leise. „Götter, du klingst genau wie Everton.“

Ich antwortete nicht. Stattdessen ließ ich meinen Blick erneut über das Land streifen.

„Komm. Wir sollten zurück ins Rudelhaus. Vater möchte uns sehen.“ Silas zögerte einen Moment, dann zuckte er mit den Schultern. „Hoffen wir, dass er nicht schon wieder eine seiner Predigten hält.“ Sein üblicher Humor war da, aber sein Lächeln war schwächer als sonst.

Der Weg zum Rudelhaus war uns beiden mehr als vertraut. Wir waren hier eine lange Zeit gemeinsam aufgewachsen, zwischen strenger Disziplin und unausgesprochenen Erwartungen.

Aber Silas hatte immer eine Wahl gehabt.

Sein Vater war Liam Knight, Alpha des Silver Moon Rudels, und obwohl er die ersten Jahre bei uns im Dark Forest verbracht hatte, war immer klar, dass er früher oder später von Liam zum Alpha ausgebildet werden würde.

Früher kam Liam nur selten vorbei, blieb ein paar Tage und verschwand dann wieder. Doch als Silas sechzehn wurde, hatte sich alles geändert. Plötzlich hatte Liam ihn zu sich geholt. Und das Silver Moon Rudel war eine völlig andere Welt.

Während unser Zuhause geordnet, diszipliniert und formell war, lebten die Wölfe dort in einer offenen, herzlichen Gemeinschaft. Ihre Holzhütten waren gemütlich und das Licht in ihren Fenstern wirkte warm. Sie saßen oft gemeinsam am Feuer, erzählten Geschichten und lachten laut.

Hier, im Dark Forest, gab es keine Lagerfeuer. Unser Zuhause war ein Schloss, gebaut aus dunklem Stein, mit schweren Türen und endlosen Fluren. Aber es war trotzdem nicht kalt. Nicht, solange Everton unser Alpha war. Mein Vater war streng, ja – aber er war nicht grausam. Seit er Aria kannte, hatte sich etwas in ihm verändert. Die Älteren erzählten oft von der Zeit vor ihr, als Everton noch deutlich härter und kälter war.

Jetzt war er streng, aber fair. Er kannte jedes Rudelmitglied persönlich, wusste um ihre Sorgen, ihre Stärken und ihre Geschichten. Er wollte nicht nur ein mächtiges Rudel – er wollte, dass jeder sich zugehörig fühlte.

Silas seufzte leise. „Weißt du, manchmal wünschte ich, es wäre einfacher.“ Ich runzelte die Stirn. „Was meinst du?“ „Das Ganze. Zwei Rudel. Zwei Familien. Zwei Leben.“ Er ließ den Blick über das Lager schweifen. „Je mehr ich von beiden sehe, desto weniger gehöre ich zu einem von ihnen.“

Ich betrachtete ihn für einen Moment.

„Du gehörst immer hierher, Silas.“ Er lächelte schief. „Manchmal bin ich mir da nicht so sicher.“ Ich wollte etwas erwidern, doch in diesem Moment erreichten wir das Dark Forest Lager. Und wie immer war der Anblick ein Kontrast zu allem, was das Silver Moon Rudel darstellte. Das Schloss erhob sich aus dem Wald wie eine Festung.

Seine dunklen Steinwände wirkten massiver als die offenen Strukturen des Silver Moon Rudels. Die Fenster waren hoch und kunstvoll verziert, das Dach mit dunklen Schindeln gedeckt, die in der Morgensonne kaum reflektierten.

Silas schnaubte leise. „Du musst zugeben, es fühlt sich jedes Mal so an, als würden wir eine Burg betreten.“ Ich antwortete nicht.

Wir betraten die große Eingangshalle, in der bereits mehrere hochrangige Rudelmitglieder versammelt waren. Der Geruch von frisch gebackenem Brot und warmem Holz lag in der Luft, ein seltsamer Kontrast zur disziplinierten Atmosphäre.

Und in der Mitte stand er. Everton Darknight.

Mein Vater hatte eine Haltung, die keinen Widerspruch duldete. Trotzdem strahlten seine goldenen Augen, die er mir vererbt hatte, eine gewisse Wärme aus.

Er war ein Alpha, aber er war auch ein Vater.

Neben ihm stand Liam Knight – strenger als viele glaubten, aber herzlicher als es schien.

„Ihr seid spät.“ Evertons Stimme war ruhig, aber bestimmend. Ich hielt seinem Blick stand. „Wir haben eine Runde durch den Wald gedreht.“ Liam lachte leise. „Zumindest jemand aus eurem Rudel, der auch mal das Leben genießt.“ Silas grinste. „Sieh mal einer an, mein Vater lobt mich. Muss ich mir das Datum merken?“ Liam schüttelte leicht den Kopf, sein Blick blieb nachsichtig. „Mach dir keine Hoffnungen.“

Everton hingegen ließ sich nicht auf das Spiel ein. „Wir haben Wichtigeres zu besprechen.“ Seine Augen ruhten einen Moment auf mir, ehe er sich abwandte. „Ashton, komm mit mir. Silas, geh mit Liam.“ Silas zog die Augenbrauen hoch. „Getrennte Wege?“ „Getrennte Gespräche“, korrigierte Everton knapp.

Silas seufzte übertrieben und murmelte: „Hoffentlich bekomme ich nicht den Vortrag über politische Verhandlungen.“ Liam grinste nur. „Und ich hatte gehofft, du hörst mir wenigstens manchmal zu.“

Ich beobachtete, wie die beiden sich umdrehten und in Richtung der großen Türen verschwanden. Silas ließ sich von seinem Vater wegführen. Seine Haltung war locker und wirkte fast schon gelangweilt. Aber ich wusste, auch wenn er sich oft unbeteiligt gab, nahm er seine Ausbildung bei Liam ernst – zumindest dann, wenn es ihn interessierte.

„Ashton.“ Evertons tiefe Stimme zog meine Aufmerksamkeit zurück. Ich folgte ihm ins Obergeschoss des Rudelhauses, vorbei an Gemälden längst verstorbener Ahnen, die mit strengen Blicken auf uns herabsahen, bis wir das Arbeitszimmer meines Vaters erreichten. Er öffnete die Tür, trat ein und bedeutete mir mit einer knappen Bewegung, ihm zu folgen.

Everton ließ sich in den schweren Ledersessel hinter dem Schreibtisch sinken und musterte mich mit einem scharfen Blick. „Setz dich.“ Ich tat, wie mir geheißen. Die Atmosphäre im Raum war nicht angespannt, aber es lag trotzdem eine gewisse Ernsthaftigkeit in der Luft.

„Wie würdest du dein Training bisher einschätzen?“, fragte er schließlich. Ich wusste, dass es sich nicht um eine beiläufige Frage handelte. Everton erwartete eine ehrliche und reflektierte Antwort.

„Strukturiert. Effektiv.“ Ich hielt seinem Blick stand. „Aber ich denke, es gibt Bereiche, in denen ich mich verbessern kann.“ Er nickte langsam. „Welche?“

Ich lehnte mich ein wenig nach vorn. „Politische Verhandlungen, Rudeldynamik außerhalb unserer Grenzen. Strategische Kriegsführung beherrsche ich, aber ich hatte bisher wenig Einblick in Diplomatie, wenn es um langfristige Bündnisse geht.“

Everton hob eine Braue, seine Lippen verzogen sich zu einem Hauch eines Lächelns. „Eine ehrliche Einschätzung. Das gefällt mir.“ Er nahm einen tiefen Atemzug, seine Finger trommelten leicht auf die Tischplatte. „Deshalb wirst du morgen früh mit mir zu einem Treffen mit den Nachbarrudeln kommen.“

Ich nickte und wartete, ob er noch mehr sagen würde.

„Und danach, Ashton, wirst du eine eigene Einheit leiten.“

Ich benötigte eine Sekunde, um seine Worte vollständig zu verstehen. Eine eigene Einheit. Das bedeutete nicht nur Verantwortung, sondern auch, dass er mir zutraute, Wölfe zu führen. „Wen?“, fragte ich ruhig. „Fünf ausgewählte Krieger. Allesamt bewährt, aber sie benötigen Führung. Ich will sehen, wie du dich schlägst, wenn du zum ersten Mal wirklich die Verantwortung für andere trägst.“

Ich nickte langsam. Das war kein Test. Es war eine Prüfung.

„Verstanden.“ Everton lehnte sich leicht zurück. „Ich habe keine Zweifel, dass du das kannst, aber es ist an der Zeit, dass du es dir selbst beweist.“ Ich sagte nichts, spürte jedoch, wie sich mein Herzschlag beschleunigte. „Ruh dich heute aus“, sagte er schließlich.

Ich erhob mich, nickte ihm zu und drehte mich um, um den Raum zu verlassen. Doch bevor ich die Tür erreichte, hielt er mich mit einer ruhigen, aber bestimmten Stimme auf.

„Ashton.“ Ich hielt inne und sah über die Schulter. Evertons goldene Augen musterten mich einen Moment. „Ich bin stolz auf dich.“ Seine Worte trafen mich völlig unerwartet, und für einen Moment wusste ich nicht, was ich sagen sollte. „Danke, Vater“, entgegnete ich schließlich.

Ich verließ sein Arbeitszimmer mit gemischten Gefühlen. Sein Lob bedeutete mir viel – vielleicht mehr, als ich zugeben wollte. Und Verantwortung war nichts, was mir Angst machte. Ich wusste, dass ich dafür geschaffen war. Aber trotzdem war da eine leichte Unsicherheit in mir.

Ich war bereits auf dem Weg zu meinem Zimmer, als eine vertraute Stimme mich aufhielt. „Ist dein Vater endlich fertig mit seinem Vortrag?“ Ich blieb stehen und drehte mich um.

Meine Mutter stand in einem der Flure des Schlosses, und das warme Licht der Kerzen tanzte auf ihrem schwarzen Haar. Sie musterte mich mit diesem sanften, aber wissenden Blick, den sie immer hatte, wenn sie spürte, dass etwas in mir arbeitete.

„Er war nicht schlimm“, antwortete ich und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Aria hob eine Braue. „Oh? Dann hat er sich ja wirklich gebessert.“ Ich schmunzelte leicht. „Er hat mir eine Einheit zugeteilt. Ich soll morgen mit ihm auf ein Treffen gehen – und danach werde ich fünf Krieger anführen.“

Aria musterte mich für einen Moment, dann trat sie näher und legte eine Hand auf meine Wange. „Du bist so schnell so groß geworden, Ashton.“

Ihre Berührung war vertraut und warm. Sie war anders als Everton und anders als Liam. Während unsere Väter uns auf unsere zukünftige Position als Alpha vorbereiteten, war Aria immer der Anker gewesen, der uns daran erinnerte, dass wir viel mehr waren als nur das.

„Du zweifelst.“ Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.

Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Ich weiß, dass ich das kann. Aber ich frage mich, ob ich bereit bin, nicht nur Verantwortung für mich, sondern auch für andere zu tragen.“ Aria lächelte sanft. „Verantwortung ist nicht nur eine Last, Ashton. Sie ist ein Privileg. Dein Vater hat dich auf diesen Weg vorbereitet, doch er betrachtet die Welt oft nur aus den Augen eines Alpha – strategisch, vorausschauend, diszipliniert. Ich aber sehe dich auch als das, was du bist: mein Sohn. Und du wirst ein guter Alpha sein. Nicht nur, weil Everton dich gelehrt hat, zu führen, sondern weil du gelernt hast, zuzuhören. Weil du verstehst, dass wahre Führung nicht auf Befehlen, sondern auf Vertrauen beruht.“ Ihre Stimme war ruhig. „Deine Krieger werden dich respektieren, nicht weil du stark bist, sondern weil du für sie da bist. Weil du sie beschützt, nicht nur als Anführer, sondern als jemand, der ihr Wohlergehen als seine eigene Aufgabe sieht. Deine Einheit wird nicht nur eine Truppe sein, Ashton. Sie wird eine Familie.“

Ich spürte, wie sich ein Knoten in meiner Brust löste. Aria hatte diese seltene Gabe, mit wenigen Worten meine Gedanken zu ordnen und meine Zweifel wegzuwischen, die ich nicht einmal laut ausgesprochen hatte.

„Silas ist mit Liam endlich mal wieder hier“, sagte sie plötzlich und ihr Blick wurde weicher. Ich atmete tief durch. „Ich weiß. Er kämpft mit sich selbst. Zwei Rudel, zwei Welten. Ich weiß nicht, wie das alles für ihn enden wird.“

Aria betrachtete mich einen Moment lang schweigend, dann schüttelte sie sanft den Kopf. „Silas muss seinen eigenen Weg gehen, Ashton, genau wie du. Niemand kann ihm diese Entscheidung abnehmen. Aber was auch immer geschieht – er wird immer dein Bruder sein. Und das ist etwas, das sich niemals ändern wird.“ Ich nickte langsam. „Ich weiß.“