Auf dünnem Eis

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Zusammenfassung

18+ mit 🌶️ Szenen Brianna Crawford, eine erfahrene Sportagentin, trifft auf Tyler 'Ty' LeFleur, einen alternden, arroganten und talentierten Eishockeystar. Ty LeFleur hat einen Ruf abseits des Eises, der ein absolutes Chaos ist. Als er Brianna als seine Agentin fordert, zögert sie, stimmt aber letztendlich zu – denn wer liebt nicht den Nervenkitzel einer Herausforderung? Brianna ist es gewohnt, ihre Klienten zur Räson zu bringen, und das schließt einen arroganten Eishockeyspieler nicht aus. Können zwei wettbewerbsorientierte Persönlichkeiten die Dinge rein geschäftlich halten oder wird das Feuer außer Kontrolle geraten? I

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
37
Rating
4.9 40 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Brianna Crawford:

Das rhythmische Brummen des Laufbands und das harte Aufschlagen schneller Sneaker hallten durch das stille, leere Fitnessstudio.

Es war 4:00 Uhr morgens, und ich war die Einzige im Gym im dritten Stock.

Nachdem ich mich stundenlang hin- und hergewälzt hatte, gab ich das Einschlafen schließlich auf. Ich dachte mir, es ist besser, einfach aufzustehen. Ich musste heute früh anfangen.

Die bevorstehenden Entscheidungen lauerten mir ständig im Hinterkopf.

Es war Sonntag. Welcher Psycho denkt bitteschön an einem Sonntag an die Arbeit?

Tja, ihr seht sie vor euch – ich bin dieser Psycho.

Ich bin der Psycho, der am Sonntag über die Arbeit grübelt.

In ein paar Stunden würde ich erfahren, ob ich den größten Deal meines Lebens an Land gezogen hatte.

Die Chance, mit dem Eishockey-Star Frederick Quinn zu arbeiten. Er ist der Kapitän der Detroit Snow Leopards.

Deswegen konnte ich die ganze Nacht kein Auge zumachen. Es war der Deal meines Lebens. Ein Fisch, nach dem sich alle Agenten die Finger lecken.

Frederick Quinn war nicht nur ein Teamkapitän. Er war der schnellste Schlittschuhläufer der Liga und hatte letzte Saison die meisten Tore erzielt. Außerdem war er der jüngste Kapitän in der Geschichte der National Canadian and American Hockey League (NCAHL).

Mit anderen Worten: Falls ihr es noch nicht gemerkt habt – er ist eine ganz große Nummer.

Frederick Quinn ist das Maß aller Dinge. Er ist im Moment das Gesicht der NCAHL. Er ist der begehrteste Spieler der Liga, und alle reden über ihn. Mit gerade einmal 23 Jahren wurde er Kapitän eines Teams, das steil nach oben geht.

Das ist eine beachtliche Leistung. Nein – es ist eine unglaubliche Leistung.

Und genau deshalb ist heute ein wichtiger Tag für mich. Ich musste sicherstellen, dass Frederick Quinn mich als seine neue Agentin auswählt.

Vor ein paar Wochen hat sein alter Agent die Sache so richtig gegen die Wand gefahren. Er hat Frederick bei seinen Gehaltsboni von den Snow Leopards beklaut und wurde auf frischer Tat ertappt.

Seitdem ist Frederick ohne Vertretung. Jeder Agent mit großem Namen und noch größerem Ego wollte ihn unter Vertrag nehmen.

Zum Glück hatte ich beides.

Mein Vater war Eddie Crawford. Ja, genau der Eddie Crawford. Ein weltberühmter Sportagent, der ein loses Mundwerk hatte und sich von niemandem etwas gefallen ließ.

Gott sei Dank hat er mir einiges beigebracht, bevor er starb. Und ein Glück, dass er mir keine Geschwister geschenkt hat. Wir wären uns wahrscheinlich alle an die Gurgel gegangen. Wir hätten alle seinen Ehrgeiz, seine harte Art und seine gnadenlose Geschäftstaktik geerbt.

Ich vermisse ihn immer noch jeden Tag. Ich erinnere mich oft an seine Lehren und Methoden. Seine Erziehung war alles andere als gewöhnlich. Aber am Ende hat er mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin.

Mein Vater ist letztes Jahr gestorben. Er konnte sein Wunderkind also noch in Aktion erleben. Mit 23 Jahren hatte ich schon etliche Klienten, erfahrene Profis und blutige Anfänger. Das hatte ich alles meinem Vater zu verdanken.

Inzwischen gehe ich stramm auf die 30 zu. Ich habe sieben Jahre Erfahrung als Eishockey-Agentin auf dem Buckel und warte immer noch auf meinen größten Fisch. Und das ist – Frederick Quinn.

Jetzt versteht ihr bestimmt, warum ich an einem Sonntagmorgen im Morgengrauen auf dem Laufband renne. Ich schwitze wie blöd und zerbreche mir den Kopf.

Mein Vater hat zehn Jahre gebraucht, um seinen großen Durchbruch zu feiern. Damals nahm er Clark Taylor unter Vertrag, eine echte Legende. Er war unglaublich. Er hat nicht nur einen, zwei oder drei – nein, er hat vier Stanley Cups gewonnen. Er hat über 20 Jahre lang gespielt. Selbst als alter Mann war er noch der Beste der Liga. Man nennt ihn den „GOAT“ – den Größten aller Zeiten. Und das war er auch.

Ich wollte den Rekord meines Vaters schlagen. Ich wollte meinen ersten Weltstar schon nach sieben Jahren unter Vertrag nehmen, nicht erst nach zehn.

Ich war schließlich seine Tochter. Ich wurde darauf getrimmt, ehrgeizig, schlau und immer einen Schritt voraus zu sein. Ich wusste, er wäre stolz auf mich.

Laufen sollte eigentlich den Kopf frei machen, aber bei mir war es das Gegenteil. Es machte mich nur noch kribbeliger. Vielleicht liegt es an meinem ADHS, aber ich konnte einfach nicht aufhören, daran zu denken.

Ich rannte also weiter, bis ich die dritte Meile voll hatte. Schließlich fühlten sich meine Beine wie Wackelpudding an. Ich war kurz davor, umzukippen, also hielt ich an.

Ich drückte die Stopp-Taste und sah zu, wie das Band unter meinen Füßen langsam zum Stillstand kam.

Ich starrte auf das abgenutzte Band, als würde es gleich Augen bekommen und mit mir sprechen. Dann kam ich wieder zu mir, stieg von der Maschine und nahm einen großen Schluck kaltes Wasser.

Ich lebe in New York, große Überraschung. Aber alle guten Sportagenten leben hier.

Erstens ist es ein internationaler Knotenpunkt. Von New York aus kommt man mit dem Flieger überall hin. Zweitens gibt es hier das beste Essen. Drittens sind wir nach der Scheidung meiner Eltern von Chicago hierhergezogen. Ich habe es nie bereut. Auch wenn ich nur meine Teenagerjahre hier verbracht habe, war es eine wichtige Zeit für mich.

New York war für mich genauso ein Zuhause wie Chicago. Der einzige Unterschied war, dass ich hier wirklich gerne lebte.

Ich wohnte in einem der teureren Gebäude der Stadt mit Blick auf das Treiben der Upper East Side. Es ist ein Luxus-Apartment mit toller Aussicht und einer tadellosen Nachbarschaft. Außerdem hat es eine Tiefgarage und ein exklusives Gym. Das ist in New York so viel wert wie Gold. Beides ist hier schwer zu finden.

Ich drückte hektisch auf den Knopf des Aufzugs und tippte ungeduldig mit dem Fuß auf den Boden, während ich wartete.

Um diese Uhrzeit schliefen zum Glück die meisten Nachbarn noch. Ich fuhr also alleine bis in den siebten Stock hoch.

Es war fast sechs Uhr morgens, als ich mich endlich etwas entspannter fühlte. Die Sonne ging über der Skyline von New York auf. Sie tauchte die Stadt in Gelb, Orange und Pink.

Ich hielt meine Tasse Kaffee fest umschlossen. Das Aroma stieg mir in die Nase und beruhigte mich noch mehr.

Noch ein paar Stunden, Bri, dann bist du die begehrteste Agentin der Stadt. Alle werden dich beneiden. Du wirst die Nummer eins sein. Die absolute Powerfrau.

Ja, ich nenne mich selbst eine Powerfrau, verklagt mich doch.

Ich bin aggressiv und kann ziemlich grob sein, aber in der harten Welt der Eishockey-Agenten hat mir das immer geholfen. Ich weiß, was ich tue, und ich stehe dazu. Ich verbiege mich für niemanden.

Meine Assistentin sagt zwar, dass manche das einschüchternd oder forsch finden, aber bisher hat es funktioniert. Ich habe fünfzehn Spieler unter Vertrag. Sieben davon sind von Anfang an bei mir. Bisher ist noch keiner abgesprungen, das ist ein gutes Zeichen.

Eine weitere Stunde verging. Ich gönnte mir eine zweite Tasse Kaffee und wartete auf das Unausweichliche – den Anruf meiner Assistentin und besten Freundin Natalie. Es würde entweder gute oder schlechte Nachrichten geben. So oder so würde sie anrufen.

Ich leerte die Tasse und beschloss, mir etwas zu essen zu machen, bevor mein Magen anfing, sich selbst zu verdauen.

Ein paar Eier und Toast sollten reichen.

Ich aß hastig und starrte dabei ununterbrochen auf mein Handy. Ich wartete darauf, dass das Display aufleuchtete, aber noch tat sich nichts.

Nach dreißig Minuten qualvollem Starren leuchtete es endlich auf. Die Benachrichtigung zeigte den Namen Natalie.

Endlich, dachte ich und hielt mir das Handy ans Ohr. „Ich bin seit 3 Uhr wach, Nat. Davor habe ich auch kein Auge zugetan“, sprudelte es aus mir heraus.

Am anderen Ende blieb es still.

In diesem Moment wusste ich, dass ich absolut am Arsch war.

Das werden schlechte Nachrichten, oder?

„Scheiße! Verdammte Scheiße!“, schrie ich und hätte mein Handy vor Wut fast gegen die Wand gepfeffert.

„Schon gut, Bri“, fing Natalie an, um mich zu beruhigen.

Aber das half nicht. Nichts half. Ich war stinksauer.

Sie musste gar nichts sagen, ich wusste genau, was ihr Schweigen bedeutete.

„Wir sind am Arsch, oder? Was für eine Blamage!“, stöhnte ich.

„Äh – na ja, wir sind nicht am Arsch. Wir haben immer noch fünfzehn großartige Klienten. Wir sind immer noch oben mit dabei, Bri.“

„Wir sind alles andere als oben dabei, Nat!“, lachte ich voller Zorn. „Wir wurden abserviert. Frederick Quinn hat uns nicht gewählt!“

„Das ist kein Weltuntergang, Bri. Du hast andere Spieler und bei dir ist noch nie jemand abgesprungen“, tröstete sie mich.

„Abgelehnt zu werden, tut viel mehr weh.“

„Ich schwöre dir, wir finden in einer Woche ein neues Talent. Vertrau mir, Bri. Du weißt, ich habe ein Auge für sowas.“ Ihr Ton blieb trotz des Chaos gelassen.

Ich stand auf und lief gereizt in der Wohnung auf und ab. „Das ist eine Katastrophe. Ich weiß nicht, wie wir uns davon erholen sollen.“

„Das werden wir schon“, versicherte sie mir.

„Wen hat er denn dann genommen?“, fragte ich verzweifelt.

„Bri...“, flehte Natalie.

„Sag es mir, Nat!“

„Ich glaube nicht, dass du das wissen willst. Das macht dich nur noch wütender“, sie stieß einen schweren Seufzer aus.

„Er kann ja wohl kaum Vance Dalbert genommen haben. Also sag es mir einfach. Schlimmer kann es eh nicht mehr kommen“, seufzte ich.

„Bri...“, Nats Stimme wurde leiser.

„Sag mir nicht, dass es wahr ist, Nat. Sag es verdammt noch mal nicht. Wie ist das überhaupt möglich? Vance ist komplett ausgebucht. Der hätte gar keinen Platz, selbst wenn er wollte. Es sei denn, er hat sein ganzes Team umgebaut oder jemanden rausgeworfen“, plapperte ich weiter. „Sag es nicht... bitte...“

„Ich sage nichts“, bestätigte sie.

„Nein! Das war rhetorisch gemeint! Sag es mir!“, bettelte ich fast.

„Du wirst ausrasten.“

„Sag es einfach. Hinter uns bringen“, murmelte ich.

„Es ist Vance Dalbert.“

„Wie ist das möglich?“, schrie ich aus vollem Hals. Ich umklammerte mein Handy so fest, dass es in meiner Hand richtig heiß wurde.

„Er hat gestern einen Spieler rausgeschmissen“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme. „Ich glaube, er hat das von Anfang an geplant, um Platz für Frederick zu machen. Er hat uns eiskalt erwischt.“

„Das kannst du laut sagen!“, zischte ich. „Wen? Welche arme Sau hat er gefeuert, um Platz für seinen geliebten Frederick zu machen?“

„Ty LeFleur“, flüsterte sie.

Ehrlich gesagt kann ich Vance nicht verübeln, dass er ihn rausgeworfen hat. Tyler LeFleur war ein einziger Problemfall. Er war schon älter, sicher an die 33, was für einen Eishockeyspieler eine Menge ist. Er war eigentlich ein guter Spieler – schnell auf den Kufen, treffsicher – aber er war ein PR-Albtraum. Wenn er nicht gerade die Frau von irgendjemandem flachlegte, wurde er aus einer Bar geworfen.

„Mich wundert nur, dass er es nicht schon früher getan hat. Aber er hat es wohl genau abgepasst. Mist, Nat, das hätten wir kommen sehen müssen“, sagte ich.

„Haben wir aber nicht. Und jetzt müssen wir weitermachen, Bri. Es bringt nichts, wenn du dich jetzt selbst fertig machst.“

Sie war schon immer die Vernünftige von uns beiden.

„Du wirst jemanden finden, der noch besser ist.“

„Klar“, lachte ich bitter.

„Trübsal blasen ist heute gestrichen, okay?“, bat sie mich.

„Oh, das habe ich eigentlich fest eingeplant.“

„Ich weiß, aber ich habe eine super Idee! Wollen wir heute Abend ins Sabel’s gehen? Schön essen und was trinken? Das hast du dir verdient.“

„Viel Glück dabei, einen Tisch zu bekommen“, entgegnete ich.

Wir wussten beide, dass das Sabel’s auf Monate ausgebucht war. Es war der Treffpunkt für jeden, der in New York Rang und Namen hatte.

„Pass auf: Wenn ich eine Reservierung kriege, versprichst du mir, dass du mitkommst?“, bettelte sie.

„Na gut. Wenn wir schon eine Niederlage kassiert haben, können wir auch gleich die nächste mitnehmen“, sagte ich. „Bis dann, Nat.“

Ich warf das Handy auf den Boden und ließ mich schwer auf die Couch fallen.