Unerwartet
Es war ein sonniger, ereignisloser Tag.
Ich bin gerade dabei, das Papierchaos auf meinem Schreibtisch zu beseitigen, welches sich nach meinem Urlaub angesammelt hat.
Mein Kalender ist den Rest der Woche mit Gesprächen und Terminen so gefüllt, dass ich unbedingt jetzt die Zeit nutzen muss, um mir einen Überblick zu verschaffen.
Zudem findet heute auch noch ein PR-Termin unserer Leitung statt, den ich sicher auch noch nacharbeiten muss.
Eine Internet Bekanntheit will Spenden für unsere Kinderheime sammeln und das während eines Livestreams bei uns vor Ort.
Dafür hat sich seine Crew heute zu einem Vorgespräch, um alle Do´s und Dont´s mit unserer Leitung zu besprechen, angemeldet.
Eigentlich müsste ich mich darüber freuen, schließlich finden ihn die meisten unserer Kids
mega cool und freuen sich, seit sie es mitbekommen haben.
Aber ich habe meine Vorbehalte und habe das Gefühl, dass unsere Arbeit und die Kinder für Klicks und Fame herhalten müssen.
Während ich mir gerade stirnrunzelnd die Protokolle der letzten Woche durchlese, höre ich die Klingel der Haupteingangstür.
Kurz warte ich ab, ob sich mein Chef bequemt, die Tür alleine zu öffnen.
Beim zweiten Klingeln stehe ich frustriert auf. Natürlich, lässt er mich laufen, obwohl sein Büro viel näher an der Eingangstür liegt.
Während ich die Treppe runtergehe, klingelt es ein Drittes Mal.
“Ja, ich bin ja schon auf dem Weg - Hetz nicht so.” rufe ich genervt, da ich davon ausgehe, dass jemand seinen Schlüssel vergessen hat.
Schon darauf vorbereitet, eine kleine Tadel Tirade von mir zu geben, warum kein Schlüssel mitgenommen wurde, öffne ich die Tür und verschlucke mich an meinen Worten.
Vor mir steht er selbst. Erik, die Internet Bekanntheit: ein tätowierter Bad Boy, groß mit breiten Schultern, einem einnehmenden Lächeln, tiefen dunklen Augen und genau mein Typ.
“Hey.” grinst er mich an.
Schnell sammle ich mich und setze mein professionelles Lächeln auf.
“Hey.” sage ich gefasst zurück, ohne mein Blick von seinen Augen und seinem Gesicht abwenden zu können. Gott, ist er heiß.
“Wir haben einen Termin mit Herrn Werl. Es geht um eine Spendenaktion, die wir gerne hier veranstalten wollen.” sagt er, ohne seine Augen abzuwenden.
“J-Ja, natürlich. Ich bin Joyce, eine der Sozialarbeiterinnen.”
“Hallo Joyce.” sagt Erik in einer Sanftheit, die mich alles vergessen lässt.
“Hallo.” höre ich plötzlich drei weitere Stimmen und schaue hinter ihm in drei wissend grinsende Gesichter. Die anderen hatte ich bis dahin noch gar nicht registriert.
“Dann kommt mal mit.” ich drehe mich um und gehe voran.
Ich kann immer noch Eriks Starren in meinem Rücken spüren, mein Magen zieht sich zusammen. Nicht vor Angst oder weil es unangenehm ist. Nein, es ist pure sexuelle Anziehung.
Um meine Gedanken abzulenken, gebe ich Erik und seiner Crew auf dem Weg zum Büro meines Chefs eine kurze Führung.
Als ich sie ihm übergeben habe, gehe ich schnell in mein Büro zurück.
Zum Glück ist meine Anwesenheit bei dem Termin nicht notwendig, denn ich glaube nicht, dass ich mich irgendwie auf das Gespräch hätte konzentrieren können.









Liest sich flockig-locker, wohltuend fehlerfrei. Ausdrücke wie Internet-Bekanntheit oder Tadel-Tirade würde ich mit Bindestrich schreiben. 😉