Sündhafte Besessenheit

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Altheas neuer Chef gibt sich nie mit weniger zufrieden. Sie sitzt fest mit Adrian Gray, einem Vorgesetzten, der Antworten verlangt, die niemand zu haben scheint. Sein Perfektionismus als Model und CEO mit einem geradezu legendären Ruf treibt das Unternehmen voran – bringt aber auch jeden in seinem Umfeld um den Verstand. Althea wandelt auf einem schmalen Grat zwischen Unsichtbarkeit und dem Risiko, zu sehr aufzufallen. Doch als Adrian Gray sie plötzlich so ansieht, als wäre sie das Einzige, das in seiner chaotischen Welt noch einen Sinn ergibt, wird Althea klar, dass sie eine gefährliche Grenze überschritten haben könnte.

Genre:
Romance
Autor:
AuthorMō
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
69
Rating
4.8 25 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Chapter 1

Althea Davis

Als ich aus der Bank trat, summte mein Handy wieder. Es vibrierte heftig in meiner Hand, wie eine ungeduldige Warnung.

Veronica, meine Chefin.

Ich seufzte, da ich bereits wusste, was kommen würde. Dann nahm ich den Anruf entgegen.

„Althea, wo zur Hölle steckst du? Du hättest vor fünfzehn Minuten hier sein sollen!“

Ich nahm das Telefon vom Ohr und zuckte bei der enormen Lautstärke zusammen. Um mich herum herrschte geschäftiges Treiben auf der Straße. Autos hupten, Fußgänger drängelten sich durch den Verkehr, und ein Mann drückte desinteressierten Passanten Flyer in die Hand. Die Nachmittagssonne warf lange, goldene Schatten und spiegelte sich in den Fenstern der schicken Gebäude.

„Ich bin auf dem Weg“, murmelte ich und rieb mir die Schläfe. „Ich bin in fünf Minuten da, versprochen.“

„Mach zwei draus“, schnauzte sie, bevor sie das Gespräch beendete.

Ich atmete aus und steckte mein Handy in die Tasche. Zwei Minuten? Das war unmöglich. Zu Fuß würde ich mindestens fünfzehn Minuten brauchen, und ich wollte Veronicas Zorn nicht länger als nötig ertragen.

Ein Taxi war meine beste Chance.

Ich suchte die Straße ab und entdeckte eines in der Ferne. Bevor der Mann neben mir reagieren konnte, hob ich die Hand und winkte es heran. Mein Handy vibrierte erneut mit einer Nachricht von Veronica. Wahrscheinlich beschwerte sie sich wieder oder fragte etwas wegen der Arbeit.

Ich sah kurz nach unten, um es stummzuschalten.

In diesem Moment hielt das Taxi. Ich durfte keine Sekunde verlieren, also griff ich nach der Tür, stieß dabei jedoch mit der Hand von jemand anderem zusammen.

Ich zuckte zurück und meine Augen schnellten zu dem Besitzer der Hand, die mir in die Quere gekommen war.

Da stand ein Mann. Er war groß, breit gebaut und strahlte eine Präsenz aus, die Leute innehalten ließ, bevor sie etwas sagten. Seine Brauen hatten sich ungläubig zusammengezogen. Seine Lippen waren leicht geöffnet, als könnte er nicht fassen, was gerade geschah. Er sah aus wie jemand, der entweder kurz davor war, eine lange Standpauke zu halten oder über Mord nachzudenken.

Und dann war da ich, völlig aufgelöst, während mein Handy in der Tasche erneut vibrierte.

„Ich habe zuerst gewinkt“, erklärte ich und umklammerte den Türgriff fester. „Während du nur dumm rumstandest“, fügte ich hinzu.

Er seufzte scharf und legte den Kopf in den Nacken, als würde er das Universum um Geduld anflehen.

„Lady“, begann er mit angespannter Stimme, „hast du überhaupt eine Ahnung –“

Dafür hatte ich keine Zeit.

Ohne ihn ausreden zu lassen, packte ich ihn am Handgelenk und schob ihn beiseite. Mit einer schnellen Bewegung schlüpfte ich in das Auto. „Tut mir leid, aber ich habe es eilig“, schnappte ich, bevor ich die Tür zuschlug.

„Fahren Sie bitte“, sagte ich zum Fahrer und ignorierte, dass er sich zu mir umgedreht hatte und mich anstarrte, als hätte ich gerade ein Verbrechen begangen.

Seine Augen huschten zwischen mir und dem Mann draußen hin und her. Er wirkte vollkommen verängstigt.

„Miss...?“

Ich winkte ab und hielt mir schon das Telefon ans Ohr. „Fahren Sie einfach, bitte. Richtung –“

Ich hielt inne, als die Tür gegenüber von mir aufschwang.

Ich hatte kaum Zeit zu reagieren, da war der Mann schon eingestiegen und ließ sich mit einem langen, frustrierten Seufzer auf den Sitz neben mir fallen.

„Das ist doch ein schlechter Witz“, murmelte er und rückte seine Ärmel zurecht, als wäre ich nichts weiter als eine Unannehmlichkeit in seinem Tag.

Ich blinzelte. „Entschuldigung –“

Er drehte sich ganz zu mir um und lehnte sich zurück, als würde er es sich bequem machen. „Ich bin gerade erst nach Kalifornien gezogen und treffe schon auf Verrückte.“

Irgendetwas an seiner Art ließ meinen Magen sich vor Irritation zusammenziehen. Ich wollte gerade den Mund aufmachen, um ihm meine Meinung zu sagen, als ich bemerkte, dass etwas nicht stimmte.

Das Auto.

Jetzt, wo ich drin saß, sah ich mich genauer um. Die Sitze waren zu schön – weiches Leder, das neu roch. Die Türverkleidung hatte Holzelemente und die Klimaanlage war lautlos. Selbst der schwache Duft im Auto war kein billiger Lufterfrischer, sondern etwas Teures, Moschusartiges und Vornehmes.

Das... war kein Taxi.

Ich sah zum Fahrer, der sich immer noch nicht bewegt hatte. Er blickte zu dem Mann neben mir und murmelte steif: „Sir?“

Sir?

Mein Magen rutschte mir in die Tiefe.

Ich rutschte unruhig auf meinem Sitz hin und her und sah mich um, als könnte ich eine Erklärung herbeizaubern. Der Mann neben mir stieß einen langsamen Atemzug aus. Seine Geduld war offensichtlich am Ende.

„Steig einfach aus“, sagte er trocken.

„Das sollte ich wohl wirklich tun“, murmelte ich und fummelte am Türgriff. „Tut mir leid. Mein Fehler.“

Ich sprang fast aus dem Auto, verbeugte mich entschuldigend und schlug die Tür zu.

Das Auto fuhr nicht sofort los, aber ich wagte nicht, mich umzusehen. Ich atmete schwer aus und schlug mir mit der Hand gegen die Stirn. Idiotin. Ich war wie eine komplette Verrückte in das Auto eines reichen Typen gestürmt. Ich sah schon vor mir, wie Veronica die Augen verdrehte, wenn ich ihr erzählte, warum ich es nicht in zwei Minuten zur Arbeit geschafft hatte.

Das Auto rollte schließlich los. Ich stieß einen erleichterten Seufzer aus.

Aber es hielt sofort wieder an. Bevor ich begreifen konnte, was geschah, flog etwas aus dem offenen Fenster: meine Handtasche.

Sie landete mit einem unsanften Wummern auf dem Gehweg.

Ich starrte die Tasche an, dann das Auto und wieder die Tasche. Bevor ich reagieren konnte, fuhr der Wagen wieder an und verschwand in der Straße.

Ich stand da, den Mund vor Staunen offen. Hat dieser Mann gerade meine Tasche wie Müll rausgeworfen?

Ein vorbeigehender Fußgänger sah mich besorgt an. Ich ignorierte ihn und bückte mich, um meine Tasche aufzuheben. Ich wusste nicht, ob ich mich schämen oder wütend sein sollte.

Nachdem ich meine Tasche eingesammelt und meinen Stolz heruntergeschluckt hatte, rief ich ein neues Taxi. Diesmal prüfte ich dreimal, ob es wirklich ein Taxi war, bevor ich einstieg. Die Fahrt zur Arbeit verlief ereignislos, nur das übliche Rauschen der Stadt und das Stimmengewirr waren zu hören.

Als ich bei Veronicas Café ankam, war dort bereits jede Menge los. Die salzige Meeresbrise wehte durch die offenen Fenster und vermischte sich mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee und gegrillten Sandwiches. Draußen versank die Sonne am Horizont und tauchte den Strand in ein bernsteinfarbenes Licht.

Drinnen drängten sich Surfer, die noch feucht vom Meer waren, an den Tischen. Ihr Lachen war laut und unbekümmert. Sie hatten Handtücher über die Schultern geworfen und ihre sonnengebräunte Haut strahlte, während andere sich in ihre Stühle zurücklehnten und an kalten Getränken nippten, als hätte der Tag jede Energie aus ihnen herausgesaugt.

Ich hatte kaum eine Sekunde zum Durchatmen, da tauchte Veronica auf und warf mir eine Schürze zu.

„Wurde ja auch Zeit“, murmelte sie, während ihre scharfen Augen das volle Café musterten.

Ich band mir die Schürze kommentarlos um. Veronicas Begrüßung bestand immer aus einer Mischung aus Schelte und Sarkasmus.

Innerhalb weniger Minuten lief ich durch die Tische, balancierte Tabletts und wich Stühlen aus, während ich Bestellungen aufnahm. Die Routine saß längst: Bestellung aufnehmen, Essen servieren, Tische abwischen, neue Kunden begrüßen und von vorn.

Während ich mich bewegte, konnte ich nicht anders, als zu den Mädchen hinüberzusehen, die vom Strand kamen. Sie waren in meinem Alter, trugen nichts als Bikinis und lose Hemden. Ihre Haut war gebräunt und strahlte von den Stunden in der Sonne. Sie lachten, während sie sich auf Stühle fallen ließen und ihr nasses Haar zurückwarfen.

Ich bewunderte sie, nicht aus Eifersucht, sondern mit einer stillen Sehnsucht. Diese Art von Freiheit. Die Fähigkeit, am Strand zu liegen und sich um nichts weiter zu sorgen als um Bräunungsstreifen und das nächste Getränk, war kein Luxus, den ich hatte. Aber das war egal.

Meiner Mutter ging es besser. Sie bekam ihre Behandlung, und ich war der Grund dafür.

Während ich also einen weiteren Tisch abräumte und neue Kunden mit einem Lächeln begrüßte, redete ich mir ein, dass ich keinen Grund zur Klage hatte.

Wäre Veronica nicht so knauserig, könnte sie eine weitere Kellnerin zur Hilfe einstellen. Aber das würde ich nie ansprechen, nicht wenn sie der Grund dafür war, dass ich ein Dach über dem Kopf in Kalifornien hatte.

Ohne sie würde ich vielleicht wie eine verlorene Seele durch die Straßen irren oder Toiletten putzen, nur um genug Geld für ein Ticket zurück in die Philippinen zusammenzukratzen.

Ich war so in Gedanken versunken, dass ich die vertraute Stimme kaum hörte, die meinen Namen rief.

„Althea.“

Ich drehte mich um – und da war er. Caleb.

Er saß mit vier anderen Radfahrern da, und sein entspanntes Grinsen ließ die Wärme in meinen Nacken steigen. Ich hatte gar nicht bemerkt, als er reingekommen war. Hätte ich es gewusst, hätte ich vielleicht meine Haare gerichtet oder zumindest so getan, als wäre ich gelassen.

Caleb starrte mich immer ein kleines bisschen zu lange an. Jedes Mal redete ich mir ein, dass das etwas zu bedeuten hatte. Oder vielleicht wusste er einfach, dass ich auf ihn stand.

Ich wollte etwas sagen, doch bevor ich dazu kam, kamen zwei Mädchen herein. Sie zögerten nicht lange, zogen die Aufmerksamkeit der Jungs auf sich und mischten sich in das Gespräch, als würden sie dazugehören.

Caleb drehte sich zu ihnen um und lachte über etwas, das eine von ihnen sagte. Und so schnell, wie es gekommen war, war meine Chance, irgendetwas zu sagen, verschwunden.

Mit einem leisen Atemzug nutzte ich die Gelegenheit, um wegzuschlüpfen und mich um einen anderen Tisch zu kümmern.

Denn so sehr ich es auch hasste, wie oft er hierher kam, noch mehr würde ich es hassen, wenn er damit aufhören würde. Caleb war die Art von Mann, von dem man einfach nicht wegsehen konnte.