Schatten der Vergangenheit

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Zusammenfassung

Fünf Jahre, nachdem sie die Männer verlassen hat, die sie einst zerbrachen, hat sich Blair ein neues Leben für sich und ihre Tochter aufgebaut. Allein, aber stärker, hat sie gelernt, ohne Liebe zu leben. Was sie nicht ahnt: Carter hat sie die ganze Zeit aus dem Schatten beobachtet. Als er schließlich auftaucht, droht er, das ruhige Leben, das sie sich geschaffen hat, zu zerstören. Was folgt, ist eine Slow-Burn-Geschichte über Vergebung, Vaterschaft und eine Liebe, die nur im Feuer bestehen kann.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
71
Rating
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Altersfreigabe
18+

Prolog

Blair

Das Taxi riecht nach Schimmel und Reue.

Oder vielleicht bin das auch nur ich.

Ich drücke eine Hand auf meinen Bauch, während das Ortsschild am Fenster vorbeihuscht – knapp unter achttausend Einwohner, eine Tankstelle, eine einzige Hauptstraße. Es ist ruhig. Unauffällig. Die Art von Ort, an dem niemand Fragen stellt und jeder sich um seinen eigenen verdammten Scheiß kümmert.

Genau das, was ich brauche.

Der Fahrer schleicht nur noch dahin, als wir das Zentrum erreichen. Mein Motel kommt in Sicht – billig, beige und kaum noch standfest. Es sieht aus wie die Rettung in Form von abgeblätterter Farbe. Ich bezahle ihn schweigend. Den Mitleid in seinem Blick ignoriere ich, als er auf die Wölbung unter meinem weiten Hoodie starrt.

Im sechsten Monat schwanger und weit und breit kein Ring am Finger.

Sollen sie doch denken, was sie wollen.

Ich wuchte meine Tasche auf den Gehweg und bleibe einen Moment stehen. Die Stille macht mich ganz wirr. Keine Schüsse. Kein Schreien. Kein Carter. Kein Ashton. Nur der Wind, Vögel und fernes Hundegebell. Ich weiß fast gar nicht, was ich mit der Ruhe anfangen soll.

In diesem Moment taucht sie auf.

Eine Frau in Arbeitskleidung aus dem Krankenhaus. Die lockigen roten Haare sind hochgebunden, eine Stofftasche hängt über ihrer Schulter. Sie bleibt stehen, als sie mich sieht. Ihr Blick wandert kurz zu meinem Bauch und dann zurück in mein Gesicht.

„Haben Sie sich verlaufen?“

Ihre Stimme klingt warm. Nicht neugierig. Nicht mitleidig. Einfach nur nett.

Ich schüttle den Kopf. „Ich bin nur auf der Durchreise.“

Das ist gelogen. Ich habe keinen Ort mehr, an den ich gehen könnte. Ich bin am Ziel.

Sie nickt trotzdem, als würde sie es verstehen. „Na ja, wenn Sie auch nur kurz bleiben, meiden Sie lieber das Lokal an der 3. Straße. Der Kaffee schmeckt wie flüssiges Elend.“

Ein Lachen bricht aus mir heraus. Es ist leise und kurz. Aber es ist echt.

„Ich bin Tessa“, sagt sie und hält mir die Hand hin. „Nachts arbeite ich in der Kinderklinik. Und tagsüber im schlechtesten Yoga-Studio der Welt.“

Ich zögere kurz. Dann ergreife ich ihre Hand.

„Blair.“

Sie sieht mich an – wirklich an – und irgendetwas an ihr wird weich. Sie deutet mit dem Kopf die Straße runter.

„Kommen Sie mit. Sie sehen so aus, als könnten Sie etwas gebrauchen, das nicht nach Motel-Seife und Chips aus dem Automaten schmeckt.“

Ich sollte Nein sagen. Ich sollte mich zurückziehen. Ich sollte dichtmachen und mich verstecken, so wie ich es seit Wochen tue.

Aber stattdessen folge ich ihr.

Und einfach so… fange ich von vorne an.

Sie fragt nicht, warum ich hier bin.

Sie starrt nicht auf die halb offene Reisetasche. Sie könnte voller Scherben und Erinnerungen sein, die ich nicht ertragen kann.

Sie läuft einfach ganz entspannt neben mir her, als wäre das alles völlig normal. Als würde sie jeden zweiten Dienstag schwangere Frauen vor Motels aufgabeln.

Ich trotte hinter ihr her. Die Art, wie sie sich bewegt, gibt mir das Gefühl, dass ich nicht zusammenbreche, wenn ich ihr folge.

„Wo gehen wir hin?“, frage ich schließlich, weil es sich so gehört.

„Zu mir nach Hause.“ Sie wirft mir die Worte über die Schulter zu, als wäre es nichts Besonderes. „Ist gleich um die Ecke. Das Sofa ist gemütlicher, als es aussieht. Und Sie brauchen erst mal eine heiße Dusche, bevor Sie irgendwas berühren, das dieses Motel ein Bett nennt.“

Ich bleibe stehen.

Sie dreht sich um. Wartet.

„Sie kennen mich doch gar nicht“, sage ich mit leiser, kühler Stimme.

Tessa zuckt nur mit den Schultern. „Sie sehen aus wie jemand, der ein verdammt hartes Jahr hinter sich hat. Und ich habe frische Handtücher und zwei Sorten Eis im Gefrierfach. Das reicht mir als Grund.“

Ich starre sie an.

Ich vertraue niemandem mehr. Nicht nach allem.

Aber etwas in ihrem Blick – etwas Ruhiges und Herzliches – schlüpft durch jede Mauer, die ich hochgezogen habe.

Also nicke ich. Nur einmal.

Sie grinst. „Na dann komm schon, geheimnisvolles Mädchen. Ich habe ein Gefrierfach voller schlechter Entscheidungen und ein Sofa, auf dem dein Name steht.“


In ihrer Wohnung riecht es nach Kokos und Waschmittel. In der Ecke steht eine schiefe Lampe, auf einer Decke hat sich eine Katze zusammengerollt. Es gibt ein gerahmtes Foto von ihr und Kollegen aus dem Krankenhaus in bunten Kitteln.

Es ist der wärmste Ort, den ich seit Monaten gesehen habe.

Sie zeigt auf die Couch. „Füße hoch. Du setzt dich, ich schenke ein.“

Ich blinzle sie an. „Was denn?“

„Was auch immer mehr Zucker hat – Tee oder heiße Schokolade. Deine Wahl.“

Ich antworte nicht sofort. Mein Hals ist wie zugeschnürt. Meine Hand ruht immer noch auf meinem Bauch, als wäre er das Einzige, was mich am Boden hält.

Sie drängt mich nicht.

Schließlich setze ich mich. Nicht, weil ich glaube, dass ich hier sicher bin. Sondern weil ich es mir zum ersten Mal seit Monaten wünsche.

Und das ist der Moment.

Genau da.

Das ist der Moment, in dem ich anfange, jemand anderes zu werden.

Jemand Neues.

Jemand, der überlebt.

Wortlos reicht sie mir die Tasse. Dann lässt sie sich in den Sessel gegenüber sinken, zieht die Knie an und nippt an ihrem eigenen Getränk. Als wäre das alles ein ganz gewöhnlicher Abend.

Und vielleicht ist er das auch.

Für sie.

Für mich… ist es die erste Nacht seit Wochen, in der ich mich nicht vollkommen leer fühle.

Ich beobachte sie, wie sie über etwas im Fernsehen lacht. Sehe zu, wie die Katze sich streckt und auf ihren Schoß klettert. Das Licht spiegelt sich im Rot ihrer Haare, während sie leise vor sich hin summt.

Ich kenne sie noch nicht.

Nicht wirklich.

Aber ich glaube—

Eines Tages werde ich ihr alles anvertrauen.