Ink and Smoke
„Ink and Smoke“
Der Club war wie ein lebendiges, atmendes Wesen – erfüllt von Hitze, Schweiß und Rhythmus.
Der Bass wummerte durch Jeremiahs Körper wie ein zweiter Herzschlag. Die Luft war schwer von Rauch, Parfüm und Bier. Neonlichter zuckten in Stroboskop-Blitzen über die Tanzfläche und ließen die Menge in kurzen Momentaufnahmen erstarren – hüftwiegende Körper, Münder, die vor Lachen offen standen oder nach Luft schnappten. Alle drängten sich so eng aneinander, als könnten sie es nicht ertragen, getrennt zu sein.
Jeremiah hatte schon vor Stunden aufgehört, seine Drinks zu zählen.
Er fühlte sich locker, leichtsinnig und berauscht von dieser betäubenden Freiheit, in der es keine Konsequenzen gab. Er wollte seinen Kummer einfach ertränken.
Genau in diesem Moment sah er ihn.
Der Mann war nicht auf die klassische Art hübsch. Er wirkte wild und kantig, eine Erscheinung aus harten Linien und roher Energie. Sein dunkles Haar war dick und genau so zerzaust, dass es nach einer unbekümmerten Hand verlangte. Seine breiten Schultern spannten das schwarze Hemd eng über den Oberkörper. Tätowierungen wanden sich wie Schlangen seinen Unterarm hinauf. Sein Mund – sündhaft und selbstbewusst – verzog sich zu einem halben Lächeln, als er Jeremiahs Blick erwiderte.
Ihre Blicke trafen sich.
Etwas Elektrisierendes knisterte zwischen ihnen.
Jeremiahs Herz setzte einen Schlag aus, und er hielt den Atem an.
Dann setzte sich der Mann – Leon, auch wenn Jeremiah das zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste – in Bewegung und bahnte sich den Weg durch die Menge, als würde ihm der Club gehören.
Ohne ein Wort, ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken, ging Jeremiah ihm entgegen.
Leons Hand legte sich an Jeremiahs Taille, seine Finger gruben sich knapp über der Hüfte in den Jeansstoff. Ihre Körper stießen aufeinander – Brust an Brust, Hüfte an Hüfte – und fügten sich zusammen wie Puzzleteile, die genau auf diesen Moment gewartet hatten.
Die Musik änderte sich; ein dunklerer, schwererer Beat vibrierte nun durch den Boden.
Sie begannen sich zu bewegen.
Jeremiahs Hände glitten über Leons Brust und spürten die festen Muskeln unter dem Stoff. Leons Hände wanderten tiefer, besitzergreifend und rau. Er packte Jeremiahs Hüften, zog ihn eng an sich und rieb ihre Körper in einem langsamen, bewussten Rhythmus aneinander.
Leons Oberschenkel drängte sich zwischen Jeremiahs Beine, direkt gegen seinen Schritt, und Jeremiah stieß ein leises, verzweifeltes Stöhnen am Ohr des Fremden aus.
Leon lachte tief und bösartig auf. Er drückte fester zu und ließ seine Hüften kreisen.
Bei ihrem Tanz ging es längst nicht mehr um die Musik.
Es ging um Reibung.
Es ging um Spannung.
Es ging um Verlangen.
Leons Mund streifte Jeremiahs Kiefer – eine neckische, flüchtige Berührung, kaum mehr als ein Hauch von Kuss. Jeremiah drehte sich zu ihm und wollte mehr. Ihre Lippen trafen sich kurz – ein heißes, offenes Streifen –, bevor Leon zurückwich, grinste und ihn weiter herausforderte.
Jeremiah wurde schwindelig, und das lag nicht nur am Alkohol.
Seine Hände fanden die Gürtelschlaufen von Leons Hose und zogen ihn so nah heran, bis sich ihre harten cocks durch den Denim rieben.
Leon holte scharf Luft, seine Hand glitt an Jeremiahs Rücken hoch. Er vergrub die Finger in seinen Haaren und zwang ihn, den Kopf in den Nacken zu legen, um ihn anzusehen.
„Lass uns hier verschwinden“, knurrte Leon mit einer Stimme wie Kies und Rauch.
Jeremiah zögerte nicht eine Sekunde.
Leon nahm seine Hand und zog ihn durch das dichte Gedränge. Sie huschten an Samtkordeln und Sicherheitsleuten vorbei, die ihnen kaum einen Blick würdigten. Der Club war nicht irgendein Club – er war exklusiv und auf bestimmte... Bedürfnisse ausgerichtet. Private Zimmer säumten den hinteren Flur, zugänglich für diejenigen, die wussten, wie man fragte.
Leon wechselte ein paar leise Worte mit einem Türsteher. Jeremiah bekam nicht mit, was er sagte – er war zu sehr damit beschäftigt, nach Luft zu schnappen, betrunken vom Duft von Leons Haut und dem schweren Bass, der noch immer in seiner Brust nachhallte.
Eine Tür schwang auf.
Leon stieß ihn hinein.
Der Raum war schummrig beleuchtet und luxuriös ausgestattet: schwarze Ledersofas, Spiegel und ein dicker Teppich, der ihre Schritte verschluckte. Es gab sogar ein niedriges Bett mit dunklen Laken, als wäre der Ort genau für das entworfen worden, was sie gleich tun würden.
Jeremiah konnte sich kaum umsehen, bevor Leon ihn gegen die Tür drückte und sie mit seinem Gewicht hinter sich ins Schloss schlug.
Sie fielen sofort übereinander her; ihre Münder trafen hart aufeinander, Zähne schabten aneinander.
Leons Hand glitt unter Jeremiahs Shirt, seine Handfläche war heiß und rau auf dem nackten Bauch, während seine Finger ihn besitzergreifend erkundeten.
Jeremiah drückte sich gegen ihn und rieb sich schamlos an ihm, benebelt von Lust und der dunklen, schweren Atmosphäre.
Leon riss Jeremiah das Shirt über den Kopf und warf es achtlos irgendwo in den Raum.
Jeremiah reagierte, indem er Leons Jacke von seinen Schultern zog. Seine Finger kämpften mit den Knöpfen des Hemdes, verzweifelt danach, noch mehr Haut zu spüren.
Leon küsste ihn wie ein Mann, der verhungert war – seine Zähne kratzten über Jeremiahs Unterlippe, seine Zunge drang tief ein, während er sich an ihn presste.
Jeremiah wimmerte, klammerte sich an Leons Shirt und zerrte es ihm vom Körper. Seine Hände erkundeten gierig die nackte Haut – die definierten Bauchmuskeln, die scharfe V-Linie an seinen Hüften, die Tätowierungen, die sich seine Arme hinunterzogen.
Leon küsste sich den Hals von Jeremiah hinunter, knabberte an der empfindlichen Haut und hinterließ kleine Flecken.
Seine Hände waren überall – sie zogen Jeremiahs Shirt aus, öffneten seine Jeans und schoben sie so weit herunter, bis Jeremiah aus ihnen steigen konnte.
Leon hielt kurz inne, um ihn anzusehen – oben ohne, gerötet, schwer atmend – und grinste wild und düster.
„Fuck“, murmelte er, als könnte er sein Glück kaum fassen.
Jeremiah konnte sich kaum selbstgefällig fühlen, bevor Leon ihn mühelos hochhob und zum Bett trug.
Sie landeten in einem Knäuel aus Gliedmaßen auf der Matratze, ihre Münder fanden sich wieder. Leon küsste Jeremiahs Brust, biss leicht in seine Brustwarze und ließ ihn aufkeuchen und das Becken heben. Seine Hand fand Jeremiahs cock und begann, ihn durch den dünnen Stoff seiner Unterwäsche langsam und fest zu streicheln.
Jeremiah stieß sich gegen seine Hand, verzweifelt nach mehr.
Leon zog ihm die Unterwäsche mit den Zähnen aus und warf sie beiseite.
Als Leon ihn schließlich in den Mund nahm, wäre Jeremiah beinahe vor Lust zerflossen. Sein Becken zuckte unkontrolliert, seine Finger krallten sich in die Laken. Leon war unerbittlich, er sog tief und nutzte seine Hand, um den Teil zu stimulieren, den sein Mund nicht erreichen konnte. Seine freie Hand glitt zwischen Jeremiahs Oberschenkel, neckend und forschend, und ließ Jeremiah vor Erwartung erzittern.
„Bitte“, keuchte Jeremiah mit brüchiger Stimme.
Leon hob den Kopf, seine Lippen glänzten, seine Augen waren schwer und dunkel vor Hunger.
„Bettelst du etwa schon?“, neckte er.
Jeremiah war das egal. Stolz war heute Nacht zweitrangig.
„Bitte“, wiederholte er, packte Leon am Gesicht und zog ihn hoch für einen chaotischen, verzweifelten Kuss.
Leon machte sich schnell feucht und drängte sich zwischen Jeremiahs Schenkel. Er drang Zentimeter für Zentimeter ein und gab Jeremiah Zeit, sich anzupassen. Die Dehnung brannte, aber es war der Schmerz, nach dem Jeremiah sich sehnte – das Gefühl der Ausgefülltheit, das Beanspruchtwerden, das Gefühl, sich komplett hinzugeben.
Sie bewegten sich im Gleichtakt, erst langsam, dann schneller und rauer, auf der Jagd nach dem Höhepunkt, wie Ertrinkende auf der Suche nach Luft.
Jeremiah antwortete auf jeden Stoß, während seine Fingernägel rote Spuren auf Leons Rücken hinterließen.
Leon stieß ein tiefes, tierisches Knurren aus und griff zwischen sie, um Jeremiahs cock zu umschließen und im Takt seiner Stöße zu stimulieren.
Jeremiah kam als Erster, schrie Leons Namen – oder zumindest etwas, das ihm sehr nahekam – und ergoss sich auf seinem Bauch.
Leon folgte Augenblicke später, seine Hüften ruckten hart, während er sich mit einem erstickten Fluch tief in ihn hineinstemmte.
Sie sanken in einem verschwitzten Haufen ineinander, verheddert in den Laken.
Jeremiah schaffte es gerade noch, die Decke über sie zu ziehen, bevor er wegdämmerte.
Das Sonnenlicht stach in seine Augenlider – viel zu hell, viel zu grausam.
Jeremiah stöhnte, drehte sich um – und erstarrte.
Der Mann aus dem Club war noch da, ausgestreckt auf dem Bauch, und schlief tief und fest. Das Laken war bis zu seinen Hüften heruntergerutscht und gab den breiten Rücken frei. Im Morgenlicht konnte Jeremiah ihn zum ersten Mal richtig sehen – die starken Muskeln, die Bräunungsstreifen, die Form seiner Taille.
Und das Tattoo.
Eine Schlange, schwarz tätowiert, wand sich über Leons gesamte Wirbelsäule. Ihre Schuppen waren so detailliert, dass sie fast echt wirkten. Am Maul der Schlange, direkt unter seinem Nacken, befand sich eine blutrote Rose, die lebendig und auffällig auf der monochromen Tinte wirkte.
Jeremiah setzte sich langsam auf, sein Herz hämmerte.
Er kannte den Namen des Mannes nicht. Er wusste absolut nichts über ihn.
Aber dieses Tattoo würde er nie vergessen.
Scham und Panik stiegen in ihm auf. Er musste weg.
Sofort.
Vorsichtig und mit schmerzendem Körper sammelte er seine Kleidung ein. Seine Jeans war auf links gedreht. Sein Shirt roch nach Rauch und Schweiß. Er fand seine Jacke über einem Stuhl hängen und stopfte seine Socken in die Taschen.
Jeremiah warf noch einen Blick auf Leon – auf seinen entspannten Mund, die friedliche Art, wie er schlief.
Ein Teil von ihm – der, der nicht von Angst beherrscht wurde – wollte zurück ins Bett kriechen, sich an Leons warmen Körper kuscheln, seine Lippen auf das Schlangentattoo drücken und die Geschichte dahinter erfahren.
Stattdessen öffnete Jeremiah die Tür, trat in den gleißenden Tag hinaus und ließ sie leise hinter sich ins Schloss fallen.
Die Stadt erwachte lautstark zum Leben.
Autos. Stimmen. Das ferne Heulen von Sirenen.
Jeremiah schob die Hände in die Taschen und ging los. Das Bild der tätowierten Schlange brannte sich in sein Gedächtnis ein, und etwas Wildes und Sehnsüchtiges entfaltete sich tief in seiner Brust.
Er kannte seinen Namen nicht.
Aber er wusste, dass er ihn nicht vergessen würde.
Nicht für eine sehr, sehr lange Zeit.
Danke fürs Lesen..
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