Prolog
Stärke wird einem nicht geschenkt. Man muss sie sich aus den Schatten erkämpfen.
Soraya hat nie darum gebeten. Sie hat nie davon geträumt, Alpha eines Rudels aus wilden, hungrigen Welpen zu sein – Waisen, die sich genauso wie sie ihren Weg aus der Dunkelheit bahnen. Doch als die Mondgöttin sie in ihren Träumen heimsucht und die Last ihres Überlebens auf ihre Schultern legt, gibt es kein Zurück mehr.
Die Höhle zerfällt. Die Welt da draußen kümmert das nicht. Mara, die abtrünnige Betreuerin mit einem viel zu großen Herzen und einer Toleranz für schmutzige Pfotenabdrücke, auf die kein Wolf stolz sein sollte, nahm Soraya auf, als es sonst niemand wollte. Gemeinsam bauten sie etwas Zerbrechliches auf – ein Zuhause für die Unerwünschten, die Außenseiter, die Mondgezeichneten.
Doch Stärke verlangt Opfer. Maras friedlicher Tod ist der schmerzhafteste Verrat von allen. Er lässt Soraya allein mit dem Geheul der Welpen und der kalten Stille eines Rudels, das sich wünscht, sie würden gar nicht existieren.
Unterlegen, schwächer und am Ende ihrer Kräfte erkennt Soraya, dass Macht nicht vererbt wird. Man muss sie sich mit Blut, Schweiß und scharfen Zähnen erkämpfen.
Wenn sie will, dass sie überleben, muss sie mehr werden als nur die widerwillige Alpha des Rudels. Sie muss zu dem Schatten werden, der zuerst zuschlägt, und zu dem Wolf, der niemals loslässt.
Denn in der Dunkelheit ist Stärke alles.
Willkommen bei The Misfur-Tunate Pack – wo man nicht in eine Familie hineingeboren wird, sondern sie sich aufbaut … mit Zähnen und Klauen.