KAPITEL 1.
„Sophilia“, begann Mutter und strich mir eine Haarsträhne von der Schulter auf den Rücken. „Das ist König Erron.“
Der König von Baysleth, dem Reich der Dunkelheit, stand vor mir.
Ich machte einen tiefen Knicks. Als ich den Kopf hob, musste ich den Nacken weit zurückbeugen, als stünde ich vor einer gewaltigen Eiche. Der König war breitgebaut, groß und trug einen edlen dunkelblauen Rock mit passender Hose. Silberfäden zogen sich durch den Stoff seiner Jacke. Sie fesselten meine Aufmerksamkeit, während ich ihn erneut musterte. Dabei fielen mir sein gepflegter schwarzer Bart und seine dunkelbraunen Augen auf.
Er sah gut aus. Obwohl er aus den dunklen Reichen stammte, wirkte er freundlich, als er mich anlächelte.
„Hallo, Prinzessin Sophilia.“ Errons Stimme war tief und klang gütig. Er nahm meine Hand und küsste sanft meine Knöchel. Vater hatte das früher oft gemacht, als ich noch klein war. Es war eine liebevolle Geste. Ein Zeichen von Respekt, das der König nicht hätte zeigen müssen, aber er tat es. „Du bist ein wirklich schönes Mädchen. Nicht wahr, Ian?“
Erron sah zu dem Jungen, der steif an seiner Seite stand. Er war genauso blass wie sein Vater. Sein weißblondes Haar trug er hinter die Ohren gestrichen und er hatte seltsame, hellgraue Augen. Er trug ähnlich feine Kleidung wie sein Vater, mit den gleichen eingewebten Silberfäden.
„Das ist mein Sohn, Prinz Ian. Dein Verlobter.“
Der Junge lächelte nicht, während er mich anstarrte. Das gezwungene Lächeln auf meinen Lippen verschwand sofort wieder. Ein einziger Blick verriet mir, dass er mit dieser Abmachung nicht glücklich war. Wer wäre das auch, wenn einem der Partner einfach vorgesetzt wird? Und dann auch noch ein völlig Fremder!
Vor einem Monat, als die Verlobung besiegelt wurde, hatte man mir ein kleines Porträt von Ian geschenkt. Jetzt, da ich ihn vor mir sah, merkte ich, dass das Bild recht genau war. Dieselben scharfen Wangenknochen, der breite Schmollmund und die großen Augen.
Allerdings hatte sich der Künstler bei seinem Gesichtsausdruck wohl einige Freiheiten erlaubt. Das Gemälde hatte ich in den letzten Wochen peinlich lange studiert. Es hatte mir das Gefühl gegeben, dass Ian sanft und gütig sein würde, ganz wie sein Vater. Seine Augen auf dem Bild hatten eine gewisse Ruhe ausgestrahlt. Das Hellgrau hatte mich an den frühen Morgen kurz vor Sonnenaufgang erinnert.
Ich war regelrecht verzaubert von seinem Gesicht.
Aber der echte Ian, der hier vor mir stand, wirkte... kalt. Sogar kälter als Erron, der zwar einen schwierigen Ruf hatte, aber zumindest versuchte, mir und meinen Eltern gegenüber höflich zu sein.
Trotzdem streckte ich ihm die Hand entgegen, als Zeichen meines guten Willens. Das war eine weitere Sache, die Vater mir eingeschärft hatte. Der Junge starrte meine Hand an. Seine Nasenflügel bebten vor unterdrücktem Ekel. Er wollte mich nicht einmal berühren.
Das war ja ein glanzvoller Start, wirklich.
Ian warf seinem Vater einen fragenden, fast flehenden Blick zu. Der ältere Mann nickte ihm kurz zu. Widerwillig ergriff der Junge meine Hand und schüttelte sie.
„Es freut mich, dich kennenzulernen“, sagte ich. Ich versuchte es noch einmal mit Herzlichkeit, während meine Mutter mir stützend die Hand auf den Rücken legte.
„Gleichfalls.“ Ians Worte klangen hölzern. Er sah überall hin, nur nicht zu mir.
Es war... wirklich schwer, das nicht persönlich zu nehmen. Ich war vielleicht nicht die schönste Maid der Lichtreiche, aber ich trug mein bestes Kleid. Es war aus schwerem, grünem Satin. Mutter sagte immer, es würde meine Augen betonen. Es war mit weißer Spitze besetzt. Passend dazu hatte sie mir ein Kropfband aus Spitze gegeben.
Ich hatte mir heute Morgen besonders viel Mühe gegeben und war extra früh aufgestanden. Meine Zofe hatte mir mein dunkelgoldenes Haar in wundervolle Wellen gelegt. Ich trug einen Blumenkranz aus weißer Schafgarbe. Wir hatten sogar meine Wimpern getuscht und meine Lippen zartrosa gefärbt.
Als ich das Ergebnis im Spiegel betrachtete, lächelte ich mir zum ersten Mal im Leben selbst zu. Ich fühlte mich hübsch... und freute mich ehrlich darauf, meinen Verlobten zu treffen. Das Zimmermädchen und ich hatten heute Morgen kleine Wunder vollbracht. Besser konnte ich nicht aussehen.
Ian schien jedoch alles andere als beeindruckt zu sein. Wenn ich ihm nur hätte zeigen können, wie ich ohne den ganzen Stoff und die Schminke aussah! Dann wäre er erst recht entsetzt gewesen.
So blieb mir nur die Demütigung des anhaltenden Schweigens. Sogar der König von Baysleth wirkte unbehaglich. Er verlagerte sein Gewicht von einem Bein auf das andere und rang sich ein kurzes Lachen ab. „Ian.“ Er stieß seinen Sohn ermutigend mit dem Ellbogen an.
Der Junge straffte sich und runzelte erneut die Stirn. Es wirkte, als riefe er sich Anweisungen ins Gedächtnis, die sein Vater ihm unter vier Augen gegeben hatte. Genau wie mein Vater es bei mir getan hatte.
Götter, war das peinlich!
„Möchtest du ein Stück mit mir im Garten spazieren gehen?“, fragte Ian mit monotoner Stimme.
Nun war ich an der Reihe, meinen Vater anzusehen, den König von Algernon. Er lächelte und nickte mir aufmunternd zu.
Ian bot mir den Arm an, als er neben mich trat. Ich wollte meine Eltern nicht enttäuschen. Also hakte ich mich bei ihm ein und wir schritten gemeinsam davon.
Unsere Eltern flüsterten hinter uns, bis jemand etwas sagte, das sie alle in lautes Lachen ausbrechen ließ.
Ich unterdrückte ein Zusammenzucken.
„Ich hasse das hier“, murmelte der Prinz, als ihr Lachen verstummte. Ich sah zu ihm auf. Wir waren wahrscheinlich im selben Alter, etwa vierzehn, aber er war fast einen Kopf größer als ich.
„Ich auch“, antwortete ich.
Er drehte den Kopf zu mir. „Tatsächlich?“
„Wie eine Kuh gegen einen Sack Getreide eingetauscht zu werden? Welcher normale Mensch fände das bitte gut?“, fragte ich.
Ein winziges Lächeln umspielte Ians Lippen. In meiner Brust regte sich etwas, als seine Züge so weich wurden. Es fühlte sich an, als hätte ich einen Preis gewonnen, weil ich ihn amüsiert hatte – besonders nach seiner offensichtlichen Enttäuschung zuvor.
Und ich wollte mehr davon, so dumm und kleinmütig das auch war. Ich wollte, dass er seine Meinung über mich änderte. Ich wollte unbedingt... gemocht werden.
„Das ist ein treffender Vergleich“, grübelte Ian. Er blickte wieder nach vorn, während wir durch die Gärten meiner Mutter schlenderten. Sie pflegte viele der prächtigen Rosenhecken selbst, auch wenn man viel Personal brauchte, um die gesamte Anlage in Schuss zu halten. Es war ein herrlicher Frühlingstag. Ich war froh, dass wir den Palast von seiner besten Seite zeigen konnten.
„Und unsere Eltern scheinen sich an unserem Unbehagen zu weiden“, fügte ich hinzu. Ich warf einen Blick über die Schulter zu den vieren, die uns aus der Ferne beobachteten.
„Dann lass mich tun, was mir aufgetragen wurde, damit wir diese... Unannehmlichkeit beenden können“, sagte er. Ian konnte mich immer noch nicht ansehen. Ich fühlte mich wieder völlig fehl am Platz. „Erzähl mir von dir.“
Meine Finger spielten nervös miteinander. „Äm, was willst du wissen?“
Ian warf mir einen gelangweilten Blick zu. „Dein Sternzeichen?“
„Sonnen-Schütze.“ Das hieß, ich war tagsüber geboren, im frühen Winter. „Und deins?“
„Mond-Aquine.“
Ich hatte mal gelesen, dass alle Herrscher aus dem Reich der Dunkelheit nachts geboren wurden. In Ians Fall irgendwann im späten Winter oder frühen Frühling.
„Hast du Hobbys?“, fragte Ian. Er klang immer noch schrecklich desinteressiert.
„Ich spiele Klavier, aber ich bin nicht so gut wie meine ältere Schwester. Wenn du Kopfschmerzen bekommen willst, spiele ich dir gerne mal was vor.“
Er lachte nicht und lächelte nicht einmal. Die meisten Leute mochten Selbstironie, aber Ian gehörte wohl nicht dazu.
„Wie verbringst du dann deine Zeit, wenn nicht mit Klavierüben?“, fragte er weiter.
Ich sah weg und biss mir auf die Unterlippe. Sollte ich ihm diesen Teil von mir anvertrauen? Würde er mich auslachen?
„Was ist?“ Wir waren stehen geblieben. Eine Strähne seines blonden Haares fiel ihm in die Stirn. Er wirkte zum ersten Mal interessiert. Er starrte mich an. Das gab mir genug Mut, um zu sprechen:
„Ich schreibe ein Buch.“
Er zog die Brauen hoch. „Tatsächlich? Worüber?“
Nun, er machte sich zumindest nicht sofort lustig. Das war ein guter Anfang.
„Es ist eine... Komödie.“ Meine Wangen glühten. Ich bereute es schon wieder, das Thema überhaupt angesprochen zu haben. Mir entging nicht, dass er die Mundwinkel nach unten zog. „Über einen Herzog, der ein Leiden am Hintern hat –“
„Weißt du überhaupt irgendetwas über die dunklen Reiche?“, unterbrach Ian mich.
„Äm, nein. Nicht wirklich.“
„Ich weiß alles über dein Königreich. Ich nehme an allen Beratungen und Militärsitzungen meines Vaters teil. Ich weiß, welche Grenzen verteidigt werden. Wo Handel getrieben wird, wie unsere Wirtschaft und eure steht. Kannst du von dir behaupten, irgendetwas über den Zustand der Welt zu wissen? Ist dir überhaupt klar, dass wir kurz vor einem Krieg mit der Nordregion Tazalum stehen?“
„Ich... ich glaube, ich wusste das.“ Ich hatte Vater beim Abendessen vor ein paar Wochen darüber reden hören. Aber er hatte mich nie zu seinen militärischen oder politischen Treffen eingeladen. Soweit ich wusste, war nicht einmal meine ältere Schwester dabei.
Ian antwortete mit einem herablassenden Schnauben. „Das ist keine Vermutung. Das ist eine Tatsache. Wir stehen am Rande eines Krieges. Mein Land und deins, gemeinsam gegen die Nordmänner. Du und ich, wir sind das Sinnbild der Allianz unserer Länder.“
„Oh. Das ergibt Sinn.“
„Tut es das? Du scheinst nämlich absolut nichts darüber zu wissen.“
„Ich weiß, dass ich dich heiraten soll“, erwiderte ich leise.
„Was mir momentan gar nichts bedeutet.“ Er hob das Kinn und sah mich voller Enttäuschung an. Und irgendwie fühlte sich das noch schlimmer an als bloße Verachtung.
„Ich bin der zukünftige König von Baysleth.“ Sein Blick huschte zu unseren Eltern. Sie unterhielten sich angeregt und hatten keine Ahnung, was hier gerade geschah. „Sie werden sich nicht mit Inkompetenz herumschlagen müssen, sondern ich. Ich werde weder Schwäche noch Peinlichkeiten dulden. Ich lasse mich nicht von jemandem herunterziehen, der meiner oder meines Königreichs nicht würdig ist.“
Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Ich war überrascht über die Wut, die in mir aufstieg. „Du kennst mich gar nicht. Wie kannst du nach einem zweiminütigen Gespräch sagen, dass ich unwürdig bin?“ Ich sollte laut Vaters Anweisung lieb und fügsam sein. Aber ich glaube nicht, dass er damit gerechnet hatte, dass Ian so... unverschämt sein würde.
„Mehr Zeit brauchte ich nicht. Du weißt nichts über mein Reich oder gar über dein eigenes. Du begnügst dich damit, dir Blumen ins Haar zu stecken und kleine Geschichten zu schreiben, während in deinem Namen Kriege toben. Schämst du dich nicht?“
Das saß... Es stimmte ja auch.
Meine Schultern sackten nach unten. Ich kämpfte gegen die Tränen an. Als Prinzessin wurde ich tatsächlich verwöhnt. In Watte gepackt und verhätschelt. Ich wusste, dass ich eines Tages die Königin seines Reiches sein würde. Trotzdem schien das alles noch ein ganzes Leben entfernt zu sein.
Ich... ich war erst vierzehn! Das sollte ein einfaches Kennenlernen sein. Damit wir am Altar keine Fremden waren.
Aber Ian wirkte viel reifer und ernster, als ich gedacht hatte. Wenn er morgen den Thron besteigen müsste, wäre er zweifellos ein fähiger König.
Aber ich?
Ich wäre völlig aufgeschmissen. Und zu Tode erschrocken.
Eine dicke Träne rollte mir über die Wange. Als ich aufsah, bemerkte ich zu meinem Entsetzen, dass Ian grinste.
Es gefiel ihm, dass er mich so getroffen hatte, indem er meine Intelligenz herabwürdigte.
In diesem Moment fiel mir keine passende Antwort ein. Mein Hals fühlte sich wie zugeschnürt an und mein Kopf war völlig leer. Ich kam mir vor wie der letzte Trottel.
Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich stolz und unnahbar von ihm wegstolziert wäre.
Stattdessen senkte ich den Kopf, drehte mich feige um und rannte davon.
Mein Leibwächter Tavus fand mich fünfzehn Minuten später. Da waren mir gerade die Tränen ausgegangen.
Ich saß an einer Steinmauer am Rand des Palastgeländes, in der Nähe eines Stalls. Ich hatte ihn nicht kommen hören, weil die Pferde in ihren Boxen schnaubten und die Ziegen meckerten.
Ein Schatten fiel auf mich und ich sah auf.
Tavus war in seinen Dreißigern und hatte ein attraktives Gesicht. Er hatte schwarzes Haar, warme, braune Haut und graubraune Augen, die fast grün wirkten. Er hatte die Daumen in seine Lederhose gehakt. Sein Gürtel hing unter dem Gewicht der Schwertscheide an seiner linken Hüfte etwas tief.
„Was hat der kleine Scheißer gesagt, dass du weggerannt bist, Filly?“, fragte er.
Ich rieb mir verlegen mit dem Handrücken unter den Augen. Ich wusste, dass die Schminke verlaufen war. Wahrscheinlich sah ich aus wie ein tollwütiger Waschbär.
„Er hat gesagt, ich wäre unwürdig“, flüsterte ich.
Langsam ließ er sich vor mir in die Hocke sinken.
„Wiederhol das noch mal?“ Ich konnte die Anspannung in seiner Stimme hören.
Ich drückte mein Gesicht gegen meine hochgezogenen Knie. Neue Tränen brannten in meinen Augen. „Ich will nicht.“
„Filly.“ Eine große, schwielige Hand legte sich auf meine Schulter. Ich roch das Leder seiner Kleidung und atmete den vertrauten Duft tief ein. Tavus arbeitete schon für meine Familie, lange bevor ich überhaupt geboren wurde. Sein Geruch war mir vertraut und gab mir Sicherheit.
„Er ist ein Junge. Götter, dem Aussehen nach hat er gerade erst seine Milchzähne verloren. Der hat keine Ahnung, wie man Würdigkeit beurteilt.“
Mein Herz krampfte sich zusammen. Ich schwankte zwischen Ians grausamen Worten und Tavus' lieben Worten. Ich neigte eher dazu, Ian zu glauben. Tavus log nur, damit ich mich besser fühlte. Und... Ian war es egal. Sein Grinsen hatte das bewiesen.
„Du weißt doch gar nicht, warum er das gesagt hat“, flüsterte ich. „Du warst nicht dabei.“
„Das muss ich nicht wissen. Und es ist mir völlig egal, was so ein verzogener Prinz denkt. Ich kenne dich besser als er.“ Er sprang plötzlich auf. „Ich werde mit deinem Vater reden. Ich wusste, dass diese Verlobung ein Fehler war –“
„Nein!“ Ich streckte die Hand aus und packte ihn am Unterarm. „Tavus, tu das nicht.“
Er sah auf mich herab. Sein flammender, intensiver Blick verriet mir, dass er noch wütender war als ich. Tavus fühlte mit mir mit.
„Es ist okay. Ian... hatte ja nicht ganz unrecht. Er hält mich für naiv und verwöhnt. Ich weiß kaum etwas über die Staatsgeschäfte. Oder über sein Königreich. Er hat von einem drohenden Krieg gesprochen und ich... ich hatte keine Ahnung –“
„Du bist gerade erst vierzehn geworden“, unterbrach er mich barsch. „Du musst das alles noch gar nicht wissen.“
Ich runzelte die Stirn und zeichnete Kreise auf mein Knie. „Aber ich sollte es doch, oder? Ich kann sein Land kaum auf einer Karte finden, geschweige denn irgendetwas darüber erzählen. Alles, was ich tue, ist...“
„Leben. Du hast ein Leben, Filly. Das ist es, was deine Eltern für dich und deine Geschwister wollten. Eine einfache, glückliche Kindheit. Ich will dich nicht in diesen Planungsräumen sehen, und dein Vater auch nicht. Die Zeit, eine Königin zu sein, wird kommen. Aber nicht jetzt. Steh auf.“
Ich tat, was er verlangte, und strich mir den Rock glatt. Das schöne Kleid... das ich eigentlich gar nicht mehr so schön fand.
Tavus hob mein Kinn mit Daumen und Zeigefinger an. Er schenkte mir ein Lächeln mit seinem unverschämt gutaussehenden Gesicht. Seine weißen Zähne bildeten einen starken Kontrast zu seiner dunklen Haut. Sein schwarzes Haar fiel ihm so hübsch in die Stirn. Götter! Ich wünschte, ich könnte stattdessen ihn heiraten.
Ich wurde knallrot, als ich zu ihm aufsah.
„Du gehst jetzt zurück in den Speisesaal und isst mit dem Prinzen und seinen Eltern zu Mittag. Da musst du jetzt durch. Und wenn sie heute Abend abreisen, kehrst du zu deinem alten Leben zurück. Du wirst alles vergessen, was die Göre dir an den Kopf geworfen hat.“
Na ja... leichter gesagt als getan.
Ich wollte gerade etwas sagen, da kullerte eine weitere Träne über meine Wange. Geschlagen kniff ich die Augen zu.
„Ich bin erbärmlich, Tavus.“
„Dann lässt du ihn gewinnen. Und die Filly, die ich kenne, gibt nicht auf. Die ist ehrgeizig und hartnäckig. Und verdammt nervig.“
Ich unterdrückte ein Lächeln und spürte, wie er den Blumenkranz auf meinem Kopf wieder zurechtrückte.
„Er ist dir ebenbürtig. Er steht nicht über dir. Lass dir von ihm niemals das Gefühl geben, weniger wert zu sein.“
„In Ordnung.“ Ich wischte mir noch einmal unter der Nase her. Dann straffte ich mich, während wir gemeinsam zurück zum Schlosseingang gingen. „Das kriege ich hin.“
„Braves Mädchen. Lauf schneller, ich will vor ihnen im Speisesaal sein.“
„Warum?“
Tavus holte ein schwarzes Gummikissen aus der Tasche, das etwa so groß wie ein Unterteller war. Ich erkannte es sofort wieder. Es war ein Scherzartikel, für den mein Bruder und ich vor Jahren auf einem Jahrmarkt unser ganzes Taschengeld ausgegeben hatten.
Das Ding war mit Luft gefüllt. Und wenn sich jemand darauf setzte... nun, dann gab es ein ziemlich lustiges, unanständiges Geräusch von sich.
Mein Vater fand es damals gar nicht komisch, als wir es bei einem achtzigjährigen Botschafter ausprobiert hatten. Wir hatten zu dem Land ohnehin ein angespanntes Verhältnis. Tavus hatte es uns damals weggenommen. Ich hatte keine Ahnung, dass er es die ganze Zeit behalten hatte.
„Ich werde deinen kleinen Bruder mit ein paar Goldmünzen bestechen. Mal sehen, ob er das Teil heimlich auf den Stuhl des Prinzen legt.“ Tavus grinste mich an und ich musste laut lachen.
Er wusste einfach immer, wie er mich aufheitern konnte.