Das Mondhybrid

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Zusammenfassung

Werwölfe und Hexen passen so gut zusammen wie Feuer und Wasser. Doch ein Mädchen hat allen Widrigkeiten getrotzt und als Hybrid überlebt – obwohl sie von ihrer Mutter verflucht und von ihrem Vater in die Verbannung geschickt wurde. Kann sie das Schicksal überwinden und ein normales Leben führen?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
79
Rating
4.9 18 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Daniels Sicht

Ich warf immer wieder einen Blick in den Rückspiegel. Ich bin nun schon seit Tagen mit diesem Kind zusammen, aber ich habe noch kein einziges Wort aus ihr herausbekommen.

Seit fast zwanzig Jahren arbeite ich als Sozialarbeiter und helfe missbrauchten und vernachlässigten Kindern. Ich war mir sicher, dass ich schon alles gesehen hatte und mich nichts mehr überraschen könnte. Aber dieses Mädchen beweist mir immer wieder das Gegenteil.

Ich verlasse die Autobahn und biege auf eine Schotterstraße ein, wobei ich auf eine sicherere Geschwindigkeit abbremse. Das Mädchen auf meinem Rücksitz wurde aus dem Krankenhaus entlassen, nachdem sie körperlich für gesund erklärt wurde. Zumindest körperlich. Ein Barkeeper aus einem Stripclub hatte sie entdeckt, als er nach draußen ging, um zu rauchen, und Wimmern aus dem Metall-Container hörte. Er rief sofort die Polizei (wie es sich gehört). Im Krankenwagen wurde sie schließlich bewusstlos – ob vor Schock oder Erschöpfung, war unklar.

Die Schwestern und Ärzte nannten sie Jane. Wie Jane Doe. Niemand konnte sie dazu bringen, etwas zu sagen. Sie suchte keinen Blickkontakt, seit sie aufgewacht war. Sie wollte mit keinem der Psychologen reden, egal wie sehr sie es versuchten. Als sie am Morgen für körperlich gesund erklärt wurde, rief man mich, um einen Platz für sie zu finden. Ich konnte sie riechen, sobald ich ihr Krankenzimmer betrat. Mir rutschte das Herz in die Hose und ein Gefühl der Angst schnürte mir die Kehle zu.

Sie folgte mir nach draußen und ich beantragte eine Sondergenehmigung, damit sie über Nacht bei meiner Familie bleiben konnte, bis ich Pflegefamilien erreichen konnte, die für „Spezialfälle“ zertifiziert waren. Zum Glück dauerte es nur ein paar Stunden, bis der Richter meinen Antrag genehmigte. Ich dachte mir, wenn irgendjemand dieses Mädchen zum Reden bringen konnte, dann meine Frau Marie und meine Tochter Sophia.

Nach einem unangenehmen Abendessen zogen sich alle auf ihre Zimmer zurück. Ich setzte mich mit einem Bier auf die Terrasse und machte den Anruf, den ich erst einmal zuvor getätigt hatte. Glücklicherweise genehmigte der Alpha meine Bitte, sie im Rudel unterzubringen. Ich hatte keine Ahnung, ob dieses Kind überhaupt wusste, was sie war. Da sie bekleidet gefunden wurde, gehe ich davon aus, dass sie nicht wegen einer spontanen Verwandlung verloren gegangen war. Ich atmete tief durch, trank mein Bier aus und ging in mein Zimmer, um mich vor der langen Fahrt auszuruhen.

Nun fuhren wir also in die Einfahrt von Shellys Haus. Es war ein einstöckiger Bungalow, der einsam am Rande des Waldes stand. Sie saß auf der Veranda mit einem Glas Eistee und wartete auf uns, während sie sanft in ihrem alten, knarrenden Schaukelstuhl hin und her wippte. Sie sah genau gleich aus wie bei unserem letzten Treffen vor fast sieben Jahren. Keine grauen Haare oder Falten, obwohl sie mindestens zehn Jahre älter ist als ich.

Ich stellte den Motor ab und löste meinen Gurt, machte aber keine Anstalten, die Tür zu öffnen. Ich warf einen Blick auf das Kind; sie hatte sich nicht einen Zentimeter bewegt. Ihr langes, onyxschwarzes Haar war wild und struppig, und ihr Blick war glasig, während sie aus dem Fenster starrte, ohne wirklich etwas wahrzunehmen.

Ich räusperte mich, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie zuckte bei dem plötzlichen Geräusch zusammen, also senkte ich meine Stimme und sagte: „Wir sind da. Bist du bereit?“

Kein Nicken. Kein Blickkontakt. Keine verbale Antwort. Wie ein Roboter schnallte sie sich ab, schlüpfte aus dem Auto und schloss die Tür vorsichtig hinter sich. Ich hatte den Eindruck, dass sie sich alle Mühe gab, keine Geräusche zu machen oder Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Ich schnappte mir meine Unterlagen und stieg aus. Ich folgte ihr in Richtung Veranda. Shelly hatte sich nicht bewegt und beobachtete uns gelassen. Jane blieb am Fuß der Treppe stehen, die Hände locker an den Seiten, das Kinn auf die Brust gedrückt. Ich trat neben sie und hielt mindestens einen halben Meter Abstand.

„Hallo Shelly. Wie läuft’s?“, fragte ich, wobei mein Südstaaten-Akzent vor Anspannung stärker als gewöhnlich hervortrat.

„Ganz okay“, antwortete sie und schnupperte leicht in der Luft. Immer noch so kurz angebunden wie eh und je. Ich lächelte, dankbar dafür, dass manche Dinge beim Alten blieben. Ich deutete auf das Kind neben mir, aber bevor ich etwas sagen konnte, unterbrach mich Shelly: „Wer bist du?“

Keine Antwort. Jane rührte sich nicht. Nach zwei unangenehmen Minuten des Schweigens hielt ich es nicht mehr aus und sagte: „Sollen wir reingehen?“

Shelly stand auf, kam die Treppe herunter und blieb direkt vor Jane stehen. Sie waren etwa gleich groß. Shelly verschränkte die Arme vor der Brust und musterte Jane von Kopf bis Fuß. „Ich habe dir eine Frage gestellt“, sagte sie streng, ohne meine Worte auch nur zu beachten.

Ich sah, wie Jane zusammenzuckte und einen halben Schritt zurückwich, den Kopf immer noch gesenkt. So leise, dass ich fast glaubte, es mir eingebildet zu haben, hörte ich: „Sie nennen mich Jane.“ Es war kaum mehr als ein Flüstern, aber ich wusste, dass Shelly es hören konnte.

Shelly nickte und antwortete: „Ich bin Shelly. Du wirst eine Weile bei mir bleiben. Ist das in Ordnung für dich?“

Jane nickte leicht. Ohne ein weiteres Wort drehte sich Shelly um, stieg die Verandatreppe hoch und ging durch die Vordertür, Jane folgte ihr ein paar Schritte dahinter. Einen Moment lang stand ich einfach nur fassungslos da, dann trottete ich hinterher und schloss die Tür.

Tage hatte ich mit Jane verbracht und kein Wort war gefallen, egal was ich versuchte. Keine paar Minuten bei Shelly, und Jane schenkte ihr vier Worte und ein Nicken.