Eins
Inhaltliche Warnung!
Dies ist eine Bully-Romanze mit expliziten Sexszenen, die Atemkontrolle, Entzug von Sinnen und Erniedrigung enthalten. In diesem Buch wird zudem viel geflucht (glaubt mir, verdammt viel), es gibt Gewalt, Blut und Mord. Außerdem kommen Szenen von Kindesmissbrauch vor. Wenn du das nicht ertragen kannst, klicke bitte jetzt weg.
Der männliche Hauptcharakter ist moralisch verdorben und besessen. Er hasst es, dass er die weibliche Hauptfigur begehrt. Er schreckt nicht vor Demütigung und Machtspielen zurück, um sie an sich zu binden. Ihre Beziehung ist absolut toxisch. Aber hey, er hat Tattoos, fährt Motorrad und liebt Britney Spears. Er kann also nicht so schlimm sein, oder?
Du wurdest gewarnt!
ivy & rowan
POV: IVY
Regen prasselte auf die Windschutzscheibe. Es war ein unerbittlicher Rhythmus gegen das dünne Blech meines Honda. Ich stand auf dem Parkplatz eines Supermarkts im Leerlauf. Schattenhafte Gestalten huschten durch den Eingang, ihre Gesichter in der Dunkelheit und dem Guss verborgen. Alles, was ich in zehn hastigen Minuten retten konnte, umgab mich. Das Dach meiner Wohnung war eingestürzt. Jetzt lagen mein Laptop, ein paar Taschen mit Kleidung und eine Plastiktüte voller Hygieneartikel auf den Sitzen.
Ich war offiziell obdachlos.
Mein Vermieter saß derweil wahrscheinlich an einem Strand auf Maui. Er schlürfte Drinks mit kleinen Schirmchen und tippte halbherzige E-Mails. Es könne sechs Wochen dauern, hieß es darin. Vielleicht auch länger.
In der Nähe gab es nur eine einzige Person, die ich anrufen wollte. Mit zitternden Händen kramte ich mein Handy aus der Tasche. Ich suchte seinen Kontakt und drückte auf Anrufen.
Luke, mein Bruder, ging beim zweiten Klingeln ran. Im Hintergrund hörte man das leise Piepen von Krankenhausmonitoren.
„Alles klar bei dir, Kleines?“, fragte er. Seine Stimme klang rau vor Erschöpfung.
„Definiere ‚alles klar‘“, murmelte ich. Mit dem Ärmel meines dünnen Schlafshirts wischte ich den Beschlag von der Scheibe. Tränen brannten in meinen Augen, heiß und nutzlos. Ich biss mir auf die Innenseite der Wange, um sie zurückzuhalten.
„Bist du verletzt?“
„Nein. Nur… obdachlos.“
Eine lange Stille entstand zwischen uns. „Obdachlos? Was zum Teufel ist passiert?“
„Das Haus ist gesperrt. Das Dach ist wegen des Sturms eingestürzt. Die Feuerwehr gab uns zehn Minuten für unsere Sachen, dann flogen wir raus.“
Er fluchte leise und heftig. „Scheiße. Okay.“ Er seufzte tief. Ich sah direkt vor mir, wie er sich durch sein sandfarbenes Haar fuhr, wie er es immer beim Nachdenken tat. „Tja, ich habe ein Gästezimmer. Du kannst einziehen, solange du willst.“
Die Erleichterung ließ meine Schultern absacken. Ich nickte, obwohl er es nicht sehen konnte. Natürlich half er mir. Luke hatte immer eine Lösung. „Nur bis die Bude wieder bewohnbar ist. Oder ich was Neues finde.“
„Kein Problem, echt. Ich bin sowieso kaum da“, sagte er. Aber seine Stimme stockte kurz. Es war ein winziges Zögern. Als wollte er noch etwas Wichtiges sagen, wusste aber nicht wie. „Ich habe allerdings einen Mitbewohner. Er bleibt für sich und wird dich nicht stören. Ich sag ihm Bescheid, dass du kommst, okay?“
Ich nickte wieder. Vor meinem inneren Auge sah ich Jackson, Lukes Mitbewohner. Ich hatte ihn vielleicht zweimal kurz gesehen – beim Geschenke bringen oder einem kurzen Geburtstagsbesuch. Er wirkte wie ein ruhiger, netter Kerl. „Danke, Luke. Ernsthaft. Du rettest mir den Arsch.“
„Immer wieder gerne. Schreib mir einfach, wenn du da bist. Die Straßen sind heute die Hölle. Ich habe schon ein Dutzend Unfälle gesehen.“
„Mach ich“, versprach ich und startete den Motor.
Wenig später bog ich in Lukes Einfahrt ein. Die Reifen spritzten durch tiefe Pfützen. Ich stellte den Motor ab und starrte durch die Scheibe auf das Haus. Der Regen goss immer noch in Strömen. Ich schickte meinem Bruder eine kurze Nachricht und sah dann an mir herunter.
Idiotin.
Ich hatte nicht einmal eine verdammte Jacke mitgenommen.
Ich starrte auf mein hauchdünnes weißes Shirt und die Schlafshorts mit Herzchen-Muster. Großartig.
Da musste ich jetzt wohl durch.
Ich packte so viel wie möglich in meine Arme. Den Laptop hängte ich mir über die Schulter und rannte los. Ich stürmte aus dem Auto über den Rasen zur überdachten Veranda. Es half nichts. Ich war sofort klatschnass. Der kalte Stoff klebte an meiner Haut. Meine Nippel zeichneten sich deutlich durch das dünne Material ab. Instinktiv schlang ich die Arme um die Brust, ein kläglicher Versuch von Anstand, bevor ich anklopfte.
Ich wartete, während mein Körper vor Kälte bebte und meine Zähne klapperten. Aus einer Minute wurden zwei. Das Wasser tropfte vom Vordach und der Wind rüttelte an mir. Ich runzelte die Stirn und klopfte noch einmal, diesmal lauter.
Nichts.
Ein flaues Gefühl breitete sich in meinem Magen aus. Hatte Luke vergessen, ihm Bescheid zu sagen? War Jackson überhaupt da? Ich klopfte ein letztes Mal, ein scharfes, beharrliches Hämmern aus reiner Verzweiflung. Endlich klickte das Schloss und die Tür schwang auf.
Niemand. Absolut niemand auf diesem gottverlassenen Planeten hätte mich auf das vorbereiten können, was – oder besser gesagt, wer – da vor mir stand.
Seine Lippen verzogen sich zu einem langsamen, lauernden Grinsen. „Sieh mal an. Wenn das nicht Poison Ivy ist.“
Mir stockte der Atem. Ich starrte in ein Paar altbekannter, stahlgrauer Augen. „Was zum Fick machst du hier?“
Rowan Slade.
Der Mann, den ich hasste. Ich hasste ihn aus tiefster Seele, schon seit ich klein genug war, um an Monster unter dem Bett zu glauben.
Wie sich herausstellte, werden manche Monster einfach nur erwachsen.
Er trug nur eine tief sitzende Jogginghose. Sein tiefschwarzes Haar war nach hinten gegelt und tropfte, als käme er gerade aus der Dusche. Schwarze, kräftige Tattoos schlängelten sich über seine Brust. Mein Blick fiel auf einen gepiercten Nippel. Er war groß, größer als ich ihn in Erinnerung hatte, und drahtig. Seine Muskeln wirkten fest und gespannt. Seine (ebenfalls gepiercte) Augenbraue hob sich. Das Grinsen wurde breiter und entblößte weiße Zähne. Es war kein Lächeln – eher wie ein Wolf, der kurz vor dem Zubeißen die Fänge zeigt.
Plötzlich prallten Erinnerungen auf mich ein. All die Jahre voller Qualen.
Die Mittelstufe. Das Reißen an meinen Zöpfen. Das schmerzhafte, demütigende Knallen meines BH-Trägers auf die Haut, als ich zum ersten Mal einen trug. „Poison Ivy“, auf dem Pausenhof wie ein Fluch ausgespuckt. Dieses Notizbuch. Voll mit meinen unordentlichen, hoffnungsvollen, geheimen Kurzgeschichten. Er stahl es, stellte sich auf den Tisch in der Mensa wie ein König auf seinem Scheißthron und las sie laut vor.
Die Highschool. Das Mittagessen, das „aus Versehen“ umkippte. Spinde voller verfaultem Essen oder toten Nagetieren, die er draußen gefunden hatte. Die Fotos, die er verteilte, auf denen ich mich in der Umkleide umzog. Als er mir einen falschen Liebesbrief von dem Jungen gab, in den ich verknallt war. Er tauchte selbst hinter der Tribüne auf und schüttete mir den Müll aus der Kantine über den Kopf.
Doch dann kam eine lange begrabene Erinnerung zurück – an Dreck unter meinen Nägeln, den Geruch von frischer Erde, an Fleisch und Blut. Meine Hände zitterten.
Nein. Nein. Nein.
„Was, dein großer Bruder hat es dir nicht gesagt?“, fragte er. Er verlagerte sein Gewicht und ein lässiges Lächeln breitete sich auf seinem dämlichen Gesicht aus.
Oh Gott. Nein. Bitte nicht.
„Mir was gesagt?“, presste ich hervor. Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
„Tja, tut mir leid, die schlechte Nachricht zu überbringen, Poison. Aber es sieht so aus, als säßest du mit mir in der Klemme.“ Sein lässiges Lächeln wurde wild. Es schien ihn zu begeistern, dass er die Bombe platzen lassen durfte. „Ich bin nämlich sein Mitbewohner.“
