1 - Harriett
Die Sonne brannte heiß auf meinen Schultern und machte meinen Mund noch trockener. Das und die Nervosität, die ich so verzweifelt zu verbergen versuchte, ließen mich übel fühlen. Vor dem Eingang stand eine lächelnde, dunkelhäutige Frau, flankiert von blühenden Blumen auf beiden Seiten.
„Miss Quillen“, strahlte sie mich an und streckte mir die Hand entgegen. Ich schüttelte sie. Ihr schwarzes Haar war glatt nach hinten gebunden. Sie hatte ein breites Lächeln und war trotz der Hitze sehr schick gekleidet. „Ich bin Amina, die Privatsekretärin von Mr. Kostas. Es ist mir ein Vergnügen, Sie kennenzulernen.“ Ihre Stimme wirkte beruhigend und einladend. Mein Magen beruhigte sich ein wenig.
„Ganz meinerseits“, brachte ich heraus. Mein dunkelblondes Haar war im Nacken zusammengebunden. Trotzdem klebten die gewellten Strähnen an meinen verschwitzten Schultern, was mir sehr unangenehm war. „Wie halten Sie diese Hitze nur aus?“, fragte ich Amina. Sie lachte kurz und hielt den Rücken kerzengerade.
„Ich bin in Kenia geboren und aufgewachsen, ich bin das gewohnt. Aber Sie werden sich auch daran gewöhnen. Kommen Sie, wir bringen Sie erst mal unter.“ Sie schenkte mir ein weiteres Lächeln und ich folgte ihr in das Resort. Als ich mich umsah, kam mir nur ein Wort in den Sinn: Paradies. Kleine Hütten aus Holz und Stroh verteilten sich zwischen grünen Sträuchern. Ein schmaler Pfad verband sie alle miteinander. Von hier aus konnte ich den Strand und das kristallklare Meer sehen. Amina blieb vor einer der Hütten stehen.
„Der Hauptpool befindet sich links vom Restaurant“, erklärte sie und deutete auf ein längeres Gebäude im Hüttenstil. Ich nickte, war mir aber nicht sicher, ob ich überhaupt Zeit für den Pool haben würde. „Das hier ist Ihre Suite. Ich hoffe, sie gefällt Ihnen“, sagte sie sanft und öffnete die Tür. „Einer der Jungen wird Ihr Gepäck hereinbringen.“ Ich betrat die Hütte. Die Klimaanlage blies mir entgegen und schenkte mir endlich die ersehnte Abkühlung.
„Oh mein Gott“, flüsterte ich. Neben mir hörte ich Amina lachen.
„Ja, es ist wunderschön, nicht wahr?“, stimmte sie zu. Ich stellte meinen Rucksack ab und sah mich um. Die Wände und der Boden waren aus Holz. Mitten im Raum lag ein riesiger, weißer Zottelteppich, auf dem das Doppelbett stand. Eine Lichterkette war um das Kopfteil gewickelt. Daneben stand ein passender Kleiderschrank aus dunklem Holz. „Hier ist das Badezimmer“, sagte Amina und öffnete eine Tür zu meiner Rechten. Ich ging hinein und war von der Größe fast erschlagen. In der Mitte stand eine freistehende Badewanne. Dusche und Toilette befanden sich jeweils an den Seiten.
„Das ist alles für mich?“, fragte ich sie. Sie nickte mit vor dem Körper verschränkten Händen.
„Und ich muss dafür nichts bezahlen?“
„Nein, das ist Teil Ihres Arbeitsvertrags“, lächelte sie mich sanft an. Das klang fast zu schön, um wahr zu sein. Irgendwo musste doch ein Haken sein. Ich ging zurück in den Wohnbereich, mein Kopf war voller Gedanken. Ich durfte hier wohnen und wurde auch noch dafür bezahlt? Ich war schon für viele Familien als Nanny tätig gewesen. Aber ich war noch nie am anderen Ende der Welt mit so einer Badewanne untergebracht worden. „Wie im Vorstellungsgespräch besprochen: Wenn Mr. Kostas bei Emily ist, haben Sie Freizeit“, erklärte Amina. Sie wirkte fast wie ein Roboter, so professionell war ihr gesamtes Auftreten. „Sie muss erst im September wieder zur Schule –“
„Und dann ist meine Arbeit beendet?“ Ich sah sie an. So hatte ich es zumindest verstanden.
„Mr. Kostas ist einer weiteren Beschäftigung nicht abgeneigt. Das hängt ganz davon ab, wie Emily sich fühlt.“
„Wann kann ich sie kennenlernen?“, fragte ich. Meine Nervosität verwandelte sich langsam in Vorfreude.
„Sie verabschiedet sich gerade von ihrer Mutter. In etwa einer Stunde? Bitte machen Sie sich so lange frisch.“ Amina lächelte und schloss die Tür hinter sich. Ich stand einen Moment lang still und sah mich erneut um. Ich konnte noch immer nicht glauben, dass dies für die nächsten zwei Monate mein Zuhause sein sollte. Ich hatte mich ganz spontan auf diese Stelle beworben. Meine letzte Familie brauchte mich nicht mehr, da das jüngste Kind nun alt genug war. Der Gedanke, mein festes Leben in London gegen Kenia einzutauschen, hatte mich dazu gebracht, meinen Lebenslauf abzuschicken. Das Gespräch hatte ein junger Kenianer geführt. Er war die rechte Hand meines neuen Chefs. Mr. Kostas selbst hatte ich noch nicht getroffen und ich wusste kaum etwas über ihn. Ihm gehörten mehrere Luxus-Resorts. Das hier war sein afrikanischer Zweig, aber er besaß auch Hotels in Europa, Australien und der Karibik. Er war offensichtlich ein extrem reicher und mächtiger Mann. Ich musste mich immer wieder daran erinnern: Solange seine sechsjährige Tochter Emily mich mochte, würde alles gut gehen. Und zum Glück war ich wie dafür gemacht, mich um Kinder zu kümmern.