Prolog
. Ein Wort vom Autor.
Viele von euch haben mit Ja gestimmt, als ich gefragt habe, ob ihr eine Dark Romance mit einem Drachen wollt. Ich habe mir Zeit zum Nachdenken genommen. Schnell hatte ich diese Geschichte im Kopf.
Ich arbeite noch an meinen anderen Projekten. Bitte seid also geduldig mit mir. In der Zwischenzeit wĂŒrde ich gerne von euch hören. Wie gefĂ€llt euch der Anfang? Macht er Lust auf mehr? Eure Meinung bedeutet mir viel. Ich bin gespannt, was ihr ĂŒber Liora, Lunara und den Hiding Moon denkt.
Die Leute von Moonshade sprachen nur mit gedĂ€mpfter Stimme ĂŒber den Hiding Moon. Es war, als ob der Name allein das Schicksal herbeirufen könnte. Wenn der Himmel dunkel wurde und der Mond sein Licht versteckte, markierte der Drache ein MĂ€dchen. Eines Tages wĂŒrde sie geholt werden. Durch ihr Opfer sollte das Dorf aufblĂŒhen.
Die AuserwĂ€hlte kehrte nie zurĂŒck.
Die Dorfbewohner sagten, sie wĂŒrde in den Himmel getragen. Ihr Körper wĂŒrde zu Flammen werden und ihre Seele als Stern neu geboren. Sie wurde zur Braut des Drachen. In seinem ewigen Harem oben am Himmel sollte sie leuchten. Jeder helle Stern im Norden war einmal ein MĂ€dchen. Ihr Tod besiegelte einen Pakt, der Ă€lter als jede Erinnerung war.
Kinder zeigten mit groĂen Augen auf die Sterne. Sie flĂŒsterten Namen in die Nacht, als könnten sie genau sehen, welcher Stern einmal Aurora oder Minerva war. Das waren BrĂ€ute des Drachen aus lĂ€ngst vergangenen Zeiten. Verliebte drĂŒckten unter diesen Sternbildern ihre Stirnen aneinander. Im Schein der DrachenbrĂ€ute schworen sie sich ewige Treue. Die Ăltesten erzĂ€hlten sich am Feuer Geschichten ĂŒber die MĂ€dchen von frĂŒher. Sie verwoben deren Schönheit mit dem Firmament.
Manche schworen, dass sie in den NĂ€chten des Hiding Moon einen FlĂŒgelpakt ĂŒber den Bergen hörten. Er war so schwer wie Donner und lieĂ die TĂŒren in den Angeln klappern. Andere behaupteten, der Schatten des Drachen sei ĂŒber das Tal gezogen. Eine riesige Gestalt löschte die Sterne aus, bevor er herabsank, um sich seine Braut zu holen. In den Morgenstunden danach weinten die MĂŒtter und die VĂ€ter machten sich besonders stolz. Ihre Tochter war auserwĂ€hlt worden. Nun wĂŒrden ihre Felder reichlich Ernte bringen.
FĂŒr die Dorfbewohner war es ein Segen. Das Opfer einer Einzigen bedeutete Wohlstand fĂŒr alle. Familien mit solchen Töchtern gingen erhobenen Hauptes durch das Dorf. Man beneidete sie ĂŒber Generationen hinweg. Die MĂ€dchen selbst waren immer wunderschön. Sie waren blond, strahlend und von den Göttern begĂŒnstigt. Von ihrem ersten Atemzug an kleideten die Eltern sie in Seide. Sie steckten ihnen BlumenkrĂ€nze ins Haar und zeigten sie stolz bei Festen. Denn eines Tages wĂŒrde der Drache kommen. Schönheit machte den Abschied sĂŒĂer.
Doch in einer seltsamen Nacht geriet der Himmel ins Wanken. Der Hiding Moon ging auf, verhĂŒllt und unheilvoll. Zwei MĂ€dchen wurden in derselben Stunde geboren, unter demselben Schatten. Zwillinge.
Es war ein Omen. Einige flĂŒsterten, der Drache selbst habe sich geirrt. Andere glaubten, das Schicksal habe sich gespalten, weil es sich nicht entscheiden konnte. Aber niemand wagte es, diesen Gedanken laut auszusprechen. Man hatte Angst, der Drache könnte es hören.
Die Erstgeborene war Lunara. Schon als Baby strahlte sie Licht aus. Ihr goldenes Haar glĂ€nzte wie SonnenfĂ€den und ihre Augen waren so blau wie das Meer. Ihr Körper war fĂŒlliger als der der meisten MĂ€dchen in ihrem Alter. Ein blasses Muttermal in Form einer Mondsichel zierte ihr wrist. Es fing das Mondlicht ein wie ein geheimes Versprechen. Wenn sie lĂ€chelte oder lachte, lachte das ganze Dorf mit ihr. Wo immer sie hinging, folgte ihr die WĂ€rme. FĂŒr die Dorfbewohner war sie ein erfĂŒlltes Versprechen.
Ihre Zwillingsschwester Liora wirkte dagegen wie ein Schatten. Ihr schwarzes Haar fiel glatt und schlicht herab. Es rahmte Augen von gewöhnlichem Braun ein. Ihr Körper war schmal und groĂ. Ihr fehlten die Kurven, die bei Lunara bereits erblĂŒhten. Eine blasse Sichel bog sich an ihrem hipbone entlang, verborgen unter ihrer Kleidung. Lioras leise Stimme ging oft im GeschwĂ€tz der anderen unter. Ihr Blick war meist zu Boden gerichtet. Die Dorfbewohner tuschelten, sie sei ein Fehler. Ein Schatten unter dem Hiding Moon. Sollte der Drache sie wĂ€hlen, wĂŒrde der Pakt brechen. Die Ernte wĂŒrde ausbleiben und die Felder wĂŒrden verdorren.
Vom ersten Atemzug an galt Liora nicht als Segen, sondern als Fluch.
Kinder spotteten, wenn sie vorbeiging. Jugendliche lachten grausam. Sie murmelten, dass ihr dunkles Haar und ihre braunen Augen niemals mit der goldenen Schönheit ihrer Schwester mithalten könnten. Die HÀnde ihrer Eltern waren kalt und ungeduldig, wenn sie stolperte.
Nur ihre GroĂmutter Flora nahm sie in den Arm. Sie nannte sie mein Licht und hielt sie fest. Liora lebte bei ihrer GroĂmutter. Dort lernte sie die stillen Wege der HĂŒgel und der MĂ€rkte kennen. Sie fand kleinen Trost in einer Welt, die ihr keine Liebe schenkte.
Mit den Jahren wurde der Unterschied zwischen den Zwillingen immer deutlicher. Die eine wurde vergöttert, die andere vergessen.
Lunara strahlte. Man fĂŒhrte sie bei Festen vor und krönte sie mit Blumen. Ihr goldenes Haar und ihre blauen Augen funkelten in jedem Fackelschein. Die Leute murmelten, dass sie sicher fĂŒr die Umarmung des Drachen bestimmt sei.
Liora arbeitete schweigend. Sie trug Eier zum Markt und band KrĂ€uter mit SchnĂŒren zusammen. Ihre HĂ€nde waren rau von Erde und Asche. Kaum jemand sprach ihren Namen laut aus. Es war, als könnte selbst ein freundliches Wort das Schicksal herausfordern.
Beide waren markiert. Beide waren an den Hiding Moon gebunden.
Die Dorfbewohner lachten und rĂ€tselten ĂŒber das Verlangen des Drachen. Doch sie vergaĂen eine Wahrheit, die nur in den Ă€ltesten Legenden geflĂŒstert wurde. Der Drache wĂ€hlt nicht mit sterblichen Augen.
Er hatte zwei BrĂ€ute markiert. Die Sterne oben brannten heller voller Erwartung. Der Hiding Moon wĂŒrde wieder aufsteigen. Wenn es so weit war, wĂŒrde ein Zwilling in die Flammen getragen werden und der andere in den Schatten. Falls der Drache die Falsche wĂ€hlte, wĂŒrde Moonshade selbst verwelken. Das Land wĂ€re verflucht und das MĂ€dchen, das alle fĂŒrchteten, wĂŒrde zum Werkzeug des Untergangs werden.
Bild erstellt von KI:










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