After the Fall

Alle Rechte vorbehalten ©

Zusammenfassung

Sie hat eine Ehe hinter sich gelassen, die auf Verrat aufgebaut war. Er ist ein alleinerziehender Vater, der nicht an zweite Chancen glaubt. Doch in einer kleinen kanadischen Stadt steht das Eis zwischen ihnen kurz davor zu brechen – und was darunter wartet, ist heißer, als beide es sich vorgestellt haben.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
61
Rating
4.8 16 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Breelynn

Ich wusste es schon, bevor sich der Schlüssel im Schloss drehte.

Es lag in der Luft. Eine seltsame Stille, die Geräusche nicht nur dämpfte, sondern förmlich verschluckte. Meine Absätze klackten auf dem Dielenboden. Jeder Schritt klang so, als würde ich gegen ein Glas klopfen, das bereits Risse hatte. Eine fremde Jacke hing über dem Geländer. Eine Spur aus Kleidung zog sich durch den Flur. Sein Hemd lag dort, und ein Pullover, den ich schon dutzendmal an meiner besten Freundin gesehen hatte.

Nein. Bitte nicht das. Nicht die beiden.

Ein fremder Atemzug wehte die Treppe hinunter. Dann noch einer, leise und außer Atem. Ein unterdrücktes Stöhnen folgte, bei dem mir das Blut in den Adern fror.

Ich stieg die Stufen hinauf. Meine Hand schwebte über dem Geländer, weil meine Beine zitterten. Mach die Tür nicht auf, befahl ich mir selbst. Schau nicht hin. Tu so, als hättest du den Pullover nicht gesehen. Tu so, als hättest du nichts gehört –

Ein Laut, schärfer und hilflos, schnitt durch das Haus.

Ich stieß die Schlafzimmertür auf.

Die Welt schrumpfte zusammen auf ein Bett, zerwühlte Laken und nackte Haut. Sein Körper bewegte sich. Ihre Hände klammerten sich an seine Schultern, als suchte sie Halt. Ihre Gesichter wandten sich mir erschrocken zu. Das Gesicht meines Mannes, das ich tausendmal geküsst hatte, war ganz rot. Alles im Raum geriet schlagartig aus dem Takt.

Einen Moment lang hielt jeder den Atem an.

Dann atmete ich ein. Ich sog die Luft so schnell ein, dass es in meiner Lunge brannte.

„Wollt ihr mich eigentlich verarschen?!“

Sie fuhren auseinander. Er stolperte rückwärts und suchte hastig nach etwas, um sie zu bedecken. Sie presste das Laken an ihre Brust. Ihre Haare klebten an den Wangen. Ihr Mund formte bereits meinen Namen, als könnte er sie retten.

„Bree –“

„Wagt es ja nicht.“ Das Wort kam aus mir heraus wie ein Warnsignal. Meine Hand schloss sich um die Lampe auf dem Nachttisch. Den nächsten Teil hatte ich nicht geplant. Ich wollte einfach nur, dass irgendetwas zerbricht. Die Lampe schlug gegen die Wand und zersplitterte in tausend Teile. Danach war es totenstill, nur mein Puls raste wie verrückt.

„Es ist nicht so –“, versuchte sie es erneut. Tränen liefen ihr übers Gesicht, ihre Stimme zitterte.

„Nicht so, wie es aussieht?“ Ich lachte scharf und hohl. Was soll man auch sonst tun, wenn das ganze Leben in Scherben liegt? „Du liegst in meinem Bett und hast den Schwanz meines Mannes in dir. Was glaubst du denn, wie das verdammt noch mal aussieht?“

Sie schluchzte heftiger und kauerte sich zusammen. „Ich wollte nicht, dass das passiert –“

„Nicht gewollt?“ Ich griff nach einem Bilderrahmen und schmetterte ihn auf den Boden. Glas zerbrach direkt vor meinen Füßen. „Du solltest wie eine Schwester für mich sein. Meine Familie. Meine beste Freundin!“

Mein Mann hielt beschwichtigend die Hände hoch. „Bree, bitte, hör zu. Es war ein Fehler, eine dumme –“

„Halt verdammt noch mal die Fresse!“ Ich stürmte vor und stieß ihn zurück. Meine Brust hob und senkte sich. Ich kochte vor Wut, als würde mein Brustkorb gleich platzen.

Dann meldete sie sich wieder zu Wort, leise und zittrig, aber mit vernichtender Wirkung.

„Ich bin schwanger.“

Der Raum erstarrte. Mein Herz blieb stehen.

Ich starrte sie an. Die Worte hallten in mir wider. Schwanger. Von ihm.

Sie wimmerte und wickelte sich enger in die Laken ein. „Ich habe es letzte Woche erfahren. Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen soll –“

Ich stieß einen Laut aus, der halb Schrei und halb Schluchzen war. Ich riss das Kissen vom Bett und pfefferte es ihr ins Gesicht. „Und ihr beide entscheidet euch trotzdem, in meinem Bett rumzuficken!“

Mein Mann kam wieder auf mich zu und wollte meine Arme packen. Seine Stimme klang verzweifelt. „Das muss nichts bedeuten, Bree. Wir können das wieder hinkriegen –“

„Hinkriegen? HINKRIEGEN?“ Meine Stimme überschlug sich. „Du hast mein Leben in die Luft gejagt und glaubst, wir können das einfach kitten? Hast du sie noch alle? Du bist erbärmlich.“

Meine Hand schnellte vor, noch bevor ich nachdenken konnte. Die Ohrfeige knallte klatschend in sein Gesicht. Sein Kopf flog zur Seite.

Danach folgte eine schwere, erstickende Stille. Mein Brustkorb bebte, als hätte ich gerade einen Marathon hinter mir. Mein Mann blinzelte mich fassungslos an. Er hielt sich die Hand an die Wange.

Ich wartete nicht darauf, dass er noch etwas sagte.

Ich riss eine Reisetasche aus dem Schrank und stopfte das Nötigste hinein – Portemonnaie, Schlüssel, Handy. Dann stürmte ich an den beiden vorbei. Meine sogenannte Freundin heulte in die Laken, mein Mann murmelte gebrochene Entschuldigungen. Doch ich sah mich nicht mehr um.

Die Haustür knallte so fest hinter mir zu, dass der Rahmen bebte. Ich hielt nicht an, um sie richtig zu schließen.

Ich fuhr einfach los.


Ich wachte durch das Brummen des Flugzeugs auf. Mein Puls hämmerte gegen meine Rippen. Der Gurt schnürte mir den Bauch ab. Das Licht über mir ging mit einem leisen Ping an. Das bedeutete, dass in den nächsten Minuten etwas enden und etwas Neues beginnen würde. Einen Moment lang verschwamm die Kabine vor meinen Augen. Ich starrte auf das graue Polster des Sitzes vor mir, bis ich wieder klar sehen konnte.

Nur ein Traum, sagte ich mir. Die schlimmste Sorte – ein wahrer Traum.

Ich schob die Blende am Fenster hoch. Unter uns lag eine weiße Pracht. Verschneite Felder und ein dunkler Fluss, der sich wie ein Faden hindurchzog. Irgendwo da unten wartete Maple Falls auf mich.