Saving Josie: Turner Family Secrets Buch 1

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Zusammenfassung

Es gibt nur eine Person, die Josie Turner noch mehr hasst als ihre Tante Beth, und das ist Richard Kingston. Der Junge, der sie während ihrer Kindheit gequält hat. Aber sie dachte, sie hätte ihn vor Jahren zum letzten Mal gesehen. Warum zum Teufel taucht er also jetzt auf, um ihr Leben zu ruinieren? Warum verlangt er, dass sie ihn heiratet, wo sie doch geplant hatte, ihren Freund James zu heiraten? Und warum scheint es, als würde er Geheimnisse hüten, die sie gar nicht entschlüsseln will?

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
63
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Prolog

Zusammen mit den anderen Tänzern trete ich ins helle Scheinwerferlicht auf die Bühne. Ich bin keine Solistin. Noch nicht. Ich bin schließlich erst zehn Jahre alt. Aber ich habe Zeit. Sogar jede Menge Zeit. Ich trainiere schon, seit ich ganz klein war. Ich weiß nicht, ob ich das Tanzen so sehr liebe, weil meine Eltern auch Tänzer sind, oder ob es einfach an mir selbst liegt.

Mama und Papa haben gesagt, dass ich vielleicht Solistin werden darf, wenn ich mich richtig anstrenge. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich die Primaballerina sein will. Ich will einfach nur tanzen, ohne das ganze Drama drumherum. Primaballerinen müssen härter arbeiten als alle anderen und haben ständig kaputte Zehen. Das ist Schwerstarbeit für die Füße. Ich habe schon genug Probleme mit meinen eigenen. Ich will nicht im Krankenhaus landen, nur weil ich mir das Bein gebrochen habe.

Meinen Eltern gehört die Black Swan Dance Company. Sie haben erzählt, dass heute ein besonderer Gast bei unserem Auftritt dabei ist. Mehr haben sie nicht verraten. Ich soll nur einfach perfekt für ihn tanzen. Na ja, ich werde mein Bestes geben. Ich weiß gar nicht, ob er überhaupt merkt, wer ich bin. Ich sehe doch aus wie jede andere Ballerina auch.

Wegen der grellen Lichter kann ich fast nichts sehen, aber das macht nichts. So kann ich mich besser konzentrieren und meine Startposition einnehmen. Wenn ich zu viel darüber nachdenke, wie viele Augen auf mich gerichtet sind, werde ich nervös. Obwohl ich das schon ewig mache, habe ich immer noch weiche Knie, wenn mir Leute zusehen.

Ich atme tief ein, lasse die ganze Spannung aus meinem Körper fließen und konzentriere mich. Ich muss für Mama, Papa und ihren Gast absolut perfekt sein.

Die ersten Töne klingen aus den Lautsprechern und wir wiegen uns in unseren glitzernden Kostümen. Heute tragen wir keine richtigen Tutus. Es sind eher durchsichtige Röcke, die uns um die Beine wehen, und unsere Trikots sind violett.

Die Bänder meiner Schuhe sind über der Strumpfhose hochgebunden. Mein langes, honigbraunes Haar steckt in einem strengen Dutt und mein Make-up sitzt perfekt. Ich fühle mich wie eine kleine Puppe zum Anziehen. Oder wie eine Figur in einer Spieluhr, die sich immerzu im Kreis dreht, damit jeder sie ansehen kann.

Auf Zehenspitzen kann ich so tun, als würde ich über den Himmel fliegen. Ich drehe und beuge mich genau im Takt der Musik. Meine Arme bewegen sich fließend mit dem Rhythmus, den ich schon tausendmal geübt habe.

Wir gehen tief in die Knie und drehen uns auf den Zehenspitzen. Wir strecken uns zum Himmel und heben die Beine, wobei wir wie Flamingos auf den Zehen balancieren. Elegant. Immer elegante Bewegungen. Fließend und schön. Kraftvoll und stark. Strecken und beugen. Sprung und Pirouette. Die Bewegungen sind mir in Fleisch und Blut übergegangen. Ich muss über nichts mehr nachdenken. Ich folge einfach der Musik.

Ich liebe das Tanzen. Es ist mein Leben. Ich weiß gar nicht mehr, wie alt ich war, als meine Eltern mich zum Ballett geschickt haben. Es fühlt sich so an, als wäre ich schon mit Ballettschuhen an den Füßen geboren worden. Je älter ich wurde, desto stärker wurde ich und meine Tänze wurden schwieriger. Bald gibt es wieder Vortanzen. Ich hoffe auf eine Solostelle, aber vielleicht bin ich dafür noch nicht bereit.

Mama und Papa sagen immer, ich soll nach den Sternen greifen. Und genau das mache ich jetzt. Ich greife nach meinem Stern. Ich will der Welt zeigen, wie gut ich tanzen kann. Auch wenn mir der Gedanke ein bisschen Angst macht.

Ich wüsste gar nicht, was ich machen soll, wenn ich groß bin und nicht mehr tanzen darf. Ich habe keinen Plan B. Aber ich schiebe diesen traurigen Gedanken schnell weg. Es gibt keine Zukunft für mich ohne das Tanzen!

Gleichzeitig springen wir elegant in die Luft und landen sicher auf den Zehenspitzen. Ein Glück bin ich nicht hingefallen. Letzte Woche ist Marci gestürzt und musste aufhören, weil sie umgeknickt ist. Wir mussten uns anpassen, aber so ist das eben beim Tanzen.

Der Auftritt neigt sich dem Ende zu. Ich spüre, wie die Musik immer spannender wird und auf das große Finale zusteuert. Ich lege meine ganze Kraft in die Bewegungen und achte darauf, dass alles perfekt ist. Auf die Eleganz und den Fluss. Zum Nachdenken bleibt keine Zeit. Ich spule einfach das Programm ab, das ich monatelang geübt habe.

Wir versammeln uns in der Mitte der Bühne. Wir halten uns an den Händen, drehen uns nacheinander und sinken dann elegant zu Boden. Wie Blütenblätter. Wir bleiben ganz still, als die letzte Tänzerin den Boden berührt.

Als der letzte Ton aus den Lautsprechern verhallt, hören wir Applaus. Wir stehen alle zusammen auf und verbeugen uns vor dem Publikum, das wir wegen des Lichts nicht sehen können.

Erst jetzt atme ich endlich wieder aus und blicke mit einem Lächeln in die Dunkelheit. Wir haben es geschafft! Mein Herz klopft wild und mein Atem wird ruhiger. Ich bin so aufgeregt! Ich kann es kaum erwarten, meine Eltern zu sehen. Ich hoffe, ich war gut genug für unseren Gast, wer auch immer das sein mag.

Wir sind nicht die Letzten. Wir müssen noch warten, bis vier andere Gruppen auf der Bühne waren, bevor ich zu meinen Eltern darf. Wir schauen uns die Auftritte auf einem Fernseher an, der alles aufzeichnet. Alle waren fantastisch. Es gab zwei Solistinnen und eine davon war die Primaballerina. Ich beneide sie überhaupt nicht. Sie hat so viel Druck, damit sie ja keinen Fehler in ihrem Programm macht. Ich muss nur darauf achten, dass ich mit den anderen mitziehe und keinen Fehler mache. Aber selbst in einer großen Gruppe fällt ein Patzer sofort auf.

Endlich ist es Zeit, meine Familie zu treffen. Ich bin total hibbelig und will wissen, wie sie unseren Tanz fanden. Nur weil Mama und Papa der Laden gehört, heißt das nicht, dass sie bei jeder Probe dabei sind. Sie müssen das Geschäft führen und überlassen das Training den Lehrern.

Mama kommt auf mich zu und nimmt mich in den Arm. Nach so einem langen Tanz ist das genau das, was ich brauche. Ich bin immer noch ganz aufgedreht, obwohl ich vier andere Gruppen abwarten musste. Wahrscheinlich lässt das Adrenalin erst heute Abend nach. Hoffentlich noch vor dem Schlafengehen. „Das hast du toll gemacht, Josie! Ich bin so stolz auf dich!“

„Ja, das war super, mein Schatz!“, sagt Papa. Er gibt mir einen Kuss auf die Wange, hebt mich hoch und wirbelt mich herum. Dabei fühle ich mich immer wie ein kleines Mädchen. Aber ich bin nicht mehr klein, ich bin schon zehn! Trotzdem liebe ich es. Das würde ich aber niemals zugeben.

Ich sehe meine kleinen Schwestern, Charlotte und Olivia. Charlie ist süß. Sie winkt mir mit roten Wangen zu. Aber Mama und Papa behandeln Liv wie eine Prinzessin, und deshalb ist sie eine verzogene Göre. Sie sieht mich nur gelangweilt an und verschränkt die Arme, als wäre sie lieber ganz woanders. Aber ich habe sie trotzdem lieb. Wenn sie erst mal älter ist, wird sie sich bestimmt ändern.

In diesem Moment kommt ein Mann mit einem Jungen auf uns zu, der ein paar Jahre älter ist als ich. Der Mann sieht ungefähr so alt aus wie mein Papa. Nur hat er Tätowierungen am Hals, die unter seinem teuren Anzug hervorschauen. Außerdem trägt er einen glänzenden Ohrring im linken Ohr.

Der Junge trägt ebenfalls einen teuren Anzug. Er hat schwarzes Haar, das er zur Seite gekämmt trägt, und strahlend blaue Augen. Er sieht auch so aus, als würde er sich gerade total langweilen. Na ja, man kann es wohl nicht jedem recht machen. Warum haben sie einen Jungen hierher mitgebracht? Ich verstehe das alles nicht.

„Josie, das sind Dean Kingston und sein Sohn Richard. Dean hat früher in einer Rockband gespielt. Sein Sohn ist vierzehn Jahre alt. Dean und Rose sind alte Freunde von uns“, erklärt Papa mit einem breiten Grinsen.

Dean mustert mich von oben bis unten. Irgendetwas an seinem Blick gefällt mir gar nicht. Aber ich strecke ihm trotzdem die Hand zur Begrüßung entgegen. Ich kann ja nicht unhöflich zu einem alten Freund von Papa sein. Außerdem bilde ich mir das vielleicht nur ein.

„Schön, dich kennenzulernen, Josie. Deine Eltern haben mir schon viel von dir erzählt“, sagt er mit einem fiesen Lächeln. „Ich habe dich tanzen sehen, Schätzchen. Du bist ja eine richtige kleine Tänzerin.“

„Freut mich auch. Und, äh, danke?“ Ich versuche, so nett wie möglich zu lächeln. Wenn er mit Mama und Papa befreundet ist, will ich nicht unhöflich sein, auch wenn der Mann irgendwie komisch wirkt. Seine dunklen, stechenden blauen Augen fühlen sich an, als könnten sie direkt durch mein Kostüm sehen. Das ist mir unangenehm.

Plötzlich sieht Papa jemanden und zieht Dean und Mama zu einem anderen Paar rüber. Charlie und Liv laufen hinterher, sodass ich mit dem unheimlich hübschen Jungen allein zurückbleibe.

Und dieser Junge zieht ein verächtliches Gesicht. Er mustert mich genau wie sein Vater von oben bis unten. „Du bist nicht gut genug, um mit mir befreundet zu sein“, spottet er. In seinen funkelnden Augen liegt dieselbe Kälte.

„Oh“, murmle ich nur. Was soll ich darauf auch sagen? Er will nicht mein Freund sein? Sollte er denn herkommen, um sich mit mir anzufreunden? Habe ich keinen guten Eindruck auf ihn gemacht? Ich bin total verwirrt und verletzt.

Ich weiß gar nicht, warum mich das so trifft. Ich habe den Jungen noch nie gesehen, und er hat definitiv eine Macke. Er kennt mich überhaupt nicht. Warum sollte es mich also jucken, wenn er findet, dass ich nicht gut genug für ihn bin?

Ich blinzle meine Tränen weg, drehe mich auf dem Absatz um und stolziere zurück hinter den Vorhang. Ich will nicht in der Nähe dieses Jungen sein. Wenn er mich nicht mag, bitte sehr! Ich will sowieso nichts mit ihm zu tun haben!

Ich weiß nicht mal, was er überhaupt hier wollte! Es ist ja nicht so, als hätte ich ihn gebraucht, um mir beim Tanzen zuzusehen. Mama und Papa haben nichts davon gesagt, dass ich mich mit dem Jungen anfreunden soll, also lasse ich es einfach bleiben!

Ich schnappe mir meine Tasche und reiße mich zusammen, um nicht zu weinen. Ich kann zu Hause in meinem Zimmer weinen, wenn keiner zusieht! Ich halte den Kopf hoch, als ich zu meinen Eltern zurückgehe, ohne den unhöflichen Jungen auch nur eines Blickes zu würdigen. Hoffentlich muss ich dem in meinem ganzen Leben nie wieder ins Gesicht sehen!

Aber dann höre ich ein Kichern und kann nicht anders, als hinzuschauen. Er flirtet mit Liv! Sie ist doch erst fünf Jahre alt! Warum macht er das? Steht er auf kleine Gören wie meine Schwester? Bei dem Gedanken wird mir schlecht. Er ist fast zehn Jahre älter als sie!

Er beugt sich zu ihr runter, sieht mich dabei direkt an und flüstert Olivia etwas ins Ohr. „Du wirst eine viel bessere Tänzerin als deine Schwester. Das sehe ich jetzt schon.“ Er zwinkert mir zu. „Du wirst meine Tänzerin sein, wenn du älter bist, nicht wahr, kleine Liv?“

Bei seinen Worten zieht sich in meiner Brust alles zusammen. Warum sollte ich auf meine kleine Schwester eifersüchtig sein? Sie ist faul! Sie würde niemals eine gute Tänzerin werden! Olivia hat es einmal mit dem Tanzen versucht und noch am selben Tag wieder aufgegeben!

Aber sie strahlt ihn mit einem wunderschönen Lächeln an. „Natürlich werde ich deine Tänzerin sein, Ricky“, kichert sie ihn an.

Und das Schlimmste ist: Ich weiß, dass er das nur macht, um mir absichtlich wehzutun. Ich weiß bloß nicht, warum. Ich sehe das fiese Grinsen in seinem Gesicht, während er zusieht, wie ich die Tränen unter meinen Wimpern wegblinzle. Warum macht es ihm Spaß, mich so zu quälen? Ich verstehe es einfach nicht!

Ich wende mich sofort von ihm ab. Ich gönne ihm nicht den Triumph, mich weinen zu sehen.

In diesem Moment kommt Mama mit einer Schachtel mit einer Schleife um die Ecke, und Papa hat einen Blumenstrauß. Beide strahlen mich stolz an. Wenigstens haben sie mich noch lieb.

„Das ist für dich, Schatz. Wir wollen, dass du weißt, wie sehr wir dich lieben und wie stolz wir auf dich sind, Josie“, flüstert Mama. Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange und drückt mir die Schachtel in die Hand.

Ich schlucke und diesmal lasse ich die Tränen fließen, weil ich mich freue. Mama und Papa haben mir ein besonderes Geschenk gemacht. Ich frage mich, was es wohl ist.

Vorsichtig löse ich die Schleife und öffne die Schachtel. Ich muss nach Luft schnappen, als ich die wunderschöne goldene Herz-Halskette sehe. In der Mitte funkelt ein Diamant, sogar im schummrigen Licht.

„Du bist unser kleiner Stern, Josie. Du wirst wachsen und heller strahlen als jeder Diamant“, sagt Papa bestimmt. Er nimmt die Kette aus der Schachtel und legt sie mir um den Hals.

Ich kichere, als ich den schönen Anhänger betrachte, und schaue zu meinen Eltern auf. „Ich hab euch so lieb! Danke für dieses tolle Geschenk!“, quietsche ich und nehme meine Eltern fest in den Arm.

Doch über ihre Schultern hinweg sehe ich immer noch den Jungen mit diesem fiesen Lächeln auf den Lippen. In seinen Augen liegt etwas Grausames. Es ist wie ein Versprechen, aber ich weiß nicht, was es bedeutet. Und ich will es auch gar nicht herausfinden.

Ich begreife nicht, was sein Problem mit mir ist, aber ich will nichts mit ihm zu tun haben. Wenn er Liv will, kann er die kleine Göre ruhig haben!

Ich schließe die Augen und kuschele mich an meine Eltern. Ich konzentriere mich nur auf die Liebe, die ich für sie empfinde. Hier bin ich sicher. Uns kann nichts passieren, wenn wir zusammen sind.

Zumindest dachte ich das damals.