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Dead Tones

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Zusammenfassung

„Er hat mich einmal gebrochen. Jetzt ist er zurĂŒck, um sicherzugehen, dass nichts heilt.“ FrĂŒher waren Damon und Neyla zwei Kinder mit einem Traum. Musik. Licht. Freiheit. Gemeinsam wollten sie den Himmel berĂŒhren – und haben sich stattdessen gegenseitig in den Abgrund gestoßen. Heute ist von Damon nichts mehr ĂŒbrig. Er nennt sich nicht mehr Vaylor. Er ist Damon Verdugo. Und Verdugo bedeutet: Henker. Vergessen sind Ruhm und Melodien – vergessen das GefĂŒhl, das sie einmal fĂŒreinander hatten. Damon hat sich seine SchwĂ€che aus dem Fleisch gerissen. Und was ĂŒbrig blieb, ist Macht. Gnadenlos. Kontrollierend. Berechnend. Als Neyla ihm wieder begegnet, ist sie ein Schatten ihrer selbst. Ihr Hollywood-Traum zerplatzt, ihr Name verschuldet, ihre Stimme gebrochen. Und Damon? Er sieht sie. Und erkennt eine Gelegenheit. Nicht, um zu lieben. Sondern um zu besitzen. Denn er ist nicht zurĂŒckgekommen, um sich zu entschuldigen. Er ist zurĂŒck, weil sein altes Leben ihn eingeholt hat. Die Vergangenheit. Sein Vater. Die dunkle Familie, deren Thron er nie wollte. Aber nun trĂ€gt. Und Neyla? Sie ist das Letzte, was ihn noch hĂ€tte retten können – und jetzt nur noch das, was er benutzen wird. Denn Damon Verdugo spielt keine Lieder mehr. Er schreibt Urteile. Und Neyla steht ganz oben auf seiner Liste.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
56
Rating
5.0 4 Bewertungen
Altersfreigabe
18+

Prolog

Ich rieche Vanille, Zucker, Zimt.

Die Luft ist schwer davon, sĂŒĂŸ und warm, wie ein unsichtbarer Schleier, der sich ĂŒber alles legt – ĂŒber die kleinen bunten Lichterketten am Fenster, die sich in den Glasscheiben spiegeln, ĂŒber die Tannenzweige, die ich viel zu frĂŒh aufgehĂ€ngt habe, ĂŒber Darians kleine Finger, die sich fest um den grĂŒnen Stift krallen, wĂ€hrend er konzentriert malt.

Sein Kopf ist leicht zur Seite geneigt, die Zungenspitze schaut zwischen den Lippen hervor, und ich weiß, dass er mich völlig vergessen hat, solange er zeichnet.

„Mama, machst du Oofen aus?“, fragt er ohne aufzuschauen.

Ich lĂ€chle, obwohl mein Herz sich fĂŒr einen Moment verzieht.

„Mach ich, SchĂ€tzchen.“

Ich streiche mir eine HaarstrĂ€hne aus dem Gesicht, spĂŒre, wie sie an meiner Wange kleben bleibt, leicht nach Vanille riechend.

Mein Haar ist hellblond – zu hell. Ich erkenne mich manchmal selbst nicht, wenn ich morgens in den Spiegel sehe. Diese Frau, mit den hellblauen Kontaktlinsen, dem warmen Pulli, der nach WeichspĂŒler riecht, soll ich sein.

Sie heißt Elena. Nicht Neyla.

Elena mit dem Kind, das in Spanien lebt, irgendwo zwischen OlivenbĂ€umen und alten HĂ€usern mit grĂŒnen FensterlĂ€den. Eine Frau, die hier niemand kennt und die niemand sucht.

Ich drehe den Ofen ab, lehne mich kurz gegen die Arbeitsplatte, schaue zu ihm hinĂŒber.

Darian. Mein Sohn. Damons Sohn. Ich sage seinen Namen nicht mehr laut. Ich denke ihn kaum. Aber manchmal kommt er mir ĂŒber die Lippen, wenn ich trĂ€ume. Dann erschrecke ich mich vor meiner eigenen Stimme.

„FĂŒr wen ist das Bild, mein Großer?“

Er blickt hoch, seine Augen leuchten. So sehr, dass es mich fast wehtut.

„FĂŒr Santa! Ich mal, wie ich mit Papa Fußball spiel. Santa bringt ihn bestimmt.“

Ich vergesse zu atmen. Das Wort trifft mich so unerwartet, so leise, dass ich kurz glaube, er hÀtte etwas anderes gesagt. Aber nein. Papa. Dieses Wort, das in meinem Mund wie ein Messer klingt.

„Das ist schön, Liebling.“ Meine Stimme klingt fremd.

Ich klinge, als wĂŒrde ich aus einem anderen Raum sprechen, als wĂ€re ich nicht hier. Ich lĂ€chle ihn an, weil er das verdient, weil seine kleine Welt unversehrt bleiben soll, auch wenn meine lĂ€ngst in Scherben liegt.

Er malt weiter. Ich sehe, wie die Buntstifte ĂŒber das Papier gleiten, grĂŒne Striche fĂŒr das Gras, ein blauer Kreis, der ein Ball sein soll. Zwei StrichmĂ€nnchen – eines klein, eines groß.

„Mama?“

„Hm?“

„Wie sieht Papa aus?“

Mein Herz setzt aus. Ich spĂŒre, wie mir die Kehle trocken wird. Ich zögere, und diese Sekunde zu lang lĂ€sst ihn neugierig werden.

„Hat er Haare wie ich?“

Ich nicke langsam. „Fast.“

„Und Augen wie du?“

„Nein“, flĂŒstere ich. „Nicht wie ich.“

„Wie denn?“

„Wie das Eis im Winter.“

Er kichert, unbeschwert, und ich lache mit, obwohl ich innerlich breche. Ich will ihm nichts sagen. Ich will ihn schĂŒtzen vor allem, was dieser Mann war – und ist. Aber wie soll ich ihn schĂŒtzen vor etwas, das in seiner DNA steckt, das durch seine Adern fließt, wie eine Erinnerung, die ich ihm nicht nehmen kann?

Als ich ihn spÀter ins Bett bringe, riecht er nach Farbe und Keksen. Er kuschelt sich in seine Decke, seine Wimpern sind so lang, dass sie Schatten auf die Wangen werfen.

„TrĂ€um was Schönes, mein Schatz.“

„Von Papa?“, fragt er schlĂ€frig.

Ich schlucke. „Von allem, was dich glĂŒcklich macht.“

Er lĂ€chelt, nickt, und schließt die Augen.

Ich bleibe noch einen Moment an seiner TĂŒr stehen. Höre, wie sein Atem ruhig wird, wie das leise Pfeifen seiner kleinen Nase mich beruhigen sollte, es aber nicht tut.

Ich schalte das Nachtlicht ein – ein kleines, flackerndes Sternchen – und schleiche nach unten.

Das Haus ist still. Nur das Ticken der alten Uhr an der Wand begleitet mich. Ich lösche die letzten Kerzen, lege die Ofenhandschuhe auf die Anrichte, nehme mir ein Glas Wasser.

Die Lichter des Weihnachtsbaums werfen goldene Muster auf den Boden, flimmernd, fast lebendig.

Ich bin mĂŒde, aber Schlaf ist nichts, was mich findet. Seit Jahren nicht. Immer, wenn ich die Augen schließe, sehe ich ihn.

Manchmal erinnere ich mich an die Musik. An den Jungen, der Songs schrieb, bevor seine HĂ€nde zu Waffen wurden. An den Jungen, der mich geliebt hat, bevor er mich gebrochen hat. Ich weiß nicht, wann er aufgehört hat, Damon zu sein, und zu jemand anderem wurde. Jemand, den man fĂŒrchten muss. Vielleicht war er das immer schon, und ich wollte es nur nicht sehen.

Ich drehe mich zur Treppe, will gerade das Licht löschen – und halte inne.

Etwas ist anders.

Ein Schatten bewegt sich in der Dunkelheit, dort, wo der Baum steht.

Ich blinzle, bleibe reglos stehen, mein Herz stolpert. Ich denke zuerst, es ist Einbildung, eine optische TĂ€uschung.

Doch dann rieche ich es. Tabak. Stark. Bitter. Vertraut.

Ich friere augenblicklich. Der Geruch zieht wie ein Geist durch den Raum, trifft mich im Bauch, im Nacken, ĂŒberall.

Meine Finger umklammern das Glas so fest, dass es mir fast aus der Hand gleitet. Ich spĂŒre, wie mein Atem flacher wird, wie meine Gedanken stolpern, wie alles in mir fliehen will, wĂ€hrend mein Körper sich weigert, sich zu bewegen.

Er sitzt da.

Im Halbdunkel.

Ein Mann, zu groß fĂŒr das Sofa, das plötzlich zu klein wirkt unter seinem Gewicht.

Das Licht des Baumes schimmert ĂŒber seine Haut, ĂŒber Tattoos, die sich bis an seinen Hals ziehen, schwarz und gefĂ€hrlich, wie Schatten, die nie verschwinden. Seine Haare sind kĂŒrzer, dunkler, der Bart dichter, seine Schultern breiter.

Und doch erkenne ich jede Linie, jede Bewegung, jeden Atemzug.

In seiner rechten Hand glĂŒht eine Zigarre, dĂŒnne RauchfĂ€den tanzen in der Luft. In der anderen hĂ€lt er das Blatt Papier.

Darians Bild.

Mir wird schwindlig.

Ich brauche einen Moment, um zu begreifen, was ich sehe.

Er hat das Bild aus der KĂŒche geholt.

Er hat es gefunden.

Er hat uns gefunden.

Ich will etwas sagen, einen Laut, ein Wort, irgendetwas – aber meine Stimme hat mich verlassen. Mein Körper reagiert wie damals: erstarren, warten, hoffen, dass es vergeht. Doch nichts vergeht.

Er hebt den Kopf, langsam, als hÀtte er es eilig und doch alle Zeit der Welt.






Sein Blick trifft mich, und in diesem Blick liegt nichts Menschliches. Nur Leere.

Diese eisblauen Augen, die mich einmal angesehen haben, als wÀre ich der Mittelpunkt seiner Welt, sehen jetzt durch mich hindurch, als wÀre ich Luft.

Und trotzdem spĂŒre ich, dass er mich erkennt.

„Du hast dich verĂ€ndert“, sagt er leise. Seine Stimme ist rauer geworden, tiefer.

Ich kann kaum atmen. „Wie hast du—“

„Glaubst du wirklich, du könntest dich verstecken?“

Er lÀchelt, aber es ist kein LÀcheln. Es ist eine Erinnerung an eines.

Ich taste hinter mich, spĂŒre die Wand. Alles in mir schreit, dass ich rennen soll, dass ich Darian packen soll, dass ich fliehen muss. Aber ich bewege mich keinen Zentimeter.

„Er ist schön“, murmelt er, sein Blick wandert wieder zu dem Bild. „Er malt dich gut.“

Seine Finger streichen ĂŒber das Papier, vorsichtig, fast zĂ€rtlich. Der Rauch kringelt sich um seine Hand, legt sich auf das bunte Bild wie Staub.

Mir schnĂŒrt es die Kehle zu. Ich sehe ihn an und erkenne nichts mehr von dem Jungen, der damals Songs fĂŒr mich geschrieben hat. Nur noch den Mann, der sich verloren hat, irgendwo zwischen Macht, Gewalt und Schmerz.

Er hat nichts mehr mit dem Damon zu tun, den ich einmal kannte. Und trotzdem schlĂ€gt mein Herz, als wĂŒrde es ihn wiedererkennen.

„Warum bist du hier?“, flĂŒstere ich.

„Weil du es warst, die gegangen ist.“

Er sagt es, als wÀre das eine Antwort.

Ich will schreien, dass ich musste. Dass er mich dazu gezwungen hat. Dass ich gegangen bin, um zu ĂŒberleben. Aber kein Laut verlĂ€sst meine Lippen.

Er legt das Bild neben sich, löscht die Zigarre im Aschenbecher und steht auf.

Langsam, mit dieser kontrollierten Ruhe, die mir immer mehr Angst macht als jedes laute Wort, das er je gesprochen hat. Sein Schatten breitet sich ĂŒber den Boden aus, schneidet durch das warme Licht des Weihnachtsbaums und verschluckt die kleinen goldenen Punkte, die eben noch getanzt haben.

„Damon“, flĂŒstere ich, kaum hörbar. Der Name schmeckt nach Asche, nach Vergangenheit, nach allem, was ich versucht habe zu vergessen.

Er bleibt stehen, und sein Blick findet mich – diese eisblauen Augen, leer und unergrĂŒndlich, und doch flackert da fĂŒr den Bruchteil einer Sekunde etwas auf, das ich einmal gekannt habe. Erinnerung vielleicht. Schmerz. Etwas, das ihn fast menschlich macht. Dann ist es wieder fort, als hĂ€tte ich es mir eingebildet.

„Ich finde immer, was mir gehört“, sagt er, und es klingt gefĂ€hrlicher als jede Drohung, die je aus seinem Mund kam.

Er setzt sich in Bewegung, nur ein Schritt, und mein Körper reagiert sofort, bevor mein Kopf ĂŒberhaupt begreift, was geschieht.

Ich weiche zurĂŒck, instinktiv, Schritt fĂŒr Schritt, bis mein RĂŒcken die Wand berĂŒhrt und mir klar wird, dass ich in die Enge getrieben bin. Mein Herz hĂ€mmert gegen meine Rippen, als wolle es fliehen, aber der Rest von mir bleibt wie gelĂ€hmt.

Seine Bewegungen sind ruhig, prÀzise, jede Faser in ihm kontrolliert, und genau das macht sie so gefÀhrlich.

Ich sehe zur Kommode hinĂŒber, nur einen kurzen Augenblick, dorthin, wo in der unteren Schublade zwischen Stoffservietten und alten Briefen die Waffe liegt, die ich mir im Darknet besorgt habe. Eine kleine, unscheinbare Pistole, kalt, metallisch, und doch so schwer, dass sie mir jedes Mal die Hand hinunterzieht, wenn ich sie halte. Ich denke an sie, an die Sicherheit, die sie mir geben sollte, und weiß trotzdem, dass ich sie nie benutzen könnte. Nicht gegen ihn. Nicht gegen Damon.

Er steht jetzt direkt vor mir, so nah, dass ich seinen Duft riechen kann – eine Mischung aus Rauch, Leder und etwas Dunklem, GefĂ€hrlichem, das schon immer in ihm war. Ich habe diesen Geruch aus meinem GedĂ€chtnis gestrichen, aber mein Körper erinnert sich. Er erinnert sich an alles.

„Bitte geh“, flĂŒstere ich, aber meine Stimme ist nur ein Hauch.

Er reagiert nicht. Sein Blick wandert ĂŒber mein Gesicht, langsam, prĂŒfend, als wolle er jedes Detail neu lernen, als mĂŒsse er sich davon ĂŒberzeugen, dass ich echt bin.

Ich schließe die Augen, weil ich sonst zerbreche, weil ich den Ausdruck in seinen Augen nicht ertrage. Ich will ihn nicht sehen, will nicht, dass er sieht, was diese Begegnung mit mir macht. Vielleicht verschwindet er, wenn ich ihn nicht ansehe. Vielleicht ist das hier nur ein Traum.

Aber dann spĂŒre ich seine Hand an meiner Wange. Warm. Schwer. Fordernd.

„Mach die Augen auf“, sagt er leise, und in seiner Stimme liegt diese gefĂ€hrliche Ruhe, die alles in mir lĂ€hmt.

Ich schĂŒttele kaum merklich den Kopf, aber er wiederholt es, fester, dunkler, so wie frĂŒher, wenn Nein fĂŒr ihn nie ein Nein war. Seine Finger bewegen sich nicht, sie bleiben, zwingen mich, ihn anzusehen.

Also öffne ich die Augen.

Er steht so nah, dass ich seine Pupillen erkennen kann, dieses helle Eisblau, das mich einmal gefesselt und dann zerstört hat.

Mein Körper zittert, jeder Atemzug bricht in meiner Kehle, und ich weiß nicht, ob ich friere oder brenne.

„Ich hab dich vermisst, Baby“, flĂŒstert er, und in dem Moment, in dem er das sagt, zieht sich in mir alles zusammen.

Das Wort klingt, als kÀme es aus einem anderen Leben.

Ein Leben, das ich hinter mir lassen wollte.

Aber er steht hier, leibhaftig, und mit jedem Atemzug, den ich tue, spĂŒre ich, dass er mich gefunden hat – nicht nur hier, in diesem Haus am Rande eines spanischen Dorfes, sondern dort, wo ich ihn nie mehr haben wollte: in mir.

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Gutes Schreiben

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Überzeugende Handlung

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Toller Charakter

5

Toller Charakter

Starker Dialog

6

Starker Dialog

author

das fÀngt schon wieder sooooo gut an!
Ich freue mich riesig dass ich dich als Autorin gefunden habe đŸ„łđŸ˜đŸ˜

3 Monate
3