TRINITY BOUND: A Why Choose Romance

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Zusammenfassung

Auf der Suche nach der Wahrheit hinter dem Tod ihrer Mutter wird Andi in der Wachwelt von einem Alpha bewacht, während ein Dämon Anspruch auf ihre Träume erhebt.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
31
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Altersfreigabe
18+

[1. WANDERING STAR - PORTISHEAD ]

Der Sarg meiner Mutter lag in einem frisch gegrabenen, rechteckigen Loch, mehrere Meter tief in der Erde. Ich stand vor der Grube und blinzelte den Regen aus meinen Augen. Der schwere Geruch von Erde stieg mir in die Nase.

Dieser Duft hielt mich während der Trauerfeier irgendwie am Boden. Geistig war ich jedoch völlig weggetreten, gefangen zwischen Unglauben, Taubheit und Qual.

Sogar lange nachdem die anderen das Grab verlassen hatten, starrte ich immer noch auf die geraden Kanten des Lochs, in dem sie begraben lag.

Wie hatten sie das Loch nur so perfekt quadratisch hinbekommen? War das ein spezielles Werkzeug oder irgen–

„Andrea?“

Ich erkannte die Stimme nicht, die mich aus meinen Gedanken riss. Ich drehte mich um und sah eine füllige, rothaarige Frau mittleren Alters. Unter ihrem breitkrempigen schwarzen Hut lächelte sie mich an.

Sie streckte mir eine Hand in einem schwarzen Spitzenhandschuh entgegen.

„Ich bin Brandy“, sagte sie mit einem warmen Südstaaten-Akzent, während ich ihre Hand schüttelte. „Ich bin die Testamentsvollstreckerin von Sandra.“

Ich wusste nicht einmal, dass Mom ein Testament hatte.

„Oh, hallo.“

„Du warst schon länger nicht mehr in Ohio, oder?“

Ich nickte. „Aber ich ziehe wieder hierher.“

„Nur vorübergehend? Oder für immer?“

Ich warf einen Blick zurück in die Grube und schüttelte den Kopf. „Das weiß ich noch nicht genau.“

„Nun, es ist nicht ganz unwichtig. Du hast nämlich ihr Haus und ihren Laden geerbt.“ Sie musterte mich langsam von oben bis unten. „Wo ist denn dein Regenschirm, Schätzchen? Du bist ja völlig durchnässt.“

Meine Lederjacke hatte gegen den Regen nicht viel ausgerichtet. Meine Haare und meine Jeans waren klatschnass. Aber ehrlich gesagt spürte ich es nicht einmal.

„Ich habe die Anweisung bekommen, dir das hier sofort zu geben.“ Sie holte einen gelben Umschlag aus ihrer Plastikhandtasche und reichte ihn mir. „Es ist eine Art Talisman. Deine Mutter wollte, dass ich ihn in meinem Safe aufbewahre. Da ist auch ein Brief dabei.“

Abwesend nickte ich und klemmte mir den Umschlag unter den Arm, um ihn vor dem Regen zu schützen.

„Danke.“

Brandy blickte über ihre Schulter. Die letzten Trauergäste waren gegangen – jetzt waren nur noch wir zwei übrig.

„Fährst du alleine zum Haus zurück, Kleine?“

„Ja.“

Sie sah mich einen Moment lang besorgt an.

„Willst du bei mir mitfahren? Dein Auto können wir später holen.“

„Schon gut. Danke. Ich komme zurecht.“

„Dann sehen wir uns dort. Nimm dir ruhig noch Zeit für sie.“ Sie lächelte warm, tätschelte mir kurz den Oberarm und verabschiedete sich.

Ich wandte mich wieder dem Grab meiner Mutter zu.

Sie sei an einem Herzinfarkt gestorben, hieß es.

Dabei war sie noch nicht einmal fünfzig und körperlich topfit gewesen. Keine Drogen. Kaum Alkohol.

Es kam mir einfach nicht real oder logisch vor. Dass jemand, der sich gesund ernährt und alles richtig macht, trotzdem an so etwas stirbt.

Und sie hatte mich ganz allein gelassen.

Ich hatte keine Familie mehr. Klar, da war Moms Hexenzirkel. Und ich hatte Freunde.

Aber sie waren kein Ersatz für sie.

„Ich hab dich noch gebraucht“, flüsterte ich. Meine letzte Erinnerung an sie war ein Telefonat aus einer Telefonzelle vor zwei Monaten. Ich hatte sie angebettelt, mir Geld zu schicken, weil mein Freund mich aus seiner Wohnung geworfen hatte. Ich hatte nicht mal genug Benzin im Tank, um aus LA wegzukommen.

Ich hatte versprochen, sie anzurufen, wenn ich bei einer Freundin untergekommen wäre. Aber ich hatte es einfach vergessen. Was für eine beschissene Tochter ich doch war.

Kurz vor ihrem Tod hatte ich überlegt, nach Ohio zurückzukehren. Ich dachte mir, ich könnte wieder studieren – etwas Vernünftiges machen, vielleicht Gerichtsschreiberin. Oder ich mache einen Abschluss in BWL, damit wir Moms kleinen Wicca-Laden erfolgreicher machen könnten.

Jetzt, wo sie weg war, drehte sich mir bei dem Gedanken an den Laden der Magen um.

Ich stieg in meinen kleinen roten 89er Honda und warf meine Tasche und den gelben Umschlag auf den Beifahrersitz.

Der „Talisman“, von dem Brandy gesprochen hatte, fiel aus dem Umschlag. Es war eine Halskette aus schwarzer Kordel mit einem kunstvoll geschnitzten, blutroten Stein. Er war mit Symbolen verziert, die ich nicht kannte.

Ich nahm den Stein in die Hand und spürte ihn in meiner Handfläche. Er war... unheimlich warm. Das Rot sah aus wie Schlieren aus Blut, und die schwarzen Streifen darin glitzerten und schienen sich fast zu bewegen. So einen Stein hatte ich noch nie gesehen. Und da meine Mutter eine Hexe war, kannte ich eigentlich jeden Stein und Kristall, den es gab.

Zumindest dachte ich das.

Im Umschlag steckte noch eine gefaltete Notiz. Ich öffnete sie, begierig darauf, ihre Handschrift wiederzusehen.

Andi,

ich hätte dir das schon vor langer Zeit geben sollen. Aber ich wollte deinen Lebensweg niemals beeinflussen. Du warst so glücklich und voller Hoffnung, als du nach LA gegangen bist. Ich hoffe, dass du immer so bleibst.

Niemand trifft Entscheidungen für dich, außer dir selbst.

In ewiger Liebe,

Mom

Ich weinte und war überrascht, dass ich überhaupt noch Tränen übrig hatte. Es war dieses hässliche Heulen, bei dem sich das ganze Gesicht verzerrt und sich der Magen zusammenzieht. Schluchzend legte ich mir die Kette um den Hals.

Der Stein hing genau auf meiner Brust und war kaum größer als eine Dollarmünze. Für etwas so Kleines hatte er jedoch ein seltsames Gewicht.

Irgendwie fand ich das tröstlich. Es fühlte sich an, als wäre sie noch bei mir.


Der Leichenschmaus fand bei Mom zu Hause statt. Als ich die Stufen hochstieg und hineinging, fühlte ich mich wie in Trance. Überall waren Menschen und ein Wirrwarr aus Stimmen. Mein Kopf wollte am liebsten abschalten und an einen sicheren Ort fliehen, also schaltete ich auf Autopilot.

Jemand aus Moms Zirkel drückte mich auf einen Stuhl. Jemand anderes stellte mir einen Teller mit Essen hin.

Hunderte von Gesichtern zogen an mir vorbei, sagten Dinge zu mir. Ich muss wohl geantwortet haben, aber ich konnte mich an nichts erinnern.

Aber mal im Ernst: Wie bekamen die diese perfekt rechteckigen Löcher für die Särge hin? War das eine spezielle Schaufel?

Ich wünschte, ich fände jemanden, der mir das erklären könnte. Wahrscheinlich wusste das jemand, der in einem Baumarkt arbeitete.

Oder ein Holzfäller? Jemand, der viel draußen war?

Ich schnaubte amüsiert durch die Nase. Ich kannte niemanden, auf den das zutraf. Ich müsste wohl selbst in eine Bibliothek gehen und es herausfinden.

„Andi?“

Ich schreckte aus meinen Gedanken hoch und starrte auf schwarze Stiefel. Langsam wanderte mein Blick nach oben. Ich war überrascht, ein bekanntes Gesicht in einer Polizeiuniform zu sehen.

„Andrew?“

Er schenkte mir ein schmales, mitleidiges Lächeln. Er nahm seine Schirmmütze ab und zum Vorschein kamen dieselben sandblonden Haare, für die ich als Teenager vor zehn Jahren so geschwärmt hatte. Wir waren in der Highschool zusammen gewesen und hatten von allen den nervigen Spitznamen Andy & Andi bekommen.

„Hey. Lange nicht gesehen. Ähm... ich wollte nur kurz vorbeikommen und mein Beileid ausdrücken. Es tut mir wirklich leid.“

Abwesend nickte ich. Mein Blick wich aus, denn es war die millionste Erinnerung daran, dass Mom tot war. Es fühlte sich immer noch nicht echt an.

Dann blieben meine Augen an einer breitschultrigen, muskulösen Gestalt hängen, die an der Haustür stand. Er hatte die Hände in den Jeanstaschen vergraben. Er war deutlich größer als alle anderen im Haus, locker über eins achtzig. Sein Gesicht konnte ich nicht sehen, aber er hatte dichtes braunes Haar, das nach hinten gekämmt war und sich im Nacken leicht lockte.

Was meine Aufmerksamkeit jedoch am meisten fesselte, war sein rotes Flanellhemd. Die Ärmel waren hochgekrempelt und entblößten die kräftigen, sehnigen Muskeln seiner Unterarme. Er schien diese Muskeln oft zu benutzen.

Dieser Mann musste ein Holzfäller sein.

Er würde die Antwort auf meine Frage kennen.

Als ob er spürte, dass ich ihn beobachtete, hob er den Kopf und sah mich an. Stechende, tiefblaue Augen fixierten mich und ließen mich unwillkürlich den Rücken straffen. Er war wunderschön. Volle Lippen, markante Wangenknochen, dichte braune Brauen und ein leichter Bartansatz.

Er sah aus wie aus einer Calvin-Klein-Unterwäschewerbung.

Wer war er? Woher kannte er meine Mutter? Gott, hoffentlich starrte ich hier nicht gerade einen Ex-Freund von ihr an. Das wäre echt eklig.

„...jedenfalls hatte meine Mutter noch Kontakt zu deiner, und sie hat es mir erzählt... Ich wollte nicht, dass du denkst, ich würde deiner Familie nachstellen oder so was.“

Ich blinzelte mehrmals und konzentrierte mich wieder auf Andrew. „Was?“

Er blickte verlegen drein. „Schon gut. Nur... mein herzliches Beileid. Bleibst du jetzt für immer hier? Oder...?“

„Ich weiß noch nicht“, antwortete ich und hielt wieder Ausschau nach dem Holzfäller. Er war verschwunden.

„Nun, ruf mich an, wenn du etwas brauchst. Meine Nummer ist immer noch die gleiche.“

„Du wohnst noch im Haus deiner Eltern?“

„Ich habe die Hypothek übernommen. Ich lebe jetzt allein dort. Sie haben sich vor ein paar Jahren scheiden lassen.“

„Wahnsinn. Das tut mir wirklich leid zu hören.“

Er nickte kurz und schwenkte dann etwas unbeholfen seine Polizeimütze in meine Richtung. „Wie auch immer, melde dich, wenn was ist.“

Andrew ging, und bevor ich mich wieder auf die Suche nach dem Holzfäller machen konnte, rief eine andere Freundin meiner Mutter meinen Namen. Diesmal hielt sie mir ein Stück Brombeerkuchen vor die Nase.

Ich nahm es dankend an.


Der Empfang dauerte noch ein paar Stunden, bis die Leute langsam gingen und es draußen dunkel wurde. Ich hatte in der Küche noch mal einen Blick auf den Holzfäller erhascht, ihn dann aber wieder aus den Augen verloren, als eine Freundin von Mom mich fragte, wo der Staubsauger steht.

Als ich mit dem Staubsauger aus dem Flur zurückkam, sah ich, wie sich die Haustür leise öffnete und schloss. Ein Aufblitzen von rotem Flanell.

Er war schon am Ende der Verandatreppe, als ich nach draußen eilte.

„Warten Sie!“

Der Holzfäller hielt inne und drehte sich auf dem Absatz um. Diese blauen Augen fixierten mich wieder – es machte mich nervös, als könnten sie mich irgendwie kontrollieren.

Ging es mir jetzt wirklich um die Sache mit dem Graben, fragte ich mich? Oder wollte ich einfach wissen, wer er war?

„Also – Sie kannten meine Mutter?“ Das war die dümmste Frage, die ich hätte stellen können. Offensichtlich kannte er sie.

Sein Blick wurde einen Moment weicher und er nickte kurz. „Ja.“

Nach dieser sanften Antwort zu urteilen, waren sie wohl doch zusammen gewesen. Er sah zwar noch nicht wie vierzig aus, aber Mom war ja bekanntlich eine kleine Raubkatze.

Und... nun ja, sie hatte eben Geschmack.

„Nun, ähm, danke fürs Vorbeikommen.“

„Es tut mir leid, was mit ihr passiert ist. Ich kannte sie nicht besonders gut, aber ich weiß, dass sie eine gute Frau war. Sie war hier sehr angesehen.“

Moment mal. Mein Gesicht wurde ausdruckslos. „Sie waren also... nicht mit ihr zusammen?“

Er runzelte die Stirn. „Was?“

„Sie haben nicht–“ Ich lachte kurz auf und schüttelte über mich selbst den Kopf. „Wissen Sie, was perfekt wäre?“

Er kam einen Schritt näher und sah zu mir hoch, während ich oben auf der Holzveranda stand. „Was denn?“

„Wenn Sie mir sagen könnten, wie die diese perfekten rechteckigen Löcher für die Särge graben. Die Kanten sind so extrem sauber. Alle Löcher, die ich je gegraben habe, waren völlig unförmig.“

Sein Gesichtsausdruck veränderte sich. Er fuhr sich mit der Hand flüchtig durch das braune Haar. „Die benutzen Bagger. Und Schaufeln.“

„Ah.“ Ich atmete tief durch. Dann musste ich wohl doch nicht in die Bibliothek. „Sie waren heute Abend so was wie mein seltsamer Schutzengel.“

Er legte den Kopf schief. Die Überraschung stand ihm nur für einen Bruchteil einer Sekunde ins Gesicht geschrieben. „Wie das?“

„Nun, die Sache hat mich den ganzen Abend beschäftigt. Und jedes Mal, wenn ich mit jemandem reden musste, den ich nicht mochte, habe ich rübergeschaut und Sie waren da. Einfach so in der Ecke. Wenn man es laut ausspricht, klingt es nach einem unheimlichen Stalker, aber... in dem Moment war es schön. Also, danke.“

Ein leises, amüsiertes Schnauben kam aus seiner Nase. Ich glaube, das war seine Art zu lachen. Er schüttelte den Kopf. „Ich mache mich dann mal auf den Weg. Nochmals mein Beileid.“ Er hielt inne, als würde ihm etwas einfallen. „Wussten Sie, dass der Scheinwerfer auf der Beifahrerseite Ihres Autos kaputt ist?“

„Echt jetzt?“

„Wissen Sie, wie man die austauscht?“

Ich kniff die Lippen zusammen. „Nein.“

Er zog eine Augenbraue hoch. „Weiß... Ihr Freund, wie das geht?“

„Ich habe keinen Freund.“ Und meinem letzten Ex musste ich erklären, wie man einen Dosenöffner benutzt.

Er seufzte und betrachtete mein Auto in der Einfahrt. „Okay. Ich kümmere mich morgen früh darum. Machen Sie sich keine Sorgen.“

„Oh... das müssen Sie doch gar nich–“

Nicht nötig. Ich sagte, ich mache das. Belassen wir es dabei.“ Na, das war ja mal direkt. Und fast ein wenig unhöflich. Aber er wollte ja helfen, also verkniff ich mir eine freche Antwort.

Der Mann war schon den halben Weg zur Straße runter, als ich ihm noch etwas nachrief.

„Hey!“

Geduldig wie immer drehte er sich noch einmal um.

„Wie heißen Sie eigentlich?“

„Austin.“ Er schenkte mir ein schwaches Lächeln, als er sich abwandte, was bei mir ein flaues Gefühl im Magen auslöste. „Gute Nacht, Andrea.“

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