Hunger aus Samt

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Zusammenfassung

Sie verkauft ihr Blut, um seine Schulden zu begleichen. Er kauft sie und weigert sich zu trinken. In einer zur Blutbörse umfunktionierten Kathedrale wird die Sterbliche Eva Hart zum privaten Gefäß von Lord Nathan Hale, einem uralten Vampir, der langsam trinkt, sie vorsichtig berührt und Gehorsam wie eine Sünde wirken lässt. Der Rat will ihr Band zerreißen. Seine Rivalen wollen sie kosten. Eva muss nur lange genug überleben, um zu entscheiden, ob sie sein Opfer ist … oder seine Auserwählte.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
86
Rating
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Altersfreigabe
18+

Wash, Dress, Display

Die erste Berührung ist kaltes Wasser.

Es trifft hart und ungebremst in einem Strahl auf ihren Nacken, rinnt ihren Rücken hinunter und bahnt sich einen Weg durch den Schmutz auf ihrer Haut. Eva zuckt zusammen, ihre Finger krallen sich in den Rand des Blechbeckens, aber sie weicht nicht zurück. Die Aufseherin hinter ihr schnalzt einmal mit der Zunge, ein kurzes Geräusch, das Zustimmung oder Ungeduld ausdrücken könnte. Schwer zu sagen.

„Halt still“, sagt die Frau. „Sie mögen keine blauen Flecken.“

Das Wasser riecht leicht nach Eisen und altem Stein. Der Waschraum liegt dort, wo früher die Sakristei der Kathedrale war. Jemand hat ihr das erzählt, als sie die Lots vorhin hineingetrieben haben. Als ob das eine Rolle spielen würde. Die hohe Gewölbedecke ist immer noch da, silbrig vor Feuchtigkeit. In die Säulen sind Heilige gemeißelt, deren Gesichter längst unter Ruß und Fingerabdrücken verschwunden sind.

Jetzt beobachten die Heiligen, wie nackte Körper für den Markt abgeschrubbt werden.

Hände fahren mit geschäftiger Effizienz über Evas Schultern. Ein rauer Lappen. Finger graben sich in ihre Schlüsselbeinkuhle, in die Vertiefung an ihrem Hals. Das Wasser beißt vor Kälte und billiger Seife. Die Aufseherin drückt ihren Kopf nach vorne und fährt ihr mit den Nägeln über die Kopfhaut. Sie wäscht ihre Haare, als hätte sie es mit einem Kind zu tun, das sich nicht selbst waschen kann.

Am nächsten Becken weint jemand. Feuchte, schluchzende Geräusche, wie bei einem Teekessel, der nicht zur Ruhe kommt. Eva lässt den Blick auf den gesprungenen Fliesen zu ihren Füßen und hört darauf, wie sich der Atem der Aufseherin verändert, während sie arbeitet. Leise, wenn sie konzentriert ist. Scharf und gereizt, wenn sich jemand wehrt oder zappelt.

„Zähne“, sagt die Aufseherin.

Eva öffnet den Mund. Eine jüngere Gehilfin tritt vor, ihr Gesicht blass unter einem Haufen Sommersprossen, und hebelt ihre Lippen mit zwei Fingern weiter auseinander. Sie riecht nach Stärke und Angst. Eva starrt auf die Wimpern des Mädchens, die vom Dampf zusammenkleben, und versucht nicht daran zu denken, wonach sie suchen.

„Guter Zahnschmelz“, sagt die Jüngere, als würde sie eine Lektion aufsagen. „Kein sichtbarer Verfall.“

Die Aufseherin grummelt. „Natürlich nicht. Diese hier wurde als Premium verkauft.“

Eva schließt den Mund und schmeckt den sauren Nachgeschmack von Metall und Seife. Premium. Das Wort liegt wie ein Stein in ihrem Magen.

Sie machen weiter mit ihren Armen, ihren Händen, jeder Finger wird einzeln herausgezogen und begutachtet. Die Nägel werden mit leisem metallischem Klicken stumpf gestutzt. Das Mädchen notiert etwas auf einer Schiefertafel. Vertragsnummer. Lot-Nummer. Irgendwelche Narben. Eva fragt sich, ob sie die blasse, gekrümmte Narbe an ihren unteren Rippen notieren, die sie hat, seit sie als Kind mit Liam Wächter und Dieb spielte und vom Dach fiel.

Sie atmet langsam ein und lässt die Erinnerung ziehen. Dieser Raum duldet keine Erinnerungen. Nur Maße.

„Umdrehen“, sagt die Aufseherin.

Eva dreht sich um. Gänsehaut zieht über ihren bloßen Rücken, als die Luft auf die nasse Haut trifft. Sie starrt geradeaus, an der Schulter der Aufseherin vorbei, dorthin, wo die Heiligen einst als Steinskulpturen standen. Ihre Gesichter sind weg, nur noch konturlose Ovale. Das ist leichter anzusehen als die anderen Mädchen auf den Bänken, die die Knie an die Brust ziehen oder die Hände zu klebrigen Gebeten gefaltet haben.

Die Aufseherin geht in die Hocke, ihre Finger gleiten über die Ebenen von Evas Oberschenkeln, über die Muskeln in ihren Kniekehlen. Sie bewertet. Für einen Moment fühlt sich Eva nicht mehr wie eine Frau, sondern wie ein Stück Fleisch. Schulter. Flanke. Lende.

„Zu dünn“, murmelt jemand hinter ihr. Ein männlicher Stimme diesmal. Einer der Beamten. „Aber die Zahlen sind gut. Sie wird einiges einbringen.“

Hitze kribbelt unter ihrer Haut. Nicht vor Scham. Vor Wut.

Sie weiß, was passiert, wenn sie den Mund aufmacht. Die Hand der Aufseherin wird flach und strafend landen, und der Beamte wird lachen. Also beißt sie die Zähne zusammen und schmeckt den sauren Geschmack ihres eigenen Atems.

„Venen“, sagt die jüngere Gehilfin und klingt jetzt etwas selbstsicherer.

Sie nehmen ihren Arm und drehen ihn mit der Handfläche nach oben. Der Beamte tritt näher und drückt zwei Finger gegen ihre Armbeuge. Sie sieht, wie sein Blick den blauen Linien unter ihrer Haut folgt und dann zurück zu seinem Register huscht.

„Gesunder Puls“, sagt er. „Guter Blutdruck. Gute Farbe. Typ B positiv. Keine Fieberkrankheiten in der Akte.“

„Verkaufsdauer“, ergänzt die Aufseherin. „Ein Jahr.“

Ein anderer Beamter, der weiter hinten in der Reihe steht, lacht.

„Vorausgesetzt, sie hält so lange durch.“

Mehr Gelächter. Leise, gemein. Es rollt über Eva wie schmutziges Wasser. Sie lässt den Blick an der heiligenlosen Wand kleben und stellt sich vor, einer der Heiligen hätte noch ein Gesicht. Stellt sich vor, seine Augen seien offen und fest auf Liam gerichtet. Lebendig. atmend.

Vielleicht ein billiger Trost, aber er wirkt. Sie ist gut darin. Einen Gedanken zu finden, an dem sie sich festhalten kann, und ihn so fest zu drücken, bis alles andere verschwimmt.

Liam ist der Grund, warum du hier bist. Nicht die anderen. Nicht das Register.

Das Wasser um ihre Knöchel verfärbt sich rosa, wo Seife und alte Schnittwunden zusammenfließen. Die Aufseherin steht auf und greift nach einem Handtuch.

„Abtrocknen“, sagt sie. „Dann anziehen.“

Das Handtuch ist rau. Eva nimmt es und arbeitet schnell, denn je eher sie fertig ist, desto eher zieht die Aufseherin weiter und sieht sie nicht mehr an. Sie reibt den Stoff über ihre Arme, ihre Brüste, ihren Bauch, ihre Beine, bis ihre Haut brennt und künstlich gesund aussieht.

Ein Bündel landet auf der Bank neben ihr. Dünner, weißer Stoff. Ordentlich gefaltet.

Eva entfaltet es. Es ist ein Unterkleid, nichts weiter, die Art, die an der Haut klebt, wenn sie feucht ist, und nichts der Fantasie überlässt. Keine Ärmel. Kaum ein Ausschnitt.

Die Aufseherin folgt ihrem Blick.

„Die bieten auf Blut, nicht auf Mode“, sagt sie. „Zieh es an.“

Eva steigt in das Kleid. Der Stoff flüstert an ihren Oberschenkeln entlang, kühl und substanzlos. Es riecht nach Lauge und der schwachen kupfernen Note, die hier nie ganz verschwindet. Als sie es über die Schultern zieht, fällt es bis zur Mitte der Waden. Sittsam, wenn sie sich nicht bewegt. Unanständig in dem Moment, in dem sie geht.

Sie kann spüren, wie die anderen Mädchen zusehen. Manche neugierig. Manche neidisch.

„Ein Glück, dass sie Kurven hat“, flüstert eine von ihnen. „Das mögen die. Ich sehe aus wie ein Stock. Die werden denken, ich bin krank.“

„Krankes Vieh ist billig“, antwortet eine andere. Ihre Stimme zittert. „Wenigstens kommst du weg.“

Eva konzentriert sich auf die einfache Aufgabe, den Stoff glattzustreichen und sich das nasse Haar hinter die Ohren zu klemmen. Sie könnte ihnen sagen, dass an diesem Glück nichts dran ist. Dass „Premium“ nur ein schickeres Halsband bedeutet. Eine nettere Kette. Stattdessen beißt sie sich auf die Zunge und behält diese Wahrheit für sich.

Wie auf Geheiß hält die Aufseherin ein Band aus dunklem Metall hoch. Die Innenseite fängt das Licht ein. Glatt und poliert. Die Außenseite ist geriffelt, mit winzigen eingravierten Siegeln versehen, die Besitz und Datum markieren.

Halsband, denkt sie. Nicht Halskette. Halsbänder schließen ab.

„Kinn hoch“, sagt die Aufseherin.

Eva hebt das Kinn. Das Metall berührt ihren Nacken, so kalt, dass ihre Schultern zucken. Die Aufseherin legt es um, eng, aber ohne zu würgen, und schiebt ein Ende in das andere. Es gibt ein Klicken, leise und endgültig, als der Mechanismus einrastet. Eva spürt das Geräusch mehr in ihren Zähnen, als dass sie es hört.

Die jüngere Gehilfin tritt wieder vor und fährt mit einem Finger an der Naht entlang, um nach Lücken zu suchen. Sicherheit prüfen.

„Lot siebzehn“, sagt sie auf. „Eva Hart. Dienstzeit zwölf Monate. Vertragsnummer einundachtzig neun.“

Der Beamte antwortet, ohne von seiner Schiefertafel aufzusehen. „Lot siebzehn. Registriert.“

Der Name hallt seltsam in dem alten Steinraum. Lot siebzehn. Nicht Eva. Nicht Miss Hart. Eine Nummer mit einer Stimme.

Die Aufseherin rückt das Halsband noch einmal zurecht, tritt dann zurück und betrachtet sie mit den ausdruckslosen Augen von jemandem, der das schon zu oft getan hat, um noch etwas dabei zu empfinden.

„Stell dich zu den anderen“, sagt sie. „Du bist fast hübsch. Lass die Schultern nicht hängen.“

Fast hübsch. Eva speichert das zusammen mit Premium und gesundem Zahnschmelz ab. Was auch immer. Die Zahlen sind das, was zählt. Zahlen sind es, die Liam ein weiteres Jahr voller schlechter Entscheidungen gekauft haben.

Sie geht zu der Linie an der gegenüberliegenden Wand, wo bereits ein Dutzend anderer Körper mit Halsbändern steht. Manche verlagern ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Manche starren ins Leere. Ein Mädchen flüstert immer wieder den gleichen Satz vor sich hin, ein Gebet oder einen Pakt. Die Worte sind zu leise, um sie zu verstehen.

Die Luft hier drin ist wärmer als in der Haupthalle. Stickiger. Sie riecht nach Dampf und Körpern und der bitteren Note von billiger Seife. Hoch oben verliert sich das Gewölbe im Schatten, die alten Rippen der Architektur verschwinden in der Düsternis.

Eva fixiert die großen Doppeltüren an der Vorderseite des Raums. Sie sind hoch und schwer, mit Heiligen und Siegeln verziert, und durch die Ritzen dringt schwaches, buntes Licht aus dem Saal dahinter.

Hinter diesen Türen versammeln sich die Käufer.

Sie hört sie, bevor sie sie spürt. Gelächter, tief und voll. Das ferne Klimpern von Glas. Das Scharren von Stühlen. Das leise Klappern von Münzen, die den Besitzer wechseln. Vampire klingen ihrer Erfahrung nach immer entspannt, bevor sie sich nähren. So wie die Männer am Hafen klangen, bevor ein Kampf begann, von dem sie wussten, dass sie ihn gewinnen würden.

Die Aufseherin geht die Reihe ab, zupft an den Unterkleidern und rückt ihre Knöchel näher zusammen.

„Hände an die Seiten“, erinnert sie sie. „Kinn hoch. Augen nach unten, wenn nichts anderes gesagt wird. Nicht sprechen. Nicht in Ohnmacht fallen. Für Drama zahlen die nicht extra.“

Jemand schnaubt. Eva sieht nicht hin, wer es ist. Wenn sie hinsieht, fängt sie vielleicht an zu reden, und dann bricht alles aus ihr heraus. Die Wut. Die Angst. Die Worte, die sie nie zu Liam gesagt hat, als er ihr seine zerknitterte Schuldennotiz in die Hände drückte und bitte, bitte, bitte sagte.

Eine Glocke läutet.

Der Klang bebt durch den Stein bis tief in ihre Knochen. Nicht die hellen Kirchenglocken von früher, sondern ein schwereres, hässlicheres Klingen. Die Art, die am Hafen bei Schichtwechsel benutzt wird. Bei Gefangenentransportern. In Schlachthöfen.

Die Aufseherin richtet sich auf, ihre eigenen Schultern straffen sich, als würde sie selbst auf eine Bühne treten.

„Das ist unser Einsatz“, sagt sie. „Denkt dran: atmen.“

Der Beamte entriegelt die großen Türen. Sie quietschen und öffnen sich langsam. Licht ergießt sich herein, satt und gefärbt und voller Bewegung.

Der Boden beginnt unter Evas bloßen Füßen zu vibrieren, als die Menge dahinter sich erhebt, und der erste Vorgeschmack ihrer Stimmen flutet durch die Öffnung.