TILDA - Juric Branovic Band 3

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Zusammenfassung

Ein Brownie. Ein Ring. Eine verschwundene Braut. Und ein Mafiaboss, der plötzlich merkt, dass Liebe gefährlicher sein kann als jede seiner Waffen. Während Juric verzweifelt nach Alina sucht, tauchen alte Feinde auf, die Bratva droht zu zerbrechen – und zwei Frauen (plus ihre ziemlich verrückten Freunde) legen sich mit der halben Unterwelt an, um den Laden zu retten. Eins ist jedenfalls klar: Juric steckt wieder mal mächtig in Schwierigkeiten. Und diesmal helfen weder Kugeln, noch Drohungen – vielleicht nur ein Brownie. Oder zwei. 💥🍫

Status:
In Arbeit
Kapitel:
3
Rating
n/a
Altersfreigabe
18+

Der Antrag - Wie alles begann

TILDA

Also, man musste es schon sagen: Es gab Männer, die verloren mal kurz die Fassung – für ein paar Minuten, höchstens. Und dann gab es Juric Branovic. Seines Zeichens Bratva-Boss, Herrscher über Moskau, wandelnde Naturkatastrophe im Maßanzug. Der Mann ohne Herz – außer natürlich, wenn es um Alina ging.

Normalerweise betrat er jeden Raum wie ein Gewitter auf zwei Beinen, und alle duckten sich, weil sie wussten, gleich krachte es. Aber seit diesem vermaledeiten Heiratsantrag – oder, wie ich das Ganze nannte, Operation Brownie-Gate – saß der große, furchteinflößende Branovic in Mihais Küche wie ein geprügelter Dackel, der auf ein Wunder wartete.

Er hatte in den letzten Tagen so viel Whiskey getrunken, dass selbst Mihai schon leise Panik bekam, seine Vorräte könnten zur Neige gehen. Der Bratva Boss hatte in den vergangenen Tagen mehr über Gefühle nachgedacht als in den letzten zwanzig Jahren zusammen. Immer noch starrte er auf denselben Punkt an der Wand , als würde der ihm irgendwann die Antwort liefern, warum seine Verlobte – oder eher Nicht-Verlobte – einfach verschwunden war.

Oh, ihr wollt wissen, wie das passieren konnte? Ich erzähls Euch , hier kommt die Kurzfassung – oder sagen wir lieber: das Desaster in drei Akten.

Nach einem Streit mit seiner Herzallerliebsten Alina verschwand unser großer Boss einfach in die berühmt-berüchtigte Babuschka Bar. Ihr wisst schon – dieser charmante Ort, an dem sich all die Wodka-Wiebkes und Bummbumm-Anjas tummeln, die glauben, ein knapper Rock sei ein Lebensziel.

Alina und ich haben ihn dort gefunden – rotzbesoffen..jenseits von Gut und Böse. Und jetzt ratet mal, wer auf seinem Schoß saß? Ganz genau. Bummbumm Anja höchstpersönlich, die sich bewegte, als hätte sie in einem früheren Leben in einem Musikvideo von 50 Cent mitgespielt. Dieser Anblick war unbezahlbar. Der große, gefährliche Juric Branovic, Bratva-Boss, Herrscher über Moskau … und in diesem Moment nichts weiter als ein torkelnder Liebestragödienbär im Vollrausch. Wie wir ihn nach Hause gebracht haben? Keine Ahnung. Ich erinnere mich nur an viel Fluchen, ein verlorenes Jackett, und dass ich unterwegs dreimal schwor, beim nächsten Mal einfach den Müllwagen zu rufen.

Am nächsten Tag – als in seinem Schädel langsam wieder so etwas wie Gehirnaktivität einsetzte – dämmerte ihm wohl, dass Babuschka Bar und Alina Branovic in spe nicht dieselbe Zielgruppe waren. In einem seltenen Anfall von Einsicht beschloss er, alles wieder gutzumachen . Natürlich auf seine ganz eigene romantisch-verquere Bratva-Art. Und weil Gott manchmal Humor hatte, bat er mich um Hilfe.

Jetzt fragt ihr euch: Bei was bitte schön?Na, bei einem außergewöhnlichen Heiratsantrag. Ja, richtig gehört. Der große Juric Branovic – Bratva-Boss, Angstgegner halb Moskaus, Mann mit der emotionalen Bandbreite einer Betonwand – wollte plötzlich romantisch werden. „Tilda,“ meinte er todernst, „sie liebt Brownies. Ich mache ihr einen Antrag mit einem Brownie.“

Ich starrte ihn an. Minutenlang. Ich meine, der Kerl konnte perfekt mit Waffen umgehen, fehlerfrei töten, Verträge aushandeln, aber backen? Juric Branovic in der Küche? Das war ungefähr so wahrscheinlich wie ein Pinguin auf einem Motorrad. Aber gut, was blieb mir anderes übrig – also half ich ihm.

Ich stellte das Rezept für den Teig zusammen und gab ihm – in meiner grenzenlosen Großzügigkeit – sogar einen Ring aus meiner Schmuckkiste. Ein Erbstück! „Hier, den gibst du ihr zusammen mit dem Brownie, während du deinen Text aufsagst“, erklärte ich geduldig, als würde ich einem Kleinkind die Benutzung einer Mikrowelle erklären.

Er nickte ernst, krempelte die Ärmel hoch – und machte sich daran, den Teig zu würzen und auszubacken. Ja, ihr habt richtig gehört: würzen. Der Bratva-Boss hielt sich offenbar für einen Sternekoch. Ich sags Euch, der Mann kippte da Dinge rein, die in keinem Dessert der Welt etwas zu suchen haben. Eine Prise Salz – gut, okay. Aber Chilipulver? Und Wodka?

Ich stand daneben und dachte zuerst : Vielleicht mag Alina ihre Brownies ja genauso speziell und beobachtete ihn weiterhin bei seinem Tun . Er rührte mit dieser todernsten Miene in der Schüssel, als würde er eine neue Massenvernichtungswaffe entwickeln, und schob das klebrige, fertige Etwas schließlich in den Ofen.

Ich wollte mich gerade setzen, da fiel mir auf, dass der Ring – mein Erbstück! – plötzlich verschwunden war. „Juric“, sagte ich in diesem gefährlich ruhigen Ton, den man nur benutzt, wenn man kurz davor ist, jemandem die Pfanne überzuziehen. „Wo ist der Ring?“

Er sah mich an wie ein Schaf im Scheinwerferlicht. „Na, im Brownie natürlich!“

„Wie bitte?“

„Soll doch ne Überraschung werden!“

Ich schwieg. Erst, weil ich ehrlich nicht wusste, ob ich lachen oder schreien sollte. Dann, weil mein Gehirn versuchte, diesen Satz zu verarbeiten. „Du hast. meinen. Ring. In den Teig. Gebacken?!“

Er nickte stolz. „Romantisch, oder?“

Romantisch?! Ich meine, klar – was sagt mehr „Du bist die Liebe meines Lebens“ als ein potenzieller Zahnarztbesuch mit Ring-Inlay? Ich rieb mir die Schläfen und betete inständig, dass das hier irgendwie gut für ihn ausgehen würde. Oder wenigstens für den Ring. Ein paar Minuten später klingelte der Ofen. Das Geräusch klang in diesem Moment wie das Totenglöckchen der Romantik.

„Ah fertig !“, verkündete er und zog sein Meisterwerk heraus.

Meine Augen blieben auf dem Backblech kleben– das Ding hatte die Farbe eines Meteoriteneinschlags. Außen schwarz, innen wahrscheinlich flüssig Magma.

Entzückt musterte er das verkohlte Stück Teigkunst und murmelte seelenruhig: „Perfekt," bevor er den „Brownie“ vorsichtig , sanft auf den Tisch stellte , als wäre er eine Fabergé-Eierskulptur.

Ehrlich , ich wollte etwas Nettes sagen aber alles was aus meinem Mund heraus kam war ein heiseres: „Wunderschön... wirklich... ein Traum in Anthrazit,“

Er stand da wie ein stolzer Pfau. Mit geschwellter Brust setzte er sich an den Tisch, vor ihm dampfte der Brownie wie ein brodelnder Vulkan kurz vor dem Ausbruch. „Tilda,“ sagte er mit dieser feierlichen Bratva-Ernsthaftigkeit, „ich bin gespannt, was sie sagt. Hoffentlich sagt sie ja…!“ Sein Mund verzog sich zu einem überzeugten Lächeln . „Natürlich sagt sie ja,“ fuhr er fort, völlig selbstbewusst . „Ich hab alles perfekt geplant. Der Brownie, der Ring, meine Rede – Tilda , das wird großartig.“

Ich verschränkte die Arme und versuchte, nicht laut zu lachen. Stattdessen nickte ich eifrig „Oh , Doch, doch… Ich bin sicher, sie wird... beeindruckt sein, auf mehreren Ebenen.“

Er nickte zufrieden, als hätte ich ihm gerade das Siegel göttlicher Bestätigung gegeben, und starrte wieder auf sein verbranntes Meisterwerk.

Ich hingegen betete innerlich, dass Alina heute weder Hunger noch Humor verlieren würde – weil beides vermutlich lebensrettend wäre. Gerade als ich beschloss, mich diesem nahenden Spektakel zu entziehen, hörte ich die Haustür. Alina war zurück. Und natürlich – wie sollte es anders sein – kam sie direkt in die Küche. Sie blieb stehen, schnupperte, und sah sofort den Brownie auf dem Tisch. „Ohhh, ist der für mich?“ fragte sie, die Augen glänzend, die Stimme süß – völlig ahnungslos, dass sie sich gerade in eine kulinarische Gefahrenzone begab.

Juric strahlte, als hätte ihn jemand mit Stolz aufgepumpt. „Ja,“ sagte er, mit dieser tiefen, brummenden Stimme, die sonst Todesurteile verkündete. „Selbst gemacht.“

Ich konnte in Zeitlupe zusehen, wie sich der gefürchtetste Mann Moskaus aufrichtete, als stünde gleich die Oscar-Verleihung an. Schultern nach hinten, Kiefer angespannt, Blick leicht verträumt – wahrscheinlich lief in seinem Kopf gerade romantische Filmmusik.Er räusperte sich, als wolle er gleich Shakespeare rezitieren, und setzte diese Miene auf – ihr wisst schon, diese Mischung aus leidendem Künstler und leichtem Magenkrampf. Wenn er jetzt noch eine Rose in der Hand gehabt hätte, hätte ich ernsthaft geglaubt, wir drehen hier gerade „Der Bratva-Bachelor – Staffel eins: Liebe, Leid und Ladehemmung“.

„Alina,“ begann er, und ich presste mir innerlich schon die Hand vor den Mund und dachte " Oh bitte, Herr im Himmel, lass es schnell gehen."

Dann kam dieser Satz – mit Pathos, mit Nachdruck, mit der ganzen emotionalen Kompetenz eines Steinbodens: „Du machst mein Leben süßer.“ murmelte er unbeholfen, während er den Brownie in ihre Richtung schob.

Ich schwöre, ich hätte fast den Löffel abgegeben . Der Kerl meinte das ernst! Da stand der gefährlichste Mann der Stadt – ein Typ, der Menschen verschwinden lassen konnte und versuchte gerade, mit einem verkohlten Brownie die große Liebe zu retten..

Alina sah ihn an, dann den Brownie. „Du hast… den selbst gemacht?“

„Natürlich,“ sagte er stolz. „Mit Liebe.“

Mit Liebe, klar. Und Chilipulver. Und Wodka, dachte ich und schickte ein stilles Stoßgebet an den Magen-Darm-Gott.

Sie nahm den Brownie in die Hand, drehte ihn einmal nach rechts, dann nach links – als würde sie überlegen, ob das Ding eventuell bewaffnet ist. Sie zögerte, holte tief Luft, sammelte all ihren Mut – und biss hinein. Was dann folgte, war ein Schauspiel für die Geschichtsbücher. Ihr Gesicht durchlief in wenigen Sekunden sämtliche menschlichen Emotionen: Verzweiflung, Überraschung, Reue, Existenzangst… aber Sie kaute. Tapfer. Heldenhaft. Ich beobachtete, wie sie schluckte, so langsam, als müsse sie vorher ihren Lebenswillen neu verhandeln.

„Und?“ fragte Juric erwartungsvoll. Die Augen leuchteten, als hätte er gerade bei MasterChef gewonnen.

Alina nickte langsam , der Blick glasig. „Ja ..also ..doch .Schmeckt… interessant. Und… knusprig.“

Ich presste mir fix die Hand auf den Mund, um nicht lauthals los zu lachen. Knusprig – das war das kulinarische Äquivalent zu „Riecht… einzigartig“ auf einer Beerdigung.

Juric strahlte, als hätte sie ihm gerade den Ehevertrag unterschrieben. „Puh...Gott sei Dank , dann iss weiter, sonst bekommst du deine Überraschung nicht!“ Er grinste dabei stolz wie Oscar .

Alina lächelte. Dieses tapfere Lächeln, das man sonst nur bei Leuten sieht, die bei einem schlechten Date höflich so tun, als hätten sie Spaß. Sie nahm also noch einen Bissen – und ich sah es kommen. Dieses Schicksal-in-Zeitlupe-Ding.

Knack.

Ich erstarrte.

Alina auch.

Nur Juric sah aus, als hätte sie gerade „Ja, ich will“ geflüstert. „Na?“ fragte er erwartungsvoll. „Merkst du’s?“

Oh ja, dachte ich, sie merkt’s – und zwar bis in die Kieferhöhle .

Alina hielt inne, kaute vorsichtig, als testete sie gerade ihre Versicherungspolice, und murmelte: „Ich glaub, ich hab grad auf was Hartes gebissen…“

Juric’s Augen leuchteten. „Überraschung!“ rief er und klatschte freudig in die Hände.

Alina griff zur Serviette, spuckte hinein – und da lag er. Der Ring. Glänzend. Eingebacken. Halb verkohlt. Wie eine kleine Titanic aus 24-Karat-Schokolade, kurz vor dem Untergang.

Der Bratva-Boss strahlte. „Na? Was sagst du?“

Zögerlich popelte sie den Ring aus den Krümeln, wischte Schokolade und Asche ab, hielt ihn hoch – und lächelte. „Oh..Der ist... wunderschön …“

Juric atmete erleichtert auf, als hätte er gerade eine Geiselnahme beendet.

Sie steckte sich den Ring an, betrachtete ihn eine Weile mit dieser Miene, die irgendwo zwischen Rührung und Ich-plane-gerade-meine-Flucht lag … Dann stand sie auf. Ganz ruhig. Ohne ein Wort.

Und ging.

Einfach so.

Ich hörte noch, wie die Haustür zuknallte, dann das Klicken der Autotür, den Motor – und schließlich dieses dramatische Knirsch-Kies-Finale, als der Wagen davonfuhr. Ehrlich, Hollywood hätte es nicht besser hinbekommen.

Stille.

Juric stand immer noch da. Regungslos. Der große Bratva-Boss, Bezwinger ganzer Syndikate – besiegt von einem Brownie. Vor ihm lag das kulinarische Tatort-Beweisstück: halb verkohlt, halb geschmolzen, komplett romantisch wertlos.

Ich sah ihn an.

Er starrte auf den Tisch. Dann langsam, ganz langsam hob er den Kopf. „Tilda…?“

„Ja?“

„Sie… hat nichts gesagt.“



Seitdem waren sieben Tage vergangen. Und keine Spur von Alina. Kein Anruf, kein Zettel, nicht mal ein Rauchzeichen.

Hätte ich vor einer Woche gewusst, was dieser Brownie-Antrag alles nach sich zieht, ich hätte das Ding eigenhändig gegessen – mit Ring. Oder gleich verbrannt. Denn statt einer Verlobung hatten wir jetzt einen Bratva-Boss mit Liebeskummer, einen angekokelten Ofen und eine Küche, die nach Drama und Schokolade roch.

Ich sag’s euch: Mit dem Antrag und Alinas Verschwinden fing das ganz große Desaster erst so richtig an. Mit allem, was dazugehörte – gefährliche Gegner, jede Menge Waffen …und zwei Frauen (plus ihre ziemlich verrückten Freunde), die die Bratva retten müssen. Ach ja – und vielleicht, ganz vielleicht, gibt’s am Ende sogar noch eine Hochzeit. Oder eine Explosion. Mal sehen, was zuerst passiert.

Aber das, meine Lieben…das erzähl ich euch im neuen Jahr. Bringt Popcorn mit. Und Wodka. Viel Wodka. Ihr werdet’s brauchen.

Tschüsikovski und bis bald

Eure Tilda