Ein Pakt aus Blut und Frost

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Zusammenfassung

Gerade erst hat die 21-jährige Isabelle ihre neue Stelle bei "Nordenhaven Industries" angetreten, da kollidiert ihr Leben mit einem Mann, den sie lieber niemals getroffen hätte: Leopold Steinhauer. Ihr Wunsch - Ein normales, alltägliches Leben. Doch als Hexe mit heimlichen Gaben ist Ruhe ein Luxus, den sie nie haben wird und erst recht nicht, als sie ausgerechnet dem Vampirfürsten gegenübersteht. Ein Abkommen besiegelt ein Schicksal, das sie nie gewählt hat und zwingt beide in eine Verlobung, die weder sie noch er wollen. Doch je näher sie ihm kommt, desto klarer wird: Manche Ehen werden nicht geschlossen, sie werden entfesselt.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
16
Rating
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Altersfreigabe
18+

Kapitel 1: Ein besinnlicher Start

Montag, der 01. Dezember 2025: Beginn der weihnachtlichen Zeit in der (fiktiven) Großstadt Nordenhaven.

Es ist Zeit zu tun, wofür dein Blut auserkoren ist.

• Isabelle •

Aus blauen Augen, die so dunkel wie der Nachthimmel sind, schaue ich in den Badezimmerspiegel und flute mein Gesicht mit einem Schwall eisig kalten Wassers. Es ist früh am Morgen und mit dem gestrigen Tag, also dem 30.11.2025, habe ich meine Ausbildung als Industriekauffrau bestanden. Zufällig bin ich seitdem auch 21 Jahre alt, aber das tut nichts zur Sache.

Ich kämme zur Sicherheit noch einmal die seidig glatten Strähnen meines schwarzen Haares durch, um auch ja ordentlich auszusehen.

In einer knappen Stunde starte ich den ersten Tag an meinem neuen Arbeitsplatz. Meine alte Firma ist leider ein eher kleines Geschäft und hat aktuell keine freie Kapazitäten, aber das ist nicht schlimm. Den neuen Job hatte ich schon vor 2 Monaten in der Tasche.

„Nordenhaven Logistics” ist aber auch ein großes Unternehmen, das wird schon.

Vor meinem Kleiderschrank schmeiße ich mich in ein elegant-normales Bürooutfit mit weißem Hemd und dunkelblauem Pullover darüber, so nicke ich mir schließlich motivierend zu. Ja, passt. Ich bin eine ganz normale Frau, die nicht unbedingt sehr auffällig ist und nun zur Arbeit geht. Sehr gut. Das ist eines meiner Ziele, denn ich trage da ein paar Geheimnisse mit mir herum.

Vorbereitet und gut gelaunt verlasse ich meine kleine Wohnung und mache mich auf den Weg. Als junger Mensch verzichte ich aus Kostengründen auf ein Auto, hier ist aber auch alles mit vernünftiger Infrastruktur zu erreichen. Ich steige also mit Musik in den Ohren in die Bahn und träume noch einen Moment, ehe ich an der Wunschstation ankomme und eine Straße weiter schon eines der hohen, teilweise aneinander gereihten Gebäude bewundere, die etwas von einer Skyline haben.

Die großen Flächen aus bodentiefen Fenstern und weiß-modernen Gebäudestrukturen, weil das hier eines der heiß begehrten Neubauten ist, wirken majestätisch und mächtig. Genau das ist Nordenhaven Logistics auch, denn hauptsächlich steht der Import und Export auf dem täglichen Plan.

Ich betrete nun den Eingangsbereich, der freundlich und konzeptionell minimalistisch gehalten ist. Mein Blick geht über die gewählt platzierten Grünpflanzen mit hellen Akzenten, die vor der weißgrauen Wand für einen stimmigen Kontrast sorgen. Das passt zum Image der Firma, denn der Geschäftsführer wirbt mit ökonomischen und klimafreundlichen Transportwegen.

Gewählt am Rand platziert steht auch schon ein großer Weihnachtsbaum mit passendem Schmuck und einer Lichterkette, bei dessen Aufmachung ich neidisch werde.

Das brauche ich für zuhause auch!

Mein persönliches Highlight ist aber die große Grünfläche an der Wand, die wie ein vertikaler botanischer Garten wirkt. Fehlt nur noch eine Sitzbank, wobei das physikalisch unmöglich wäre.

„Ah, unsere neue Kollegin Frau Westphal, richtig?“, hakt die ruhige Stimme des Empfangsmann nach.

Offenbar werde ich erwartet. Welch eine Überraschung, wenn heute mein erster Tag ist und ich um 08:00 Uhr zur Vertragsunterzeichnung auftauchen soll. Sicher hat er entsprechende Informationen. Ich nicke jedenfalls und erwidere die freundlichen Floskeln der Begrüßung.

In Sachen Smalltalk war ich schon immer gut und ich behaupte, dass ich das auch in Zukunft hinbekomme werde.

Der Empfangsmann nimmt mich nun mit und bringt mich zur Aufzugsanlage, die stimmungsvoll beleuchtet ist. Bei der Ankunft auf der Arbeit soll man schon das Gefühl bekommen, als beginne man seinen Tag mit Exklusivität. Ein Grund, warum ich mich für dieses Unternehmen entschieden habe. Ich liebe sowas.

Vor allem ist es für mich aber die Anonymität als eine von mehreren Mitarbeitern, die mich hier erwartet. In der Masse unterzugehen kann ich gut gebrauchen.

Einige Minuten später sitze ich mit meiner neuen Abteilungsleitung in ihrem Büro, um den Vertrag zu unterschreiben und noch paar erste Details zum Tagesablauf abzustauben. Ich entdecke beim Blick durch den Raum einiges an funkelndem Weihnachtsschmuck und sogar einen großen Adventskalender in der Ecke, dessen erstes Türchen schon geöffnet ist.

Ich gehöre zu der Kategorie, die an Tag 15 dann merkt, dass sie den Kalender vergessen hat.

„Das wäre vorerst alles. Haben Sie noch Fragen, Frau Westphal?“, hakt die Leiterin schließlich nach.

Sie ist eine Frau mittleren Alters, mit einem strengen Dutt und einer klassischen Rock-Blusen-Kombination. Immerhin ist ihr Gesicht freundlich, zum Verhalten treffe ich erst in einigen Wochen eine konkrete Aussage. Ich werde die allermeiste Zeit aber eh nichts mit ihr zu tun haben, sondern mit meinem Team.

„Soweit nicht, das kommt dann sicher alles während der Einarbeitung”, entgegne ich mit einem zarten Lächeln, als wir aufstehen und das Büro von ihr auch schon verlassen.

Auf den Weg zu meinem Büroplatz, der offenbar in einem Großraumbüro mit wabenartiger Struktur liegt, halten wir an einem der Plätze.

Eine junge Frau, vielleicht 2 oder 3 Jahre älter als ich, schaut unter dem Pony einer wilden, dunkelbraunen Haarpracht zu uns auf. Ihr liegt umgehend ein Lächeln auf den Lippen und sie steht auf.

„Ah, hallo! Ich bin Panagiota und übernehme deine Einarbeitung. Ähm, also, wenn das „Du” für dich in Ordnung ist. Oh und herzlich willkommen!“, reicht sie mir die Hand.

Mit einem Schmunzeln ergreife ich diese und unsere Abteilungsleiterin verdünnisiert sich ziemlich schnell. Natürlich ist es mir Recht, wenn dieses Gehabe mit „Sie” nicht sein muss.

Ich blicke in die Wabe meiner neuen Kollegin und muss mir ein „Oha” oder sowas verkneifen. Panagiotas Platz schwemmt über von kleinen Tannenbäumchen mit Mini-Lichterketten, die alle mit Batterien betrieben werden. Bei der ganzen Beleuchtung an ihrem Platz fällt mir das als allererstes auf, es sticht deutlich hervor.

„Ich zeige dir erstmal alles und stelle dich unserem Team vor. Unter uns spricht sich jeder mit Vornamen an, nur bei den Chefs natürlich nicht. Ah, warte! Hast du Freitagnachmittag Zeit? Da ist unsere Weihnachtsfeier. Du bist natürlich auch eingeladen”, gibt Panagiota von sich.

Ich bin schon eine offene und aufgeschlossene Person, aber die hier badet doch jeden Abend in Freudentränen. Oder?

Schließlich gehen wir von Platz zu Platz und ich lerne mein kleines Team, bestehend aus 13 Leuten, kennen. Jeder hat bestimmte Großkunden, für die entsprechende Aufträge erstellt, bearbeitet und ab gefrühstückt werden. Zusätzlich zu normalen Anrufen oder Anfragen, dessen Arbeit gesammelt und nach Auslastung verteilt wird. Auch ich habe schon feste Kunden, weil ich den Arbeitsplatz einer anderen Person übernehme, die nun in Rente ist.

Fürs Erste hört sich das alles ziemlich nett an.

Den ganzen Tag über verbringe ich nun mit der Einrichtung der Technik und allem, was ich sonst noch so brauche.

„Isabelle? Möchtest du dich noch in unsere Geburtstagsliste eintragen?“, hakt Panagiota gegen Ende des Tages nach.

„Klar, wo finde ich die denn?“, erwidere ich.

„Ich führe die für unsere Abteilung”, verkündet sie stolz.

Wieso wundert mich das jetzt nicht? Ihren Pony streicht sie wieder einmal halb aus dem Gesicht und ich beginne mich zu fragen, warum sie nicht einfach Haarspangen benutzt. Es ist aber jetzt schon ihr Markenzeichen, irgendwie mag ich das.

„Ja, also ich hatte gestern Geburtstag”, gebe ich zu.

„Oooh, ja dann herzlichen Glückwunsch nachträglich!“, macht sie kurz große Augen, schenkt mir dann aber eine kurze Umarmung.

So bringe ich meinen ersten Tag passabel über die Bühne und es ist nichts passiert, bei dem ich direkt wieder kündigen muss.

Gerade, als ich ausmachen und meine Sachen zusammenpacken will, steht Panagiota mit einem Wackeln der Augenbrauen im Eingang meiner Wabe.

„Unser Geschäftsführer hat ein kurzes Zeitfenster. Den anderen neuen Kollegen aus der Nachbarabteilung hat er auch schon begrüßt. Hast du noch einen Moment? Ich schwöre, das lohnt sich!“, erfragt sie mit einem Zwinkern am Ende

Ok, bei sexy Geschäftsführern habe ich eine kleine Schwäche. Also warum nicht?

Ich folge Panagiota zu den Aufzügen und schon geht es ganz nach oben in die absolute Chefetage. Hier sitzen die Chefs der Chefs und der Geschäftsführer selbst. Beim Vorbeigehen an den ganzen Büros muss ich mich schwer zusammenreißen, nicht hoch neugierig überall meinen Kopf hineinzustecken. Am ersten Tag will ich definitiv nicht unangenehm auffallen.

Das Eckbüro am Ende des Ganges ist natürlich seins.

„Herr Steinhauer? Ich habe die neue Kollegin dabei, passt es gerade?“, hakt Panagiota betont höflich nach.

Ich sehe bis hier, dass sie ihn anziehend findet.

Nach einem zustimmenden Laut folge ich ihr in den großen Raum, dessen Fläche größer als meine kleine Wohnung ist. Natürlich hat er einen eigenen Tannenbaum hier stehen, der den Geruch nach frischem Nadelwald im Raum verteilt. Hier und da gibt es dezente Dekoration, es hat aber nur eine einzige Lichterkette den Weg an den Baum geschafft.

Beeindrucken tut mich aber tatsächlich der künstliche Kamin, den er an die Wand gebaut hat. Er hat ihn sogar aufwändig mit Schiefersteinen verkleiden lassen, das kleine LED Feuer darin erleuchtet das helle Parkett davor. Die Wände sind in einem dunklen Grauton gehalten, sodass das Konzept hier atmosphärisch und gemütlich wirkt.

Ich kann es nicht anders sagen: Damit hat er mich.

Und er ist ein Vampir.

Seine karmesinroten Augen richten sich von seinem Arbeitsplatz zu uns. Der Schreibtisch ist hochgefahren und er arbeitet im Stehen, unterbricht seine Tabelle in Excel aber gerade für uns. Auf seinem zweiten Monitor kann ich Analysen und weitere Daten erkennen. Aber er hat gerade mehr meine Aufmerksamkeit. Das dunkelbraune, beinahe schwarze Haar bildet eine erstaunlich wilde Ordnung auf seinem Kopf. Und der leichte Bartansatz betont seine maskulinen Gesichtszüge.

Ich habe schon mit dem einen oder anderen Vampir zu tun gehabt, immerhin leben die ganz normal in der Gesellschaft, wie auch mein Zirkel de Hexen. Und Ja, ich bin eine echte Hexe. Das ist an sich nicht unbedingt das Geheimnis, welches ich mit mir herumtrage, denn Hexen sind genauso gesellschaftlich etabliert, wie die Vampire. Ich habe andere Geheimnisse.

Im Übrigens stehen Hexen und Vampire zwar nicht auf Kriegsfuß, aber freundlich würde ich den Kontakt zwischen uns nicht bezeichnen. Mein einziger Vorteil ist, dass Hexen optisch nicht sofort zu erkennen sind.

Vampire schon, immerhin sind diese karmesinroten Augen kennzeichnend.

„Das ist unser Geschäftsführer”, beginnt Panagiota, aber sie verstummt, als er mit seiner großen und athletischen Statur um seinen Schreibtisch herumkommt und uns mit aufrechter Haltung gegenübertritt.

Der Mann macht ordentlich Eindruck, aber ich lebe im 21. Jahrhundert und da läuft das anders.

„Leopold Steinhauer, aber das sollten Sie wissen, wenn Sie in meiner Firma anfangen”, begrüßt er mich mit einer erstaunlich wohlklingend tiefen Stimme, bei dessen Klang ich beinahe den Inhalt überhört hätte.

Wie unverschämt kann man bitte sein?

Er hält übrigens nicht einmal die Hand hin, viel mehr hebt er seine Augenbraue und sieht mich an.

„Das tue ich. Isabelle Westphal”, erwidere ich extra höflich, ohne mit der Wimper zu zucken.

Panagiota neben mir ist zutiefst erstaunt, dabei mache ich hier nichts Besonderes und sage nur hallo. Ich gehe lediglich nur nicht auf sein herablassendes Verhalten ein. Er sieht mich einen Moment niederschmetternd an, dreht sich dann betont langsam um und geht zurück an seinen Schreibtisch.

Was für ein Kotzbrocken, echt. Unglaublich gut aussehend, ja, aber das reicht leider nicht. Durchgefallen, setzen Sechs.

„Frau Westphal hatte gestern übrigens Geburtstag”, wirft Panagiota ein.

Ich hätte ihr am liebsten mit der flachen Hand auf den Arm gehauen, aber das lasse ich besser.

„Schön”, meint Herr Steinhauer schlicht.

Sein Blick ruht nun wieder auf seinen Monitoren, während er stumpf weiter in seiner Tabelle arbeitet. Und ich gehe direkt aus dem Raum heraus, weil er offenbar nun wieder beschäftigt ist und ich meine Zeit nicht mit so einem Arschlochverhalten verschwenden muss.

Wenn es gut läuft, sehe ich ihn maximal einmal im Jahr. Oder halt gar nicht, was durchaus auch sein kann.

Im Aufzug atmet Panagiota auf und sieht mich an.

„Ist er nicht eindrucksvoll und umwerfend?“, fragt sie mit einem Hauchen.

„Optisch ist das zutreffend”, erwidere ich ausweichend.

Falls sie es bemerkt, nimmt sie es hin und versinkt lieber wieder in der heimlichen Schwärmerei über ihn.

Ich gehe nun aber endlich in meinen wohlverdienten Feierabend.

• Leopold •

In meinem Leben treffe ich selten auf Menschen, die keinen Überlebenswillen haben.

Isabelle Westphal steht auf der Platzierung der dämlichsten Personen nun recht weit oben. Jeder normal denkende Mensch hält sich von hochrangigen Vampiren fern. Erst Recht verhalten die sich nicht so.

Wobei ich mir nicht sicher bin, ob sie meinen Status als Fürst des Hofes von Nordenhaven kennt. Unser kleines, eigenes Dorf liegt weiter nördlich und dort erlaube ich ausschließlich Vampiren Grund und Boden zu erwerben. In der Theorie ist das bekannt, aber wenn sie nie aus ihrem Viertel herausgekommen ist, wird sie „nur” davon gehört haben.

Es ist also wahrscheinlich, dass sie in ihren jungen Jahren vielleicht einfach nur sehr unwissend ist.

Mein Blick geht nun aber zu meinem Smartphone, auf dessen Display ich einen Namen sehe: Louis Freiwald.

„Ist alles bereit für das Treffen?“, gehe ich ohne großes Geplänkel ans Telefon.

Louis ist mein Stellvertreter, aber auch mein engster Freund und mein treuer Mitarbeiter. Unsere Geschichte ist sehr speziell und ich kenne ihn auch schon eine ganze Weile. Ich habe ihn schließlich als Fahrer eingestellt, damit er immer einen Grund hat ständig in meiner Nähe zu sein. Auch schon zu einer Zeit, in der Kutschen das Haupttransportmittel gewesen sind.

Diese Entscheidung hat sich jedenfalls bisher immer als äußerst praktisch erwiesen.

„Ja, die Bedingungen seitens der Vampire sind ausformuliert. Bist du denn bereit?“, verlangt er zu wissen.

Nein, bin ich nicht.

„Ja”, sage ich stattdessen und lege auf.

Ich werde ihn gleich aber eh wiedersehen, denn auf dem Heimweg erledige ich in meinem Wagen gerne noch wichtige Dinge.

So ein Fahrer ist wirklich praktisch.