Korean-Au-Pair: Offene Türen für Soo-ah

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Zusammenfassung

Ein Jahr als Au-pair in Deutschland – für die selbstbewusste Star-Tochter Soo-ah sollte es nur ein Abenteuer werden. Doch hinter der perfekten Fassade ihrer liebevollen Gastfamilie wartet etwas, das sie nie erwartet hat. Zwischen Kinderlachen am Tag und verbotener Lust in der Nacht lernt Soo-ah, was wahre Freiheit ist – und wie es sich anfühlt, von zwei Menschen gleichzeitig so sehr geliebt und begehrt zu werden, dass man sich selbst verliert und sein wahres Ich findet. Ein sinnliches, tabulos-offenes Spiel aus Nähe, Vertrauen und roher Leidenschaft.

Genre:
Erotica
Autor:
UR_Flower
Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
17
Rating
5.0 1 Bewertung
Altersfreigabe
18+

Kapitel 1

Endlich bin ich gelandet und die Bordtüren gehen auf. Der Nonstop-Flug aus Seoul war lang und anstrengend, trotz der Beinfreiheit der ersten Klasse. Während ich aus dem Flugzeug steige, blicke ich in die spiegelnde Scheibe des Gateways. Ein junges fröhliches Gesicht sieht mich an. Lange Wimpern und ein kleiner süßer Mund. Ich gebe ganz uneitel meinem Spiegelbild einen verspielten Kuss und gehe weiter. Als ich in der Ankunftshalle des Frankfurter Flughafens angekommen bin, strecke ich mich und schaue mich neugierig um. Die Halle ist groß und alles ist hektisch, aber irgendwie auch aufregend – endlich bin ich im Westen! Mein Herz klopft ein bisschen schneller, weil ich weiß, dass das Abenteuer jetzt richtig losgeht. Ich wollte schon immer diese ferne Kultur erleben. Mit einer Hand streiche ich mir durch meine langen schwarzen Haare, die mir sanft in Wellen bis zur Mitte meines Rückens reichen. Ich trage sie heute mit einem dünnen, silbernen Haarband leicht zurückgesteckt. Hier kennt mich keiner. Niemand weiß, dass ich die Tochter eines großen koreanischen Stars bin. Nur mein Look zeigt, dass ich keine normale Touristin bin. Ich trage einen luxuriösen, aber lässigen Look, schließlich wollte ich auch im Flugzeug stilvoll aussehen. Mein Oversized-Kaschmir-Pullover ist superweich und kuschelig. Er riecht immer noch nach zuhause. An einer Schulter rutscht er die ganze Zeit leicht herunter und zeigt etwas von meiner hellen glatten Haut. Ich gehe die Ankunftshalle entlang und ein paar Männer drehen sich ganz ungeniert um und sehen mir hinterher. Ich werde etwas rot und nehme meinen Trenchcoat, den ich bisher unter dem Arm getragen habe und ziehe ihn an. Ich schaue auf meine Smartwatch und checke die Zeit. „Eigentlich sollte meine Gastfamilie mich hier doch jetzt abholen“, denke ich und recke mich etwas, was aber nicht viel bringt. Die Europäerinnen und Europäer sind einfach viel größer als ich.

„Hoffentlich ist die Familie wirklich so nett, wie Ji-eun gesagt hat…. Sie hat ja total geschwärmt. Und hoffentlich ist der Gastvater nicht so ein langweiliger Deutscher, sondern ein bisschen cool. Ich will endlich mal richtiges europäisches Leben genießen – Partys, Reisen, vielleicht sogar einen süßen deutschen Freund kennenlernen… Aber erst mal muss ich die Kinder mögen. Ji-eun meinte, die seien total bezaubernd. Und die Mutter sei super stylish. Okay, Soo-ah, du schaffst das. Du bist schließlich nicht irgendwer.“

Ich ziehe meinen Koffer hinter mir her, meine Chanel-Tasche über der Schulter, und gehe mit selbstbewusstem, aber elegantem Schritt durch die Ankunftshalle weiter. Mein Blick schweift über die wartenden Menschen mit Schildern. Dann sehe ich einen Mann – er hält ein Schild mit „KIM SOO-AH ♡“ in schöner Schrift hoch.

Ein kleines, freudiges Lächeln huscht über mein Gesicht. Ich hebe leicht die Hand und winke dem Mann kurz zu, während ich direkt auf ihn zugehe. Mein Gang ist graziös, fast wie auf einem Laufsteg, aber natürlich, nicht so übertrieben.

Als ich nur noch ein paar Schritte entfernt bin, bleibe ich stehen, schaue ihn einen Moment prüfend, aber freundlich an und sage mit einem süßen, leicht kindlich akzentuierten Deutsch - weich und melodisch:

„Hi! Sie sind von der Familie Müller? Ich bin Soo-ah!“

Ich lächle den Mann strahlend an, neige leicht den Kopf zur Seite und strecke ihm dann vorsichtig die Hand entgegen – nicht zu forsch, eher eine elegante Geste. Gleichzeitig mustere ich den Mann kurz von oben bis unten, um einzuschätzen, ob er wirklich zur Familie gehört, die Ji-eun so gelobt hat.

Wenn das der Vater ist, dann heißt er Max. Ich habe bereits Fotos von ihm gesehen aber in Natura sieht er anders aus. Besser! Er macht irgendwas mit Immobilien-Aktien oder so. Ji-eun hat es mir erzählt, aber ich habe damals nicht richtig zugehört. Er trägt einen braunen Kaninchenwollmantel. Darunter sehe ich ein altblaues Hemd aus leinen. Seine Schuhe sind eine Maßanfertigung. Er hat ein ruhiges und gefasstes Lächeln als er meine Hand nimmt und sie bestimmt, aber nicht feste schüttelt.

In meinem Kopf denke ich: „Oh, er sieht eigentlich ganz nett aus. Und hoffentlich macht er sich nicht über meine deutsche Aussprache lustig.“

„Hallo Soo-ah. Ich hoffe du hattest einen schönen Flug. Dein Gepäck sollte gleich ankommen. Meine Frau und Kinder sind schon drüben bei der Gepäckausgabe. Ich bin übrigens Max. Schön, dass du hier in Deutschland bist. Und uns als Au Pair unterstützt.“

Dann fragt er mich, ob er mir noch was abnehmen soll und legt die Hand auf meine freie Schulter und führt mich aus der Menschenmenge der Ankunftshalle heraus. Als er meine nackte Schulter berührt, zucke ich ganz leicht zusammen – nicht aus Ablehnung, sondern weil die Berührung so unerwartet und nah ist. In Korea wäre das zwischen einem fremden Mann und einer jungen Frau ziemlich ungewöhnlich, aber ich erinnere mich daran, dass Europäer oft direkter und körperlicher sind. Ji-eun hat mir ja erzählt, dass Deutsche gerne umarmen. Es fühlt sich irgendwie aufregend an, ein bisschen verboten, aber auch willkommen – schließlich wollte ich ja den „Westen“ kennenlernen.

Ich schaue Max mit großen, neugierigen Augen an und mein Lächeln wird noch ein bisschen breiter – er sieht tatsächlich freundlich aus, gar nicht so steif, wie ich mir manche Deutsche vorgestellt habe.

„Hallo Max“, antworte ich mit meiner weichen, melodischen Stimme und einem leichten sing-song Akzent. „Danke! Der Flug war okay. Ein bisschen lang, aber ich habe viel K-Drama geschaut.“

Ich lache etwas zu gekünstelt, sodass es sich anhört wie von einer Aeni Figur (also koreanischen Animes).

„Oh, danke! Der Koffer ist nicht so schwer, aber vielleicht die Tasche?“

Ich halte Max mit einem süßen, fast schüchternen Lächeln meine Chanel-Tasche hin, damit er mir sie abnimmt. Gleichzeitig gehe ich bereitwillig mit, als er mich durch einen Korridor zu der Gepäckausgabe führt. Sein Arm um meine Schulter gibt mir ein seltsames Gefühl von Geborgenheit und Aufregung zugleich.

Meine Gedanken wandern blitzschnell durch meinen Kopf.

„Wow, er fasst mich einfach so an. In Seoul würde das niemand machen. Aber es fühlt sich gar nicht schlecht an. Er riecht gut. Nach irgendwas Frischem und Männlichem. Und er ist größer als die meisten koreanischen Männer. Hoffentlich sieht seine Frau das nicht falsch, wenn er mit mir im Arm ankommt. Vielleicht wird er dann auch schnell seinen Arm wegnehmen. Ji-eun hat gesagt, die Familie sei total offen. Okay, Soo-ah, bleib cool. Das ist genau das Abenteuer, welches du wolltest.“

Während wir zur Gepäckausgabe laufen, drehe ich leicht den Kopf zu Max hoch und frage neugierig:

„Max, wie lange fahren wir bis zu Ihnen nach Hause? Und sind die Kinder schon sehr aufgeregt, dass ich komme?“

Ich lächle dabei kokett – nicht absichtlich, es ist einfach meine Art – und meine langen Haare streifen leicht über seinen Arm, als ich mich ein bisschen näher an ihn lehne, um den Leuten auszuweichen.

„Die freuen sich schon riesig auf dich. Daher wollten sie auch unbedingt mitkommen“, sagt Max grinsend. „Sie waren auch richtig traurig als unser letztes Au Pair ging. Ich übrigens auch. Ich glaube sie war eine Freundin von dir. Ji-eun war echt ein nettes Mädchen. Ah! Sieh nur. Da sind sie ja. Das ist meine bezaubernde Familie. Schatz! Hier sind wird!“, ruft Max und winkt einer Frau und zwei Kindern entgegen.

Ich drehe mich neugierig in die Richtung, in die Max winkt und sehe eine hübsche blonde Frau (vielleicht Mitte 30) mit einem warmen Lächeln und zwei aufgeregten Kindern, einem Jungen von etwa 8 Jahren und einem Mädchen, welches gerade 6 geworden ist. Beide sprinten sofort los, als sie uns entdecken.

Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer, vor allem vor Freude, als ich die beiden Kinder sehe. Die sind allerliebst. Aber auch aus irgendeinem unbestimmten Grund fühle ich einen winziger Stich, als Max sagt, dass er das letzte Au Pair auch vermisst.

Irrationale Gedanken der Eifersucht schießen mir durch den Verstand.

„Ji-eun! Er hat sie wirklich gemocht, oder? Na ja, sie ist ja auch total süß und lustig. Aber jetzt bin ich hier, und ich bin definitiv nicht schlechter. Vielleicht sogar ein bisschen - besser?“

Ein kleines, selbstbewusstes Lächeln zuckt um meine Lippen.

Ich richte mich ein bisschen auf, schiebe mir eine Haarsträhne hinters Ohr und setze mein allerliebstes, strahlendstes Lächeln auf (das, das schon so manchen Fotografen in Seoul schwach werden ließ).

Die Kinder kommen angerannt. Das kleine Mädchen ruft schon von weitem „Soo-ah! Soo-ah!“ (offensichtlich hat Ji-eun ihnen Fotos von mir gezeigt), und der Junge bleibt etwas schüchtern einen Schritt hinter ihr stehen.

Ich gehe sofort in die Hocke, damit ich auf Augenhöhe mit ihnen bin, öffne die Arme und sage mit meiner süßesten, hellen Stimme:

„Hallo ihr beiden! Ach je, ihr beide seid ja noch putziger als auf den Fotos, die mir eure Eltern von euch geschickt haben! Ich bin Soo-ah~“

Das Mädchen stürzt sich direkt in meine Arme und umarmt mich fest. Ich lache leise, drücke sie sanft an mich und streichle über ihr blondes Haar. Dem Jungen strecke ich die Hand hin, zwinkere ihm zu und sage:

„Und du bist der große Bruder, richtig?“

Er wird ein bisschen rot und gibt mir schüchtern die Hand.

Dann stehe ich langsam wieder auf, drehe mich zu der Frau und mache einen kleinen, höflichen Knicks (ganz leicht koreanisch angehaucht, aber nicht zu formell).

„Hallo! Und Sie sind Anna! Ji-eun hat mir so viele tolle Dinge über Sie erzählt. Soo-ah. Danke das ich bei Ihnen bleiben kann für dieses Jahr!“ Ich lächle sie warm an, schaue ihr direkt in die Augen und lege mir dabei unbewusst eine Hand an die Brust – eine kleine, charmante Geste.

Während ich sie mustere, denke ich: „Wow, sie ist wirklich hübsch und sieht total nett aus. Der Stil ist super – skandinavisch clean, aber teuer. Okay, die Familie scheint echt perfekt zu sein. Und Max… der grinst immer noch so. Ob er mich auch schon ein bisschen süß findet?“

Ich schüttle den Kopf und schlage mir diese verrückten Gedanken aus dem Kopf. Verdammt! Ich stehe hier vor seiner Frau und seinen Kindern und werde etwa ein Jahr als Au Pair bei ihnen leben.

Ich drehe mich kurz zu Max um, schaue ihn mit einem spitzbübischen Seitenblick an und sage leise, fast flüsternd, sodass er es hört:

„Sie haben nicht gelogen. Ihre Familie ist bezaubernd.“ Dabei beiße ich mir ganz leicht auf die Unterlippe und lächle verschmitzt, bevor ich mich wieder den Kindern zuwende, die schon anfangen, an meinem Arm zu zupfen und mir aufgeregt erzählen wollen, was sie mir alles zeigen möchten.

Die Rückfahrt ist chaotisch, aber familiär. Die Kinder quasseln ohne Pause auf mich ein – die kleine Lina sitzt neben mir und zeigt mir stolz ihre neue Barbie, der Junge Leon versucht mir zu erklären, wie man Fortnite spielt. Anna dreht sich immer wieder vom Beifahrersitz um, lacht und fragt mich nach Seoul, K-Pop und ob ich wirklich Korean BBQ kochen kann. Max fährt entspannt, wirft nur ab und zu einen Blick in den Rückspiegel und grinst, wenn ich mit den Kindern lache. Im Autoradio laufen Kinderlieder und immer wieder müssen wir alle mitsingen. Was mir sehr schwer fällt, weil ich gar keine deutschen Lieder kenne, geschweige denn Kinderlieder.

„Aber dafür hast du noch genug Zeit“, denke ich und grinse, während ich zusammen mit den Kindern auf der Rückbank des großen Mercedes-SUVs sitze.

„Die sind wirklich wie eine kleine Familie aus einem Netflix-Film. So warm und laut zugleich. Anna ist super nett, gar nicht eifersüchtig oder distanziert. Und Max? Der schaut schon wieder in den Spiegel. Findet er mich wirklich süß, oder bilde ich mir das ein? Egal, Soo-ah, du bist hier für ein Jahr – genieß es einfach.“

Anna streichelt Max sanft über den Oberschenkel, als sie sich mal wieder zu uns nach hinten umdreht und fragt, ob ihre beiden kleinen Teufel mir nicht jetzt schon zu viel sind.

„Nein! Gar nicht. Ich finde es klasse. Sie brauchen nicht alle 5 Minuten nachzufragen“, sage ich voller Freude. Ich liebe Kinder und anscheinend lieben Kinder auch mich.

„Soo-ah. Du lebst jetzt mit in unserem Haus. Du musst uns nicht siezen. Wir sind nur Anna und Max. Okay.“

„Alles klar. Anna“, sage ich und werde etwas rot dabei. Das ist nicht so, wie wir es im Deutschunterricht gelernt haben.

Als wir schließlich von der Hauptstraße abbiegen und durch ein kleines Waldstück fahren, werde ich stiller und schaue neugierig aus dem Fenster. Die Straßen werden immer schmaler. Bald stehen wir vor einem großen Tor, was in zwei mit Naturstein verklinkerten Säulen eingebaut ist. Das automatische Tor öffnet sich leise, und wir fahren eine lange, geschwungene Auffahrt hinauf, gesäumt von hohen Kiefern. Und dann sehe ich das Haus.

„Wow…“, entfährt es mir leise, fast ehrfürchtig.

Das Haus ist atemberaubend – eine umgebaute alte Industriehalle mit riesigen Stahl-Glas-Fronten, die fast nahtlos in den Wald übergehen. Alles ist clean, modern, aber gleichzeitig unglaublich gemütlich: warme Holzverkleidungen, große Ledersofas, die man schon von außen durch die bodentiefen Fenster sieht, ein offener Kamin, der schon brennt, und überall persönliche Details – Kinderzeichnungen in teuren Rahmen, Familienfotos und Designlampen neben alten Erbstücken.

Wir halten vor einem großen Garagentor, das aussieht wie ein altes Industrietor. Die Kinder springen sofort raus und rennen zur Haustür. Anna steigt aus, dreht sich zu mir um und sagt mit einem stolzen Lächeln: „Willkommen zu Hause, Soo-ah!“

Ich steige langsam aus, stelle mich neben den Wagen und schaue mich staunend um – der frische Waldduft, das Knirschen vom Kies unter meinen Sneakern, das ferne Vogelzwitschern. Es fühlt sich an wie ein Traum.

Dann drehe ich mich zu Max der gerade meinen Koffer aus dem Heck holt. Ich gehe ein paar Schritte auf ihn zu, lege den Kopf leicht schief und sage mit einem weichen, fast flüsternden Ton:

„Das ist wunderschön hier. Wie aus einem Magazin. Ji-eun hat echt nicht übertrieben, als sie von eurem Zuhause gesprochen hat.“

Ich beiße mir kurz auf die Lippe, schaue Max direkt in die Augen und füge leise hinzu, sodass nur du es hörst: „Danke, dass ihr mir das hier ermöglicht und danke dafür, dass ich mich jetzt schon so Willkommen bei euch fühlen darf“

Dabei trete ich einen kleinen Schritt näher, sodass ich seinen Duft wieder rieche, und lege ganz kurz – wirklich nur eine Sekunde – meine Hand auf seinen Unterarm, als wollte ich mich bedanken. Meine Finger sind warm und weich, und ich lächle ihn mit meinem patentierten Soo-ah-Blick an: unschuldig und gleichzeitig ein kleines bisschen herausfordernd.

Dann drehe ich mich schnell wieder zu Anna und den Kindern um, die schon ungeduldig rufen: „Soo-ah! Komm! Wir zeigen dir dein Zimmer!“

Ich lache hell auf, winke Max kurz zu und laufe den Kindern hinterher – meine langen Haare wippen bei jedem Schritt, und der Kaschmir-Pullover rutscht wieder ein bisschen von der Schulter.

„Das wird das beste Jahr ever. Das fühle ich schon jetzt.“

Anna führt mich durch den offenen Flur – alles ist so hell, warm und stilvoll: graue Betonwände mit großen Kunstwerken, ein langer Läufer in Naturfarben, überall indirektes Licht. Die Kinder hüpfen voraus, Lina hält meine Hand fest, als hätte sie Angst, dass ich wieder verschwinde.

Dann stehen wir vor einem Zimmer und Anna öffnet die Tür.

„Das ist von nun an dein Reich“, sagt Anna.

Mein Zimmer ist ein Traum: ein großer, heller Raum mit einem bodentiefen Fenster zum Wald, einem Kingsize-Bett mit weißer Leinenbettwäsche, einem eigenen Schreibtisch aus dunklem Holz, einem großen Spiegel und einem offenen Kleiderschrank, der schon leer auf mich wartet. An der Wand hängt sogar ein kleiner Flatscreen und eine Bluetooth-Box. Es riecht nach frischem Holz und ein bisschen nach Lavendel.

„Das ist… unglaublich“, sage ich leise und andächtig. Dabei drehe mich einmal im Kreis. Ich stelle meine Chanel-Tasche vorsichtig auf den Schreibtisch, lasse den Koffer neben dem Bett stehen und streiche mit den Fingerspitzen über die weiche Bettdecke. Dabei muss ich an zuhause denken: „Das ist besser als mein Zimmer in Seoul…!“

Anna zeigt mir als nächstes das Badezimmer gegenüber von meinem Zimmer: riesig, mit freistehender Badewanne, Regendusche, doppeltem Waschbecken und warmen Fliesen. Alles in cleanem Weiß und Grau mit schwarzen Armaturen. Sie reicht mir ein kleines Holzschild mit der Aufschrift „Bitte nicht stören ♡“ und einem zweiten mit „In use“.

„Wir haben keine Schlösser an den Türen, also hänge einfach dieses Schild an die Tür, wenn du Privatsphäre brauchst. Lina ist die Einzige, die sich manchmal nicht dran hält. Nicht wahr, du kleines Monster?“

Sie beugt sich runter und kitzelt Lina, die quietschend vor Lachen wegflitzt und sich hinter meinen Beinen versteckt.

Ich lache hell auf, lege schützend eine Hand auf Linas Kopf und sage mit einem neckenden Unterton: „Kein Sorge, Anna. Ich denke Lina und ich werden uns schon arrangieren“, Lina schaut zu mir hoch und grinst verschwörerisch.

Dann erklärt mir Anna den groben Tagesablauf: morgens Kinder wecken und frühstücken, Leon zur Schule bringen, Lina in den Kindergarten, mittags meist frei für mich, nachmittags Kinder abholen, Hausaufgaben mit Leon machen, viel spielen, Abendessen vorbereiten (ich soll ab und zu koreanisch kochen, worauf alle sich schon freuen), abends frei, wenn die Kinder im Bett sind. An Wochenenden ist meist Familienzeit angesagt, aber ich hätte immer auch Zeit für mich.

Ich nicke aufmerksam, merke mir alles und sage zwischendurch immer wieder „Okay“ und „Verstanden!“ mit meinem süßen Akzent. Als Anna fertig ist, lege ich den Kopf leicht schief und frage mit einem warmen Lächeln: „Vielen lieben Dank, Anna. Das klingt perfekt für mich. Und falls ich irgendwas einmal falsch mache, sag es mir sofort, okay? Ich will die beste Au Pair sein, die ihr je hattet.“ Ich zwinkere leicht, halb im Spaß, halb ernst.

Anna lacht, umarmt mich kurz (eine herzliche, echte Umarmung) und sagt: „Du bist jetzt schon super, Soo-ah. Mach dir keine Sorgen.“

Die Kinder zerren mich dann sofort wieder raus – sie wollen mir den Garten, das Trampolin und das Baumhaus zeigen. Ich lasse mich bereitwillig mitziehen, drehe mich aber an der Tür noch einmal kurz um. Durch den Flur sehe ich Max, wie er gerade mit meinem schweren Koffer die Treppe hochkommt.

Unsere Blicke treffen sich für einen Moment. Ich lächle ihn kurz zu – ein kleines, nur für ihn bestimmtes Lächeln – hebe die Hand und forme lautlos mit den Lippen ein „Danke“ in seine Richtung. Meine Wangen werden ein ganz kleines bisschen rosa, dann werde ich schon wieder von Lina weitergezogen, während ich noch gerade so denken kann: „Das Badezimmer ohne Schloss… interessant. Und Max trägt meinen Koffer. So süß. Dieses Jahr wird definitiv spannend.“

Die Kinder zerren mich durch den Garten – es ist schon dämmrig, die Luft kühl und klar, typisch Winter. Und dann sehe ich ihn: den beheizten Außenpool. Er liegt ein bisschen abseits, eingebettet in eine Holzterrasse, umgeben von Loungemöbeln mit dicken Kissen und großen Outdoor-Heizstrahlern. Das Wasser dampft leicht in der kalten Luft, das Unterwasserlicht leuchtet in einem warmen Türkis, und es sieht einfach nur einladend aus.

„Oh wow…“, sage ich und bleibe stehen. „Der dampft richtig! Wie schön!“

Lina zieht mich bis ganz an den Rand. „Wir können sogar jetzt im Winter darin schwimmen!“, sagt sie stolz. „Papa hält ihn das ganze Jahr über schön warm! Nur ich darf noch nicht alleine in den Pool. Gehen wir mal zusammen Schwimmen, Soo-ah?“

Ich gehe in die Hocke, tauche vorsichtig einen Finger ins Wasser – es ist herrlich warm. „Klar machen wir das. Versprochen! Und er ist immer warm? Selbst wenn es schneit?“ Leon nickt eifrig. „Ja! Letztes Jahr haben wir uns das Feuerwerk zu Silvester aus dem Pool heraus angeschaut.“

Ich lächle, stelle mir vor, wie magisch das sein muss – Schnee ringsum, im warmen Pool treiben, das dampfende Wasser um einen herum. Ich beiße mir kurz auf die Lippe und schaue unauffällig zum Haus zurück, wo ich Max gerade am Fenster sehe, wie er uns beobachtet.

Später beim Abendessen ist es laut und gemütlich. Anna hat eine große Lasagne gemacht, dazu Salat und Knoblauchbrot. Ich helfe ein bisschen in der Küche, schneide Tomaten und erzähle von koreanischem Streetfood. Die Kinder wollen alles wissen: ob ich BLACKPINK kenne (natürlich), ob ich schon mal in einem K-Drama mitgespielt habe (nein, aber fast), und ob ich wirklich Kimchi machen kann. Ich verspreche, morgen Bibimbap für alle zu kochen.

Das Ins-Bett-Bringen zieht sich ewig. Lina will dreimal vorgelesen bekommen, Leon braucht noch ein Glas Wasser, dann will Lina plötzlich noch ein Kuscheltier suchen, das angeblich unter meinem Bett liegt (was natürlich nicht stimmt, aber ich spiele mit). Irgendwann, nach fast einer Stunde Gute-Nacht-Küssen und Umarmungen, sind sie endlich ruhig.

Ich komme leichtfüßig die Treppe runter – ich habe mich schon umgezogen: ein weicher, hellgrauer Kaschmir-Jogginganzug, das Oberteil leicht cropped, sodass ein schmaler Streifen meiner Taille zu sehen ist, dazu kuschelige Socken. Meine langen Haare habe ich zu einem lockeren, hohen Messy Bun gebunden, ein paar Strähnen fallen mir ins Gesicht.

Im Wohnzimmer brennt der Kamin, es ist warm und gemütlich. Anna sitzt schon auf dem großen Ecksofa, ein Glas Rotwein in der Hand. Max, kommt gerade aus der Küche mit einer Flasche und drei Gläsern.

„Endlich eingeschlafen, die kleinen Monster?“, fragt Anna lachend.

„Ja“, antworte ich und lasse mich mit einem kleinen Seufzer gegenüber auf das Sofa fallen, ziehe die Beine unter mich. „Sie sind wirklich bezaubernd, aber sie haben so viel kindliche Energie!“

Max schenkt mir ein Glas Wein ein, reicht es mir. Unsere Finger berühren sich kurz, und ich schaue ihn einen Moment länger an als nötig, lächle leise: „Danke dir, Max.“

Dann lehne ich mich zurück, nippe am Wein und fange an zu erzählen – erst zögernd, dann immer offener.

„Wisst ihr, Ich bin in Gangnam aufgewachsen. Mein Vater ist Schauspieler, Voice Actor und bei uns in Korea ziemlich bekannt. Deshalb war bei uns immer viel los – Paparazzi vor der Tür, Events, Premieren. Ich bin quasi mit roten Teppichen aufgewachsen.“ Ich lache leise. „Aber ehrlich? Manchmal war es auch anstrengend. Alle erwarten immer, dass du perfekt aussiehst, perfekt lächelst. Es ist so anstrengend.“

Anna nickt verständnisvoll. „Das kann ich mir vorstellen. Und warum genau wolltest du jetzt ein Jahr als Au Pair ins Ausland gehen?“

Ich drehe das Weinglas in meinen Händen, schaue kurz ins Feuer. „Weil ich das normale Leben kennenlernen wollte. Richtige Familien, richtige Freunde, keine Bodyguards oder Chauffeure. Meine Freundinnen haben alle so coole Geschichten aus Europa erzählt. Freiheit, Abenteuer – das richtige echte Leben“ Ich lächle verschmitzt. „Und ich wollte einfach mal sehen, wie es ist, wenn niemand weiß, wer mein Vater ist. Einfach nur Soo-ah sein.“

Dann schaue ich die beide an – erst Anna, dann Max – und sage mit einem warmen, ehrlichen Lächeln: „Um ehrlich zu sein, schon nach dem heutigen Tag denke ich, dass dies seit langer Zeit meine beste Entscheidung war. Ich liebe es hier. Ich liebe eure Familie euer Zuhause. Einfach alles!“

Ich lehne mich ein bisschen zur Seite, stütze mein Kinn in die Hand und beobachte die beiden über den Rand meines Glases hinweg. Das Feuer knistert, der Wein wärmt von innen, und ich fühle mich zum ersten Mal seit langem wirklich entspannt – und ein kleines bisschen aufgeregt, weil Max mir gegenübersitzt und mich anschaut, als würde er jedes meiner Worte aufsaugen.

Ich nippe noch etwas am Wein und denke zurück an seine Umarmung auf dem Flughafen. Zwischen den Beinen wird mir ganz warm und ich rutsche etwas auf der Couch hin und her.

„Dieses Jahr könnte wirklich gefährlich werden… auf die beste Art und Weise“, denke ich und sehe erst Max an und dann lange Anna und fühle mich sofort wieder schlecht. Die beiden sind doch ein verheiratetes Paar. Soo-ah! Schlag dir das aus dem Kopf.