Kapitel 1 – Geister der Vergangenheit
Edi.
Ich habe sein Gesicht nicht gesehen.
Das musste ich auch nicht.
In dem Moment, als mein Rücken die Wand berührte, wusste ich es. Dieser Mund presste sich auf meinen, als gäbe es noch eine Rechnung zu begleichen.
Carter fucking O’Connor.
Natürlich ist er es.
Das Schicksal ist eben eine rachsüchtige kleine Hure.
Seine Zunge drang in meinen Mund ein. Er tat so, als würde ihm hier alles gehören. Ohne jedes Zögern. Ich zögerte anscheinend auch nicht. Meine Beine öffneten sich instinktiv – eine Mischung aus Körpergedächtnis und Masochismus.
Bilder blitzten in meinem Kopf auf. Sie waren bedrohlich und ungebeten.
Carter, wie er mir die Augen verbindet. Seine Hand an meiner Kehle. Er flüstert meinen Namen wie eine Sünde, die er immer wieder begehen würde.
Fünf Jahre.
Fünf verdammte Jahre.
Und das Erste, was ich tue? Ich lasse mich von ihm gegen eine Wand drücken. Ich lasse mich küssen wie eine Drohung.
Denn genau das war es.
Keine Liebe.
Keine Lust.
Eine Warnung.
Seine Hände glitten unter meinen Rock. Sie kannten den Weg genau. Seine Fingerspitzen waren rau, seine Handflächen unverschämt. Er zog die Vergangenheit meine Oberschenkel hoch, als wäre sie nie weg gewesen.
Ich hasste es, wie mein Körper sich ihm entgegenstreckte.
Nein – nicht ihm. Sondern seinem Geist.
Dem Carter, der mich kaputt gemacht hat.
Der Version von ihm, nach der ich mich nie wieder sehnen wollte.
Im Grunde ist es dasselbe.
Er stöhnte in meinen Mund. Es klang, als würde er meinen Geschmack hassen, aber trotzdem mehr wollen.
Gut so.
Er soll ruhig daran ersticken.
Ich krallte mich in sein Hemd. Meine Nägel gruben sich ein. Ich war wütend auf mich selbst, weil ich ihn überhaupt berührte.
Das hier war nur alte Gewohnheit unter einer Maske.
Es war Trauer, die sich als Verlangen tarnte.
Seine Lippen fanden meinen Hals und ich ließ es zu. Idiotisch von mir.
Ich riss ihn hart an den Haaren.
Er grunzte nur.
Er hörte nicht auf.
Warum sollte er auch? Er wusste schon immer, welcher Teil von mir zuerst nachgibt. Er zielte nie auf etwas anderes ab.
Ein anderes Jahr. Dieselbe Hölle.
„Trägst du immer noch Spitze?“, fragte er. Es klang so beiläufig, als würden wir uns auf einen Kaffee treffen.
„Bist du immer noch so ein arroganter Bastard?“, zischte ich zurück.
Er antwortete nicht. Er schob einfach seinen Oberschenkel zwischen meine Beine und drückte nach oben. Genau gegen diesen demütigenden Schmerz, der eigentlich gar nicht mehr da sein dürfte.
Mein Kopf knallte gegen die Wand.
Er fing ihn mit seiner Hand auf.
Wie aufmerksam.
Zerstör mich, aber pass auf meinen Kopf auf.
Er zog mein Oberteil nach unten, als stünde es ihm zu.
„Denkst du noch an mich?“
Seine Stimme war tief. Vertraut. Abscheulich.
Ich gab keine Antwort.
Ich traute meiner eigenen Stimme nicht.
Stattdessen riss ich seinen Gürtel auf. Als könnte mich das retten.
Spoiler: Es rettete mich nicht.
Seine Finger glitten unter meine Unterwäsche.
Er fluchte leise.
Dann lag sein Mund wieder auf meinem. Hungrig und besitzergreifend. So küsst man jemanden, der einem früher mal gehört hat und den man sich jetzt einfach wieder nimmt.
Ich öffnete seine Hose.
Er schob meinen Slip zur Seite.
Keine Warnung. Kein Vorspiel.
Nur Hitze.
Nur Haut.
In diesem Moment merkst du, dass deine Regeln einen Scheißdreck wert sind. Die Vergangenheit spreizt dir die Beine und deine Zukunft wehrt sich nicht einmal.
Er presste die Spitze seines Cocks gegen mich. Er hielt inne. Ganz kurz.
„Sag mir, dass ich aufhören soll“, sagte er.
Ich sah ihm fest in die Augen.
„Wag es dich bloß nicht.“
Und dann war er in mir.
Ein harter, rücksichtsloser Stoß.
Keine Romantik. Keine Wiedergutmachung. Nur Zerstörung.
Alles, was wir nicht ausgesprochen hatten, entlud sich in Rhythmus, Schweiß und Gewalt.
Er fickte mich, als wäre er wütend darüber, dass ich ihn immer noch ließ.
Ich krallte mich an ihn. Ich versuchte einen Krieg zu gewinnen, den wir längst verloren hatten.
Mein Stöhnen war gedämpft. Seines nicht.
Der Raum hallte von all dem wider, was wir nicht sein sollten.
Sein Griff an meiner Hüfte war besitzergreifend. Er hinterließ blaue Flecken. Wie ein Mann, der Anspruch auf etwas erhebt, das er gar nicht verdient hat.
Sein Atem kitzelte mein Ohr.
„Immer noch das Beste, was du je hattest?“
Ich antwortete nicht.
Also fickte er mich härter.
„Sag es.“
Ich fuhr mit den Nägeln seinen Rücken hinunter. Ich wollte ihn fast aufschlitzen.
„Das hast du dir noch nicht verdient.“
Er knurrte.
Ein Stoß.
Und ich kam.
Heftig. Lautlos. Gewaltig.
Ich hasste ihn dafür.
Ich hasste mich selbst noch mehr. Weil mein Becken ihm entgegenkam. Als würde mein Körper ihm noch immer gehören. Als würde mein ganzer Schmerz seinen Namen fließend beherrschen.
Er kam Sekunden später. Er vergrub sein Gesicht an meinem Hals, um das Geräusch zu dämpfen. Feigling.
Dann herrschte Stille.
Fast.
Denn ich sagte es.
Die einzige Wahrheit, die mir noch blieb.
„Ich hasse dich immer noch so verdammt sehr.“
Er lachte.
Leise. Gebrochen. Erfreut.
„Gut“, sagte er und zog seinen Reißverschluss hoch. Er starrte dabei an die Wand, nicht in mein Gesicht.
„Ich wäre enttäuscht, wenn es nicht so wäre.“
Schweigend zog ich mein Oberteil zurecht und strich meinen Rock glatt. Ohne ein weiteres Wort ging ich einfach weg.
Das Geräusch seines Reißverschlusses hallte noch wie eine Beleidigung in meinen Ohren nach.