KAPITEL 1
Dieses Buch ist ein fiktionales Werk. Alle Namen, Charaktere, Firmen, Orte, Ereignisse und Begebenheiten sind entweder das Produkt der Vorstellungskraft des Autors oder werden fiktiv verwendet. Jede Ähnlichkeit mit realen Personen, lebenden oder toten, oder mit tatsächlichen Ereignissen ist rein zufällig.
Urheberrecht © 2026 Violet Crosby
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Buchcover : Violet Crosby
Deutsche Übersetzung : Violet Crosby
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Sie nannten sie „Elowen, die verfluchte Wölfin“. Dreizehn Jahre des Leidens für eine letzte Nacht der Opferung. Sie wollten sie daran hindern, sich zu wandeln, zu dem zu werden, was sie sein sollte. Den Dornen und dem brennenden Silber überlassen, wartete das junge Mädchen nur noch auf das Ende ihrer Qualen. Plötzlich tauchen zwei gefleckte Silhouetten aus dem Nebel auf. Indem sie ihre Ketten brachen, erweckten sie eine vergessene Prophezeiung. Elowen wird in das Herz der gefrorenen Berge zum königlichen Clan des Blauen Gletschers gebracht und trifft dort auf den Blick von Alpha Thalys. Ein azurblauer Blick, der in ihren Narben zu lesen scheint. Warum fürchtete der Dunkle Mond die Verwandlung eines Kindes so sehr? Man lässt eine Wölfin nicht ohne einen finsteren Grund zum Sterben zurück... Zwischen dem Feuer des Verrats und dem Eis der Rettung hat die Wahrheit den Geschmack von Blut und Azur.
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Kapitel 1 :
ELOWEN
Kapitel 1 : Die Dämmerung einer Verstoßenen
Die Kälte war kein Feind mehr; sie war zu einem verhängnisvollen Liebhaber geworden. Sie schlich sich unter Elowens Haut, betäubte die Nervenenden und verwandelte den gellenden Schmerz ihrer Glieder in ein dumpfes, fernes Summen. An die jahrtausendealte Rinde einer Schwarzeiche gekettet, deren Zweige sich wie Krallen um sie zu schließen schienen, kämpfte das junge Mädchen nicht mehr.
Der Geruch war das Schlimmste. Es war nicht nur der Geruch des verrottenden Waldes oder des aufkommenden Schnees; es war der metallische, ekelerregende Duft von Silber. Die Kette, die ihre Handgelenke und ihren Hals umschlang, war kein einfaches Band, sie war ein Gift. Das heilige Metall verbrannte ihr Gestaltwandlerfleisch und setzte einen unsichtbaren Rauch sowie einen Geruch nach Ozon und verkohltem Fleisch frei, der ihr bei jedem mühsamen Atemzug den Magen umdrehte. Das Rudel des Dunklen Mondes hatte keine schnelle Hinrichtung gewollt. Sie zogen es vor, zuzusehen, wie sie sich von innen heraus verzehrte, erstickt von ebenjenem Metall, das die Geburt ihrer Wölfin verhindern sollte.
Als ihre Stirn gegen das raue Holz sank, begann ihr Bewusstsein abzudriften, floh vor der unerträglichen Realität, um Zuflucht in den Trümmern ihrer Vergangenheit zu suchen.
Sie sah das vierjährige Mädchen wieder, das sie einst gewesen war. Ein Kind mit funkelnden Augen aus reinem Gold, das an einem nebligen Morgen vor den gewaltigen Eisengittern des Rudels ankam. Sie erinnerte sich an das Gefühl ihrer kleinen Hand in der eines Wächters, an ihre naive Vorfreude auf das, was sie für ein neues Abenteuer hielt. Sie wusste damals noch nicht, dass der Name „Dunkler Mond“ keine poetische Metapher war, sondern ein Versprechen ewiger Finsternis. Alpha Krane, ein Mann, dessen bloßer Schatten das Blut gefrieren zu lassen schien, hatte sie mit einer Verachtung gemustert, die sie hätte warnen müssen.
„Noch ein Maul zu stopfen“, hatte er ausgespuckt. „Sorgt dafür, dass sie schnell ihren Platz lernt.“
Ihr Platz war der eines Sündenbocks. Die Schikanen hatten schon in den ersten Wochen begonnen: ein umgestoßener Teller, ein Stoß im Treppenhaus, und dann, im Laufe der Jahre, die systematischen Schläge und die erschöpfenden Frondienste. Die anderen Kinder des Rudels, von ihren Eltern ermutigt, hatten sie zu ihrer Zielscheibe gemacht. Je älter sie wurde, desto mehr verwandelte sich die Angst in ihren Augen in grausamen Hass. Warum? Was hatte sie getan, um diese stille Verbannung innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft zu verdienen?
Im Nebel ihres Todeskampfes versuchte ein sanfteres Bild durchzubrechen. Ihr Leben davor. Eine lichtdurchflutete Existenz in einem Haus, das nach Kiefernharz und Zimtbrot duftete. Sie sah ihre Eltern wieder, deren Gesichter mit der Zeit grausam verblassten, von denen sie jedoch die Wärme der Erinnerung bewahrte. Und ihre Brüder... ihre Beschützer. In ihren Kinderaugen waren sie Riesen, donnerndes Gelächter, das die Albträume vertrieb.
Alles war in einer Januarnacht ausgelöscht worden, einer mondlosen Nacht, so kalt, dass die Bäume im Frost zu bersten schienen. Die Stille jener Nacht suchte ihre Träume noch immer heim. Ihre Eltern und ihre Brüder waren von heute auf morgen verschwunden und ließen sie allein dem Rudel von Krane gegenüberstehen. Die Flamme der Freude war ausgeblasen worden; zurück blieben nur ein rauchender Docht und eine abgrundtiefe Leere in ihrer Brust.
Um nicht völlig unterzugehen, hatte Elowen die Kunst der Unsichtbarkeit gelernt. Sie hatte sich in ein schützendes Schweigen gehüllt, schlug die Augen nieder, verwischte ihre Spuren und wurde zu einem Schatten unter Schatten, um den Krallen der Alphas zu entgehen. Jeden Abend, zusammengekauert in der eisigen Ecke der Scheune, die ihr als Zimmer diente, hob sie ihre goldenen Augen zur Mondgöttin empor und flehte um ein Ende oder ein Wunder.
Ihr einziger Rettungsanker lag im Diebstahl. Nicht von Nahrung, obwohl sie oft hungrig war, sondern von Worten. Heimlich schlich sie sich in die riesige Bibliothek von Alpha Krane, ein Heiligtum aus Leder und Papier, in dem niemand auf die Idee kam, nach ihr zu suchen. Dort fand sie die Stimmen ihrer Brüder wieder. Sie waren es gewesen, die ihr das Lesen beigebracht hatten, während sie am Kamin saßen und auf die farbigen Buchmalereien in ihren Märchenbüchern zeigten.
In der Stille der Bibliothek entfloh sie. Sie durchquerte Wüsten aus Feuer, segelte auf Meeren aus Saphir und erstieg Berge, deren Gipfel die Sterne berührten. Diese Geschichten waren ihre Rüstung. Ihr Wissensdurst war das Einzige, was Krane nicht hatte brechen können. Sie las, um sich daran zu erinnern, dass eine andere Welt existierte, eine Welt, in der eine Wölfin keine Sklavin war, sondern eine Königin.
Doch heute, mit siebzehn Jahren, am Vorabend ihrer ersten Wandlung, hatte das Rudel entschieden, dass Elowens Geheimnis zu gefährlich war. Sie hatten sie hierher geschleppt, in diesen verfluchten Teil des Waldes, damit sie sterbe, bevor ihre Wölfin ihren ersten Schrei ausstoßen konnte.
Ein stechender Schmerz, wie ein weißer Feuerblitz, durchzuckte ihre Venen. Das Silber kam mit ihrem Blut in Berührung. Ihre Lungen kämpften um einen letzten Atemzug. Die Atmosphäre des Waldes schien sich schlagartig zu ändern. Der Geruch von nasser Erde und Fäulnis wurde von einer Böe reiner Luft hinweggefegt, einem Duft nach ewigem Schnee, wilder Minze und roher Macht.
Elowen öffnete ein letztes Mal die Augen. Sie sah nicht mehr die Bäume, sondern Lichtflecken, die vor ihr tanzten. In einer letzten Kraftanstrengung, einem Akt des Trotzes gegen jene, die sie gebrochen hatten, öffnete sie den Mund. Es war kein Schrei der Unterwerfung. Es war ein herzzerreißender Ruf, eine Klage, die all das Leid ihrer dreizehn Jahre in der Hölle in sich trug, ein Klang, so rein und so tragisch, dass er die Zeit selbst einzufrieren schien.
Ihr Kopf sank zurück. Ihre Sicht wurde dunkel.
Dann geschah das Wunder. Durch den milchigen Schleier des Nebels tauchten zwei Gestalten auf. Sie bewegten sich nicht wie Wölfe; ihr Gang war geschmeidiger, katzenartiger, eine tödliche Eleganz, die der Wald zu respektieren schien, indem er verstummte. Ihr dichtes Fell, von einem gebrochenen Weiß mit dunklen Rosetten übersät, glänzte im schwachen Schein des Mondes.
Elowen glaubte endgültig zu sterben, als sie ihre Augen sah. Vier glühende azurblaue Kreise von unergründlicher Tiefe fixierten sie. Es war kein Hass, den sie darin las, sondern eine von Schock begleitete Neugier.
Eine der Gestalten näherte sich, ihr warmer Atem bildete Dampf in der gefrorenen Luft. Elowen spürte eine immense, königliche Präsenz, die sich über sie beugte. Ein Geruch nach Eis und Erhabenheit umhüllte sie und vertrieb für einen Augenblick den grässlichen Duft des Silbers.
„Sieh mich an, kleine Wölfin...“, schien eine Stimme in ihrem Geist zu flüstern, eine Stimme, die nichts von Kranes Brutalität an sich hatte.
Elowen wollte antworten, doch ihre Kräfte verließen sie. Sie sank in die Bewusstlosigkeit, davongetragen vom Blau dieses Blicks, mit dem ersten seltsamen Gefühl, dass das Eis, weit davon entfernt, ihr Grab zu sein, vielleicht ihre Rettung bedeuten könnte.









Interessant 🤩 ich freue mich auf Fortsetzung.
Der Einstieg ist Dir wirklich gut und spannend gelungen 😘