Kapitel 1
Riley
Heute ist kein Tag wie jeder andere, denn heute bin ich auf dem Weg um meinen absoluten Traumjob anzutreten.
Ich weiß das viele Trainer sich um diesen Job reißen würden, wann bekommt man schon die Chance ein Pferd aus der Zucht von Jake Lancaster auszubilden und zu trainieren?
Nie im Leben hätte ich damit gerechnet das jemand von der Blue Sky Ranch meine Dienste anfordern würde.
Erst vor wenigen Wochen hatte ich bei einem Rodeo in der Nähe Nik Lancaster kennengelernt.
Er ist der jüngere Bruder von Jake und professioneller Rodeoreiter wie meine kleine Schwester Jamie.
Er erzählte mir von der erfolgreichen Zucht seines Bruders als wir nach einem Rodeo zusammen saßen um Jamie`s Sieg beim Barrel Race zu feiern.
Am Ende des Abends tauschten wir unsere Nummern aus und jeder ging seiner Wege.
Im Grunde hatte ich das ganze schon fast vergessen, bis ich vor fünf Tagen einen Anruf von Jake Lancaster höchstpersönlich bekam der nachfragte ob ich Interesse hätte seinen Nachwuchshengst zu trainieren und auszubilden.
Zuerst dachte ich da wolle sich jemand einen Scherz mit mir erlauben, bis er mir sagte das er meine Nummer von seinem Bruder Nik habe der in den höchsten Tönen von mir geschwärmt hätte.
Was soll ich sagen, hier bin ich nun in meinem Ford F-150 und fahre auf staubigen Straßen meinem neuen Ziel Blue Sky Ranch entgegen.
Nachdem ich die Stadtgrenzen von Missoula hinter mir gelassen habe komme ich immer mehr in den Genuss malerischer Landschaft.
Laut meinem Navi sollte ich in ca. zwei Stunden die kleine Stadt Ronan erreichen und von da aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Blue Sky Ranch.
Ich erreiche Ronan um die Mittagszeit und beschließe meinem knurrenden Magen etwas Futter zukommen zulassen.
Kurze Zeit später parke ich meinen Wagen vor einem Gebäude mit einem großen Schild mit der Aufschrift „Crazy Chicken“.
Nun gut, verrücktes Huhn klingt schonmal interessant.
Neugierig betrete ich das Gebäude. Als erstes springt mich ein großes Wandbild von einem offensichtlich verrücken Comic-Huhn an.
Ich kann mir beim besten Willen ein Grinsen nicht verkneifen und lasse meinen Blick schweifen. Die Einrichtung ist geschmackvoll und doch einfach gehalten. Einige Tische stehen in der Mitte des Raumes, die Theke befindet sich gegenüber der Eingangstür. Irgendwie bekomme ich den Eindruck, dass das Crazy Chicken mehr ist als nur ein gemütliches Bistro.
An der Wand hängt eine Dartscheibe, an der abends bestimmt so manches spannende Spiel ausgetragen wird.
Ich suche mir einen Platz an der Theke um meine Bestellung aufzugeben. Die junge Frau strahlt mich freundlich an, so das ich mich direkt Willkommen fühle.
Kurz huscht mein Blick über die wenigen anderen Gäste.
Ein paar Männer stehen an einem Gatter, das einen mechanischen Bullen umgibt und feuern den Kerl an der gerade sein bestes gibt sich auf dem Biest zu halten, mit eher mäßigem Erfolg möchte ich festhalten. Als er wenig elegant auf die weiche Matte purzelt, entweicht mir ein leises Lachen.
Sofort wenden sich mindestens fünf Köpfe zu mir, na klasse Riley.
Einer der Kerle, ein recht beeindruckendes Exemplar kommt auf mich zugestapft.
Ich beschließe so zu tun als würde ich ihn nicht bemerken und wende mich konzentriert meiner kalten Cola zu.
„Hey Lady, hast du gerade über meinen Kumpel gelacht?“, raunzt er mich von der Seite an. Nicht nur das er eine recht feuchte Aussprache hat, er scheint auch nichts von Privatsphäre zu halten und stellt sich viel zu nah neben mich.
Ohne den Blick zu ihm zu wenden, meine Eiswürfel sind viel interessanter lasse ich ihm ein schlichtes „Jepp!“, zukommen.
Sein empörtes Schnauben lässt meine Mundwinkel kurz zucken.
Lässig drehe ich mich auf meinem Barhocker zu ihm um und schiebe ihn mit meiner flachen Hand etwas von mir weg.
„Warum? Hast du damit ein Problem, Bärchen?“, seine Augen weiten sich ob des Kosenamens, kurz ist er irritiert und sucht nach Worten.
„Äh, das ist nicht nett Lady. Er macht das heute zum erstenmal. Kannst du es denn besser?“, er funkelt mich herausfordernd an, was mich wieder rum schmunzeln lässt.
„Jepp, kann ich aber ich habe keine Lust auf einen Schwanzvergleich bei dem du sowieso den kürzeren ziehen und dann heulend zu deiner Mami rennen würdest. Ich will hier lediglich mein Sandwich essen und dann meine Fahrt fortsetzen.“ Eigentlich tut er mir fast leid. Ich bin normal keine solche Zicke, aber ich bin hungrig und wer mir in diesem Zustand blöd kommt wird schon mal angezickt.
Leise seufzend sehe ich ihn an.
„Hör zu Bärchen, ich bin wirklich verdammt hungrig und würde gern mein Sandwich essen. Meinst du, das wäre machbar?“, ich schenke ihm mein schönstes lächeln woraufhin er sich brummend zu seinen Kumpels verzieht.
Ich höre noch wie er leise vor sich hinbrummt Weiber.
Hungrig mache ich mich über mein Schinken – Käse Sandwich her, das mir gerade wie das feinste Sternemenü vorkommt. Innerhalb kürzester Zeit habe ich alles verputzt.
Ein leises Lachen lässt mich aufblicken. Vor mir steht eine schlanke aber durchaus kurvige, junge Frau mit Flachsblonden Haaren und Blauen Augen und grinst mich fröhlich an.
„Du scheinst sehr hungrig gewesen zu sein, nur selten sieht man jemand so schnell sein Sandwich verschlingen. Mein Name ist Taylor und mir gehört dieses noble Etablissement. Ich hoffe Mac war nicht zu unfreundlich zu dir?“, sie deutet mit dem Kopf in Richtung der Kerle die immer noch ihren Kumpel auf dem Bullen anfeuern.
„Ne, war alles okay, im Grunde war eher ich unfreundlich zu ihm. Riley ist mein Name.“, ich strecke ihr meine Hand hin die sie schmunzelnd ergreift und kräftig drückt.
„Was treibt dich in unser verlassenes Nest Riley?“, neugierig sieht sie mich an.
Ich überlege ob ich ihr sagen soll warum ich in der Gegend bin, aber wenn ich den Job annehme wird es in kürze sicher eh bald jeder wissen.
„Ich bin auf dem Weg zur Blue Sky Ranch, geschäftlich. Ist es noch weit?“, sie nickt leicht zu meinen Worten.
„Von hier aus sind es noch etwa zwanzig Minuten bis zur Blue Sky Ranch. Wirst du länger in der Gegend sein?“, ich zucke leicht mit den Schultern.
„Das wird sich zeigen, auf jeden Fall komme ich nochmal vorbei um mehr vom Crazy Chicken zu entdecken.“
Wir unterhalten uns noch eine Weile bevor ich mich wieder auf den Weg mache das letzte Stück meiner Reise hinter mich zu bringen.
Hätte ich gewusst was mich erwarten wird hätte ich mir mehr Zeit gelassen.
Eindeutig beeindruckt fahre ich die Straße entlang auf das große zweistöckige Ranchhaus zu. Auf den Weiden neben der Straße grasen friedlich schwarze Kühe mit ihren Kälbern.
Eigentlich hatte ich Pferde erwartet, aber ich weiß das die Lancasters auch Black Angus Rinder züchten. Ich parke meinen Truck vor dem Haupthaus, neben einem weißen Truck mit der Aufschrift „Blue Sky Ranch“ und steige langsam aus.
Aufmerksam sehe ich mich um, kann aber auf den ersten Blick niemand entdecken den ich fragen könnte wo ich Jake Lancaster finde.
Schulterzuckend stapfe ich die paar Stufen zur Veranda hinauf um dann an die Tür zu klopfen. Es dauert einen Moment bis ich ein Geräusch aus dem inneren vernehme und die Tür von einem Mann mittleren Alters, hochgewachsen, mit weißen T-Shirt und einer Schürze über seinen Jeans um die Hüften sieht er fast zum anbeißen aus. Mit vor der Brust verschränkten Armen sieht er mich abwartend an.
„Äh, sorry ich suche Mister Lancaster?“, kurz zucken seine Mundwinkel.
„Warum?“, oh wie schön, einer von der ganz gesprächigen Sorte. Ich verdrehe minimal meine Augen, Männer!
„Ich habe einen Termin mit ihm, wegen eines Jobs!“, herausfordernd sehe ich ihn an. Seine Mundwinkel zucken minimal ehe er seinen Blick von Kopf bis Fuß über meine Gestalt gleiten lässt.
„Ach? Er hat mir gar nicht gesagt das er gedenkt eine neue Putzfrau oder gar Küchenhilfe einzustellen. Also Lady, was wollen Sie von Mister Lancaster?“ Putzfrau? Küchenhilfe? Mir entweicht ein entrüstetes Schnauben, gerade als ich loslegen will lässt mich eine Stimme aus dem Hintergrund zusammenzucken.
„Das ist keine Lady. Sei vorsichtig Cookie die kleine hat mehr Haare auf den Zähnen als du am Sack!“, um nicht aufzuheulen kneife ich kurz meine Augen zusammen.
Ich kenne diese Stimme. Ich drehe mich um, um meinem neuesten Freund Bärchen gegenüberzustehen.
„Bärchen.....Hi!“, ich versuche freudig zu klingen, was mir jedoch nur bedingt gelingen mag. Mit hochgezogenen Augenbrauen starrt er mich an.
„Verfolgst du mich etwa du Floh? Lass sie bloß nicht ins Haus Cookie, wer weiß was sie uns einschleppt.“, sprachlos starre ich den großen Kerl an, gerade als ich etwas sagen will spricht der Mann namens Cookie.
„Ihr kennt Euch? Sag mal Mac oder sollte ich dich künftig besser Bärchen nennen, was hast du uns denn da feines mitgebracht, hmm?“, dem Knurren nach das Bärchen von sich gibt möchte er nicht wirklich so genannt werden.
„Sie hat sich im Crazy Chicken über Leif lustig gemacht als er vom Bullen gefallen ist. Und jetzt muss Sie uns wohl hierher gefolgt sein, keine Ahnung was sie will.“, raunzt Bärchen recht ungehalten.
„Oh, oh, hat sie das wirklich? Das ist aber gar nicht nett Lady, man lacht nicht wenn jemand vom Bullen fällt!“, ich kann hören das er sich das Lachen schwer verkneifen muss. Wie es wohl erwartet wird ziehe ich reumütig den Kopf ein und spiele die brave die ich meistens bin.
„Es tut mir leid.“, murmele ich fast ehrlich. Erst jetzt bemerke ich die hochgewachsene Gestalt im Hintergrund die uns mit verschränkten Armen schweigend beobachtet.
Ein kleines Grinsen zuckt um seine Lippen, aber seine saphirblauen Augen zeigen deutlich das er das Schauspiel das wir hier gerade abgeben recht amüsant findet. Ein leises Räuspern seinerseits lässt Bärchen und Cookie zusammenzucken.
„Ihr habt die Lage im Griff Jungs oder muss ich zu Eurer Unterstützung eilen?“, seine weiche, dunkle Stimme geht mir durch Mark und Bein.
Am liebsten hätte ich mich an ihm gerieben wie eine rollige Katze. Wer verdammt nochmal ist dieser Kerl, dieses Sextoy auf Beinen, dieses absolut leckere männliche Exemplar? Ich lasse meinen Blick über seine Gestalt gleiten.
Pfuh, er ist groß, sehr groß, gut um die zwei Meter, unter seinem weißen Shirt lassen sich straffe Muskeln erahnen, ein Sixpack zeichnet sich deutlich ab, sein breiter muskulöser Oberkörper verjüngt sich zu einer schmalen Taille mit kräftigen langen Beinen die in einer verwaschenen Jeans stecken. Rabenschwarze Haare umrahmen sein hübsches Gesicht.
„Entschuldige Jake, wir wollten dich nicht stören....“, Bärchen brabbelt hastig, während Cookie sich leise kichernd zurückzieht. Mein Kopf ruckt zu Bärchen, hat er gerade Jake gesagt? Dieses scharfe männliche Wesen dessen Blick deutlich spürbar auf mir ruht ist Jake Lancaster? Ach du schöne Scheiße....mein neuer Boss ist die pure Versuchung und absolut tabu!
„Kein Problem....Bärchen....ich übernehme ab hier.“, Jake`s dunkle Stimme ist angenehm weich, ich kann mir ein Lachen kaum verkneifen, der arme Mac brummt mich leise an und ich habe den Verdacht das ich es noch bereuen werde für seinen neuen Spitznamen verantwortlich zu sein.
Er wirft mir noch einen bösen Blick zu um dann Cookie zu folgen während ich mich allein Jake Lancaster gegenüber sehe.
„Nun Miss Wilson, wollen wir uns in meinem Büro über alles weitere unterhalten?“, schmunzelnd deutet er auf eine offene Tür im Hintergrund und ich folge ihm eilig als er voran geht.